Buntes Ding

Was läuft da eigentlich ab und wieso greifen aktuell alle Ereignisse und Informationen mühe- und nahtlos ineinander über, als hätten sie etwas miteinander zu tun? Weil alles zusammenhängt?

Alle sagen und alles sagt mir dieser Tage, dass ich gut zu mir schauen soll. Dabei geht es um meine Ressourcen. Um mein Wohl. Um meine Seele. Was immer das ist. Ob das Leben mich auf diese Weise auffordert, etwas zu tun? Doch kaum schreibe ich diesen Satz, wird mir klar, dass ich diesmal nichts unternehmen, dafür ganz viel los- und zulassen darf.

Zwar steht die Seele nicht grundsätzlich im Widerstreit zu Kopf, Verstand und Vernunft, doch so, wie ich mich zuweilen verhalte, reiben sich diese beiden Instanzen oft aneinander. Diese unsichtbare Etwasse, die niemand fassen, definieren und messen kann. Dass die Seele 21 Gramm wiegt, ist nur eine These. Und dass es sie überhaupt gibt, auch. Allerdings eine wenig umstrittene.

Für mich ist sie unter anderem das Licht oder das Energie-Kraftwerk des Menschen. Liegt ein Mensch im Koma, dann, weil die Seele verschwunden ist. Vielleicht liegt sie nur zusammengerollt auf dem Dachboden oder im Keller oder aber sie hat sich ganz und gar aus dem Staub gemacht. Das zeigt sich daran, ob der komatöse Mensch eines Tages wieder aus seinem Koma erwacht. Tut er das, dann darum, weil das Licht, die Energie, wieder da ist. Oder erwacht er und dann kommt das Licht wieder? [Huhn oder Ei?] Nein, das sind keine medizinisch fundierten Erkenntnisse. Nur Gespinste.

Wo geht sie hin, die Seele, wenn sie mich verlässt? Ist sie unsterblich, wiederkehrend, endlich, sterblich? Oder sich im Großen Ganzen auflösend? Ins Große Meer sich ergießend? Oder womöglich sich zerlegend und in einzelnen Teilen wiederkehrend? Ich habe in meinem Leben diesbezüglich schon viele unmögliche und mögliche Ansätze betrachtet, geglaubt, verworfen. Ob ich mich in diesem Bereich wirklich nach einer wissenschaftlichen Antwort sehne, nach einer letzten, unumstößlichen Antwort? Nein. Ich mag die vorläufigen. Die austauschbaren. An letzten Antworten auf solche Fragen bin ich nicht interessiert. Ich würde ihnen misstrauen. Da suche ich mir lieber eigene.

Dass die Seele das Licht des Menschen sei, ahne ich. Das Licht jedes Menschen ist aber nicht nur in der Seele, auch die Schatten nicht. Und umgekehrt ist die Seele für mich mehr als nur der Ort, wo das Licht des Menschen wohnt. Weitere Aufgaben der Seele sind für mich das Senden und Empfangen nonverbaler Inhalte. Wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, wie wir auf Dinge reagieren, wie wir Dinge anpacken. Worauf wir uns einlassen und warum. Und auch all das, was hinter und unter diesen Wahrnehmungen und Wies und Wos liegt.

Die Seele, so glaube ich, ist ein äußerst fragiles Nicht-Ding, das bei kleinster Grobheit bereits wackelt. Was der Grund ist, warum viele Menschen ihre Seelen dick einpacken und hinter selbstgebauten Mauern verbergen. Natürlich gibt es für Mauerbau noch viel mehr Gründe, Seelenschutz ist nur einer. Oder wollen wir es Antispürenmüssen-Massnahme nennen? Spüren ist suspekt. Ist kompliziert. Bringt Scherereien. Hat in dieser Gesellschaft wenig Platz. Und Stellenwert kaum. Hindert uns nur daran, voran zu kommen. Ist weiblich. Und unprofessionell sowieso.

Jene Menschen, die ihre Seele direkt unter der Haut tragen, bekommen immer wieder zu hören, dass sie nicht belastbar genug seien für … Dass sie besser nicht zu viel spüren sollten. Dass sie ein bisschen mehr dies werden und ein bisschen weniger jenes sein sollten. Anders. Denn sowas ist doch nicht normal.

