RSS

Schlagwort-Archive: kluggeschissen

Kundenkopierer

Für einmal war ich richtig froh, gestern auf der Post, dass die Deutschen mit der Gleichberechtigung in der Sprache schludern. Ich hoffe sehr, dass das mit Kundenkopierer beschriftete Ding wirklich nur das tut, was ihm aufgetragen worden ist. Alle Kunden in der Reihe vor mir zu kopieren, ginge ja noch, doch würde der Kopierer auch gleich alle Kundinnen kopieren – puh, nicht auszudenken, da wäre ich ja heute noch dort!

Was habe ich gelernt? Es gibt definitiv mehr Frauen, die Briefe und Pakete verschicken.

 
 

Schlagwörter: , , , ,

unlösbar

Première. So, wie ich jetzt schreibe, habe ich noch nie geschrieben. Auf meinen Knien liegt eine kleine Tastatur in der Größe eines in die Breite gezogenen A5-Blattes. Alles wird möglich. Alles wird einfacher. Alles ist nur noch eine Frage der Zeit und des ErfinderInnengeistes. Wie ich da an dieser neuen Tastatur sitze, wird mir bewusst, dass jedes Ding, das wir besitzen, neue Wünsche gebärt. J. hat seinem neuen iPhone ein paar Geschenke gemacht – zur Vorbereitung auf das nächste Reiseprojekt. Ich bin nur temporäre Nutznießerin. Via Bluetooth sind Tastatur und iPhone verbunden. Mein Laptop defragmentiert derweilen großräumig und ist darum zurzeit nicht benutzbar. So aber ist es eigentlich ganz praktisch. Handlich. Und gemütlich warm, da ich am Ofen sitze. Ich habe mal wieder s’Weggli u de Batze, wie wir Schweizerinnen sagen. Das gibt es also doch. Oder hat nicht alles scheinbar Ideale irgendwo einen Haken? Und wer definiert Perfektion? Der Haken dieser Schreibtechnik hier, am Ofen, ist der, dass ich immer vornüber schauen muss, den Blick aufs kleine iPhone-Display. Macht aber nichts, da meine Schulter, die rechte, weh tut und dies die einzige einigermaßen schmerzfreie Haltung ist.

Die Wohnungssuche beschäftigt mich sehr. Es geht um mein neues Nest. Meine Insel. Meine Höhle. Wo ist es, mein neues Zuhause? Was brauche ich wirklich und was tut mir gut? Luxusprobleme? Existentiell?

Gestern Abend vor dem Ofen sofasophierten J. und ich angeregt. Über Ideale zuerst, dann hin zur Weltlage und mir wurde dabei mehr als bewusst, dass ich eigentlich nicht primär am Sterben von Menschen leide. Ich leide umso mehr am menschenunwürdigen Leben vieler. Am unfairen Mächteverhältnis auf dieser Welt. Am Machtmissbrauch. An der Tatsache, dass nicht die wirklich Wohlwollenden an den Hebeln der Macht sitzen, sondern die mit dem größten Potential an Druckmitteln wie Geld, Angstmacherei und so.

Wir sind unterwegs durch die Zeit, meinte J. recht pragmatisch, das hat es immer gegeben. Es sei aber immerhin doch schon vieles viel besser geworden. Worauf ich erwiderte, dass ich mir da nicht so sicher sei, was das Wort besser betrifft. Sicher haben wir hier im Westen heute mehr Freiheit und mehr Rechte, aber auf wessen Rücken? Ich kann nicht verdrängen, nicht immer jedenfalls, dass wir nur deshalb so reich sind und es so gut haben, weil wir dafür andere ausgebeutet haben. Nicht ich direkt, aber mein Land. Die Schulden- und Zinspolitik ist es, die ganze Nationen ins Sklaventum schickt.
Wir mit unseren Luxusproblemen!,
denk ich und schäme mich, dass ich so wenig belastbar bin.

