Fruchtsalat, heute, bunt

Eine Künstlerin fragt sich – womöglich –, ob denn nicht alle Menschen dieses Bedürfnis nach Ausdruck haben, das jede ihrer Zellen durchdringt. Und wie das wohl geht, ohne Ausdruck zu leben.
Eine Nichtkünstlerin fragt sich: Wieso müssen die Typen aber auch ständig alles kommentieren, ausdrücken, darstellen, was ist. Purer Luxus. Unnötig! Dass ist, was ist, reicht doch.

Wohl ticken die meisten Menschen so. Und dazwischen ist ein Graben. Mal klein, mal groß – Toleranz die Brücke, die die beiden Ufer verbindet. Falls da eine ist. Gebaut muss sie von beiden Seiten aus sein.

Künstlerin ist für mich keine Qualitätsauszeichnung, meint also nicht, wie viele Ausstellungen eine schon hatte und wie teuer ihre Bilder sind. Künstlerin und Künstler zu sein, ist ein Zustand. Die Bezeichnung meiner inneren Haltung und Gesinnung. Meine Fähigkeit oder Art, das Leben zu betrachten. Es als Leinwand für meine inneren Bilder – denen in Pixeln und denen in Worten – zu sehen. Und auch, wo ich die Prioritäten in meinem Alltag setze …

(von mir so ähnlich im Café WeltenAll kommentiert)

Schnitt.

Die Weisen sagen:
Wenn du müde bist, schlafe.
Wenn du wach bist, stehe auf.

Die moderne Medizin sagt:
Wenn du müde bist, nimm etwas, das dich wach macht.
Wenn du schlafen willst, nimm ein Schlafmittel.

Wie wenig es braucht, um weise zu sein.
Wie lange es gebraucht hat, um so blöd zu werden.

Quelle: Armatiques Blog. Der erste Abschnitt ist ein Zitat von Samarpan, der Rest stammt von ihr.

Schnitt.

Ach, Papieradressbücher! Davon liegen bei mir auch noch ein paar rum, die ich einfach nicht wegschmeißen kann. Zwar gehören viele Adressen zu Menschen, die ich seit Jahren aus den Augen verloren habe, doch ist es eben schön, darin zu blättern und an sie und das mit ihnen Erlebte zu denken. Wie an dünnen Fäden bleiben alle Menschen, die ich je kannte, immer mit mir verbunden. Und ich mit ihnen. In wie vielen Adressbüchern ich wohl drin stehe?

Heute habe ich alle Adressen im iPhone gespeichert. Gesichert auch im Rechner. Ohne Strom und Akku habe ich keinen Zugang zu meinen Daten. Ein wenig beklemmend ist das schon. Zuvor habe ich mir jährlich eine akribisch aktualisierte Adressliste ganz klein ausgedruckt und hinten in den papiernen Kalender geklebt. So waren alle und alles immer dabei. Wie heute im iPhone.

Andere Zeiten kommen immer. Und ein bisschen tut Neues ja immer weh. Zähne. Schuhe. Einlagen. Und ein bisschen trauere ich Altem immer nach. Auf einmal ist das Neue Alltag. Plötzlich alt.

(so ähnlich von mir neulich bei Blinkyblanky kommentiert)

16 Kommentare zu „Fruchtsalat, heute, bunt“

  1. Ich weiß ehrlichgesagt auch noch nicht, was eine Künstlerin oder ein Künstler genau ist, i ch weiß aber, dass in meiner „Bewertung“ evtl. die Qualität doch eine Rolle spielt. Ich würde nicht jeden mit Ausdruckswunsch und Ausdruckstat einen Künstler nennen können. Aber sehr streng bin ich auch nicht. Und bei Zeiten beneide ich jene Menschen sehr, die den Drang, sich auszudrücken, nicht so sehr haben. Die in sich ruhen können, mit sich selbst spielen und reden können, ohne die Resonanz oder das Ansehen von Außen. Solche Menschen ziehen mich an. Künstlerseelen aber auch.

