Der fehlende Nagel

Neulich, bei Kate Atkinson, las ich ein Gedicht. Ein Zitat. Leider ist das Buch schon wieder in der Bibliothek, so dass ich es hier nicht rezitieren kann. Um einen Nagel ging es, um den fehlenden Nagel um genau zu sein. Denn eigentlich ist es ja immer nur ein fehlender Nagel, der an allem schuld ist. Im Gedicht war er schlussendlich schuld daran, dass ein Krieg ausgebrochen ist und viele ihr Leben verloren habe. Dabei hatte alles so harmlos angefangen.

Gestern auch. Irgendlink war fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der Hauptschalter, an dem mein Laptop hängt, den er neu aufsetzen wollte, bereits eingeschaltet ist. Er legte die Windows-Wiederherstellungs-CD ein, die er neben dem Betriebssystem Linux installieren wollte (damit ich wahlweise wechseln könnte) und startete die Einspielung des Programms. Ein Kontrollblick nach einer Viertelstunde (das ist die Zeit, die wohl bei Nichtaktivität im Akkumodus programmiert ist, um das System in Schlafzustand zu versetzen) zeigt: Der Prozess ist abgebrochen.

Ein fehlender erster Nagel. Beim Neustart will und will sich die CD nicht mehr öffnen und für eine Fehlersuche war mein Liebster schlicht zu faul. Der zweite fehlende Nagel. Dann halt NUR Ubuntu? Ja, genau, so machen wir es.

Technik und Leben – so viele Analogien, dass wir längst in technischen Metaphern reden. Auch so wandelt sich die Sprache im Laufe der Zeit. Wir wählen andere Bilder als früher, um Dinge zu beschreiben.

Wenn ich unter Stress stehe und ich mir und meiner fehlenden Zeit ständig hinterher laufe, sage ich zuweilen, dass ich mich mal wieder synchronisieren muss. Oder neulich, am Kurs in Luzern, hatte ich – wie auch gebloggt – mitten im Prozess, an dem ich teilnahm, das Gefühl, dass sich mein Inneres defragmentiert, dass sich meine innere Festplatte gerade eben selbst in Ordnung brachte.

Neue Dinge, neue Systeme, die von außen kommen und mein Leben bewegen, mich umzudenken heißen, mag ich grundsätzlich. Sie holen mich aus den ewiggleichen Pfaden heraus, lehren mich Neues. Natürlich mag ich sehr, wenn alles gut läuft, wenn alles da ist, was ich brauche, wenn mir nichts fehlt. Weder Nagel noch sonst was. Veränderungen jedoch bringen mich dazu, nachzuschauen, was da ist. Bestandesaufnahme der Werkzeugkiste. Was ich wirklich brauche. Und ob das, was vermeintlich fehlt, wirklich fehlt.

Selbst wenn es nur so wenig ist wie ein Stromschalter, der gekippt werden muss.

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6 Kommentare zu „Der fehlende Nagel“

  1. Total lustig. Obwohl ich sehr technikaffin bin, habe ich kaum etwas von der Technikwelt in mein Emotionsvokabular aufgenommen! Mir ist aber schon aufgefallen, dass du das des Öfteren tust, was ich sehr interessant finde.

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  2. tekki-sofia! 😉 du überraschst mich Immer wieder mit deinen Vergleichen und Metaphern aus der „Technikwelt“. Es ist schön, dass du so offen bist und dich mit der jeweiligen Welt verbindest, in der du dich bewegst.

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    1. mein chamäleon-ich zankt sich oft mit meinem prinzipienreiterinnen-ich – das geht manchmal hoch her 🙂
      aber ja doch flexibilität ist mir sehr wichtig. ich will bis an mein lebensende den sonnengruß können, nur so als beispiel. guter vorsatz, gell?

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    2. ich kenn ein paar optionen, komme aber immer wieder auf die klassische (die ich für die klassische halte) zurück … ohne langeweile, denn, nein, beim yoga und auch sonst vom leben fühle ich mich kaum je gelangweilt 🙂
      herzlich, soso

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