Ebbe und Flut

Seit Tagen tummelt sich dieser Gedanke durch mein Leben, dass ich oft vergesse, was uns die Natur vormacht. Dass ich oft so lebe, als wäre immer so, dabei ist es oft eben auch anders.

Die Arbeit hat mich in den letzten Wochen überflutet. Schuljahrabschluss ist, das weiß ich nun, ein tammi harter Zustand. Eine Flut, deren Ende noch nicht absehbar ist. Meine Liste ist zwar gestern und heute um einiges kürzer geworden, doch noch immer warten viele Dinge, die getan werden müssen, damit wir im neuen Schuljahr gut starten können. Wie viel es rund um die Organisation einer Schule zu tun gibt, glaubt man von außen nicht.

Dazu immer wieder Alltasszenen wie diese hier: Ein Kind aus einer nicht subventionierten Gemeinde will bei uns in den Gesangsunterricht, kann es sich aber – so befürchte ich – nicht leisten. Und so weiter. Momentaufnahmen. Dazwischen die Listen, die geführt werden müssen, damit jede Lehrperson weiß, welche Kinder nach Ferien zu ihr kommen werden. Und Kontakte knüpfen kann.

Running Gag zwischen Scheff und mir: “Wenn mir mal gaaanz viel Zeit haben, machen wir dies, machen wir das …”

Flut also, wie gesagt.

Ich wäre so langsam für Ebbe, doch es wird noch ein paar Tage so weiter gehen. Nächste Woche aber erst. Unsere Arbeitsplätze werden umgezogen in einen anderen, kleineren Raum, weil der Volksschule-Schulleiter unser Büro will. Ich befürchte, dass der Tausch nicht so toll sein wird, weil vorne mehr Lärm ist, direkt neben der Aula mit Musikunterricht. Nun denn … das haben andere entschieden.

Öresund

Flut. Kisten packen. Umziehen muss ich sie nicht selbst, zum Glück, und Scheffhimself wird beim Ausmisten helfen. Nächste Woche, wie gesagt.

Ebbe. Neumond. Pause. Ruhe. Wir lernen es, wenn wir hinschauen. Würden. Lernen ist den Konjunktiv überholen. Im die Zunge rausstrecken und sagen: Würdest du nicht immer dazwischenfunken, wäre alles einfacher, du Mistkerl.

Ebbe also. Entschleunigung. Mein Tempo finden. Ich erinnere mich dieser Tage gerne an die Pilgerwanderung genau vor einem Jahr. Als wir dem Lauf der Reuss folgten, ihrer Quelle entgegen wanderten. In unserem Tempo. Immer gerade dort unser Zelt aufschlugen, wo es uns gefallen hat.

Ebbe und Flut leben – könnte heißen, mal schlemmen, mal fasten, mal schuften, mal pausieren.

In der Natur ist gleich viel Ebbezeit wie Flutzeit, gleich lang Neumond wie Vollmond.

Der andere Reichtum

Was sein Leben reicher macht, beantwortet Martin Lagrange hier. Eine Erfahrung, die ich ihm von Herzen gönne. Da ich vermutlich nicht 102 Jahre alt werde, wird es bei mir nie genau so sein. Aber ähnlich.

Auch mein Leben wird reicher durch mir kostbare Menschen, allen voran der Liebste, gleich danach Freundinnen und Freunde. Der herzliche, warme und offene Austausch mit ihnen allen. Ob nun persönlich, per Telefon, in Mails oder über die sozialen Medien wie Threema, Twitter und so weiter …

Quelle: ZEITmagazin
Quelle: ZEITmagazin

Mein größter Reichtum, mein größter Schatz ist es, Liebe zwischen Menschen zu erleben. Andere Menschen so zu nehmen, wie sie sind. Ach, ich Romantikerin ich, denn ich stelle ja auch immer mal wieder fest, dass ich in der Praxis nicht immer so empathisch sein kann, wie ich es eigentlich von mir erwarte. Wie ich es gerne möchte.

