Noch ein Rückblick

Während der Ausstellung letztes Wochenende kamen BesucherInnen mit der Frage auf mich zu:
Gibt es diese Texte auch gedruckt? Oder:
Ich möchte Ihre Gedichte später nochmals lesen. In Ruhe. Sagen Sie es mir, wenn Sie einen Gedichtband herausgegeben haben.

Weil das womöglich nie der Fall sein wird, habe ich heute aus den Fotos und Texten, die ich an der Ausstellung gemacht habe, ein kleines Heft gestaltet, das meine Rauminstallation dokumentieren und auch für jene, die nicht dabei sein konnten, vorstellbar machen soll – wenn auch nicht auf die haptische Art, wie die Installation eigentlich ja gedacht ist.

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Die Sache mit der Inszenierung

Heute vor einer Woche war es. Die Vorratskiste, die ich mit den von mir angefertigten künstlerischen Objekten rund um das Thema was nährt bestücken wollte, stand leer und schön auf dem Teppich, den ich eigens vom Dachboden geholt hatte. Die Objekte und die Schubladen, die ich ebenfalls als Teil der Installation vorgesehen hatte, standen und lagen auf der Bühne und wussten nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollten. Ich auch nicht.

Etwas zu inszenieren, in Szene zu setzen, war mir zum einen fremd und zum andern hatten diese Wörter etwas verwerfliches an sich, sie rochen falsch, schmeckten nach Vorspiegelung falscher Tatsachen und wollten überhaupt nicht zu meiner Idee, eines authentischen Kunstwerkes passen, zu einer Darstellung meiner Ideen. Darstellung? Uff, gleich noch so ein heikles Wort. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen, seufze ich.

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Ein Moment der Verzweiflung, gefolgt irgendwann vom Gedanken: Ich fange einfach mal an.

Tue ich, in dem ich die Objekte nach Verwandtschaften ordnete. Hier die Objekte zum Thema Lebensfreude, Phantasie, Farben, Sinnlichkeit, Musik … Dort die Objekte, die meine Idee von Stille, Leere, Loslassen, Sterben und noch mehr Stille wiedergeben. Daneben die Objekte, die sich mit Liebe, Freundschaft, Erotik und so weiter beschäftigen. Ach, und die Bilder – wohin mit ihnen? Aufhängen – und wenn ja wo? Anlehnen? Wie unbedarft ich doch bin. Muss ich bedarft sein und wenn ja, wie sehr? Ist es nicht genau das, was ich will: nichts in Szene setzen? So grüble ich vor mich hin – teils zufrieden, teil unzufrieden mit dem Ergebnis. Ich will ja nicht einfach dekorieren, ich will etwas erzählen.

QQlka schlägt mir – auf meine Frage hin – vor, die drei Schubladen in immer gleichem Abstand an die Wand zu hängen um den Schubladenstock-Effekt hinzubekommen. Gute Idee! Irgendlink nagelt mir die Schrauben in die Wand. Schrauben nageln? Jepp. Geht. Mit Dübeln sogar.

Langsam wird das Ganze konkret. Aber so richtig richtig fühlt es sich nicht an. Noch nicht. Es ist, wie auf einem schmalen Absatz balancieren und nicht runterfallen. Bloß, dass ich runterfalle. Ständig. Das Gleichgewicht will sich einfach nicht einstellen.

Ich rufe schließlich die beiden Kunstbübchen herbei und will ihre Meinung hören.
Zu unruhig, sagt Ex-Galerist QQkla. Irgendlink nickt nachdenklich.
Genau, ich weiß. Nur, was kann ich tun?, sage ich.
Die Bilder da müssen woanders hängen. An einer Stellwand zum Beispiel.
Oh, Ich habe noch eine, eine schmale!, sagt Irgendlink und holt das Teil.
Gut!, sagt QQlka, und der große Hocker da ist zu groß, da muss ein kleinerer hin. Wie wäre es mit dem roten?
Wir probieren es aus.
Wow, das wird ja immer besser!,
lache ich.
Inszenierung, sagt der Galerist, Inszenierung ist das Zauberwort.
Ich schlucke leer.

