Autos, Bücher, Brötchen und Kohle

Ich renne mir hinterher. Mir und meinen ZuTun-Dingen. Und ausgerechnet dann wird es endlich Hochsommer, zumindest für einzwei Tage. Hochsommer, den ich auskosten sollte.

Seit drei Tagen will ich Mails schreiben. Seit drei Tagen will ich über den Sinn des Lebens und so Sachen bloggen. Von Hamburg erzählen. Und seit drei Tagen will ich endlich alle Lieblingsblogs nachlesen.

Doch da ist die ganz materielle Welt, die sich in den Vordergrund drängt. Mein Sternchen* ein weiteres Mal reparieren zu lassen, übersteigt meine Schmerzgrenze – zumal ich nicht weiß, wie lange die nächste auf sich warten lassen würde. Damit herumzufahren ist eine Mutprobe. Ich weiß nicht, wann das nächste Rostrohr bricht – und ob ich das nächste Mal auch wieder das Glück haben würde, vor einer Garage** zu stehen, wenn es passiert. Ach, und zu allem habe ich mich verliebt. In ein günstiges Fiesta-Teilchen, das mir Garagist ** J., Freundin L.s Schwager, zu einem fairen Preis verkaufen würde – seine jüngere Schwester hatten wir im Urlaub gemietet. Doch weil Garagist J. bald Urlaub hat und ich gerne baldmöglichst, aber bis spätestens Ende Monat, wieder mobil wäre, drängt die Zeit. Wenn ich genau hingucke, erkenne ich, dass die Entscheidung längst gefallen ist.

Dennoch – einmal mehr begreife ich, dass ich die Sache mit der Materie weit weniger gut packe als jene mit den Buchstaben. Buchstaben sind mein Ding. Vom fast vierhundert Seiten dicken Sachbuch, dass ich bis 1. August rezensiert haben soll, hab ich zwar gerade mal vierzig Seiten gelesen, habe also auch hier einen gewissen Druck. (Nein, ich jammere nicht. Das ist bezahlte Arbeit. Lieblingsarbeit sogar.)

Doch jetzt ruf ich aber erst mal Freundin T. an, denn Beziehungen sind wichtiger als Autos, Bücher, Brötchen und Kohle.

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*Mein japanisches Auto mit seinem englischen Namen, wie Stammlesenden wissen, ist so langsam in die Jahre gekommen.

** auf deutsch-deutsch heißt dieser Beruf wohl Autowerkstattbetreiber oder so, aber sagt selbst: das schweizerische Garagist ist doch einfach schöner. Und Garage für Autowerkstatt kann ich mir auch nicht abgewöhnen. Dafür sage ich noch immer parken statt parkieren, seit ich zurück in der Schweiz bin und ernte dafür amüsierte Schweizer Blicke …

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