Gestern las ich auf Twitter diesen genialen Satz hier von 4. März

“Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Ich wünsche allen nur, dass sie Menschen wie sich selbst begegnen.” (Direkter Link zum Tweet)

HA! Was wäre wenn? Würde ich mich mit mir selbst anfreunden? Wäre ich eine meiner Freundinnen, wenn ich mir begegnen würde? Sind meine Freundinnen und Freunde eher “Gegenteile” von mir selbst? Hm, Fragen über Fragen …

Und wie steht es mit der Liebe zu mir selbst? Ja, auch sie macht mich reich. Vermutlich bin ich nicht nur gerne alleine mit mir, weil ich mich mag, sondern auch, weil es mich manchmal auch anstrengt, mit anderen Menschen zusammenzusein. Das klingt wohl wie ein Widerspruch zu meinen Aussagen am Anfang dieses kleinen Textchen hier? Ist es aber nicht – nicht wirklich.

Reicher macht mein Leben nämlich auch die Stille. Wandern in der Natur. Sitzen an einem Fluss. Lauschen in einem Wald. Im Gras zu sitzen. Den Himmel zu betrachten. Und das geht am besten, wenn ich allein bin.

Was mein Leben auch noch reicher macht? Gefühle, Gedanken, Erfahrungen in Worte oder Bilder zu kleiden. Weiter macht mein Leben reich, dass ich mir und andern Gutes gönne.

Diese Grundhaltung war nicht immer da. Ich kenne Neid.

Es war aber nicht so, dass ich andern nichts Gutes gönnte, aber dass ich immer mal wieder dachte oder eher wohl fühlte: Das will ich auch! Warum kann die, warum darf der, und ich nicht?! Dieser Hader war ein Teufelskreis; geboren aus Minderwertigkeitsgefühlen hat er dazu geführt, da ich mich dafür schämte, dass ich mich noch kleiner machte. Es war ein langer Weg zu mir. Heute weiß ich: Mir und andern Gutes zu gönnen, tut mir gut und tut andern gut. Und mir bricht dabei kein Zacken aus der Krone.

Ironisch augenzwinkernd bringt das Twitterin @schusanne auf den Punkt.

Es lebe das Leben!

In einem Zug zu lesen #3 – Die Tote von Saint-Loup von Danielle Ochsner

Schon seit etwa acht oder neun Jahren lese ich ihr Blog. Es war das erste überhaupt, das ich kennenlernte. Ich gestehe, dass Madame Lila meine Idee vom Blogschreiben maßgeblich mitgeprägt hat. Und sie war es auch, die mich zum Bloggen inspiriert hat – lange bevor wir uns persönlich kennengelernt haben. Sie war es auch, die mich mit ihrer damaligen Blogroll mit andern Blogs bekanntgemacht und mir so gezeigt hat, was ein Blog alles so sein und bewirken kann. Vernetzung zum Beispiel.

Wenn man so will, ist sie sogar ein klein bisschen schuld daran, dass ich meinen Liebsten kennengelernt habe. Über Bloglinks bei ihr bin ich damals nämlich auf andern Blogs gelandet, irgendwann schließlich auf der damals noch aktiven Blogbibliothek, und endlich, im Winter 2008/2009 auf einem Artikel Irgendlinks, der dort verlinkt gewesen war. Der Rest ist Geschichte. Aber eine andere als die, über die ich jetzt hier berichten will.

Madame Lila hat nämlich auch eine geschrieben. Was heißt da eine? Im Blog schrieb sie ja schon ganz viele. Immer mal wieder kleine Erzählungen und dazwischen persönliche Erlebnisse. Ein herznährendes Blog. Ja, diese kleinen Erzählungen mochte ich schon immer sehr, ich mochte Frau Lilas samtweiche Sprache, die mich die Welt immer ein klein bisschen besser und schöner sehen machte. Und ein klein bisschen liebevoller und voller Düfte. Ihre Geschichten, die – obwohl sie mitten im Alltag gewachsen waren – zeigten mir immer wieder, dass es eben darauf ankommt, wie wir schauen und wohin. Und dass selbst Alltagsgrau viele Nuancen hat und viele Gerüche.

Und nun hat sie also eine Geschichte geschrieben, eine ganz lange sogar. Einen Krimi. Keinen wirklich schwarzen, keinen Psychothriller, nein, keinen, bei dem man sich nachts nicht mehr aus dem Haus traut.