Wenn ich Tagesschau gucke oder Zeitung lese, identifiziere ich mich immer mit einzelnen Menschen. Ich sehe die Augen der Menschen und leide mit. So sehr, dass mir alles weh tut und ich mich meines Lebens nicht mehr freuen kann. Deshalb meide ich Tagesschau und Zeitung oft. Feige, ja, vielleicht, doch ich will nicht abstumpfen und nicht nicht-mehr-fühlen. Wenn ich doch gelegentlich Medien konsultiere, haut es mich zuweilen fast um. Ich leide jedoch nicht nur mit den einzelnen, da kommt auch das Gefühl von Mitverantwortung oder Mitschuld dazu. Hilflosigkeit, die mich schon oft in Krisen gestürzt hat. Unlösbar – ein Wort, das schwer auf meiner Schulter liegt, wenn ich an die unsäglichen Konflikte auf unserer Welt denke, Fatalistisch seufze ich. Gewissen. Wohlwollendes Leben. Empathie. Wörter tauchen auf.

Wohlwollend sei der Mensch, freundlich und rücksichtsvoll, dachte ich am Sonntagabend auf der Autobahn. Wenn alle so Auto fahren würden wie ich (es zumindest versuche), wäre es friedlicher auf den Straßen, grummle ich vor mich hin. Diese Powergames aber auch! Wozu bloß?
Die meisten verhalten sich nicht absichtlich oder jedenfalls nicht böswillig so mühsam, sagt J, wie wir gestern am Feuer sofasophieren. Hat er wohl recht, aber …

Letztlich geht es bei fast allem um Bewusstsein. Was erkenne ich? Wie reflektiere ich mich in Bezug zu meiner Mitwelt? Auch geht es um die Kompensation von Wunden. Ich nicht, aber du auch. Da bringt uns echt nur Selbsterkenntnis weiter, wohlwollende Reflektion. Ach ja, das wüsste ich alles. Auch wie ich ein richtig guter Mensch sein könnte. Bin ich ja schon, allerdings noch in komprimierter Form. Und mit vielen Wenn und Aber im Rucksack. Bremsklötze.

Fazit: Auch ich bin nicht immer wohlwollend. Auch ich kompensiere. Und bin zuweilen unanständig. Unfreundlich. Ja, alles bin ich auch. Nicht nur alle andern.

 

Schlagwörter: , , , , ,

Lebenskunst

Leben ist wie Kunstunterricht. Sobald du ein paar Grundregeln kennst, kannst du loslegen. Blau und gelb wird grün, zum Beispiel. Eine einfache Gleichung, die in der Praxis unzählige Variationen ermöglicht. Ebenso wie gelb und rot oder blau und rot.

Die Mischregeln und ein paar andere Theorien zu Material und Bildkonzeption zu kennen, macht aber noch kein berührendes Bild. Erst dank Ideen, Fantasie, Schaffensfreude, Hingabe, Übung und Können sowie Freund Zufall gelingt ein (Lebens-)Werk.

Wie im richtigen Leben eigentlich.

 
4 Comments

Geschrieben von - 29. Oktober 2011 in alleTexte, kluggeschissen, laut gedacht

 

Schlagwörter: , ,

Mathe und so

Leben ist wie Mathe. Manchmal muss ich grübeln, manchmal reicht das große Einmaleins, ganz selten das kleine. Zuweilen muss ich Klammern auflösen, dann wieder muss ich welche setzen. Wenn ich die Punkt-vor-Strich-Regel kenne, bin ich auf der richtigen Seite, wie es so schön heißt, und wenn ich daran denke, dass sich Minus und Minus aufheben, ist schon fast alles gut.

Und dann muss ich nur noch richtig addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren. Richtig? Wer hat eigentlich alle diese Regeln gemacht?