Übersicht ohne Stellwand_fB

Übersicht, ohne Stellwand

Später verstehe ich: wir alle sind Inszenierende. Auch dieser Text ist eine Inszenierung. Eine In-Szene-Setzung meiner Gedanken. Auch die Kleiderwahl ist eine Inszenierung, selbst wenn es ganz banal Shirt und Jeans sind, die ich trage.

Wo immer ein spiegelndes Gegenüber in unserm Leben vorkommt, werden wir Inszenierende. Und womöglich selbst ohne den Spiegel …?

Reizwörter verlieren ihren Schrecken, wenn ich sie öffne. Wenn ich mich ihnen öffne.

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… und mich öffnen werde ich auch am nächsten Freitagabend! Einer etwas andern Inszenierung. An einem etwas andern Ort. Am 3. 10. 2014, um 19 Uhr im Schulterblatt 73 in Hamburg lesen die BloggerInnen Andreas Glumm, Candy Bukowski und Sabine Wirsching aus ihren Texten.

Vintage inscription made by old typewriter
Draufklick macht groß!

anders

Ich kann auch anders. Und ich sollte wohl auch mal. Ja wirklich, manchmal würde ich echt gerne anders. Obwohl, man hat ja ein Image. Und das riecht freundlich und schmeckt ehrlich. Und es hat zu Recht eine Note von Sehnsucht und Aufrichtigkeit drin, denn dieses Paar geht schon lebenslang an meiner Seite. Ohne es wäre ich nackter als nackt, nackter als ich schon immer war. Mit weniger Haut dran als die meisten andern. Weniger Schutzhaut.

Vielleicht darum kann ich die Sache mit der Ironie nicht so gut. Vielleicht darum kann ich über Witze nicht lachen, die andere lustig finden und vielleicht darum kann ich über Witze lachen, die andere nicht verstehen. Geschweige denn lustig finden. Vielleicht darum bin ich nicht kuhl. Und vielleicht darum kann ich vieles, was du kannst, nicht, und kann darum Dinge, die du nicht kannst, verstehen.

Verstehen kann ich theoretisch verdammt viel, auch wenn ich über vieles kotzen könnte, was ich zu verstehen ahne. Menschliche Abgründe ohne Weichzeichner … Lassen wir das. Wegschauen. Ja, leider, auch das kann ich. Du auch. Manchmal eben darum. Siehe oben. Weil die Schutzhaut, und so.

Was ich sagen wollte: anders könnte ich auch. Ob ich will, weiß ich nicht. Weil ich nicht weiß, wozu es gut sein sollte, wenn auch ich noch anders. Tun es ja schon genug andere. Und dennoch will auch ich immer wieder mal anders. So anders wie die andern, wie die andern zynischen, wie die andern bittergeworden-ironischen. Gründe haben wir alle genug. Genug zum Anderskönnen, zum Lästern, zum Trauern, zum Sarkasmus. Nur … wozu?

Fragezeichen gibt es schon genug. Zu viele, wenn du mich fragst. Als Gott das Fragezeichen geschißen hatte, wusste sie-er-es weiß Gott noch nicht, was er-es-sie da losgetreten hatte. Und weil sie-es-er nicht wusste, was damit anzustellen sei, fing das Gott an, Fragen zu stellen. Und weil da niemand war, der sie beantworten konnte, erfand es Bäume, Steine, Tiere, Elemente und Menschen. Die Antworten die ihm die Menschen gaben, fand es am lustigsten. Jedes dieser komischen Zweibein-Wesen hatte eine andere, ganz besonders, wenn es sie fragte, wohin sie überhaupt so eifrig unterwegs waren. Und weil alle andere Ziele als alle andern hatten und es überall immer mehr Menschen von überall auf der Welt gab, fingen sie schon bald damit an, besser sein zu wollen als alle andern. Neid und Zank nahmen zu. So haben sie kurzum den Krieg erfunden, diese Wesen, Waffenexporte und so Dinge, um dem ganzen Machthunger einen halbwegs legalen Rahmen zu geben. Bis zum Wort Kriegsrecht mit seiner ganzen Vielschichtigkeit war es nicht mehr weit.

