Nachspiel

Wenn etwas kaputt geht, muss es repariert werden. Richtig? Und wenn etwas kaputt geht, so dass es sich nicht mehr reparieren lässt, muss es ersetzt werden. Eigentlich ganz einfach. Als neulich beim Ausparken aus der Garage mein rechter Außenspiegel zerbrach, habe ich mich deshalb am nächsten Tag an den Laptop gesetzt um im weltweiten Netz nach einem Ersatzspiegel zu fischen. Nach ein paar Mails mit dem Händler meiner Wahl war klar, dass das gebrauchte Teil zu meinem alten Sternchen passen müsste. Zwar hatte ich mich ein wenig über die wiederholt männliche Anrede des Ersatzteilhändlers genervt, ihn gar demonstrativ mit Frau angesprochen, doch schließlich wurden wir uns einig. Ich zahlte die Rechnung und wartete.

Als vor zwei Tagen der Postbote ein überdimensioniertes Paket ablieferte, war meine Freude groß. Nicht nur wegen des Altpapiernachschubs zum Anfeuern. Es ist doch ein wenig unheimlich, mit einem gesprungenen Spiegel zu fahren. Ausgepackt war das Teil schnell, doch dann drehte und wendete ich es erst eine ganze Weile hin und her. Schließlich kratzte ich mich am Kopf.

Ist das nicht ein linker Spiegel oder mein ich das nur?, fragte ich Irgendlink. Auch mein Liebster begutachtete das Teil von allen Seiten, nickte, schüttelte den Kopf und beschloss, in der Garage nachzugucken, ob wir mit unserer Schlussfolgerungen richtig lagen. Lagen wir.

Mann, wie konnte ich nur so doof sein und rechts mit links verwechseln!, murmelte ich und öffnete meine Mails um die Sache in Ordnung zu bringen. Nein, doof war nicht ich, doof waren die andern. Schwarz auf weiß habe ich einen rechten Außenspiegel bestellt. Ha! Männer, rechts und links – waren das sonst nicht eher die Frauen?

Nach dem ich auf meine Mails an den Händler keine Rückmeldung erhielt – außer dass meine Mail im S-P-A-M gelandet sei –, rief ich heute Morgen dort an. Meine Empörung legte sich schnell. Herr S. wand sich und ich rang derweilen um Fassung, um nicht laut loszuprusten.

Sie hätten zeitgleich zwei Bestellungen für zwei Außenspiegel bekommen, sagte der gute Mann. Für einen rechten und für einen linken. Es kam, wie es kommen musste: Die Spiegel – oder waren es die Pakete? – wurden verwechselt. Murphy am Werk! Dem anderen Kunden, der offenbar ein wenig schneller als ich reagiert hatte, vermutlich telefonisch und darum ohne Umwege über den S-P-A-M-Ordner, wurde umgehend ein richtiger, nämlich ein linker Spiegel nachgesandt. Warum dieser Kunde jedoch daraufhin statt nur den rechten, den ich brauche, auch gleich noch den linken retourniert hat, habe ich wirklich nicht verstanden. Ob er zwischenzeitlich auf dem Schrottplatz gefunden hat, was er brauchte?

Nun ist sein Paket auf der Reise. Doch statt zurück an die Firma, hat er es auf deren Wunsch an mich geschickt. Cool, so werde ich schon bald stolze Erhalterin eines noch größeres Paket sein. Jippie, das ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen. Schon bald werde ich drei Außenspiegel haben. Davon habe ich doch schon immer geträumt. Andererseits … was fange ich bloß mit zwei falschen, linken Spiegeln an? Und nur einer ist der richtige, der rechte. Nein, auf meine politische Gesinnung wird das keine Auswirkungen haben, doch ich werde den Verdacht nicht los, dass mir das Leben etwas sagen will. Bloß was?

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