wenn die Worte fehlen

Ich hangle mich von Tag zu Tag. Erfinde ein neues Blog, eins für Bilder nur, einzig um mich zu motivieren, das zu tun, was ich gerne tue. Bilder kreieren. Kreativ sein. Spaß daran haben, neues zu schaffen und das zu wecken, was in mir döst.

Doch eigentlich ist es mir so, als würde ich versuchen, möglichst nirgends anzustoßen, während ich im Dunkeln durch eine mit allem möglichen verstellte Lagerhalle laufe. Deshalb halte ich mich still und bewege mich auf kleinstem Radius. Auf neue Beulen und Wunden habe ich keine Lust. Davon habe ich für ein paar Leben genug.

Repeat. Das Band spult zurück. Ich stehe an der genau gleichen Stelle wie schon so oft. Wie immer? Lebensumbruchphase! Ha! Hört das denn nie auf? Da ist nirgends Ruhe. Das Hamsterrad dreht sich und mir wird täglich bewusst, dass geistiger Stress unterschätzt wird. Dazu kommt, dass ich wieder vermehrt diesen einseitigen Tinnitus habe. Wohl nicht das richtige Wort. Ein lautes Sirren im linken Ohr. So wie ein alter (lauter) PC sirrt ungefähr. Nur dass es im Kopf drin ist. Und nicht ausschaltbar.

Am liebsten würde ich einfach an meinen Manuskripten arbeiten. Gestern war ich im Flow. Kurz nur, eine halbe Stunde Konzentration. Habe den Plot erweitert. Loch im Eis bekommt Fleisch auf die Knochen. Eine neue Figur, das heißt gleich zwei, webe ich ein. Wenn ich so arbeite – so wie gestern –, fließt alles wie von selbst. Doch wann kann ich mir schon erlauben, einfach nur das zu tun, was ich tun will? Und selbst wenn ich mir die Zeit nähme, sperrt sich das Gewissen dagegen. Schmarotzerin du, such Arbeit. Mach dies! Mach das! Wo doch so viel anderes ansteht.

Ich ahne, tief innen, dass ich – wenn ich mein Ding mache – an meine Energie heran kommen würde. Doch wenn ich versuche, zu tun, was die Vernunft gebietet, das aber nicht meins ist, läuft mir meine Energie davon. Ich laufe aus. Ich gehe im Gegenwind, brauche am meisten Energie dafür, nicht hinzufallen.

Als ob ich eine Art Grundeinstellungsfehler bei meiner Hardware hätte. Oder ist es ein Softwarefehler, der sich möglicherweise beheben lässt?

Bleiben wir immer trockene Exsüchtige, wenn wir eines Tages eine Sucht überwunden haben? Werde ich immer Raucherin sein, solange ich lebe – auch wenn ich trocken bin? Bin ich immer passiv oder latent depressiv, auch wenn ich in einer Lebensphase bin, wo das Leben erträglich ist? Gibt es Heilung? Werde ich eines Tages nicht mehr mit Grauen an das Drama in St. denken? Und ohne Verlustgefühle und Schmerzen an Lars? Werden wir uns eines Tages wiedersehen?

Narben bleiben immer, selbst wenn wir sie weg lasern. Phantomschmerz lässt sich nicht wegoperieren. Doch können wir eines Tages mit dem allem leben, ohne dass es uns zerstört?

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