Die Sache mit den Blickwinkeln

Eigentlich wüsste ich es ja längst. Der Blickwinkel macht’s. Oder iPhonisch gesprochen ist es der Filter, oder die App, die es macht. Wie gerne würde ich an Bluestagen wie heute einfach einen anderen Filter auf meine Seele legen. Andererseits ist es wohl auch ganz gut so, wie es ist. Und besser zu viel wahrnehmen als gar nichts.

Mit dem Rad an der Aare unterwegs und innehaltend – ein wunderbarer Frühlingstag hat mich aus der Wohnung gelockt – habe ich heute einfach nur dem Rauschen gelauscht. Das Buch blieb im Rucksack.

Drei verschiedene Ausschnitte mit zwei bis drei verschiedenen Linsen. Welches zeigt nun wirklich die Wirklichkeit? Und sind die anderen falsch?

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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

21 Kommentare zu „Die Sache mit den Blickwinkeln“

  1. Gute Frage, auf die es aber keine Antwort gibt. Wir tragen tatsächlich unsere Filter in uns.
    Und ‚besser zu viel wahrnehmen als gar nichts‘, das hat schon mein alter Hausarzt vor einiger Zeit gesagt. Das mag manchmal schmerzhaft sein, aber wenn’s einem gut geht, empfindet man das auch stärker.

    1. ja, ich fühle mich verstanden. und dieses stärker ist ja letztlich total relativ. eben auch so eine art filter. hm … ein endloses thema irgendwie.

  2. Wirklichkeit ist Wirklichkeit- Garten mit Gerüchen und allem Drum und Dran und Foto ist Foto, mit allem, was der Auslösende so gemacht hat.

    1. aber foto ist auch wirklich und text ist auch wirklich! und beim foto ist das ungefilterte so wirklich wie das bearbeitete. und beim text der rohe ebenso wie der gefeilte. weil eben alles, was ist, wirklich ist und wirkung hat. so sehe ich es jedenfalls. das ist meine wirklichkeit.

  3. Keines davon zeigt die “Wirklichkeit”. In Wirklichkeit gibt es keine Farben. Die Kontraste der Umgebung sind dementsprechend nicht so stark, weil das Kontrastsehen auf lateraler Inhibition durch benachbarte Amakrin- und Bipolarzellen entstehen. Du hast vermutlich Dinge anders gehört, als sie sind, sogar anders, als eine andere Person sie hört, weil eure Ohrmuscheln anders gebaut sind und Schallwellen anders lenken. Deine Erfahrungen, deine Persönlichkeit und deine ganze Biografie lassen den Ort zudem anders bewerten. Was für dich eine Art Heimkehr ist, kann für einen anderen auch ein Ort sein, der ihn von jemandem unter Zwang getrennt hat, vielleicht aufgrund eines Jobangebotes. Wo die Wirklichkeit in all dem steckt, weiß ich nicht. Aber ich bin der Meinung, sie ist weitaus größer als das, was wir wahrnehmen können. Immerhin kann es nicht sein, dass die Elemente eines unendlichen Universums mit unseren verkümmerten paar Sinnesorganen und unseren kognitiven Grenzen überhaupt im Ansatz erfasst werden können. Deshalb: Einfach mal genießen, was wir wahrnehmen können und demütig darüber staunen, dass wir den allergrößten Teil nicht wahrnemen können.

  4. das hast du super formuliert. so was ähnliches habe ich vor dem einschlafen gedacht. also die letzten fünf-sechs zeilen. und ja, die wahrnehmung eines ortes ist total mit den gemachten erfahrungen verknüpft, mit vorlieben und traumata. alles verwebt sich und ist doch immer nur ein ausschnitt vom noch grösseren „alles“. danke für diesen spannenden input!

  5. Sherry hat es wunderbar zusammengefasst, so sehe ich es auch.
    Oder höre ich es so, denke es nur, empfinde es mittendrin…?!
    deine Bildzusammenstellung ist wunderbar.
    Einen Filter über die Seele legen… tun wir das denn nicht immer mal wieder? Verliebte färben die Welt rosarot, Depressive grau bis schwarz, etc. – das Wissen darum macht allerdings die AlleTage, die vielleicht gerade Bluestage sind darum nicht wirklich erträglicher.

    ach, ich drücke dich mal
    von Herzen Li Ssi

  6. „Der Filter macht’s“, ich mag diese Metapher. Und bin unglaublich froh über die „Filter“, die unsere Seele generiert und uns die Welt immer wieder neu wahrnehmen und entdecken lässt. Gerade an den „Bluestagen“ zeigt sich die Umgebung, sofern man sich wie du aus dem Haus wagt, in oft interessanten Farben und Formen..Mir geht es meistens sogar so, dass ich da draußen alles viel intensiver wahrnehme, wenn ich deprimiert bin..Liebe Grüße!

    1. ich finde auch das kombinieren der apps immer wieder fastinierend 🙂
      schaut mal unter iphoneart.com (im menü und im blogroll unter iphoneart findet sich auch der link zu meinem account dort). hach, experimentieren! 🙂
      liebe grüße, soso

      ps: seit anderthalb jahren bin ich hipsta-fan. die app ist einer analogen kamera mit versch. linsen und filmen nachempfunden 🙂

  7. schön 🙂

    letztlich finde ich es spannend, wie verschieden Bilder werten, wenn man unterschiedliche Filter einsetzt – ich fotografiere auch grad sehr viel mit dem Phone und bastle Collagen daraus …

    sich die Neugier auf die Verschiedenheit bewahren … und dabei wissen, das wir es sind, die wählen können, welchen Filter wir einsetzen …

    gefällt mir gut 🙂
    lieben Gruß,
    Tabea

  8. willkommen hier, tabea.
    ja, genau. das wissen um unsere wahlmöglichkeiten, ist zwar eine grosse verantwortung, aber auch eine grosse chance.
    auf wiederlesen hier und bei dir
    liebe grüße, soso

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