Danielle Ochsner hat einen Krimi geschrieben, der mit seiner ganz besonderen Atmosphäre und seinem Hinblick schnell klar macht, dass der erste Schein noch trügerischer ist als wir ahnen. Dass sich hinter netten Fassaden – über Jahrzehnte aufrecht gehalten –, hinter schönen und schweren Erinnerungen, Geschichten und noch mehr Geschichten verbergen. Und auf einmal steht die Welt im beschaulichen französischen Kuhkaff Saint-Loup Kopf. Cover_StLoupZuerst taucht eine tote Frau auf. Bald darauf wird die zweite Leiche gefunden: ein toter Mann. Was genau geht hier vor und in welcher Beziehung standen die beiden zueinander?

Yvan Duclos und sein Assistent Ahmed rätseln tagelang ohne wirkliche Spur. Was genau ist von all den Lobhudeleien auf das erste Opfer zu halten? Die Mauer des Schweigens in Saint-Loup ist sprichwörtlich; und erst ganz allmählich bröckelt der erste Verputz. Die beiden Polizisten fangen an, Zusammenhänge zu verstehen, ausgelöst durch einen Satz im Obduktionsbericht über die weibliche Leiche. Was steckt hinter ihrem Geheimnis?

Zugegeben, einiges an der Geschichte ist vorhersehbar. Der Schluss war es nicht, definitiv nicht. Nicht so jedenfalls. Und nicht bei mir. Raffiniert, beinahe ingridnollesk entwickelt Danielle ihren Plot. Aber halt, mehr verrate ich nicht! Denn Lesen lohnt sich.

Aber – und auch das muss gesagt werden und ich gestehe, dass ich es befürchtet hatte – eben auch in ihrem Buch steht Madame Lila mit den Verben, der Konjugation, den Zeiten, gewissen Wörtern und Pronomen auf Kriegsfuß. Und auch fanden mich recht viele – zugegeben teils sehr originelle – Tippfehler (fliegende Trauben statt Tauben).

Nichtsdestotrotz hält Danielle Ochsner, was sie versprochen hat – auch wenn sie das eine oder andere Klischee bedient (das allerdings so geschickt, dass ich manchmal zwei Augen und die nicht vorhandenen Hühneraugen zugedrückt habe). Danielle erzählt uns nicht nur eine spannende und unterhaltsam, sondern auch eine doppelbödige Geschichte. Sie zeichnet die Stimmungen und die Menschen des verschlafenen kleinen französischen Dorfes so sensibel, dass ich es keine Sekunde bereue, dass ich dieses Buch mitsubventioniert habe. Per Crowdfunding. Und dass ich über all diese Schwächen eines Erstlings hinweg sehe. Ich wünsche ihr und der Toten von Saint-Loup viele LeserInnen.

Und für ihre nächsten Bücher wünsche ich ihr einen richtigen Verlag und ein professionelles Lektorat/Korrektorat.  Denn Erzählen kann sie!

Die Tote von Saint-Loup von Danielle Ochsner
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> Zum Buch: → hier klicken (ama**zon)

Weiterleben irgendwie

Ich habe ständig Kopfweh und bin erschöpft. Bin zerstreut und vergesslich. Ferienreif. Und ich fühle mich immer ein bisschen neben der Spur. Gut, das mag wohl alles auch damit zusammen hängen, dass der Liebste ans Nordkap radelt und alles so spannend ist, aber ich glaube, da steckt mehr dahiner.

Ich ahne, dass da noch ein weiterer Abschied dahinter steckt.

Tage, nachdem ich die letzten Sätze meines Manuskripts (Teil eins, autobiografische Essays) geschrieben habe, stelle ich fest, dass mir etwas Essentielles fehlt. Der tägliche Schreibflow.

Vielleicht wird darum das hier mein neues letztes Buchkapitel?

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Und wenn sie nicht gestorben ist, schreibt sie heute noch? Heute, ein paar Tage nach der Vollendung des letzten Kapitels, begreife ich, wie schwer mir der Abschied fällt. Von diesem intensiven Schreibprozess ebenso wie von alldem, was er bei mir ausgelöst hat. Das Schreiben an sich, vor allem aber dieser liebevolle regelmäßige und sehr dichte Hinblick, die Konzentration auf meine Erfahrungen und mit ihr dieses Innehalten. All das beeinflusste meinen Alltag, meine Befindlichkeit, sogar meine Kommunikation. Es floss in meine Mails hinein. Und jetzt – wie soll ich sagen? – jetzt fehlt es mir. Ähnlich wohl, wie mir Irgendlink fehlt, der heute Halle an der Saale erreichen und dort den lieben Emil besuchen wird.

