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Schlagwort-Archive: Sofalyrik

Jetzt

Beschenkt und erfüllt oder befreit und ausgeleert. Nennt sich Fülle und Leere.
Ausgesogen und beraubt oder vollgestopft und überhäuft. Nennt sich Leere und Fülle. Dito.
Wir bewerten Gegenteiliges. Mitte auch, und Gleichgewicht. Gerechtigkeit.
Wir beurteilen Extreme, Kontraste, Berührungen, Abstoßendes.
Ist nicht eins nur ohne das andere und die Summe aller Zahlen null?
Alles. Nichts.
Illusion nur.
Was war. Was sein wird.
Gegenwart als Punkt auf meiner schiefen
Gerade. Ist der Kreuzpunkt. Wie
jeder Punkt ein Kreuzpunkt jeden Lebens
sei. Und null. Immer nur null. Und Jetzt. Ist. Wirklich. Ist. Ganz.

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Quelle: Privates Archiv. Orignial aus dem Jahre 1998, nachbearbeitet und gekürzt.

 
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Geschrieben von - 30. April 2012 in alleTexte, Sofalyrik

 

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November – reloaded #1

Taubnesseltee getrunken
am Morgen, der Mittag war,
Bitterkeit gedacht, dabei Tränen
weggewischt, erfolgreich. Gedanken
weggewischt, erfolglos.
Gedanken wie diesen: Was
mach ich hier? Überhaupt.
Life Is Just A Big Wheel.
Geschrieben und Musik getrunken.
Bitter. Süß.
Wozu?,
gedacht und
mit J. telefoniert,
mittendrin
gespürt, dass es andere
Sichten
gäbe.
Gäbe. Spam
in der Mailbox.
Bierflaschenberge
entsorgt und eingekauft. Neues
Zeug, das gegessen werden wird, im Kreis
gehen, immer? Jetzt?
Auf der Spirale gehen.
Immer weiter, egal wohin.
Novemberblues. Auf dem Balkon die
verdorrten Sommerblumen
geschnitten und die
Rose gefragt,
wie sie überwintern will
Und ob. Oder sterben als
Option. Bin ich
winterhart? Mein
Leben? Meine Liebe? Mich
stechen lassen von ihr, der Rose. Das
Blut ablecken und ihre dürren Blätter
einsammeln. Kompost.
Im Kreis
denken. Endlos tief
seufzen.

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gebloggt am 20.11.2009,
reanimiert am 18.11.2011

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Ein paar Antworten hab ich gefunden seither und ein paar dürre Blätter kompostiert. Im Kreis gehe ich noch immer ab und zu. Häufiger jedoch auf der Spirale. Sichten, ja, die gibt es immer so und anders. Immer. Abrufbar für jene, die es wagen. Und zur süßen Bitterkeit – oder war es bittere Süße? – ist mehr herbe Säure und mehr Salz, ein Quäntchen zumindest, dazu gekommen. Mehr Tiefe auch und mehr Höhe. Mehr Weite und mehr Liebe. Mehr Lachen auf jeden Fall.

Und ja, die Rose hat jenen Winter überlebt. Den Winter danach allerdings nicht. Sie ist zu Kompost geworden, wie alle und alles eines Tages.

 
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Geschrieben von - 18. November 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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Fenster öffnen

Schichten sichten,
Geschichten verdichten,
wie viel, wie wenig, wie sehr
du warst und
wie wenig, wie viel, wie schwer
du nicht warst.

Und bist.
Alles eigentlich. Zeitlos, flüchtig.
Immer da, nicht mehr hier zwar,
da und dort
fransen rote Fadenfetzen aus,
verstehen wir Spuren, Orte, Wege, die du gegangen bist
Entfernungen werden klein,
wenn der Tod die Türe schließt
und die Fenster aufreißt.

Für meine Tante M., die auf die andere Seite gewandert ist.

