Soft-Proof

Da hab ich also auf Whitewall einen Bilderladen eingerichtet. Gut und schön. Und nun? Werbung machen, sprich: weitersagen und darauf hoffen, dass jemand eins oder gar mehrere meiner Bilder toll findet und bestellt. Und aufhängt. Und weitererzählt. Und andere auch …

Ja. Nein. Nein! Ja doch, ich kreiere Bilder, ich schreibe Texte, weil ich nicht anders kann. Kunstschaffen als Selbstzweck. Primär, ja. Nein, das fertige Produkt (fertig? ähm …) ist dennoch nicht Nebensache. Ja, ich will mit meinen künstlerischen Stoffwechselprodukten berühren. Nein, ich produziere dennoch nicht in erster Linie für andere. Ambivalenzen, so weit ich schaue. Ja und nein gibt null.

Schnitt.

Die beiden zu besprechenden Bücher für „meine“ Zeitschrift befassen sich mit Hochsensibilität, jene Eigenschaft, die einen Fünftel der Menschheit betrifft. Wir sind jene Menschen, die – salopp gesagt – weniger dichte Filter haben und deshalb mehr Eindrücke als Normalsensible aufnehmen und als Folge davon – darum auch die wachsende Menge hilfreicher Fachliteratur – in unserer schnelllebigen Zeit oft genug überfordert, überstimuliert, reizüberflutet zusammenklappen. Unsere körpereigenen Systeme verarbeiten die Eindrücke erstens langsamer als jene der Normalsensiblen und zweitens bauen wir auch all die ausgeschütteten Hormone und Botenstoffe viel weniger schnell ab.

Schnitt.

Während ich meine Bilder, die ich für meinen virtuellen Bilderladen hochgeladen habe, für den Verkauf aufbereite, will das Programm von mir wissen, wie das zu verkaufende Bild aussehen soll. Soft-Proof im Fachjargon. Die Feinabstimmung, die Kalibrierung. Fünf Vorschläge. Heller, dunkler, rotstichiger, kontrastreicher und kontrastärmer. Ich klicke mich durch die verschiedenen Varianten. Es sind die winzigen Nuancen, die kleine Unterschiede, auf die es immer wieder ankommt. Im Bild. Im Text. Im Leben.

Beispiel gefällig? Die letzten drei kurzen Sätze hätten locker statt mit Punkten mit Kommas funktioniert. Nur eine Nuance, die dennoch etwas bewirkt.

Alles wirkt. Kunst will wirken. Es sind nicht die Buchstaben, nicht mal die Worte an sich, nicht die Farben, nicht Pinsel und nicht Leinwand, nicht Fotoapparat und nicht Bearbeitungsmaterialien. Es sind die Soft-Proofs, es ist die Feinabstimmung, die ankommt, die berührt. Innehalten. Hinschauen. Hinhören.

Schnitt.

Eine Übung, um mit Überstimulation besser umgehen zu können, geht so: Benenne innerlich oder äußerlich alles, was du jetzt grad siehst, hörst, spürst, wahrnimmst.

Das Flugzeug, das Rauschen der Pappeln, die Sonne auf dem linken Arm, der rechte ist im Schatten. Die nackten Füsse, angewinkelt, die Sofalehne im Rücken, Hühnerstille (ganz ungewöhnlich), Licht-Schatten-Wechsel im Takt der Wolken, volle Blase, Finger auf dem Display.

Jetzt.

pixartix‘ Geburtsstunde: 30.4.2011, 00:06

Soeben meine WhiteWall-Galerie ins Netz gestellt.

Hier klicken: www.whitewall.com/pixartix

Mit jedem Bild, das ihr hier kauft, tröpfeln ein paar Cents oder Euros in meinen Geldbeutel.
Ein kleiner Anfang …

Fortsetzung folgt …