Das biografische Schreiben ist mir eine liebevolle Freundin geworden. Eine, die mir täglich den Spiegel hingehalten hat.

Jetzt, in dieser postscriptalen Phase, werde ich vermutlich wieder mehr zur Tagebuch- und Mailschreiberin. Und zur Bloggerin. Was ich alles vorher schon war, aber in den letzten schreibintensiven Monaten vernachlässigt habe.

Und jetzt … jetzt, stelle ich fest, dass mein vielgerühmter Synchronisationsprozess, über den ich ja immer wieder geschrieben habe, bei mir definitiv ans Schreiben, ans biografische Schreiben gekoppelt ist. Ich verstehe endlich, wie sehr ich mich schreibend synchronisiere, wie sehr mich Schreiben erdet und zentriert. Schreiben ist mir Atmen, ist mir Denken, ist mir Ruhen geworden. Je länger je mehr.

Da ist nun diese unangenehme Leere, die an Abschied erinnert. Die sich wie jenes Fremdsein in der alten, nun leeren Wohnung nach einem Umzug anfühlt, ein klein bisschen sogar wie das Ende einer Freundschaft.

Anders gesagt: Ich bin auf Entzug.
Und noch anders gesagt: Ohne Schreiben kann ich nicht leben.

Wie ich nun mit dieser Leere umgehen werde, mit dieser ganz konkreten? Ich weiß es noch nicht. Zumal das Buch ja noch nicht fertig ist. Es folgt ja noch Teil zwei. Das erste der drei bis vier geplanten Gespräche mit anderen Gewaltbetroffenen ist aufgezeichnet; ein Tondokument, das ich aufschreiben werde – und als Gespräch ins Buch integrieren. Das zweite Gespräch ist bereits geplant. Ich wünsche mir drei bis vier Gespräche als Ergänzung zu meiner Geschichte, damit „Weiterleben“ noch mehr zu dem Mutmach-Buch werden kann, das ich mir vorstelle. Und damit Menschen, die es lesen – ob sie nun ähnliche Dramen wie ich erlebt haben oder andere – ahnen, dass es manchmal zwar lange dauern kann, bis ein Leben vom „Status: Überleben“ zum „Status: Weiterleben“ wechselt. Aber, und das ist wichtig, dass es möglich ist. Bei mir, bei andern. Und bestimmt auch bei meinen zukünftigen Buchleserinnen und -lesern.

Sommersonnwende: jetzt

Ullis kleiner Wetterzauber hat gewirkt. Kaum bei mir angekommen, drückte ich ihr mein Tablet in die Hand, das ich als neues Zeichnen-Spielzeug entdeckt habe.

Da, zeichne was!, sagte ich.
Hat sie. Das da. ↓

Sommersonnwende2015_1

Keine zehn Minuten später öffnet sich die Wolkendecke und auf der Fahrt nach Winterthur bedaure ich, dass die Sonnenbrille im Kofferraum liegt.

Mit Freundin M. (1) sowie vielen anderen Freundinnen und Freunden, kleinen und großen Menschen zwischen 10 Monaten und sechs Jahrzehnten plus ein paar Jährchen mehr wandern wir zum Ritualplatz über Winterthur.

Wir bereiten ein Ritualfeuer vor, über das auch Ulli ganz wunderbar in ihrem heutigen Blogartikel schreibt.

Loslassen. Wünschen. Beten. Sich eins sein im Lied, der Stille, dem Jubel und in der Lebensfreude. Danke, liebe Freundinnen und Freunde!

Und ja, ich habe mir auch für den Liebsten etwas gewünscht: Dass er gut reisen möge. Und wohlbehalten zurückkehren, wenn er seine Reise zu Ende gereist habe.

Das gemalte Feuer erinnert mich an unser Wintersonnwendefeuer vor einem halben Jahr, das ebenso hell loderte wie das gestrige, nur höher und schmaler. Jedes Feuer ist anders, jeder Mensch ist anders.

Das Bild mit dem Fuß? Ja, der Fuß gehört mir. Und ja, der gehört auch hier her. Denn nach dem Feuer und nach dem Essen, am frühen Abend, sind wir zurückgekehrt, zurück in Freundin M. (1)s Haus. Die drei größeren Kinder haben uns mit einem Konzert auf Djemben und anderen Rhythmusinstrumenten beglückt. Und da musste ich doch Autogramme haben, logisch!

