Ohne Netz

Auf dem einsamen Gehöft in der südlichen Pfalz, wo ich bis vor ein paar Monaten gewohnt habe. Wieder hier zu sein, fühlt sich seltsam an. Die rauschenden Pappeln wie eh und je. Der Grillplatz. Der Garten. Eine frühreife Baumnuss, die knapp an meinen Ohren vorbei auf den Boden fällt.

Aber vor allem ist da der Liebste, endlich zurück von seiner langen Reise. Wie schön es wäre, jetzt einfach Zeit für einander, Zeit für eine sanfte Landung zu haben! Zeit für ein paar wenige Menschen, Zeit für dosierte Begegnungen da und dort. Zeit, um zusammen Bilder anzuschauen, Zeit, sich Geschichten und Erinnerungen an die letzten Monate hinzugeben.

Dass sich Irgendlink vor seiner Reise auf das erste Augustwochenende ein kulturelles Event auf dem Hof aufgeladen und das Datum danach schlicht vergessen hat, ist menschlich, insbesondere wenn man eine Reise macht, die einen siebentausendsechshundert Kilometer ums Meer führt.

Doch auch ein vergessenens kulturelles Event will vorbereitet sein, vor allem wenn man Gastgeber ist, eine einfache Infrastruktur zur Verfügung stellt und selbst als Kunstschaffender mitbeteiligt ist. Deshalb müsste es eigentlich nicht auch noch sein, dass das Internet aus unerfindlichen Gründen in den letzten vier Monaten „kaputt“ gegangen ist. Nicht zu alledem, was zu tun ist. Mal tragen wir es mit Fassung und weichen auf unsre iPhones aus, mit denen wir ja auch übers (hier superlangsame) Handynetz ins Internet kommen, mal nerven wir uns über das Fehlen der kabellosen Verbindung mit dem Universum. Zumal Irgendlink Kunststraßen- und andere Reisebilder nach Paris mailen müsste, damit sein Künstlerfreund die geplante Diaschau für die Ausstellung in Los Angeles bauen kann. Doch zuerst muss er ja, ganz nebenbei, seine siebeneinhalbtausend iPhone-Bilder auf den Rechner laden. So oder so, alles ist ein wenig zu viel. Die Zeit, sich langsam wieder auf dem Hof und beieinander einzufinden, wird von all den anderen To-Dos einfach aufgefressen.

Gestern Nacht sind bereits ganz überraschend die ersten Künstler angekommen. Jetzt ist das Paar, dass das Event schmeisst, zur Hälfte am Einkaufen und zur zweiten Hälfte am Diesunddasen. Und ich nehme mir eine kleine Insel voll Zeit, vor dem Sturm sozusagen, um diese Zeilen auf die Bluetooth-Tastatur zu hacken, die mit Jürgen ums Meer gereist ist. Schnell und langsam sind ganz nah beieinander. Die Sonne fällt, gefiltert vom Nussbaum, auf den Tisch, und die Hühnerclique, vom Fuchs arg dezimiert, scheint Siesta zu halten. Kein Gackern weit und breit. Nur das Rauschen der Pappeln und ferner Verkehr, der über die Sickinger Höhe rollt.

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