unfertig

Vor ein paar Tagen, genau gesagt, als wir damit angefangen haben, Irgendlinks Fernradreise-Liveblogprojekt professioneller anzugehen, dachte ich: Wenn er seine Europenner-Website fertig redesigned und relauncht hat, werde ich mal so richtig Werbung machen – hier auf dem Blog und mit einer Rundmail. Denn was ich bei mir kaum kann, kann ich bei andern sehr gut: Erkennen, was gute Kunst ist und ein bisschen pushen. Außerdem freuen sich meine Freunde, Freundinnen und meine treue LeserInnen womöglich genauso wie wir über das, was da werden wird. Das Projekt ist einfach zu gut, um es nicht sichtbar zu machen. Und wenn alles fertig ist, dann rühre ich für meinen Liebsten die Werbetrommel. Dachte ich.

Wenn ich so und so, dann … Wenn wir so und so, dann … Über den Konjunktivismus und die lange Bank der Prokrastination habe ich hier schon viel geschrieben. Wie ein Kehrreim ist das Thema. Wie ein Ohrwurm. Hartnäckig und klebrig. Glück vorgaukelnd, Sehnsüchte weckend und Illusionen nährend taumelt es durch unsere Gegenwart und vertröstet uns auf später.

Ich behaupte nicht, dass es nur das Jetzt gibt. Zu sehr prägt mich die Vergangenheit. Zu sehr werfe ich Schatten in die Zukunft, in die nahe ebenso wie die ferne, in meine und auch in die von J., denn letztlich sind sowohl das Projekt „Ums Meer“ als auch mein Umzug in sechs-sieben Wochen jetzt noch Zukunft. Doch Zukunft muss vorbereitet werden. Die Zeit ist der rote Faden auf dem die bunten Lebensperlen baumeln. Holzperlen. Glasperlen. Süßwasserperlen. Alle echt. Manchmal fällt eine zu Boden, rollt unters Sofa, und zeigt sich erst beim nächsten Staubsaugen. Manche Perlen verblassen, andere fassen wir so oft an, später, dass sie glatt und glänzend werden, während wieder andere Risse bekommen. Und doch baumeln sie alle am gleichen Faden.

Rote Fäden haben es an sich, sich zu verheddern. Manchmal führen sie uns aus dem Labyrinth scheinbar nicht mehr heraus. Manchmal scheinen sie sich rückwärts zu bewegen und wir vergessen kurz, dass auch rückwärts vorwärts ist, weil die Zeit nicht der Chronologie einer Zeitachse, sondern jener der Spirale folgt.

Was ich sagen will: Nein, die Europenner-Seite ist noch nicht fertig, doch lesbar. Sehr sogar! Und wer wissen will, was es mit diesem Wort auf sich hat, lese hier weiter. Die Seite wächst beim Gehen. Der Weg wächst, wenn du ihn gehst. Ein irisches Sprichwort, meine ich mich zu erinnern, das die Vorversion von europenner.de untertitelte. Ich hoffe, dass ich richtig zitiert habe.

Zur Reisevorbereitung in Sachen PR gehört unter anderem die Überarbeitung des Jakobsweg-Buches, das J. vor vierzehn Monaten auf irgendlink.de live gebloggt hat. Dort rückwärts lesbar – heißt der neueste Artikel zuoberst –, wird es jetzt auf europenner.de in lesefreundliche Weise neu ins Netz gestellt >>> hier zum Text. Irgendlink hat es sanft überarbeitet und ein klein bisschen geschlankt. Für mich ist es auch mit Abstand – nicht mehr im Live-Modus, da Vergangenheit – eine wundervolle Lektüre.

Auch „Ums Meer“ wird Irgendlink wieder live bloggen. Und live Bilder einstellen. Wir alle können mitreisen.

Ich zitiere aus dem Brief, den wir an Menschen, die das Projekt womöglich finanziell unterstützen wollen, versenden werden.

Reisen Sie mit!

