Marktplätze

Über Exhibitionismus in allen möglichen Schattierungen denke ich dieser Tage viel nach. Und über uns Bloggerinnen und Blogger und das Warum-wir-bloggen. Angeregt durch Diskussionen in anderen Blogwohnzimmern. Angeregt durch Gespräche beim Abendessen im ganz realen Wohnzimmer auf dem einsamen Gehöft. Wie viel Öffentlichkeit braucht ein Mensch wirklich? Wie viel Resonanz von andern brauchen wir künstlerisch Tätigen, um genau das zu tun, was wir tun wollen – nämlich uns auszudrücken. Brauchen wir ebenso Resonanz wie eine Saite, die ohne Klangkörper nicht tönt? Wie laut müssen wir zupfen, um gesehen und gehört zu werden?

Und müssen wir denn gehört und gesehen werden?

Irgendlinks Reiseprojekt ist gestern in ein neues, konkreteres Stadium getreten. Mit meinem beruflichen Erfahrungen im PR-Bereich, als frühere Sekretärin eines Künstlers und spätere Sekretärin eines Non-Profit-Hilfswerks, versuche ich nun nach gemeinsamer Arbeitsplanung, mit bescheidenen Mitteln allerdings, nach ein wenig Öffentlichkeit zu fischen. Ja, zugegeben, dabei geht es um Geld. Nein, es muss bei Kunstprojekten nicht immer und nicht grundsätzlich um Geld gehen, um gesehen und gehört zu werden. Doch ohne Geld kann auch eine Künstlerin und ein Künstler kein Brot kaufen.

Beim Bloggen aber geht es um andere Werte. Erstens ist es Lust. Lust am Schreiben. Gleich danach geht es bei mir ums Teilen. Ich gebe etwas von mir her. Vielleicht nicht aus altruistischen Gründen, doch ich gebe freiwillig. Ich gebe etwas, das in mir gewachsen ist. Etwas persönliches. Danach spaziere ich weiter durch das virtuelle Universum und nehme da und dort etwas mit, was mir andere anbieten. Ebenso freiwillig. Aus Lust am Kreieren machen wir uns gegenseitig reich. Reich an geteilten Erfahrungen. Teilgeben. Teilhaben.