 
Kommentare deaktiviert

Geschrieben von - 28. Oktober 2011 in alleTexte, kluggeschissen, laut gedacht

 

Schlagwörter: , ,

Reiseerkenntnisse

Irgendwie wäre es richtig toll, wenn ich immer einen Rechtschreibe-Duden dabei hätte, sagte ich letzten Montag auf der Fahrt in die Schweiz. Irgendlink saß am Steuer und konzentrierte sich auf die Straße. Ich hätte immer etwas zu lesen, weißt du, erklärte ich. Alles da. Jedes Wort.
Alle Bücher deutscher Sprache bestehen einzig aus seinem gewichtigen Inhalt,
sagte J.
Weißt du was? Ich könnte eigentlich mithilfe des Rechtschreibe-Dudens meine nächste Geschichte schreiben.
Du hast etwas vergessen,
sagte J.. Da gibt es nämlich ein Problem, ein großes sogar: das Copyright! Du weißt doch, dass Abschreiben verboten ist!

******

Was meinst du, fragte ich später, sind meine orthopädische Einlagen wohl eher Brillen oder eher Zahnspange für meine Füße?
Keine Ahnung,
sagte J., der auf seinem iPhone Bilder bearbeitete, während ich uns durch die Landschaft Richtung Winterthur lenkte.
Wenn ich es mir so überlege … eigentlich ist jeder Mensch irgendwie Brille oder Zahnspange für seine Mitmenschen, sofasophierte ich weiter.
Oder eine Dialyse, meinte mein Liebster.
Wie wäre es mit einem Herzschrittmacher?, sagte ich.
Noch besser: ein Nierentransplantat!, sagte er.
Wir sitzen eben alle im gleichen Boot, pardon, im gleichen Auto … :-)

 
Kommentare deaktiviert

Geschrieben von - 10. Oktober 2011 in alleTexte, kluggeschissen, Satirchen, Sofasophien

 

Schlagwörter: , , ,

besser leben

Ich könnte besser leben, habe ich heute beim Lesen des eben erschienenen Spuren-Heftes Nr. 101 gedacht. Besser. Gesünder. Sinnvoller.

Wozu ich überhaupt lebe, frage ich mich nicht zum ersten Mal, wie ich da so im Wartezimmer des Orthopäden B. eine Antwort auf meine ständigen Fußschmerzen erhoffe. Lebe ich womöglich, um den anderen, die neben und mit mir unterwegs sind, ein paar Tipps zu geben? Tipps zum Beispiel, wie leben nicht funktionieren kann, denn da kenne ich ziemlich viele. Oder hilfreiche Tipps, wie A. sie zuweilen aus dem Rucksack zaubert. Immerhin hat sie mir geraten hat, hierher, zu genau diesem Orthopäden hier, zu gehen. Gut geraten. Was für eine schöne Praxis! Richtig angenehm, hell, luftig.

Besser und sinnvoller leben – wie das wohl geht?, sinniere ich, mir mit Schreiben die Wartezeit verkürzend. Oder will ich lieber erfolgreich leben? Was ist Erfolg überhaupt? Noch steckt mir das mulmige Gefühl in den Knochen, das ich heute Nachmittag, beim Lesen des Spiegel-Interviews mit Frau Chua hatte, der umstrittenen US-Chinesin, die ihre zwei Töchter zum Erfolg gedrillt hat. Über ihre fragwürdigen Ansichten zu Erziehung und Weltbild wurde schon viel geschrieben und geredet. Ich fokussiere darum nur einen kleinen Bereich des ganzen Themenkreises: Macht Erfolg glücklich? Und schon taucht sie wieder auf, die große Frage: was ist Erfolg überhaupt? Kann Erfolg auch das Gelingen von Herzensdingen meinen? JA, unbedingt. Gibt es eine allgemein gültige Definition? NEIN. Ist Glück gar eines der vielen Synonyme von Erfolg? …???

Besser leben … eigentlich ist aus meiner Perspektive ein besseres Leben primär an bewusstes, klares, absichtsvolles Sein, Lassen und Tun gekoppelt. An nährende Begegnungen. An Austausch. An Kreisläufe. Geben und nehmen, lernen, lehren, beobachten, wahrnehmen, be- und verarbeiten, ausdrücken.