Da bereute das Gott, dass es keinen Punkt geschißen hatte.

Und jetzt gehe ich auch mal aufs Klo. Ich kann auch anders.

Resümée

Netzwerke knüpfen.
Gespräche führen.
Ideen spinnen.
Abhängen.
Die Gäste zum Col-Art-Malen und zum Pappmaché-Schleimen animieren.
Ein feiner intensiver Sonntag war das.

Hier ein paar Eindrücke vom Atelierfest-Sonntag 2014.
(Ähm,  ja, wir haben beide was verkauft. :-) Im Plural.)

Der Tag danach

Gestern … (Impressionen)

Schön wars mit all den Gästen, die gestern unser offenes Atelier besucht haben. Schöne Gespräche. Feine, differenzierte Rückmeldungen. Gemütliches Zusammensitzen.

Am Abend Grillen und schlussendlich – noch zu viert in der Formation von letztem Sonntag – abhängen am Tresen. QQlka als DJ. Eine Reise in die Vergangenheit. Youtubing vom feinsten. Von Dire Straits über Veen zu Rio Reiser hin zu heute, zu Easy October und Konsorten. Herrlich.

10 – 9 – 8 … badouff!

Am Tresen auf dem Rinckenhof. Bin müde. (Da mein Laptop sein Gedächtnis verloren hat, benutze ich vorübergehend einen alten Laptop von QQlka. Klasse. Toll, endlich mal wieder ein Laptop, der läuft. Schneller als mein zehnjähriger und zuverlässiger als der sechsjährige.)

Was bin ich müde. Die Ausstellung ist seit paar Stunden fertig gehängt und aufgebaut. QQlka hat uns geholfen. Hat gesagt, was geht, wie’s besser wäre, was nicht geht und warum. Klasse, so ein Galeristen-Coaching! Bin froh. Froh und müde. Müde und froh.

Nun nur noch einkaufen, Kaffee und so. Dann darf es morgen werden. Und übermorgen. Und Gäste dürfen kommen. Auf den Rinckenhof. Kommt. Wir freuen uns.

Später grillen wir. Und nun: publizieren.

Kein Gummibaum

Rausch? Nein, Klarheit. Fließen, schnell, langsam, ganz bei mir. Was will ich sagen, was kann ich, was führt zu weit? Selten denke ich, was wohl die Betrachtenden sagen. Höchstens: Ob das jemand versteht? Nicht: ist das schön? Sieht das gut aus? Irgendwie habe ich solche Gedanken aus meinem Kopf verbannt. Wie sagt Büne Huber so schön im Zusammenhang mit dem tollen Song vom Gummibaum?

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… dann sei ein Gummibaum.

Wenn ich keine Kunstmalerin bin, bin ich halt eine Objektekreatorin. Eine Ideenfühlerin, eine Ideendenkerin auch und eine Ideenumsetzerin, eine Ideenmutter sozusagen, eine Ideenmaterialisiererin. Ich habe einige meiner lyrischen Texte als Basis für meine Objekte genommen.

Eigentlich, denke ich, ist mein Vorratsschrank, den ich am kommenden Wochenende am Offenen Atelier auf dem Rinckenhof das erste Mal der Öffentlichkeit zeige, eine Art Buch im 3D-Berührformat. Ich habe, anders gesagt, ein paar meiner Texte – ohne Buchrücken vorne und hinten – aus ihrer nur digitalen Form entlassen und sie für die Hände fassbar gemacht. Denn letztlich ist es am allermeisten das, was mich nährt: Ausdruck. Das Thema meiner Rauminstallation – „was nährt“– habe ich beim Schaffen erlebt und verinnerlicht. Meine Gedanken während der Arbeit wanderten zu Gesprächen, zu Freundinnen, zu Erlebnissen hin. Dankbarkeit in den Zellen. Froh hat es mich gemacht, dieses Schaffen, ja, es hat mich genährt.