Eine seelenlose, coole Welt – ist es das, was wir wollen?

Meine Seele ist bunt. Und deine?

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22 Kommentare zu „Buntes Ding“

  1. Bestimmt bunt, orange, gelb, grün, weiß, schwarz…!!! Sie liegt leider auch direkt unter der Haut, und schon manchen blauen Flecken weggesteckt!
    Bei meiner Arbeit mit Wachkomapatienten hatte ich den Eindruck, dass die Seele sich eingemauert hat. So wie sie bei Depressionen auch in Gips liegt…

    ..grüßt dich Monika nachdenklich

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    1. eingegipste seelen, liebe monika, die gibt es besitmmt mehr als wir denken. ein verrücktes bild, das du da bringst. eins, das ich nun nicht so schnell wieder loswerde. ein starkes bild.

      danke für den input!

      liebe grüsse, soso

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    2. «wie sie bei Depressionen auch in Gips liegt…»

      In Gips und Blei … Und doch ist die Seele voller Licht! Nur wird das manchmal, manchmal verdeckt von all den Schatten, die das Lich mit sich bringt. Bin ich zu sehr geblendet, sehe ich eher in die dunklen Bereiche …

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    3. diese bildersprache, die sich an der sichtbaren realität orientiert, kommt der „sache“, finde ich, sehr nahe. kontraste aushalten finde ich manchmal ganz schön anstrengend!

      danke für deinen beitrag, emil!

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  2. Meine Seele sehe ich als Smiley-Gesicht mit blauen Augen. Sie ist sehr blauäugig und wohnt auch direkt unter der Haut. Sie kann lachen, weinen, hüpfen, stolpern, kuscheln, träumenträumenträumen und ist überhaupt ein kleines unschuldiges gutgläubiges (und auch oft verletztes) Kind.
    Bei Depressionen sehe ich Seelen, deren Augen verbunden oder deren Münder mit Klebestreifen verschlossen, deren Ohren zugestöpselt sind. Und die Seelen Komakranker sind in Käfigen gefangen, die unter der Decke hängen. Manchmal öffnen sie sich und die Seele kann zu seinem Menschen zurückspringen, nein, hüpfen. Seelen hüpfen.
    Oh, auf was für Gedanken bringst du mich?

    Lieber Gruß
    Elke

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    1. eine blauäugige seele – das gefällt mir. das ist meine bestimmt auch, liebe elke. im schamanismus redet man ja nach traumata und auch in anderen situationen von seelenteilverlusten. diese teile können aber auch zurückgeholt werden. oder sie kommen vielleicht eines tages von selbst zurückgehüpft? wer weiss das schon so genau? um ganz werden geht es dabei immer. wie auch immer wir das nennen wollen.

      liebe grüsse, soso

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  3. Was die Seele sei oder ist: darüber haben sich Menschen verständlicherweise immer Gedanken gemacht: theologische, philosophische, naturwissenschaftliche, psychologische und so weiter …
    Mal saß sie da, mal dort. Mal gab es sie gar nicht. Mitunter war sie, auch ohne sie verortet zu haben, sterblich, mal nicht. Manchmal nicht einmal existent.
    Währenddessen leben Menschen mit Hoffnungen, Schmerzen, Zuneigungen und Verachtung mitten in dieser Welt und handeln, fühlen, denken und sterben. Oder lieben.
    Was die Seele ist … wer weiß es?
    Ich weiß zumindest, dass mir Dein Text und seine darin enthaltenen Fragen absolut gefallen.
    Mich freut das sehr, liebe Soso!
    Herzlich, mb

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    1. dass sie undefinierbar ist, habe ich im laufe meines lebens oft genug entdeckt, liebe mb. nun, da ich an einem artikel über seelenarbeit schreibe und entsprechende recherche betreibe, erkenne ich es erst recht.
      ich freue mich, das dir mein text gefällt. danke für deine zeilen!
      herzlich, soso

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  4. Diese Frage wird die Wissenschaft niemals beantworten können, soweit ich das einschätzen kann. Es gibt da nichts, was man erfassen kann. Ich glaube jedenfalls an die Existenz unserer Seelen. Und ich sehe auch Aurafarben, hatte ich das schon einmal gesagt? Jeder von euch hat Farbspiele und eine bestimmte Farbkonsistenz- und Dynamik für mich.