Der Nussbaum macht es mir vor. Der Fluss auch, der See, das Meer. Kommen und gehen. Winziger Augenblick, bevor die Welle bricht. Winzige Stagnation, bevor alles von neuem anfängt. Der Punkt sei mehrdimensional, sagte gestern St., J.s Freund und Besucher aus Paris. Neueste Erkenntnis. Und bald werden wir die bis dahin unglaubliche vierte, fünfte, zehnte Dimension entschlüsselt haben. Verstehen kommt wohl erst später. Oder nie. Intuition wird ein Name einer dieser noch ungezähmten Dimensionen sein.

Wäre es gar besser, nicht zu verstehen oder machen uns Erklärungen glücklich? Macht Wissen glücklich? Zu wissen, was meinen Füßen fehlt und dass mir Einlagen beim besseren Leben und Gehen helfen werden, ist doch schon ein erster Schritt. Der ja, so die Volksweisheit, der Anfang jeder Reise ist. Auch jener durchs Leben.

 
3 Comments

Geschrieben von - 26. September 2011 in alleTexte, Herzgespinst, kluggeschissen, laut gedacht

 

Schlagwörter: , , ,

Ich will mal wieder Hesse lesen

Er: Hesse war Hesse.
Sie: Nein, Hesse war Schweizer.*
Er: Und Schweitzer war Schweizer? **
Sie: Goethe war Hesse?
Er: Nein, Goethe war Goethe.
Sie: Und Hesse war Hesse.
Er: Sag ich doch …

(Text by Irgendlink and Sofasophia/Soso)

______________________________________________________________

* nicht ganz. Er ist im Schwarzwald aufgewachsen … (mehr …)

** auch nicht wirklich, leider. (mehr …)

 
2 Comments

Geschrieben von - 20. September 2011 in alleTexte, kluggeschissen, laut gedacht

 

Schlagwörter: , ,

Wespen und so

Wie hat Inox Kapell uns auf seinen beiden äußerst inspirierenden Insektenführungen samstags und sonntags erzählt? Wespen ließen sich mit Kupfer vertreiben.

Montagmorgen auf der Südterrasse. Liveexperiment. Wir sitzen beim Frühstück. T. fotografiert und dokumentiert, wie die Wespe sich ohne zu zögern auf das Marmeladenbrot neben den Kupfermünzen setzt. Entgegen Inox‘ Aussage.

Du glaubst bloß zu wenig daran, sage ich augenzwinkernd aus der wespenfreien Zone, wo zwei kleine Kupferröhrchen vor unseren Frühstückstellern liegen.

——-

Addition

Wespe hasst Kupfer.
Wespe liebt Marmelade.
Wespe zögert, kurz, Kupfer plus Marmelade zu mögen.
Wespe setzt sich auf Kupfer plus Marmelade und lässt es sich dort gut gehen.

Nein, das ist keine Fabel, sie hat keine Moral. Ebensowenig wie die Wespe.

 
2 Comments

Geschrieben von - 5. September 2011 in alleTexte, kluggeschissen, Satirchen, Sofasophien

 

Schlagwörter: , , ,

gedacht

Eine Mücke macht noch keinen Elefanten!, zu J. gesagt, neulich. Dabei an Schwalben und den Sommer gedacht.

Gestern, als ich einen meiner zahlreichen Mückenstiche kratzte, darüber sofasophiert, dass Elefanten eigentlich viel netter sind als Mücken. Immerhin stechen sie nicht. Macht also keine Mücken aus Elefanten, bitte!

 
1 Comment

Geschrieben von - 25. August 2011 in alleTexte, kluggeschissen, Post-It, Sofasophien

 

Schlagwörter: , , ,

Keine Ahnung

Wir können nicht kein Befinden haben, doch sehr wohl keine Meinung. Deshalb ist es immer noch besser und mutiger, zu seiner Feigheit zu stehen, keine Meinung zu haben, als zwar eine Meinung zu vertreten, diese aber in der Realität nicht zu leben.

*************************

Ich muss wohl ein Schlagwort namens kluggeschissen einführen, hm, bloß …, da hab ich leider keine Meinung dazu. Und du? Wie fändest du das?

 
2 Comments

Geschrieben von - 20. Juni 2011 in alleTexte, kluggeschissen, laut gedacht

 

Schlagwörter: , ,

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.