 
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Geschrieben von - 5. November 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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Haltebucht

Anhalten und aussteigen. Dem Weg folgen, ein wenig, ihn
verlassen. Eigene Wege gehen. Über Felder. Brach
liegen sie da. Erholen sich von der Ernte. Über
Wiesen gehe ich nun. Sonnenwarmes
Gras. Im Windschatten des
Maisfeldes lege ich mich
hin. Lasse mich fallen und meine Augen über
den Himmel spazieren. Tanke blau. Und grün. Die
Augendeckel werden schwer. Ich versinke tief in
die Arme von Mutter Erde. Geborgen. Getragen. Gestärkt
wache ich irgendwann wieder auf. Zurück aus der
Zeitlosigkeit, wo Vögel sich
austauschen, Selbstgespräche führen
vielleicht. Ganz weit weg das
Rauschen von Autos. Ich stehe auf. Füße
auf unebenem Boden
seufzen wohlig. Glück jetzt. Und jetzt. Jetzt auch.

Einsteigen. Nach Hause fahren. Zuhause ist überall
da, wo ich sein kann, die ich bin.

 
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Geschrieben von - 23. September 2011 in alleTexte, Augenblicke, Herzgespinst, laut gedacht, Sofalyrik

 

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schweigen

Wenn der eine Tag Hoffen, der
nächste Bangen ist, und wieder Hoffen. Und
so weiter. Und sich Umstände stündlich
wandeln wie das Wetter und nur wirklich
wirklich
ist, was ist. Jetzt. Und
wenn alte Krusten ab-
fallen und Wunden von Neuem
bluten, die verheilt
gedacht. Wenn
Erinnerungen schmerzen und
der Konjunktiv mit dem Zepter
wedelt.

-

Gibt es etwas besseres, wert-
vollerers, kostbareres als
einen Lieblingsmenschen an der Seite, der
wie ein Baum,
wie eine warme Decke in einer kalten Nacht,
wie eine kühle Hand auf der Fieberstirn,
wie eine nie endende Umarmung,
einfach voll Liebe mit dir ist?
Und Freundinnen.
Freunde auch.
Und Dankbarkeit.

Für J.

++++++++++++++++++++++

(In Erinnerung an Lars und seinen Todestag am 12. Juli 2003)

 
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Geschrieben von - 12. Juli 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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Auf dem Weg

Träume, die wahr
werden. Immer
wieder.
Wahrheiten, die
mich ins Traumland begleiten. Zum
Glück?
Und auch Träume, die bleiben, was sie sind – vielleicht – und
solche Wahrheiten, die
wahrhaftig sind. Die
wirken und nachhallen.
Weh können sie tun, die einen. Andere
machen uns frei. Ein wenig oder mehr. Hinschauen
und zulassen sind meine Werkzeuge, das
Leben auszuhalten.

 
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Geschrieben von - 8. Juli 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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innen und außen

Im Zimmer oder im Regen. An der Sonne sogar.
Immer im Flur irgendwie, immer ein
Luftzug, der durch mein Leben fegt …

… nicht mehr – noch nicht …
Neuanfänge immer wieder

Wie und woher blicke ich
in die Welt? Und wohin? Wozu?
Was wirkt und was wirke ich?

Wie anders ist, was ich sehe, wenn ich
von innen als wenn ich von außen schaue?

Wo prallen Vorurteile an mir ab? Wo bleiben
sie schwer an mir hängen ?

Gefangene der Konsequenzen meiner freiwilligen
Entscheidungen bin ich.
Bist du. Sind wir.

 
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Geschrieben von - 23. Juni 2011 in alleTexte, laut gedacht, Sofalyrik

 

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blühen zum Beispiel

tulpenzwiebel

ganz erfüllt
mit allem
was du brauchst
alles da
in der erde
ruhend
ganz
bei dir
im frühling
brichst du aus
wer bist du
was über
oder
was unter
der erde
ist
beides
so verschieden
innen
außen
scheinbar
gegensätze
das alles
bist
du
ganz

