Warum ich den Frühling liebe

Jeden Frühling begeistere ich mich von Neuem
für das Leben
für die Natur
für das Lied der Vögel und Bäume
für das Gegacker der Hühner
für den Boden unter meinen Füßen …

Gestern in Walschbronn/Frankreich unterwegs …

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Appspressionismus: Bilder auf dem iPhone kreiert und mit DigiCam verkleinert und wassergezeichnet.

satzzeichnen

Ich bin gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich einen bitterbösen Artikel über Satzzeichen und Leerschläge schreiben soll will. Ich meine, was soll das bringen? Jene, denen richtige Rechtschreibung wichtig ist, praktizieren sie eh schon mehr oder weniger (von Tippfehlern mal abgesehen) und die andern werden meinen Artikel sowieso ignorieren oder belächeln. Wie neulich auf fb. Da war eins dieser ach-so-weisen Textbilder, das sie darüber mokiert hat, dass sich gewisse Menschen gerne über Genitiv-Apostrophe auslassen um sich als gebildete Menschen zu profilieren. Okay, was immer jemandes Motivation für Kritik ist, sei dahingestellt. Und die Sache mit den Genitiv-Apostrophen lassen wir mal. Die habe ich früher schon diskutiert und ehrlich gesagt habe ich diesen Windmühlenkampf längst aufgegeben. Schreibt doch eure Apostrophe, wo immer sie nicht hingehören (bei Peter’s Salon und bei LKW’s und wo immer ihr wollt. Mir doch egal), aber nehmt bitte um Dudenswillen wenigstens den richtigen Apostroph (‘) und nicht einen armen unschuldigen Akzent (`oder ´). Bitte!

Womit wir schon beim nächsten Thema wären: die richtigen Akzente benützen. Sie sollten eigentlich heute – im Zeitalter freier digitaler Wörterbücher – auch in Unkenntnis einer Sprache nicht mehr Glückssache sein. Eigentlich. Denn wenn du nicht sicher bist, kannst du ja einfach Online-Leo, Google-Translater und Konsorten fragen. Die wissen es nämlich, auch wenn sie im Übersetzen ganzer Satzkonstrukte immer mal wieder ziemlich komisch sind.

Was ich sagen will: Für (fast) alles, was wir im Reich der Rechtschreibung NICHT selbst wissen, gibt es eine Antwort auf Duden oder auf Wikipedia. Sogar für die richtigen Satzzeichen. Und für Leerzeichen ebenfalls. In letzter Zeit entdecke ich die Sache mit den zu-vielen Leerschlägen immer häufiger. Als habe sich die englische Praxis nun (nach dem vermaledeiten Genitiv-S) auch die Unterwanderung der deutschen Leerschlag-Praxis vorgenommen. Vor und nach einem Slash/Schrägstrich kommt in der deutschen Sprachgebrauch nämlich kein Leerschlag, ebensowenig hat es nach einer Öffnungsklammer einen Leerschlag und ganz sicher nicht vor einem Punkt, Komma, Fragezeichen oder Ausrufezeichen. Nein. Weil Duden es so sagt. Natürlich kann man sich fragen, wozu Rechtschreibung überhaupt dient. Klar. Und warum Duden das Maß aller Dinge sein soll. Darf. Muss. Fragst du dich auch, warum du bei Rot nicht über die Straße solltest? Eben …

Damit wären wir nun bei der Sache mit der Freiheit. Natürlich kannst du schreiben wie du willst. Ich zum Beispiel schreibe in eher persönlichen Texten wie Mails und Blogkommentaren fast immer rein klein, wobei ich alle andern Rechtschreiberegeln beachte. Weil ich meine schnellen Gedanken so nackt und frei ins Netz werfen will, wie sie mir durch den Kopf gehen. Oft schreibe ich dabei eben so schnell, dass ich keine Zeit für die Großstelltaste habe.

