rückwärts schreiben

Gegen den Strom anfühlen. Über schönes schreiben – sollen-wollen jedenfalls – in dieser trüben Welt. Denn schönes ist immer irgendwo. Auch. Nicht immer nur schwarz. Die Dinge in den Dingen und dahinter von vielen Seiten betrachten. Wahrnehmen. Sinne öffnen. Neue Wörter finden für das Alltägliche. Wörter für Unbeschreibliches. Wörter für die Liebe. Und Wörter für die Schichten unter der Fassade.

Wenn ich diese Wörter hier lese, bereits jetzt, kaum geschrieben, Wörter, die sagen sollen, was ich spüre, stoße ich sogleich mit dem Kopf an. Grenzen ringsum. Fast als hätte ich ein Bild zu malen oder zu fotografieren, und stellte fest, dass mir entweder die entscheidende Farbe zu mischen nicht gelingt, oder dass mir das richtige Licht fehlt, um abzubilden, was und wie ich es mir vorstelle. Unzulänglichkeit in Bezug auf meinen Ausdruck, auf meine Ausdrucksmittel – eine Erfahrung, die mich immer wieder so hilflos macht. Tiefenschärfe – mal gelingt sie, mal nicht.

Ungeduld spüre ich, Ungeduld im Wunsch, Worte zu finden, um Erlebnisse auch für andere nachvollziehbar zu machen. Worte, die über eine einfache Beschreibung hinaus gehen. Worte, die fühlbar machen sollten, die konservieren könnten, was ich spüre, was ich wahrnehme.

Es ist dieser Wunsch, der mich das Schreiben als Ausdrucksmittel hat finden lassen. Dieser Wunsch ist es, der mich vorantreibt. Ein Wunsch, der mich so oft mit meiner Unzulänglichkeit konfrontiert.

Beobachten lernen, noch besser, noch sensibler, das ist der Weg, den ich gehen will.

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