to be or not to be

Nicht, dass ich den Anspruch hätte, hier shakespearesches Niveau erlangen zu wollen, keine Angst, doch dieser Titel muss heute einfach sein. Höchstens to blog or not to blog, wäre eine Alternative und vielleicht sogar, heute und hier, eine passende Analogie.

Selbstbeweihräucherung und Exhibitionismus im Internet – ja, davon gibt’s genug. Und ein wenig tun das alle, die sich auf dien eine oder andere Art sichtbar machen. Ob nun in der virtuellen Welt oder in der höchst realen.

Wenn du voran kommen willst, musst du dich trauen. Zeige, was du kannst!, hatte mein Vater vor vielen Jahren einmal gesagt. Ich war noch in der Ausbildung. Und ob er trauen gesagt hat, weiß ich nicht mehr mit Sicherheit. Andere sagen: Stell nicht dein Licht unter den Scheffel. Mach dich nicht klein!, sagen dritte. Leicht gesagt … Mut und Selbstvertrauen waren leider nicht mit in meiner Schoppenflasche. Und was meint vorankommen wirklich? Spitze Ellbogen hatte ich noch nie.

Darum sinne ich seit gestern Abend darüber nach, ob es gut oder doof ist, wenn ich darüber blogge, dass ich den Februar-AppIt meiner iPhoneArt-Community gewonnen habe. Okay, keine supergroße Sache, doch Fakt ist, dass meine Bildserie – aus über hundert Bildern – am meisten Stimmen bekommen hat. So ein AppIt-Wettbewerb findet alle paar Monate statt. Die Aufgabe besteht jeweils darin, das Bild des letzten Gewinners oder der letzten Gewinnerin möglichst originell zu verändern und zu bearbeiten. Diesmal war es ein langweiliger Baum, der es sogar fast geschafft hat, mich zum Nichtmitmachen zu bringen. Doch auf einmal hatte ich total Spaß und war voller neuer Ideen.

Der Preis? Wie gesagt: Die Siegerin oder der Sieger darf das nächste zu bearbeitende Bild beitragen. Nein, wirklich keine große Sache. No money! Dennoch freue ich mich sehr. Zu sehen, dass meine Bilder eine Aussage haben, die ankommt, tut gut.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Darf ich so etwas bloggen? Ist geteilte Freude doppelte Freude oder erwecke ich mit solchen Nachrichten Neid?

Bin ich noch ich – auch ohne Blog? Lasse ich mir gar von all diesen Grübeleien die Flügel stutzen?

Schnitt.

Diese Tage sind voller Bilder. Zum einen sucht Irgendlink für seine Drucksachen und das Werbematerial – nicht zu vergessen auch für seinen Stand an der Messe „Kunst direkt“ in Mainz in fünf Wochen – nach aussagekräftigen Bildern, zum anderen brauche ich ein Bild, das sich zum verrückten und inspirierten Bearbeiten durch andere iPhoneArtistInnen eignet. So saßen wir gestern Nacht vor dem großen Bildschirm und reisten durch Dänemark, Schweden und Norwegen. Auf einmal war es Sommer. Sommer 2010. Beide waren wir damals noch Frischlinge in der iPhoneographie. Die Bilder sind dennoch bezaubernd und das Fernweh räkelt sich erwachend. Da und dort finden wir Bilder, bei denen es uns sofort in den Fingern juckt: Das will ich bearbeiten. Appen.

Zum Beispiel das hier (das rechte Bild gibts groß bei pixartix)

       (einfach aufs Bild klicken!)

Es war ein kalter Tag in Norwegen. Wir fuhren immer nordwärts, heißt eigentlich nordwestlich, Richtung Meer. Kalt meint hier fünfzehn Grad, während in Deutschland und der Schweiz Rekordtemperaturen um die dreißig Grad gemessen wurden. Auf der Suche nach einem Geocache waren wir in einem Dorf gelandet, Selbu, das ein hübsches Heimatmuseum, direkt neben der Kirche, sein Eigen nannte. In welcher notabene grad eine schlotternde Braut ihrem Liebsten das Jawort gab, während wir uns im Heimatmuseum aufwärmten. Einer dieser Tage, die so typisch für unsere Art zu reisen sind. Einfach schauen, wohin es uns verschlägt.

Im Museum eine sehr angenehme Dame, die uns alles erklärt. Auch die kleine Kunstausstellung – eine sehr beeindruckende Rauminstallation, die aus mindestens fünfhundert an der Decke an Fäden aufgehängten Stricknadeln bestand.

So klicken wir uns gestern Abend weiter an die norwegische Küste. Von da aus zum Polarkreis und schließlich zurück durch Schwedisch-Lappland. Mein Herz klopft heftig. Nicht nur vor Fernweh. Ich bin dankbar für all das zusammen mit J. Erlebte. Da keimt Hoffnung, dass das Leben nicht nur nicht gut ist, nicht nur bloß schwer, nicht nur ständig voll neuer Hürden und Widerstände. Nein, das Leben ist auch schön. Oft sogar. Und ich, ich bin.