Mein Leben in der Blase

Ich switche von Ausnahmezustand zu Ausnahmezustand. War ich vor paar Wochen im Neue Patent Ochsner-CD-Rausch, ist es nun eine Art Reiserausch. Nein, falsch. Anders. Rausch ist das falsche Wort. Blase? Ja, das trifft es wohl besser. Ich halte mich derzeit in Räumen auf, die sich wie Blasen anfühlen. Paralleluniversen. Dazu das ganz normale Alltagsleben mit Büro, Sitzungen, Präsentationen, Problemlösungen, Elternkontakte, Gespräche und Mails allüberall.

Ich reagiere. Ich kommuniziere. Ich denke. Ich sehe hin. Ich rede. Ich höre zu. Ich verstehe. Ich agiere.

Overflow. Ja. Schon. Aber.

Denn meistens fühle ich mich dabei gut, richtig gut sogar. Nun ja, meistens. Gestern jedoch war auf einmal alles zu viel. Schlecht geschlafen wegen zu langer Zu-tun-Listen im Kopf war ich nach einer Sitzung mit den Lehrpersonen, endlich allein in meinem Büro, froh darüber, meine Ruhe zu haben. Beinahe war mir schlecht, aber da war noch so viel zu tun. Dazu noch ein oder zwei letzte ‘Könntest du bitte noch, bevor du ins Wochenende gehst …?’-Bitten meines Chefs. Schließlich, gestern um halb zwei, endlich Feierabend. Wochenende.

Wieder Freiraum, mein Leben zu leben. Ähm. Wie genau sieht das denn zurzeit aus?
Zuerst waren da einfach mal Kopfweh, Nickerchen und Ruhe.

Overflow, wie gesagt … Und doch – ich lebe gerne. Trotz allem.

  • Als Homebase meines geliebten Artist in Motion betreue ich von zuhause aus auch diesmal wieder, und auch diesmal – trotz weniger Zeit als vor drei Jahren – wieder sehr gerne, Irgendlinks Blog, während dieser langsam aber stetig – in Eile mit Weile sozusagen – Richtung Nordkap kurbelt (mitlesen kann man hier – Blog – und hier – Twitter).
  • Als Selbständige sollte ich endlich mal wieder ein paar Aufträge akquirieren (für deren Erledigung ich zwar aktuell kaum Zeit noch Muße habe).
  • Als Schriftstellerin will ich mein Buchprojekt endlich weiterbringen, es bis Ende Jahr abschließen (und danach verlegen lassen).
  • Als Künstlerin habe ich wie immer zig Ideen, für die mir an allen Enden und Ecken die Zeit fehlt.
  • Als Bloggerin, die einfach nur ein bisschen drauflosschreiben möchte und als Twitterin ebenso. Dort ein bisschen verspielter noch als hier.
  • Als Freundin, als Mitmensch, als Schwester und Tante, habe ich so viele liebe Menschen in Herznähe, mit denen ich Zeit, ganz viel Zeit verbringen möchte – in echt und virtuell.
  • Als die, die ich bin, eben auch bin, außerhalb all dieser Irgendwie-Rollen, sehne ich mich oft einfach nach Alleinsein, nach Ruhe, nach Buchlesen, nach Seelebaumelnlassen, nach Ferien, nach Zeit.

Zeit? Eigentlich bin ich ja auch darum ganz schön froh, dass es Bücher, Blogs und Briefe gibt, denn für alles, was ich je leben wollen würde, fehlt mir die Zeit nämlich. Außerdem tun es ja andere. Ich nenne dieses Phänomen das Stellvertreter-Ding. Ich kann andere jene Dinge tun lassen, die ich nicht tun kann.

Beispiele gefällig?

  • Irgendlink radelt ans Nordkap. Etwas, das ich so nicht könnte. Er geht an meiner Stelle dahin und ich darf teilhaben, lesend und schauend. Er ist mein Stellvertreter.
  • Freundinnen mit Kindern teilen mit mir ihren Mutteralltag. Etwas, das ich so nicht erleben kann und konnte, darf ich über sie miterleben. Ich freue mich (ja, heute kann ich das) über diesen Austausch. Sie sind sozusagen Stellvertreterinnen.
  • Mir fallen so viele Menschen ein, die etwas leben, dass ich so nicht kann: MusikerInnen, politisch engagierte Menschen, Ärzte in Krise- und Notgebieten etc.