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    1. liebe sherry, du glaubst nicht, wie beruhigt ich über diese nachricht bin (erster satz deines kommentars). irgendwie freut mich das. nicht schadenfreude, eher so eine art erleichterung, dass es eben doch bereiche gibt, die wir nicht entschlüsseln können. geheimnisse, mit denen wir leben „müssen“.
      das mit den aurafarben kenne ich nicht persönlich, habe aber schon menschen kennengelernt, die das auch können. ich mail dir mal, weil ich dazu noch eine frage hätte …
      herzlich, soso

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    2. Ja, tu das! Gern!

      Es gibt viele Dinge, die man nicht entschlüsseln kann. Eigentlich gibt es mehr Dinge, die man nicht herausfinden kann, als die, die man herausfinden kann. Und alles, was wir „wissen“, ist auch nicht bewiesen, nur die im Moment „beste Theorie“, die am besten einen Gegenstandsbereich voraussagen kann. Jaja, wir sind nicht mal am Anfang, wir sind lächerlich. (Und trotzdem bin ich hellauf begeistert von Forschung, weil sich diese Menschen soviel Mühe geben und soviel Leidenschaft reinlegen … Einfach in der Hoffnung, der Welt und der Menschheit damit etwas bringen zu können.)

      Gute Nacht, liebe Soso!

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    3. liebe sherry
      es ist ja auch nicht so, dass ich gegen wissenschaft und forschung wäre. ich finde das alles auch total faszinierend. und auch wichtig. das mal grundsätzlich. doch gibt es eben auch bereiche im leben, wo ich mehr intuition und inneres „wissen“ bevorzuge als rein kognitives, alles emotionale als „weniger wichtig“ darstellendes. ich strebe für mich, die ich eigentlich vom typ her eher kopflastig bin, eine art mitte an, ein sowohl-als auch.

      die mail folgt im laufe des tages. ich war gestern zu sehr von anderem abgelenkt 🙂

      herzliche grüsse, soso

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  5. So ein buntes Ding kann hin und her gezerrt starke Schmerzen verursachen. Neben meinem Lesen im Komputer, sehe ich im TV Teile von „Norma“. Dein Artikel gefällt mir. LG aus Z

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    1. danke, liebe u.. und ja, gerade, weil das bunte ding so schmerzsensibel ist (wäre), gehen wir so seltsam damit um. so unsorgfältig oft genug.

      einen schönen sonntag wünsch ich euch
      herzlich, soso

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  6. Um Deinen letzten Satz, Deine Frage aufzugreifen, liebe Soso: Farben könnte ich meiner Seele nicht zuordnen, eher stelle ich sie mir farblos vor. Für wahrscheinlicher halte ich, dass sie summt. Ich höre da doch immer was?!

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    1. weißt du, was ich denke? alle haben eine eigene „seelensprache“ – farben, töne, gerüche … da gibts keine einheitssprache! (ich hoffe bloß, du hast nicht auch tinnitus wie ich?)

      liebe grüsse, soso

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  7. ich weiß, dass sich meine Seele darüber freut, wenn ich sie singen lasse… ich weiß, dass sie es gerne bunt und warm hat und dass sie etwas ist, deren Wohnort ich nicht kenne und schon gar nicht den Ort wohin sie gehen wird… Licht ist eine Idee, Liebe die andere was ihre Geburt anbelangt…
    ein feiner Text, liebe Soso!

    liebe Grüße

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    1. liebe frau blau
      ja, die liebe! wie konnte ich sie nur zu erwähnen vergessen! sie ist für mich so omnipräsent (wie wasser für den fisch), dass ich sie manchmal zu selbstverständlich nehme!
      danke für deine gedanken dazu!
      herzlich, soso

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