Als Sponsor oder Sponsorin unterstützen Sie Rincks aktuelles Projekt finanziell oder materiell. Im Gegenzug erscheint Ihr Firmenlogo auf Rincks Reise- und Alltagsblog irgendlink.de. Selbstverständlich werden Sie auf Wunsch in Publikationen namentlich erwähnt. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Auch als Spenderin oder Spender können Sie mitreisen: Kleine oder große Spenden sind herzlich willkommen. Wir verraten Ihnen auf Anfrage gerne die Bankverbindung zur Überweisung Ihres Beitrags.

  • Mit 30 Euro ermöglichen Sie Rinck zwei Wochen freies Internet bei T-elekom.
  • Mit 50 Euro ermöglichen Sie Rinck drei Tage Verpflegung aus dem Gaskocher von Trangia.
  • Mit 100 Euro kann sich Rinck fünf Campingplatz-Nächte leisten
  • Mit 200 Euro ermöglichen Sie ihm freies Internet für die ganze Reise bei T-elekom.
  • Mit 200 Euro: Der Künstler kann sich einen Rundum-Service für sein Fahrrad leisten. Neue Bremsbeläge, neue Schläuche, neue Reifen.
  • Mit 500 Euro: Jürgen Rinck kann sich einen ganzen Monat verpflegen und vielleicht sogar eine norwegische Pizza essen gehen.
  • Mit 1000 Euro: Campingplatz und Verpflegung für einen Monat sind gewährleistet.

Wer das Projekt mitträgt, wird auf Wunsch in Publikationen und im Blog namentlich dankend erwähnt.“

(((Vielleicht hat ja auch hier jemand Lust, sich ähm, finanziell, *hüstel* zu beteiligen?)))

Fertig sind die PR-Dokumente noch nicht. Noch baue ich an einem Interview, das wir dem Versand teilsweise beilegen wollen. Auch die Web-Auftritte sind noch nicht fertig. Vielleicht nie. Wie im richtigen Leben. Bloggen und leben haben ziemlich viele Ähnlichkeiten. Beides geschieht laufend. Beides endet erst mit dem letzten Atemzug oder dem letzten Punkt. Ob fertig oder nicht. Und ob das jemand je wissen kann?

Oh, die Spülmaschine ist fertig. Toll, wenigstens sie kann es.

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10 Kommentare zu „unfertig“

  1. Das schaut ja sehr spannend aus, das Design ist auch sehr schön, ich bin ja mal gespannt auf April 🙂 3 Monate sind ja eine recht lange Zeit, ich würd wahrscheinlich nach einer Woche schon wieder heimfahren 🙂 (bzw mich heimfahren lassen, weil mir der Hintern vom Sitzen so weh tut)

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  2. ich spüre durch deine zeilen, wie die spannung wächst. vorfreude auf drei monate meerumrundung.
    und umzug…? wie sieht es da aus? gibt es denn schon die wohnung? so wie es das meerprojekt gibt?
    über die spende denke ich nach, ihr wisst, ich bin eine ziemlich verarmte… aber irgendwie ist mir das dann doch auch wichtig- nein, nicht um genannt zu werden, einfach weil mir das projekt gefällt!

    das bild der perlen gefällt mir gut und dass sich der rote faden hier und da verheddert bei all den vielen kurven, die wir nehmen, das habe ich noch nie so betrachtet, stimmt aber mit meinem jetzigen gefühl von entknotung überein.

    herzensgrüße an euch beide

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  3. danke liebe li ssi – ach, die wohnung, ich warte neben dem telefon auf eine zu- oder absage. suche natürlich schon auch weiter. sollte jedenfalls. doch das ganze absorbiert mich völlig, weshalb ich mich aufs umsmeer-projekt stürze 🙂
    danke für die herzgrüße, dir auch welche – hoch zwei.

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    1. Liebe D.
      wenn ich etwas gelernt habe bei meinen turbulenten Wochen zuletzt, warte nicht auf den Anruf, such weiter, einfach weil man sich dann nicht so sehr auf die Sache konzentriert und irgendwie hab ich das Gefühl, je mehr man wartet umso mehr gehts schief. Bei mir ist immer alles abgesagt worden, wenn ich sehnsüchtig drauf gewartet habe. War ich dann beschäftigt, hab mich um neue Angebote gekümmert, dann kam auch eine Zusage!
      Viel Glück, ich drück Dir alle meine Daumen, dass es klappt!

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