  2. vielleicht müsste ich bei dieser definition von künstlerInnenseele sprechen?
    wie hat doch beuys gesagt? jede/r ist ein künstler/in …
    vielleicht haben alle das theoretische potenzial in sich?
    abschließende antworten gibt es nicht. zum glück 🙂

  3. Theoretisch hat dann jeder das Potenzial für alles in sich. Ich denke, wenn man wirklich alles gleich macht, bleibt nichts mehr übrig, was Person X oder Person Y im Besonderen ausmacht. Kunst ist einfach sehr schwer zu definieren, denn das Können allein reicht nicht. Es gibt Menschen, die haben eine wunderbar perfektionierte Maltechnik, aber ihre Seele in der Kunst leidet darunter. Andererseits ist die Seele im Werk schwer zu definieren und hängt vielleicht im Großen und Ganzen vom Betrachter ab, der wiederum durch eigene Persönlichkeitsmerkmale und Erfahrungen auf spezifische Weise ansprechbar ist für bestimmte Arten von Kunst. Man könnte hier also sagen, das, was von der Mitte der Gesellschaft als „seelvoll“ angesehen wird und ausdrucksstark, hat vielleicht wirklich etwas zu sagen. Andererseits haben wir einige geplante Querdenker, die meinen, das alles, was Mainstream sei, keine echte Kunst sein könne, weil’s eben in eine schablonische Passform gebracht wird – und Kunst, die den Durchschnitt anspreche auch durchschnittlich sei. Der Begriff ist eben mit viel Variabilität verbunden und diese wiederum epochal abhängig.

    Ich glaube, was mir bei der heutigen Kunst fehlt ist der Reifungsprozess eines Kunstwerkes. Die Zeit, die sie braucht, um zu entstehen. Es ist etwas völlig anderes, ein Kunstwerk an nur einem Tag zu erschaffen als es in einer Woche zu erschaffen. In der Woche ist die Fülle der Emotionen und Eindrücke viel größer, die Wahrscheinlichkeit neuer Impulse und Geistesblitze höher. Deshalb mag ich manchmal meine Fotografie nicht, denn wenn ich ein Bild bearbeite, dann bearbeite ich es eben an dem einen Tag und kann nicht am Tag danach noch andere Aspekte hinzufügen ohne den Grundton des Bildes zu ändern, wie es z.B. ein Maler könnte, wenn er tagelang an seinem Werk rumpinselt.

    Im Moment habe ich noch keine Definition, was Kunst genau ist. Aber ich glaube, ich kann inzwischen einwenig fassen, was eine Künstlerseele ist. Aber dazu komme ich später vielleicht noch einmal. Danke für deinen Beitrag! =)

  4. weee 😀 kuhl höhö mein blog wird zitiert 🙂 und dafür hasts du deinen post zer-schnitten?! und dann noch in nem post über künstler – hui wie komm ich zu der ehre? (ich hab bei mir übrigens noch ergänzt, wessen zitat das ist;)) *hugs*

  5. liebe sherry
    das mit dem reifungsprozess ist wirklich ein spannender aspekt.

    den kannst du aber auch so sehen: deine bilder wirst du in zehn jahren ganz anders wahrnehmen als heute – sie reifen, derweil du sie ruhen lässt. was du heute super findest, findest du dann langweilig. dafür entdeckst du dann heute langweilig scheinende bilder als genial. das allerdings hat natürlich bis zu einem gewissen grad mit der eigenen befangenheit zu tun, doch natürlich auch mit den erfahrungen, die du von hier bis dort sammeln wirst. dein geschmack ändert sich ja laufend ein wenig, dehnt sich aus. auf die einflüsse dieser veränderungen gehe ich hier gar nicht erst ein. fakt ist, dass das alles eine einizige grosse variable ist.

    ein bisschen hab ich es ja schon mit den von dir zitierten querdenkerInnen. dennoch beweisen ja immer auch die einen oder andern kunstschaffenden, dass auch das, was einer grossen masse gefällt, beseelt und lebendig ist. eben kunst, die berührt. vielleicht ist das sogar die grösste kunst? im hier und jetzt etwas zu schaffen, das eine nicht zu übersehende gruppe menschen anspricht und dabei als kunstschaffende sich selbst treu bleiben und sich die seele aus dem leib schreiben, malen, singen …

    hach, da könnte ich mich jetzt stundenlang über tausende von sowohl-als-auch mit dir austauschen 😉
    herzlich, d.