Schreibe ich aber einen Text, mit dem ich vor mir oder andern Gedanken ausbreiten oder eine Geschichte erzählen will, einen Text also, der meine Ansprüche an einen guten Text erfüllen soll und/oder mit dem ich mich an ein Publikum wenden will, habe ich das innere Bedürfnis, damit ein gewisses ästhetisches Verlangen in mir zu nähren. Sprach- und Textharmonie sowie Sprachkomposition hängen bei mir mit möglichst richtig angewandter Rechtschreibung zusammen. Man mag das (oder gar mich?) kleingeistig nennen und Rechtschreibung als unkreativ verteufeln, doch dann übersieht man etwas für mich sehr Wesentliches: Ähnlich wie eine Kunstmalerin die Regeln der Farbenlehre intuitiv verinnerlicht hat, gelten für mich auch in der Sprache gewisse Gesetze – eben die „Gesetze der richtigen Schreibung“ – als Leitplanken, innerhalb derer ich mich umso freier tummeln kann, den Verkehrsregeln, wie gesagt, nicht unähnlich. In diesem meinem Sprachuniversum – meinem Sprachaquarium sozusagen – können bei mir alle möglichen bunten Fische schwimmen. Da hat es auch Platz für sprachliche Neuschöpfungen und andere übermütige Satzkonstruktionen und schrille Inhalte. Nur zu!

Leitplanken sind nicht mehr und nicht weniger als Leitplanken. Will ich möglichst genau verstanden werden, ist es an mir, mich möglichst verständlich auszudrücken und meine Leserinnen und Leser nicht noch mit seltsamer Interpunktion und sonstigem pseudokreativem Zugemüse interpunkuteller oder rechtschreiberischer Art zu verwirren. Ich brauche meine kreative Energie lieber für Inhalte als für neo-originelle Zeichensetzung.

NACHTRAG: In diesem Artikel über den Sinn der Rechtschreibung kritisiere ich keineswegs Menschen mit einer Rechtschreibeschwäche. Ich kritisiere auch nicht Menschen, die mit der Sprache kreativ arbeiten.

Back to topic: Leerschläge sind wichtig, keine Frage! Sie sind die Pausen im Satz, die Auftakte vor jedem neuen Wort. Sie sind in Geschichten ebenso wichtig wie in Melodien. Sie trennen, was nicht ein einziges Wort sein soll und fehlen dort, wo etwas zusammengehört. Sie geben der Sprache Rhythmus und Luft, sie sind das Atemholen in der Sprache.

Ebefalls ganz luftig sind die Gedankenstriche (Halbgeviertstriche), die länger sind als die kurzen Bindestriche (Details kennt Wikipedia). Richtig, meine geliebten Gedankenstriche sind von je einem Leerschlag flankiert und stellen eine Aussage frei, die als Ergänzung des restlichen Satzinhaltes zu verstehen ist. Diese Ergänzung könnte eigentlich genauso gut nicht da stehen, denn der Satz geht nachher so weiter wie er davor aufgehört hat. Wie bei Klammern. Und doch ist der Inhalt nicht unwesentlich, enthält er doch oft einen kleinen Blick hinter den Vorhang … Er ist das Flüstern im Satz, der Zwischenraum.

Sprache ist für mich so viel mehr als die Aneinanderreihung von Buchstaben, Wörtern, Zeichen, Sätzen und Abschnitten zu Artikeln oder Geschichten. Meine Beziehung zu Sprache ist eine Art Liebesgeschichte. Ich liebe Wörter. Und ich liebe den Raum zwischen den Zeilen. Ich liebe die Luft, die Wörter dann aufwirbeln, wenn sie etwas Wesentliches sagen oder etwas noch Verborgenes ist mir aufwecken. Ich liebe die Abenteuerreise, auf die mich Wörter mitnehmen, wenn ich ihnen genau und mit dem Herzen zuhöre. Ach, ich könnte euch noch so viel erzählen über die Feinheiten der Sprache. Doch wen interessiert das schon?