Tun? Lassen. Loslassen. Sein lassen. Die Dinge entschleunigen. Das Tempo drosseln. Ja, das übe ich.

Vermutlich ist das einer der Gründe, warum so viele Menschen sich zurzeit mit uns über Irgendlinks Reise mitfreuen. Ist es die Langsamkeit sogar? Die Art und Weise, wie er sich auf Begegnungen einlässt und das Leben auf sich zukommen lässt? Diese temporäre Freiheit, die er an unserer Stelle praktiziert?

Doch auch wir haben ja die Wahl. Wir können – statt uns täglich von schlimmen Nachrichten aus Tageschau und Zeitungen überfluten lassen – uns auf seine täglichen Inputs mitten aus dem Radleralltagsleben heraus berühren lassen. Good News statt Bad News sozusagen. Ohne dass man dazu den Rest des Weltgeschehens ausblenden müsste.

Botschafter der lobbyfreien Kunst nannte ich ihn heute Morgen am Telefon, auf den Text von Fulbert Steffensky anspielend, der oben auf seiner Fundraising-Seite steht.

Rote Fäden

Es gibt so Themen, sagte Irgendlink gestern vor dem Einschlafen, schon mit Schlaftrunkenheit in der Stimme, diese Themen kleben an uns. Andere kommen aus dem Nichts wollen gesehen werden und werden viel zu oft ignoriert. Weil wir zu faul sind, über sie nachzudenken oder gar über sie zu schreiben.

Ja, rote Fäden habe ich viele. Die Sache mit dem Flow ist so einer – ein Thema wie ein Refrain. Ich suche den Flow, ich lebe ein bisschen für ihn. Insbesondere für den Schreibflow.

Roter Faden? Nun ja, über das Schreiben kann ich schon nicht mehr als roten Faden schreiben, ein rotes Gewebe ist es längst. Auch die punktuellen Themen gibts bei mir zuhauf. Doch selbst sie sind Verwandte meiner roten Fäden, ahne ich.

Glimpflich nennt Irgendlink unsere heutigen und gestrigen Arbeitserfolge. Dinge, die wir zusammen tun wollten und sollten, solange es noch geht. Die linke Lampe meines Autos ist durchgebrannt. Ich kann zwar vieles, vieles selbst reparieren sogar, aber vieles kann Irgendlink besser. Noch besser geht es allerdings zusammen. Im Handbuch lese ich, während er rumwerkelt um an die Lampenapperatur zu kommen, dass man den Kühlergrill rausziehen soll. Klasse Tipp, danke Handbuch! Nun kommen wir wunderbar an die Lampensache heran und ich kann das Birnchen einsetzen. Teamwork. Ich mag es.

Auch für die Access-Sache für die Webseite an der Arbeitsstelle, für die ich zuständig bin – nämlich ein entsprechendes Plugin finden, installieren und verstehen –, hätte ich alleine doppelt oder dreimal so lange gebraucht. Zusammen finden wir einfache Wege: Ich probier mal so, was meinst du? Mach mal so, funktioniert das?

Glimpflich also. Gut. Dennoch ist da Angst. Wie wird es diesmal sein, drei Monate ohne den Liebsten meinen Alltag zu leben – während er mit dem Fahrrad ans Nordkap kurbelt und andere, eigene Ängste und Sorgen vor sich herschiebt. [Weniger diesmal um mich (kein depressiver Schub in Sicht) als um seine Eltern, denen der große Garten, den mein Liebster mehr und mehr übernommen hat, langsam aber sicher zu groß ist. Es muss!, sagen sie; und ich ahne, dass es auch gut so ist.]

Seine Sorgen gelten auch den Finanzen (ein bisschen) und der Sinnhaftigkeit einer Radtour von Süddeutschland ans Nordkap.

Stell dir vor, Liebster, wie du am Montag losradelst, nachdem du alles erledigt hast. Wie nach und nach alle Sorgen von dir abfallen und auf einmal ist er wieder da, der Flow! Selbst wenn dich niemand unterstützt, selbst wenn niemand die geplante Zeitungsartikelserie über deine Reise liest, selbst wenn niemanden deine Blogartikel oder Tweets interessieren: du tust das trotz und vor allem für dich. Du sammelst dabei neue Erfahrungen, erfährst neue Perspektiven, lernst neue Menschen kennen, denkst neue Gedanken und fühlst neue Gefühle. Es ist dein Leben. Und der Sinn ist das Reisen an sich, das Unterwegssein.