Das hab ich vor zwölf Jahren geschrieben. Ein Wörter-Bild, das mir heute Morgen eingefallen ist. Es ist irgendwo aus einem Ordner in meinem inneren Ablagesystem gefallen und bei seiner Wanderung durch meine Hirnwindungen in einem meiner vielen Filter hängen geblieben. Zum Glück wird alles gefiltert. Filter ist eh alles. Und nichts. Auf der materiellen Festplatte war es schnell gefunden, das alte Ding. Ich würde dieses Poem heute wohl anders schreiben. Stetige Wandlung unseres Weltverständnisses. Unseres Geschmacks. Unserer Wahrnehmung und Auswertung. Dazu all die Inspirationen und Inputs von außen. Entwicklung. Wandlung.

Zum Glück gelingt mir abgucken und nachahmen immer nur kurz.

Beim Tanzen, zum Beispiel, spüre ich, wenn ich mich kurz umschaue, hin und wieder den Impuls, eine Bewegung aufzunehmen, die ich bei anderen sehe. Manchmal ist das störend, weil ich aus meiner eigenen Körperwahrnehmung falle. Manchmal jedoch passt es genau da hin, wo ich jetzt bin. Und wie. Ich nehme die Bewegung kurz auf, integriere sie und schon ist sie wieder vorbei und ich tanze wieder mein eigenes Muster.

Beim Malen bestaune ich womöglich bei anderen deren Pinselstrich, die Formgebung, den Umgang mit verschiedenen Themen, Materialien oder Stilmitteln. Ich habe anschließend Lust, auszuprobieren, ob das bei mir auch geht. Geht vielleicht sogar wirklich. Es ist und bleibt aber immer nur ein Impuls. Mehr nicht. Eine Inspiration, eine kurze.

Beim Fotografieren staune ich oft über die Bilder anderer. Wie er das wohl gemacht hat? Wie hat er es belichtet? Wie bearbeitet? Oder: Ihr Bild berührt mich so, dass ich Gänsehaut kriege, ich will das auch können. Und natürlich probiere ich aus.

Doch so wie ich mein Ding mache, kann das niemand. Ob gut oder schlecht: alle machen wir unser Ding so, wie nur wir es können. Handschriften kann niemand dauerhaft fälschen. Zum Glück auch nicht. Ob ich Kunst nenne, was ich kreiere, ist zweitrangig. Definitionen sind letztlich Schall und Rauch. Hauptsache, ich tue, was ich kann. Hauptsache, ich setze um, was in mir drin steckt.

Der Tulpenzwiebel ist es ziemlich egal, ob sie hier oder in der Schweiz in die Erde gesteckt wird. Hauptsache Erde, Licht und Wasser. Und Luft auch. So einfach. Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander – mehr oder weniger Wasser zum Beispiel – macht, dass sie tiefer wächst oder weniger lang blüht.

Frühere Texte, frühere Bilder von mir sind mir zuweilen beinahe peinlich. Nein, die Tulpenzwiebel nicht, die ist soweit okay. Doch bei anderen dachte ich auch schon: Was? So schlecht habe ich früher geschrieben? So banal? So viele Füllwörter?

In zehn Jahren denke ich vielleicht, falls ich diesen Text hier in die Finger bekomme: Wie ich damals bloß geschrieben habe? So fad. So … (Wörter einfüllen erlaubt).

:-)

 
 

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Ein Ei #2

Und würde es eines Tages
schlüpfen, das Küken, aus
dem Ei, dem braunen – oder
weißen von mir aus –, könnte es
später
selbst neue Eier legen. Wenn
wir es nicht vorher kaputt-
machen und essen,
das Ei, wäre es denn
gebrütet worden.

 
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Geschrieben von - 5. Mai 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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Ein Ei #1

Die Idee wäre das Ei. Der
Anfang von allem. Außen
herum die Schale, weiß.
Oder braun. Sie
wäre ein guter Schutz für
meine Idee. Wäre
ich das Huhn wohlgemerkt. Ein
zerbrechlicher. Doch
besser als keiner.

 
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Geschrieben von - 5. Mai 2011 in alleTexte, Sofalyrik

 

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