  6. fruchtsalat hat es so an sich, das da ganz verschiedene tolle früchtchen mit drin sind. kleingeschnitten, natürlich 🙂
    deine ergänzung habe ich hier auch gleich ergänzt, danke fürs zitierendürfen – meine ehre!

  7. ich glaube im grunde ist erst mal jeder mensch ein künstler, den meisten wird das nur im laufe der jahre erfolgreich aberzogen. und ich meine damit, dass man diesen kreativen zugriff auf dinge hat, damit muss man gar keine meisterschaft erringen, aber man sieht mehr als die oberfläche in bildern, man hört mehr als die töne in der musik und man ist fähig zwischen den zeilen zu lesen. wem das aberzogen wird, den nervt das alles, den nervt musik, die nicht nur aus stumpfen drums besteht und texte, die tiefer gehen möchten als schlagzeilen. das ist unendlich schade, und vermutlich nur schwer rückgängig zu machen. also für mich persönlich ist dieser kunst/künstler begriff erst mal eine haltung und erst dann eine meisterschaft und jemand, der fähig ist, etwas besonderes hervorzubringen.

  8. liebe mützenfalterin
    ich teile deine ansicht.
    die tatsache, dass wir zu einer konformität und kompatibilität verbogen werden, ist einer meiner großen globalen und wiederkehrenden schmerzpunkte.
    wenn ich dann geschichten lese oder höre, wo menschen unter größter gefahr in der musik, in der lyrik, im bild, in der literatur zuflucht gefunden haben – zuflucht vor dem durchdrehen ebenso wie zuflucht vor äußerlichen bedrohungen -, dann weiß ich wieder, dass sie eben immer da ist. diese essenz in uns, die durch aberziehung quasi „nur“ in tiefschlaf versetzt wurde. ich glaube an die reanimation. ja, an die glaube ich.
    schön ist, kindern, die nicht verbogen werden, beim schöpferischen prozess zuzuschauen – und wie sie das leben, die welt, den ausdruck anderer wahrnehmen. ja, zum glück gibt es auch das.
    herzlich, d.

  9. Ja, liebe SSophia, das stimmt. Man kann lange darüber reden. Mit dem Schaffungsprozess und der damit verbunden Zeit meine ich die eigene Kunst weniger in der Retrospektive, sondern vor allem die Zeit, die man sich für sein Kunstwerk nimmt (die man sich für einige Arten der Kunst wie das Malen oder Komponieren im Grunde nehmen muss). Was ich sagen will: Innerhalb einer Woche hat man mehr Impulse, Gefühlsnuancen und Eindrücke, die man festhalten will als innerhalb dieses einen Augenblickes, den man ein Foto abknipst und am selbigen Tag noch bearbeitet. Weißt du, was ich meine? Ich wünschte z.B., ich könnte malen, damit ich auch diese Seite des Reifungsprozesses besser erleben kann. Denn Schreiben, das tue ich meistens auch im Sturm. Was ich für das Schreiben an sich aber wiederum toll finde! Ich wünsche euch einen schönen Montag. Hier in Köln ist „Feiertag“.