Nein, bitterböse ist mein Text nun wirklich nicht geworden. Doch vielleicht macht er ein bisschen Mut, sich auf die Welt hinter den Wörtern einzulassen und die Rechtschreibung als das anzusehen, was sie ist: als Hilfe für eine möglichst missverständliche Verständigung.

Essenz einköcheln

Die Zahl fünf spricht von Quintessenz, sagt Luisa. Und sagt auch die Erfahrung. Die Fünf ist mir in den letzten Tagen immer wieder über den Weg gelaufen. Sie hat sich mir von hinten genähert und genüsslich auf meinen Schoß gesetzt. Sie spricht davon, dass ich meine eigene Gebieterin sein soll, über mein Leben gebieten, zulassen, was sich wandeln will. Kreieren, was ich leben will, mutig umdenken, mutig loslassen.

Zwei wunderbare, zwei fast schlaflose, zwei intensive Tage mit zwanzig wunderbaren Frauen in einem Seminarhaus im Appenzellischen liegen hinter mir.

Und nun liegen da ein paar altneue Samen behaglich in meinem Herzen. Sie werden spriessen, da bin ich sicher.

Einer davon ist mir heute beim gemeinsamen Yoga, das Luisa Francia genüsslich angeleitet hat, zugefallen:
Jede Spannung braucht zum Ausgleich Entspannung.

Körperliche Entspannung gleicht dem virtuellen Zwischenspeichern von Dateien, denke ich weiter. Gleichgewicht gibt es nur, wenn ich alle meine Seiten nähre, meine materiellen und meine spirituellen. Die sicht- und die unsichtbaren.

Am Wasserfall gestern habe ich losgelassen, was nicht mehr in mein Leben gehört. Was für ein starkes Ritual das war!

Und nun kommt der Alltag und mit ihm das Gießen der Samen, das Einköcheln meiner Erkenntnisse, das Vertiefen und Verwandeln …

wasserfall

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Appspressionismus: Bild von auf dem iPhone kreiert und mit Gimp nachbearbeitet.

Punkt, Punkt, Punkt …

Mal einen Artikel über Satzzeichen schreiben, will ich … über Lücken und Löcher, über Leerschläge und Pausen. Wo sie hingehören und wo nicht. Wer das sagt (Duden) und was davon zu halten ist. Was Sprache mit Freiheit zu tun hat. Zum Beispiel der Freiheit, Duden zu ignorieren , die natürlich jeder und jede hat. Und in meinem Text sollte auch stehen, warum Rechtschreibung so schlecht gar nicht ist. Und warum gewissen Regeln, zum Beispiel in der Rechtschreibung, sinnvoll sind. Denn Kommunikation ist ja eh schon schwierig genug …

Aber eigentlich läuft mir die Zeit davon. In einer Viertelstunde will ich den Laptop zuklappen, ein paar letzte Dinge erledigen, meine Tasche ins Auto tragen, zur Tankstelle fahren und dann Richtung Ostschweiz fahren, wo ich bis Sonntagnachmittag mit Frauen zusammen sein werde. Trommeln, tanzen, singen, Rituale feiern. Ich freue mich, Luisa Francia mal wiederzusehen, die ich vor bald achtzehn Jahren an einem ähnlichen Wochenende in Walenstadtberg kennengelernt habe. Eine Begegnung mit Folgen, der noch viele ähnliche gefolgt sind. Worüber ich sehr froh bin. Walenstadtberg, tja, lang ist’s her.

Apropos Berge: Wie war das gleich?
Ich komme mal wieder kaum nach, alles, was auf meinen Listen steht zu erledigen, sagte ich gestern am Telefon zum Liebsten. Vieles bleibt liegen. Mails vor allem. Oder der Haushalt. Dafür werden die Schlangen, die Berge immer größer und ich scheue mich mit jedem Mal mehr, sie abzutragen. So, genau so, sage ich, so sind die Alpen entstanden. Irgendwann kamen wir einfach nicht mehr nach, alle Listen abzuarbeiten. Es gab zuerst Fältchen, dann Falten, dann Hügel und schließlich Berge! Jetzt kennst du die Wahrheit über uns Schweizerinnen und Schweizer!
Irgendlink grinst. Aber, sagt er, eigentlich waren es die Italiener und Italienerinnen, die haben euch alles rübergeschoben. Und wir Deutschen auch, und erst die drüben in Frankreich. Ihr könnt also gaaaar nichts dafür.

