Domino

Ein Gedanke, der mich seit Tagen verfolgt: Alle Entscheidungen haben Auswirkungen, die wir uns im Moment der Entscheidung nicht im geringsten vorstellen können. Ob wir nun ein Kernkraftwerk bauen oder – ganz banal – einen Umzug beschließen.

Wie hat doch J. neulich erst in seinem Blog geschrieben?

Kurzerhand räume ich den etwa 12 qm großen Raum im Haupthaus des einsamen Gehöfts leer – Anlass dafür: wenn in der Schweiz ein Sack Kleider umfällt – aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Sack Kleider fällt um. Er sucht sich einen neuen Platz. Einen neuen Schrank. Ein neues Land. Ein neues Leben.

Denk dir Domino. Oder dieses andere Spiel. Wie heißt es eigentlich? Da ist dieser Kunststoffrahmen, ungefähr zehn mal zehn Zentimeter groß. Darin, mit den Fingern verschiebbar, die Zahlen eins bis fünfzehn auf kleinen Täfelchen innerhalb von sechzehn Plätzen. Der sechzehnte Platz ist frei. In diese Lücke wird immer eine der Zahlentäfelchen verschoben um durch Schieben nach oben, nach unten, nach links und nach rechts die vorher vereinbarte Anordnung der fünfzehn Zahlen zu erreichen.

So ähnlich empfand ich meine Umzugsvorbereitungen und den Umzug selbst.

Wenn ich diese Person für jene Hilfeleistung frage, so wusste ich, hat das gewisse Konsequenzen. Für sie selbst. Für ihre Mitmenschen. Ein Stein fällt ins Wasser, erzeugt Kreise. Wie viele Personen in meinen Umzug direkt und indirekt involviert waren, kann ich gar nicht zählen. Hier wie dort.

Zum Kreis im Wasser gehören meine Freundinnen und Freunde. Jene, die unmittelbar mitgeholfen haben, doch auch jene, die immer mal wieder an mit gedacht und mir Mut gemacht haben.

Zum Kreis im Wasser gehören auch meine Nachmieterin und mein Nachmieter und deren Umfeld.

Zum Kreis im Wasser, zu den sachten Wellen, die er erzeugt hat, gehören meine Bloglesenden.

Alles ist mit mir – und mit allem – verbunden, sagen die Lakota, bevor sie in die Schwitzhütte kriechen. Immaterielles ebenso wie sämtliche Materie. Alles was lebt, Tiere, Pflanzen. Alle Menschen. Ob in der Schweiz, in Deutschland oder in Japan.

Kerne spalten sich, Zellen gehen ob der Spaltung der Kerne möglicherweise kaputt. Für immer. Die Auswirkungen auf unsere Leben kennen wir noch nicht. Kreise im Wasser, deren Wellen wir zwar hier nur sachte wahrnehmen, aber mit nicht ausdenkbaren Folgen.

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2 Kommentare zu „Domino“

  1. Dazu kommt noch die Zeit, die ja wie ein teures Lebensmittel ist, nur dass man sie mehr oder weniger gleichmäßig aufbraucht. Eine Minute mit Schmerzen beim Zahnarzt ist schon länger, als eine Minute an einem abendlichen Feuer zu zweit gesessen. Ich wünsch Euch viel angenehm kurze Zeit.

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  2. … wenn wir das ganz tief in uns hinein lassen, dass alles mit allem verbunden ist, dann entsteht an diesem ort verantwortung – ich las mal einen bericht, in dem gesagt wurde, dass selbst jeder ton, den wir hier auf erden erzeugen, sich ins unendliche im universum fortsetzt und sofort überdachte ich meine manchmal kruden ausbrüche… au weia! seitdem gilt für mich die lauten, die wütenden töne in liebevolle zu wandeln… z.b.

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