Keine Ahnung, wie das Ganze rüberkommen wird. Sicher ist es aus künstlerischer Sicht laiinnenhaft, da mach ich mir nichts vor. Dennoch hoffe ich, dass meine Idee rüberkommt. Dass die Inhalte (ein bisschen) Nährwert für die Betrachtenden haben. Dass diese ein bisschen glücklicher gehen als sie kommen. Dass sie ein klein bisschen von diesem Reichtum, den ich in der letzten Zeit sehr bewusst erlebt und genossen habe, verstehen.

Oh, ich denke ja doch an die Betrachtenden? Hm, schon, ja, aber nicht im Sinne von „werden sie es mögen?“ (heißt, „würden sie mich liken, wäre das Werk im Internet zu sehen?“), sondern so: Nährt es? Erreiche ich mein Ziel, so ich denn eins habe? Kann ich die erlebte Leidenschaft teilen? Kommt die Vielschichtigkeit der einzelnen Objekte rüber? (… und nein, nichts muss mit JA! beantwortet werden, schön dennoch, wenn es da und dort ein JA! gibt …)

Bei den Bilderausstellungen in vergangenen Jahren hatte ich solche Gedanken viel weniger. Eine Fotografie ist eine Fotografie. Sie gibt meine Perspektive wieder, sie drückt aus, was ich gesehen und inwiefern ich das Bild gegebenenfalls verändert habe um ihm eine andere Aussage zu geben. Klar, auch sehr persönlich, keine Frage. Und auch Geschmackssache – ebenfalls keine Frage.

Bei der Rauminstallation jedoch eröffne ich mir einen Raum, den ich so noch nicht betreten habe. Ich tue Dinge, die ich so noch nie geschaffen habe. Ich folge inneren Ideen, die ich so noch nie gedacht und gefühlt habe.

Ich habe Neuland betreten und der Boden unter meinen Füssen ist wie Schnee, über den noch niemand gelaufen ist. Gewiss, wenn ich forschen würde, fände ich ähnliches – bestimmt bin ich nicht die erste, die auf eine solche Weise gearbeitet hat, dennoch ist es für mich, als Quasi-Laiin, eben neu. Ich habe keine Vergleiche und das ist gut. Ein bisschen ist es wohl Art brut, dachte ich vorhin, als ich die Kiste mit den neuen Objekten, die in den letzten Tagen auf meinem großen Tisch entstanden sind, packte. Art brut, die rohe Kunst einer Unausgebildeten. Ich folge einzig und allein mir und meinen Gedanken. Meiner Spur. Und dabei prüfe ich laufend, ob das, was ich schaffe, effekthascherisch oder authentisch ist. Beides zusammen geht nicht. Nicht für mich. Nur authentisch zählt. Für mich.

Gut muss nicht schön sein, schön muss nicht gut sein. Und ja, mir geht es weniger um schön und nett als um echt und von innen kommend. Nein, das sage ich nicht als Voraus-Rechtfertigung, falls das Ganze ein Flop wird. Ich versuche dir nur zu erzählen, wie ich gearbeitet habe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ein Flop kann es höchstens für die andern sein, für mich nicht. Ich habe alles erlebt, jedes einzelne Objekt. Und das zählt. Das nährt. Womöglich ist das Ganze eine Biografie in und aus Dingen …

Punkt. Fertig. Aus. Schluss. Publizieren. Und back jetzt endlich die beiden Kuchen, Soso. Und dann pack das Auto. Und dann fahr los. Na los …

Morgen richten wir die Galerie fertig ein. Galerist QQlka ist noch auf dem Rinckenhof. Er wird uns coachen. Klasse! [Jungs, ich freu mich auf euch.]

Und ich freu mich auf Samstag und Sonntag, auf dich und dich und dich.