Ich schweife ab … Nein, so wird das nichts mit meinem bitterbösen Artikel über Leerschläge und Lücken.

Es lebe die Prokrastination. Und jetzt muss ich los …

In einem Zug gelesen #11 – Zwei Schweizer Krimiautorinnen

Diesmal stelle ich zwei Schweizer Krimiautorinnen und je eins ihrer Bücher vor, wobei das mit der Schweiz in beiden Fällen eher international zu verstehen ist.

Die eine, Ina Haller, lebt zwar schon ganz lange in der Schweiz, ist aber in Deutschland geboren, die andere, Zoé Jenny, ist zwar Schweizerin, hat aber schon in verschiedenen Ländern – zuletzt in England – gelebt.

Ob das Land, das uns geprägt hat, auch unsern Schreibstil prägt, ist eine Frage, über die nachzudenken sich gewiss lohnt. Wir sehen die Welt ja immer irgendwie durch den Filter unserer kulturellen und geografischen Prägungen und Erfahrungen. Deshalb mag ich vielleicht besonders Bücher, die in Ländern spielen, die ich kenne, mag oder die ich gerne bereisen würde. Skandinavische, französische, schottische und Schweizer Krimis lese ich definitiv am häufigsten.

Ina Hallers neues Buch Gift im Aargau knüpft am Vorgängerbuch (Tod im Aargau) an. Die Hauptfigur Andrina, Lektorin und inzwischen mit dem Kripobeamten Marco liiert, erlebt auch im zweiten Roman, der – wie der erste – in Aarau und Umgebung spielt, sehr spannende Mordermittlungen covergiftimaargauaus nächster Nähe mit. Diesmal gehört sie sogar zum Kreis der Verdächtigen, als es den Mord an einer ihrer Freundinnen aufzuklären gilt. Ihre stilistischen Schwächen macht Haller, studierte Geologin, mit ihrer originell und stringent erzählten Geschichte schnell wett.  Die Autorin verfügt nicht nur über das notwendige Hintergrundwissen zur höchst spannenden Materie der Giftmüllentsorgung, sondern verknüpft ihre Kenntnisse auch gleich zu einer höchst aufregenden Geschichte über Freundschaft und Vertrauen. Ein überzeugender Plot, der ganz nebenbei auch meine romantische Seele berührt.

Bei Zoé Jennys Das zerbrochenen Fenster beobachten wir Pippa auf der Suche nach ihrem verschollenen Liebhaber Sean, dem ihre stinkreiche Familie, von der sie sich distanziert hat, keine Träne nachweint. Ihre Suche, die sie im Tagebuch akribisch nachzeichnet, wird schon bald recht krankhaft und es zeichnet sich bald ab, dass mehr hinter Seans Verschwinden steckt als gedacht. dzf_titel_small Parallel zu Pippas Tagebuchauszügen, die die letzten sieben Jahre skizzieren, erleben wir im Heute die Mordermittlungen an Cedrics noch ziemlich junger Stiefmutter mit. Der junge Lord Cedric hat sich ebenfalls schon vor dem Tod seines Vaters vor sieben Jahren von seiner reichen Familie distanziert, kann aber wegen seiner Soziophobie und anderer psychischer Probleme nicht wirklich ohne finanziellen Rückhalt leben. Wir blicken nach und nach hinter die Fassaden der reichen englischen und schottischen Gesellschaft und geraten dabei mit dem Journalisten Ben auf die Spur einer Frauenärztin, die Babys nach Wunsch per Samenbank produziert. Praktisch jeder und jede von Jennys Figuren hat einen an der Waffel, was die Figuren sowohl liebens- als auch hassenswert macht. Ist es Krimi, Thriller, Gesellschaftsstudie oder gar eine Parodie auf alle diese Genres, das Jenny da vorgelegt hat? Ich weiß es nicht so genau. Lesen lohnt sich trotzdem.

