Europia 2030

Während sich mein Liebster mit meinem neuen, desolaten Laptop abquält, weihe ich hiermit meine neue kleine 28 x 13 cm kleine externe Tastatur fürs iPhone ein, die er mir besorgt hat. Für unterwegs ist so was einfach genial. Einerseits …

Doch andererseits hatte ich vorhin echt die große Technik-Krise. Auf einmal blieben einfach alle Programme hängen – diesmal auch beim alten, zurzeit gut laufenden Laptop. Während ich mein iPhone backupte. Zum Glück nur zwischenzeitlich.

Ich glaube, ich steige wieder auf analog um!, sagte ich zu Irgendlink, der mit seinem unnachahmlichen Professorenblick herausfindet, wie genau er meine Daten retten kann, bevor er – falls notwendig – meine Festplatte samt Betriebssystem plattmacht und danach das neueste Linux-Betriebssystem installieren wird, dass er vorher aus dem Netz gefischt hat.
Mach das, gute Idee!, murmelte er, und rettet weiter meine kleine digitale Welt.

Verrückte Technik. Analog leben – ob ich das, ohne äusseren Druck meine ich, überhaupt noch könnte? Alle meine Geschichten sind auf einem Kunststoffteil abgespeichert, alle Texte, Gedichte, Notizen und Bilder habe ich in Bytes verwandelt, in Einsen und Nullen. Was bleibt von alledem, wenn ich einmal den Löffel abgebe?

Totos Geschichte, damit meine ich das in diesem Blog bereits vorgestellte Buch Vielen Dank für das Leben von Sybille Berg, das mich ein paar Tage intensiv beschäftigt hat, ist ausgelesen.
Ein Buch, das das Zeug zu einem Kultbuch hat, sagte ich gestern zu Irgendlink, als wir auf meiner neuen Holzbank saßen und etwas tranken. Ein Buch, das mich an Orwells 1984 erinnert. Visionen einer Zukunft, die niemand wirklich so will. In achtzehn Jahren, also zum Zeitpunkt, wo das Buch aufhört, könnte es erneut auf den Markt kommen. Was wird sich bewahrheiten von Sybille Bergs Visionen eines pseudofriedlichen, künstlich erzeugten und ganz und gar stinklangweiligen Europa, das die Autorin rund um Totos nach außen hin zerfallendes Leben so akribisch zeichnet? Und falls es so wird – wo werde ich darin meinen Platz finden? Werde ich? Will ich? Und warum?

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2 Kommentare zu „Europia 2030“

  1. analog schreiben… ei das tue ich immer noch (aber du ja auch und wenn es „nur“ das Tagebuch ist)- letztens dachte ich an ein Erlebnis auf den Lofoten auf einem Abendspaziergang. Da war eine wunderbare alte Schreibmaschine in einem Antiqitätengeschäft ausgestellt. Damals beschloss ich, dass ich wieder mehr schreiben will. Aber mal ehrlich, so schön ich diese alten Schreibmaschinen finde, aber die Korrekturen… nein, dahin möchte ich dann doch nicht mehr zurück! Nur wenns sein muss…
    und ob wir einen Platz in der neuen Welt finden… wir werden sehen, ich hoffe nur, dass sie einen Platz für mich bereit hält… 2030 bin ich 74 Jahre alt… wenn…
    leibgrüßt dich und deinen Liebsten Frau Blau

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    1. daaanke, wir grüßen „leib“ zurück und herzlich …
      ne, wenn schon ganz analog. schreibmaschine ist nicht wirklich „praktisch“ …
      außer hin und wieder morgenseiten und einkaufszettel bin wirklich voll digital …

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