Herbstlektüre

Nach dem wunderschönen Feuerritual an einem verwunschenen kleinen See im Wald, das wir am Sonntag bis in die Abenddämmerung hinein gefeiert hatten, saßen wir gemütlich am Tisch, genossen Essen, Gemeinschaft, Lachen und regen Austausch. Und wenn ich so mit lieben Freundinnen und Freunden am gleichen Tisch sitze, geht es nicht lange, bis das Thema Literatur auf den Tisch kommt.

Kennst du eigentlich Schlinks Sommerlügen?, fragt Freund M. (1).


Nein, leider kenn‘ ich von Schlink bis jetzt nur den Vorleser, bekenne ich. Hast du das Buch? Ich leih es mir gerne aus.
Und nachher kannst du es gleich an mich weiterschicken!,
sagt Freundin M. (1). Wenn es dir gefällt, leihe ich dir gerne Schlink Liebesfluchten aus.
Jaaa, sehr gerne! Sag mal, kennst du eigentlich Amélie Nothomb?

Kleine Buchbesprechungen machen die Runde, leuchtende Augen wärmen das Wohnzimmer. Lesen ist für uns immer wieder ein großes Abenteuer, eine Reise in andere Welten, das Betreten von Landschaften, die wir zwar zu kennen meinen, die uns aber trotz allem fremd sind.

Schlinks Schreibstil hat mir schon bei Der Vorleser sehr gut gefallen. Bei Sommerlügen nun fasziniert mich ganz besonders Schlinks wertfreie, akribische Beobachtungsgabe, und wie er diese in klare Worte übersetzt – dicht und weit zugleich. Bilder steigen auf und machen sich in mir selbständig.

Ich habe das Alleinsein verlernt, denkt der frischverliebte Richard auf der ersten Seite. Er mag diesen Gedanken. Schon die erste Geschichte des Buches, Nachsaison, hat mich gepackt: das Dilemma einer neuen Liebe, die nur lebbar ist, wenn Richard sein altes, sehr einfaches Musikerleben dem neuen in wohlhabenden Kreisen opfert. Auf die folgenden Geschichten bin ich nun total gespannt. Zeitlose Geschichten alle, die davon erzählen, wie oft und wie einfach und gerne wir alle uns selbst belügen.

Schnitt.

Im Wald entdecken wir heute den Korb eines Heißluftballons, an Seilen zwischen Bäume gehängt. Vermutlich Teil eines Waldkindergartens. Faszinierend diese Insel hier. Was als kleiner Rekonvaleszenz-Spaziergang gedacht war, wird – wie immer, wenn ich mit Irgendlink unterwegs bin – ein kleines Abenteuer. Wir stehen staunend da, auf einer kleinen Lichtung unter und zwischen den Bäumen, und ich wähne mich in einer anderen Welt, kaum fünfhundert Meter Luftlinie von Zuhause. Geschichten tauchen auf, Relationen verschieben sich und auf einmal scheint alles möglich. Fieberträume?

Meine Erkältung macht sich übrigens bereits auf den Rückzug. Womöglich verdanke ich das – außer dem Grog – auch den vielen lieben Wünschen meiner BlogleserInnen. Herzliches Dankeschön!

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20 Kommentare zu „Herbstlektüre“

  1. Kleine reale Abenteuer , wie das Feuerritual im Wald, sind wunderbar. Unterbrechen sie doch den Alltag und schaffen besonders wertvolle Erinnerungen. 🙂

    Fein, dass es dir langsam besser geht.

    Liebe Grüße, Szintilla

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  2. Ich freu mich auch schon auf meinen Rekonvaleszensspaziergang, die Erkältung, die bei Dir im Abzug ist, zum Glück, hat jetzt mich erwischt.
    Viel Zeit für Bücher, aber nicht für Schlink, mit dem kann ich nicht so viel anfangen, ich habe stattdessen gerade wieder Agota Kristofs Bücher entdeckt.

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    1. schlink ist ganz klar geschmackssache. zum glück haben wir ja die wahl. von agota kristof habe ich noch immer nichts gelesen. sie steht schon lange auf meiner inneren wunschliste. womit würdest du bei ihr anfangen, mit dem „großen heft“, oder womit sonst?

      dass meine erkältung nun durchs netz zu dir gehüpft und geschlüpft ist, finde ich doof. ob linux doch nicht so virensicher ist wie gemeint? ich wünsch dir auf alle fälle gute besserung und schon bald einen rekonvaleszenz-spaziergang!
      herzlich, soso

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    2. ja, dieser virenschutz ist noch längst nicht ausgereift 😉
      allerdings bin ich heute schon mit meinen jungs zu einem rekonvaleszens spaziergang aufgebrochen, eigentlich zu früh, aber das wetter war so wunderbar. jetzt eben sieht der himmel vor meinem fenster auch einfach bezaubernd aus.
      von agota kristof habe ich nur die analphabetin und die triologie um das große heft gelesen. das große heft ist aber für mich konkurrenzlos ihr allerstärkstes werk.

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    3. gut, dass es dir schon besser geht. bei mir auch. so gut, dass wir nach karlsruhe zur haushundhirsch-vernissage fahren konnten und dort philea und lakritze gleich auch mit kennenlernen durften 🙂
      mehr demnächst in diesem „theater“ …

      danke für den buchtipp! hab ich mir notiert.

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  3. Ich kenne von Schlink bisher auch nur den Vorleser, den ich vor etlichen Jahren gelesen habe und an den ich keine ausgeprägten Erinnerungen mehr habe. Dieser Titel von ihm macht mich jedoch neugierig und wird direkt auf meine Wunschliste gesetzt! 🙂

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  4. ich kenne auch nur den Vorleser und hängen geblieben ist nichts… dennoch habe ich mir den Tipp notiert, weil ich genaue Beschreibungen/betrachtungen schätze und mich gerade darin mehr üben will.
    dein Header ist wunderbar farbenfroh und formenschön!
    weiterhin einen Aufwärtsgang wüscht dir von Herzen U.

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