glasklar

In der Welt der Träume ist vieles glasklar. Bilder erschließen mir ihren Sinn, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Ich weiß alles. Im Traum gibt es keine Fragen. Antworten auch nicht. Nur Geschichten. Was ich mit ihnen mache, bleibt mir überlassen. Möglich ist alles. Ob hier wie dort, wird sich zeigen. Erwachend murmle ich, dass der Alltag die Leinwand sei. Unsere Leinwand. Und die bemalen wir!
Und die Farben?, fragt Irgendlink, ebenfalls noch irgendwo zwischen drüben und hier.
Die Farben, hm, die Farben quetschen wir aus den Tuben der Lebenserfahrung.
Ich sehe uns, wie wir um die auf Kanthölzer gespannten Leinwand sitzen und mit unsern Pinseln, die für unsere Visionen und Ideen stehen, Schicht um Schicht unserer Geschichten aufschichten.
Je älter je mehr Farben haben wir!, murmle ich.

Gemeinsam malen wir unser Bild. Der Alltag – dieses grenzenlose Ding voller Einschränkungen und Sachzwängen – ist unsere Leinwand. Weiße Stellen hat es, solange wir leben jedenfalls. Die einen Ecken malst du, andere male ich, doch auch Schnittmengen gibt es. Da. Auf diesem Aufschnitt erkenne ich deinen Stil und Strich kaum. Gut so. Viele Gesichter hast du. Ich auch. Diese viele Schichten machen deine Geschichte zu deiner Geschichte.

Die gestrige Farbschicht stand eine Stunde lang im Zeichen der Pressefotografie. Erstaunt war ich, wie großen Spaß es macht, so ein Shooting mit Nikon. Das aufgebaute Zelt auf dem Feld unter dem Hof. Daneben das vollbepackte Rad mit Sack- und Lenkertaschen.

Eine Matte vor dem Zelt, darauf die Reisetastatur mit Bluetooth. Das iPhone. Der Live- und Life-Blogger bei der Arbeit. Lässt sich auch mit K schreiben, sagt er später, beim Frühstück, Like-Blogger.

Noch so eine Schicht: Das Heute. Jeder Tag. Tägliche Lebenskunst. Vergängliche Steinsäulen am Flussufer der Kunst.

Advertisements

8 Kommentare zu „glasklar“

  1. Bei dem Foto hab ich aber eher das Gefühl es sei Sommer als kalter Winter! Aber das Gras ist nicht grün genug für den Sommer 🙂

    Der Alltag als Leinwand? Oh, der Gedanke gefällt mir sehr!

    Gefällt mir

  2. Ah verdammt, jetzt wollte ich nochmal editieren, dabei geht das gar nicht! Die Bildkomposition ist übrigens toll mit dem Fahrrad und der Wolke, sehr dramatisch! 🙂 Ich lieeebe Wolken ja… (irgendwann muss ich mal schreiben warum 😉 )

    Gefällt mir

  3. stimmt, im hohen norden sind die wolken grandios.. und genau das wollte ich auch anmerken… dass das bild seine dynamik durch eben diese wolken erhält… das hat sie (die wolke) gut gemacht- auf der leinwand der kamera…
    ja die leinwand des lebens und der alletage… was ich wohl heute darauf pinseln werde? gerade eben einen tiefen goldton- so, wie die sonne soeben in diesem zimmer aufgegangen ist- und dann kämen verschiedenfarbige spiralen darauf, von innen nach außen gehend… als symbol für das immer und immer weiter fortschreitende leben, denn ich las gerade mein buch für meine tochter, die nun selbst bald mama wird- von dort kommen die spiralen, manche leuchten, manche sind grau, manche sind prall und dick, andere fast nicht zu sehen…

    liebe grüße U.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.