Wenn sie wieder Schlange stehen

Wenn die Wörter Schlangen stehen, muss ich alles fallenlassen, was ich tue. Ich muss mich hinsetzen und schreiben. Die Türe aufmachen, sie hereinlassen. Das heißt, ich müsste. Meistens kann ich es nämlich nicht. Was soll ich denn tun, wenn es mir zum Beispiel mitten im Yoga passiert? Wenn die Wörter genau dann, wenn ich im Hund stehe – den Po gen Himmel gereckt –, über mich kommen? Ist das nun Inspiration oder ist es profane Ablenkung, wenn ich genau dann ganze Sätze denke, die meine Protagonistin betreffen, Erkenntnisse mich heimsuchen oder irgendwelche Schreibideen um meine Aufmerksamkeit buhlen? [Ähm, und ist es allenfalls bloße Eitelkeit, die mich zum Schreiben nötigt?]

Kaum. Ich müsste nämlich platzen, könnte ich nicht schreiben. Sogar auf der einsamen Insel, ohne Schreibutensilien, würde ich mir neue Geschichten ausdenken müssen und sie in die Höhlenwände ritzen.

polaroid_00Schreiben als Sucht?! Lesen als Sucht!? Womöglich. Doch was weiß ich schon wirklich über Süchte, außer dass ich süchtig bin? Nach immer wieder andern Dingen und Mechanismen. Und oft haben meine Substanzen keine gesundheitsschädigenden Wirkungen im herkömmlichen Sinn, aber doch bin ich es: süchtig. Ganz besonders bin ich süchtig danach, meinem Denken und Grübeln und Sinnsuchen auf die eine oder andere Art entfliehen zu können.

In einem andern Leben war ich diszipliniert. Sehr diszipliniert. Und sehr kontrolliert. Zugegeben, zweites bin ich noch immer. Aber die Sache mit der Disziplin überzeugte mich je länger je weniger. Wozu soll ich mich abrackern und – nur so als banales Beispiel – jede Woche die Wohnung putzen, wenn es doch im Zwei- oder Dreiwochentakt reicht. Ich trage schließlich Sorge. So und anders argumentierte ich am Anfang noch, um mich selbst zu überzeugen. Heute bin ich es längst. Ja, ich bin überzeugt davon, dass ich Dinge nicht tun muss, wenn ich sie nicht einsehe. Heute brauche ich Gründe etwas zu tun, nicht etwas zu lassen. Aber alle machen es so und so!, reicht mir nicht mehr. Ich will, ich muss die Arbeit verstehen, ihre Verursacher, ihre Ursachen, um mich zu etwas motivieren zu können. Und ich will die Ursachen der Ursachen wissen. Und natürlich auch, warum sie die Ursache der Ursache ausgelöst haben. Doch genau hier scheitere ich ständig. Ich bleibe auf der Strecke, finde selten nahrhafte Antworten. Bestenfalls sind sie vorläufig, abschließend aber nie. Und das zermürbt mich Sucherin. Es ist unerträglich.

Darum brauche ich also jene Dinge, jene Handlungen, jene Suchtsubstanzen. Sie sollen mich ablenken. Sie sollen mich vom eigenen Denken ablenken. Vom Grübeln. Von den Anstrengungen, die das Leben ausmachen (und die mich aus meiner Wohlfühlzone herausschubsen könnten, die ich mir eingerichtet habe).

