Die Sache mit dem Festhaltenwollen

Wie ich gestern, mitten im Alltag, meinen Liebsten drücke und von ihm gehalten werde, begreife ich auf einmal, dass ich ihn diesen Sommer viele Tage lang nicht drücken, nicht mal sehen werde.

Zum einen bin ich dabei, meinen Haushalt von Deutschland wieder in die Schweiz zurückzuverlegen, zum anderen plant Irgendlink eine ungefähr drei Monate dauernde Radwanderreise um die Nordsee. Ums Meer. Er wird auch diesmal wieder, wie auf seiner Jakobsweg-Reise vor einem Jahr, live darüber bloggen – Bild- und Textreportagen der ganz besonderen Art! Ihr dürft euch schon jetzt freuen!

Losgelassen habe ich schon oft. Nicht immer freiwillig. Abschieden begegne ich zwiespältig. Wer weiß schon, wann und ob wir uns je wiedersehen?, denke ich zuweilen, wenn ich gute Freundinnen oder Freunde zum Abschied umarme und wir uns auf den Weg machen.

Wie wir uns so drücken, J. und ich, gestern, sage ich, dass ich diese Umarmung und alle andern, die schon waren und alle die noch kommen werden, in eine Dose packen will. Später, allein, wenn ich ihn vermissen, wenn ich seine Umarmung ganz besonders brauchen werde, kann ich einfach diese Dose aufmachen und ich werde wissen, dass er da ist. Dass wir uns auch über die weite Distanz nahe sind.

Ich wünsche mir, nährende Augenblicke jederzeit abrufen zu können. Kostbare Erfahrungen sollen mich in Momenten der Mutlosigkeit daran erinnern, dass das Leben auch anders sein kann. Darum will ich jeden Frühling und jeden Sommer von neuem all die Düfte, die den Tag vergolden, einkochen. Konservieren. Herzfuttervorräte anlegen. Für kalte Wintertage. Für graue Stunden.

Ich will jeden Augenblick genießen, den ich auf eine das Herz nährende Weise verbringe. Mit J.. Mit meinen Lieblingsmenschen. An meinen Lieblingsorten. Während meiner Lieblingsjahreszeiten. In der Natur. Bereits erlebtes Jetzt verfügbar gemacht für kommendes Jetzt. Vorrat für kalte Wintertage.

((Notiz an mich: Wieso redet eigentlich niemand von Sommervorräten? Winterliche Kargheit, schneeweiße Stille, tiefgefrorene Nasenhaare – niemand scheint davon etwas aufbewahren zu wollen, selbst jene Menschen nicht, die den Winter lieben …)))

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Nein, ich bin nicht die einzige, die solche Gedanken denkt. Cambra hat ähnliches gebloggt …