  10. liebe sherry, das habe ich schon richtig verstanden, also: dass du die ins werk investierte zeit meinst. doch als ergänzung zum reifungsprozess den zeitlichen abstand zu integrieren ist eben auch spannend.
    ich frage mich dennoch, ob sich das vergleichen lassen darf oder soll: ist ein über längere zeit entstandenes werk kostbarer, weil mehr zeit investiert wurde? das qualitätsmerkmal ist für mich eher das herzblut, der sturm, die intensität. natürlich schliesst sich das eine und das andere nicht aus.
    geniess den freien tag!
    (bin keine karnevalnärrin, brrrr, da stellen sich mir die haare auf, bei dem briborium … igggittt …)
    herzlich, d.

  11. ach soo du machst ja ab und zu fruchtsalat, stimmt 😀 weisch zuerst, und eigentlich immer noch ein bisschen frag ich mich, was hat denn dieses quote mit deinem post zu tun?
    hmm tja, das ist nämlich schon auch mein thema. ich fühl mich in mir drin als künstlerin, definitiv jedenfalls nach deiner definition:) aber wenn ich das so in die welt hinaustragen sollte, glaub ich immer den kriterien, die die welt so aufstellt fürs künstlersein, nicht zu entsprechen und tu es deswegen auch nicht…eben wie du geschrieben hast..ich finde auch, es ist keine qualitätsauszeichnung..für die welt aber oft schon..pfff hard to get out of it!

  12. jaahaa, zusammenhänge, die scheinbar auf den ersten blick keine sinn? wie sind ananas und apfel verwandt? lach. beide süss, beide gesund.
    so passt eben deine weise aussage in einen artikel, wo ich drei verschiedene gedanken verbinde, in dem ich sie zerschneide 🙂
    ein kriterium für künstlerIn-tum ist für mich auch dieses hohe mass an selbstkritik und -zweifel … jedenfalls ein wenig. der wunsch nach einem ureigenen, nicht nachgeplapperten ausdruck, der authentisch ist. aber, weisch was? ich glaube, es gibt da wirklich keine abschliessende nach-aussen-definition. entscheidend ist, wie du dich wahrnimmst.
    herzlich, d.

  13. Ich denke, ein Kuenstler braucht starke Nerven. Da er sich intensiv mit den Materialien beschaeftigt, hat er ein anderes feeling dafuer als der schnell urteilende Betrachter und muss die oft eher unsensiblen Bemerkungen zu dem, was er mit Herzblut geschaffen hat, aushalten und darf sich in der Nacht nicht noch darueber graemen. Muss immer wieder von Neuem an die Arbeit, egal, ob man ihn als Kuenstler oder Nichtkuenstler bezeichnet.

  14. Hihi Sherry, an das hab ich heute auch denken müssen mit der Kunst, also mit der Eintageskunst. Meine Bilder sind ja auch immer nach 3-4 Stunden fertig. Ich hab einfach keine Geduld dafür. Ich kann mich nicht ruhig hinsetzen und einen geraden Strich zeichnen. Und dann verfliegt das Gefühl ja wieder. Am nächsten Tag fühlt sich alles wieder anders an.
    Drum hab ich heute auch überlegt, ob ich nicht dran üben sollte mal konsistent mehrere Tage an einem Bild zu arbeiten und dann las ich grad jetzt Eure schöne Diskussion hier :).

    Ich hab mal eine echte Künstlerin getroffen, sie ist bettelarm, lebt von Harz4, aber sie war unglaublich nett und sensibel; wir haben uns gut verstanden. Wir mussten sie damals beraten im Zuge eines PR-Seminars an unserer Journalistenakademie. Und dann hab ich ihre Bilder gesehen, dann wusste ich was echte Kunst ist. Sie waren ganz einfach. Nur ein paar Farben, keine festen Formen, aber das Bild hat so unglaublich viel ausgestrahlt, ich konnte mich gar nicht mehr davon lösen. Ich glaube Kunst erkennt man mit dem Herzen, wahrscheinlich kann man sie gar nicht im Kopf definieren 🙂

    Liebe Sofasophia, das ist ein wirklich schönes Samelsurium unterschiedlicher Gedanken, Dein Beitrag gefällt mir sehr!

Was meinst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.