Auf einmal sind sie da. Sie finden mich immer, die Wörter. Und ich sie. Wir sind schon lange befreundet, doch ich weiß auch, wie verwirrend sie sein können. Eindeutig sind sie selten und fast alle sind ein klein bisschen stolz darauf, dass sie eine ganz eigene Bedeutung haben. Eine, die sie von allen andern unterscheidet. Außerdem spielt es auch immer eine Rolle, wie sie sich aufstellen und wo sie sich hinstellen. Sie spielen Rollenspiele, hat mir einst ein Wort verraten. [Welches verrate ich aber nicht.] Ständig wechseln sie Position, während ich schreibe. Sie lehren mich, genau hinzuschauen, denn die Reihefolge ist alles. Alles.

Virtuelles Abenteuer im echten Leben

Liebster Irgendlink, liebe Mitreisende in der Galerie P. in Z.

Nun wird also eine Idee Wirklichkeit. Fängt nicht alles mit einem Gedankenblitz an, mit einem Samen, der winzigklein irgendwo in unseren Hirnwindungen herumzappelt. So lange, bis wir ihn zu Tode ignoriert oder ins Leben geholt haben.

Die Idee, die gelebte und erlebte Wirklichkeit eines Menschen in A. einem andern Menschen in B. sicht- und nachvollziehbar zu machen, ist sicher nicht neu.

Neu ist aber, dass wir heute so viele technische Hilfsmittel zur Verfügung haben, dass wir jemandem andern an einem andern Ort in Echtzeit teilgeben können, was wir hier und jetzt erleben.

Mit seinem Livereiseblog hat Irgendlink das vor zwei Jahren bereits praktiziert. Kaum geschrieben konnten wir seine Texte auch schon im Blog lesen.

Was nun hier und heute mit seinem Drucker geschieht, ist eine folgerichtige Fortsetzung seiner Livereise-Vision.

Ich werde in einigen Minuten das Haus verlassen und außer dem Regenschirm und guten Schuhen auch mein iPhone mitnehmen. Auf diesem läuft – während ich einen langen Spaziergang durch mein Dorf mache – ein Track mit. Auf dem PC könnt ihr mir folgen, wie ich zuerst durch das Areal der Psychiatrischen Klinik Königsfelden, anschliessend zum römischen Amphitheater und schliesslich zum Toten Haus spaziere. Unterwegs werde ich einige Bilder aufnehmen, vielleicht sogar einige kurze Texte schreiben und ihr könnt zeitgleich mitkommen. Obwohl ihr zweihundertneunzig Straßenkilometer von mir entfernt seid.

Die Bilder und Texte, die ich an den Drucker maile, werden praktisch in Echtzeit ausgedruckt. Viel Spaß beim Spaziergang mit mir zusammen durch mein Dorf …
Herzlich, Sofasophia

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Ich habe mich untergestellt. In einem kleinen Häuschen im Königsfelden-Areal. Weil es sooo regnet. Das Trommeln der Regentropfen erinnert mich an Nächte im Zelt. Das Dach ist dicht und ich kann hier sogar das “Stehpult” verwenden, eine Art Kiste, worin Material gelagert wird. Perfekte Höhe zum Schreiben. Zum Glück habe ich die portable Tastatur mitgenommen. Grad sehe ich, dass eine Nachricht von Irgendlink reingekommen ist. Gut – ich lese die mal …

Nein, ich sitze nicht, Liebster, ich stehe. An besagter Kiste. Nun werde ich noch das Trommeln des Regens aufnehmen und dir mailen. [Zum Regen hier klicken und laut stellen ... :-)]
Den Duft kann ich euch leider nicht schicken. Holz ist es, nasses Holz und Laub. Und Frühling. Habt es gut.

Appspressionismus: Alle Bilder mit dem iPhone fotografiert, den Text auf dem iPhone geschrieben, den Regen auf dem iPhone aufgenommen – alles in Echtzeit heute Nachmittag in die Galerie P. in Z. gemailt. Copyright by Sofasophia

The Making-of in der Galerie P. in Z. …

in der Galerie_Pic by IrgendlinkCopyright & Pic by Irgendlink

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