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Mehr Infos über #AnsKap finden sich hier:
Irgendlinks Blog
Irgendlinks Twitteraccount (mitlesen ohne eigenen Account jederzeit möglich)
Crowdfunding, u. a. mit iDogma-Kunst-Postkarten-Aktion 

Geniessen lernen

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Zwei Tage feiern, da, dort, am Hallwilersee, auf dem Tête de Moine und anderswo.

I lov’ it!

Lieben Dank euch allen für all die lieben Wünsche!

Fast 50 Geburtstagsblüten und -häppchen

 

Auf der Fahrt in die Südwestpfalz gefundene Alltagskunst
 
 

 

  
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Geografische Infos zum Tête de Moine-Gebirge gibt’s hier => klicken.

Speck-Monteur, Bettfriseur

Sofasophia:

Wunderbarer Guten Morgen-Gruß vom
Frauenversteher Mösiö Glumm

Ursprünglich veröffentlicht auf Studio Glumm:

Als ich ihren gellenden Aufschrei aus dem Bad hörte, wusste ich Bescheid. Er war wieder da gewesen. Er hatte es wieder getan. Er konnte es einfach nicht lassen.

“Wie seh ich denn wieder aus..?!” stöhnte sie verzweifelt. “Das darf doch nicht wahr sein!”

Immer, wenn der BETTFRISÖR zu Besuch kam, ungebeten und über Nacht, sah sie aus “wie eine hochgestrubbelte Kathedrale!”

Wie ein wild gewordener Handfeger!

Als wären daüberall Butterhörnchen auf meinem Kopf!

“Ich seh aus wie ein überhitzter Pumuckel!” jammerte sie.

Und der Kerl wurde immer dreister. Hatte er sich anfangs noch mit Pottschnitt begnügt, so erwachte sie nun mit einem Gefühl, als wäre ein Riesendurcheinander auf ihrem Kopf. Die Gräfin war richtig mitgenommen.

“Andere Leute fahren Achterbahn, ich muss bloß wach werden!”

In dieser Nacht hatte sich der BETTFRISÖR für eine Kurzhaar-Variante entschieden, einen Bob, einen feschen Bubi-Kopf, bloß falschrum.

“Guten Morgen, der Herr”, grüßte ich erstaunt…

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Reisen. Und reisen lassen

Sofasophia:

Lakritze findet einmal mehr die genau richtigen Worte:

“Zum Nordkap wird er wieder fahren, mit dem Fahrrad (würde ich nie machen!), und ich freue mich auf seine Texte und Bilder. Kostet auch gar nicht viel, wenn man als einer von vielen Lesern dabei sein möchte. (Nein, man muß nicht spenden. Ich habe es aber gemacht, weil ich will, daß solche Projekte möglich sind auch ohne Großsponsoren. Und weil es mir wichtig ist, etwas zurückzugeben für Dinge, die mein Leben bereichern.)”

Ursprünglich veröffentlicht auf normalverteilt:

Ich lebe gern in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Es gibt Dinge, die besser funktionieren, wenn ich sie nicht machen muß — Politik, zum Beispiel, Gärtnern oder Reisen.

Ich verbinde “reisen” mit “müssen” und freue mich, wenn ich in meiner freien Zeit daheim bleiben darf. Trotzdem bin ich ein neugieriger Mensch. Wie gut, wenn das Reisen andere Menschen übernehmen und mich virtuell teilhaben lassen, wie der Herr Seume, der Herr Mühlenweg oder Irgendlink, der Pfälzer Künstler.

Zum Nordkap wird er wieder fahren, mit dem Fahrrad (würde ich nie machen!), und ich freue mich auf seine Texte und Bilder. Kostet auch gar nicht viel, wenn man als einer von vielen Lesern dabei sein möchte. (Nein, man muß nicht spenden. Ich habe es aber gemacht, weil ich will, daß solche Projekte möglich sind auch ohne Großsponsoren. Und weil es mir wichtig ist, etwas zurückzugeben für Dinge, die mein Leben bereichern.)

Ich hoffe…

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