so langsam

Nachdem der ganze Papierkram, den ein Umzug mit sich bringt, fast erledigt ist – sogar die neue Adressstempelplatte habe ich Stempelfetischistin, die ich bin, schon bestellt –, geht es schon bald um den praktischen Teil der Materialverschiebung. Leben ist ein einziges Verschieben von Materie. Von A nach B. Von B nach C. Und wieder zurück. Und wieder von vorne. Und irgendwann alles im Müll. Alles. Irgendwann.

Kurz und gut: Bald gilt es Kisten zu packen. Mal wieder.

Und heute in genau drei Wochen laden wir die Kisten in W., meinem neuen Wohnort, bereits wieder aus. Wenn alles läuft wie geplant. Sogar das Zügu-Team – hier wie dort – hat sich gefunden. Und das fast ohne mein Zutun.

Vor einem Jahr habe ich neben der ganze Arbeit gepackt. Jeden Abend ein paar Kisten. Am Wochenende dann Brockenhäuser aufgesucht und Altlasten abgeworfen.

Diesmal habe ich Zeit. Rein theoretisch könnte ich in drei Arbeitstagen stressfrei alles packen. Stress will ich nicht, diesmal nicht, lange in einer ungemütlichen, weil mit Kisten überstellten Wohnung leben, aber auch nicht. Doch ich weiß: die Seele braucht Zeit. Erst wenn Kisten herumstehen, wird mein Herz begreifen. Dass das alles ernst ist. Diese Sache mit dem Umzug in die Schweiz. Diese bevorstehende Trennung – räumlich viele-viele Kilometer! – von Irgendlink, der die Welt die Nordsee umradelt. Das Leben.

Du bist mein Sonnenuntergang!, sagte ich, als dieser mich mit einem Kuss weckte. Draußen dunkeldämmert’s. Verschlafen reibe ich mir die Augen. Vor dem Ofen war ich über meinem Buch sitzend eingedöst. Obwohl wir ausgemacht hatten, dass ich ihn wecke. Damit wir gemeinsam in den Sonnenuntergang spazieren können. Zu spät für das letzte Abendlicht.
Ich bin dein Weltuntergang?, sagt er, so ist das also!

Was zählt, wenn die Welt untergeht? Nein, nicht die tollen Drucksachen und Werbeträger, die J.s Reiseprojekt bewerben, nicht mal seine tollen, neuen Visitenkarten, nein, auch nicht meine neue Schweizer Telefonnummer, die ich seit gestern habe. Nicht mal meine neue Adresse und schon gar nicht das eine oder das andere Land. Dies alles sind bloß Rahmen. Bilderrahmen. Buchumschläge meinetwegen. Tablare vielleicht oder Büchergestelle, Schränke und Schubladen.

Nicht dass Rahmen und so Sachen nicht wichtig wären, aber zählen tut, was auf den Tablaren, in den Schränken und Schubladen liegt, in den Rahmen gezeigt wird, im Buch geschrieben steht. Zählen tun nicht die Farben, nicht der Glanz des Lacks und nicht die Buchstaben. Es zählt, was sie sagen. Was sie meinen. Was sie sind. Du. Ich.

Werbeanzeigen