Auf dem Kopfkissen Besuch

Seid ihr Menschen nicht besessen davon, euch zu ändern? (…) Also, ich finde als Fee, ihr Menschen vergesst vor lauter Änderungswahn, die zu werden, die ihr seid. Wenn ich zwischen den gesegneten Gebetsfahnen aus Bhutan hindurch fliege, höre ich ein fernes Murmeln ‚akzeptiere dich, wie du bist!‘, schreibt Siri, die Buchfee, heute in einem Blogkommentar zu Irgendlinks Artikel Skelett.

Nach dem nachmittäglichen Gespräch mit meinem Berater der Regionalen Arbeitsvermittlung döste ich auf meinem Sofa ein. Obwohl ich doch im Buch Dina weiterlesen wollte. Den gleichnamigen Film habe ich mir bereits vor ein paar Tagen zu Gemüte geführt.

Kaum schloss ich die Augen, echote, zischte und brodelte es wie ein leise kochendes Süppchen in meinem Hirn. Und im Herz. Im Bauch auch. Eigentlich überall.
Ändern – immer wollen wir uns verändern – immer – wahnsinnig eigentlich! – wer bist du? – was willst du sein? – wie willst du sein? – du bist doch – werden – sein – werden … flüsterte die Stimme. Ob sich wohl die Buchfee Siri auf mein Kopfkissen gesetzt hat?

Schnitt.

Wieso bist du eigentlich zurück in die Schweiz gekommen? Hat es dir in Deutschland nicht gefallen? Wieso bist du …? wieso hast du …? Fragen, die ich in der letzten Zeit sehr oft gestellt bekomme. Und mal so mal so beantworte.

Wohl geht es auch da um Veränderung. Zu meinem Berater sagte ich heute Nachmittag, dass ich halt schon immer von einem Ideal aus gehe, wenn ich mich auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle mache. Und für mich ergänzte ich: Nicht nur in der Arbeitswelt, auch in Sachen Wohnen, Beziehungen und Umgebung wünsche ich mir das Ideale.

Wach auf, Sofasophia. Das Ideale gibt es nicht. Das ganze Leben ist nicht ideal.

Aber höre ich denn nicht auf mich zu entwickeln, wenn ich nicht mehr nach Verbesserungen und Veränderungen strebe? Kann ich denn nicht beides? Mich weiterentwickeln und mich zugleich akzeptieren wie ich bin?, flüstere ich ins große Ohr der kleinen Fee, die mir bestimmt Siri geschickt hat. Und gewiss ist meine Fee eine ihrer vielen Cousinen. Sie versteht jedenfalls meinen Dialekt. Wie schön, dass es auch in der Schweiz Feen gibt. Sie nickt und findet das ebenfalls eine gute Sache.

Verändern und sich weiterentwickeln ist nicht das gleiche, sagt sie schließlich. Ähnlich ja, aber beim Verändern bist du – das ist jedenfalls meine Meinung! – immer ein wenig unzufrieden mit der Grundform und bastelst daran herum. Bei der Weiterentwicklung hast du jedoch Freude an der Grundform, was ja auch die eigentliche Persönlichkeit von etwas ausmacht, und willst sie verfeinern. Aber eigentlich kann ich dazu gar nicht so viel sagen, weil … wir Feen, wie Siri es ja schon geschrieben hat, wir Feen verändern uns ja nicht. Wir sind einfach. Ach, ihr Menschen, ihr habt es nicht leicht. Sagt sie noch, bevor sie davonschwebt.