Kind sein …

Da gab es diese selbstgekritzelten Zettel in meiner Hosentasche. Streng geheim waren sie. Für Mütter vor allem. Das war in der zweiten Klasse. Wir Mädchen kritzelten darauf, welchen der Buben wir „hatten“, ähm, welche Buben – Mehrzahl. Kleine Polygamistinnen, die wir waren.

R. „hatte“ ich wegen seines herzigen Lächelns – nur schade, dass er Ende zweite Klasse wegzog.
F. „hatte“ ich, weil er so schnell rennen konnte – so schnell, dass er eines Tages „unter das Auto“ gekommen ist. Von ihm haben wir nie mehr etwas gehört. Ich denke noch immer ab und zu an ihn. Was wohl aus ihm geworden ist?
B. „hatte“ ich die ganze Primarschulzeit über. Später ist er Schornsteinfeger geworden. Ob es ihm Glück gebracht hat?
H. „hatten“ alle Mädchen, er war einfach der Stärkste und der Größte. Ich hatte ihn aber nur aufgeschrieben, weil es sich gehörte. Bei der Klassenzusammenkunft vor sieben Jahren hätte ich ihn kaum mehr wiedererkannt. Was ist er fett geworden! Nur seine Augen haben sich kaum verändert.

Natürlich änderten sich die Listen von Monat zu Monat. Was sag ich? Von Woche zu Woche! Nur schade, dass wir nur sechs Buben in der Klasse hatten.

Mädchen sein war damals ziemlich schwierig. Auf die Bäume im Pausenhof zu klettern, gewöhnte ich mir in der dritten Klasse langsam ab. Nicht aber in der Freizeit. Nett sein war damals noch ziemlich normal. Und Poesiealben bemalen und weiterreichen, ebenfalls.

Als ich heute morgen auf Thisis‘ Blog vorbei schaute, war mir, als hätte sie mir ihr Poesiealbum in die Hand gedrückt. Damit ich ein Bild hineinzeichne. Und ein schönes Gedicht dazu. Ihr „I (like) your Blog“-Award freut mich sehr. Spricht meine Mädchen-Seite an. Zaubert mir ein Lachen ins Gesicht. Danke, liebe Ch., für diese Ehre!

Gerne gebe ich den Preis weiter an fünf weitere Blogs, die ich mag … (*grmpf* nur fünf? Beim letzten Award waren es viel mehr, da konnte ich aus dem Vollen schöpfen, wiederholen mag ich mich nicht …)

Ich reiche darum meinen Award freudig, gerne und lachend weiter an meine Neuentdeckungen der letzten Wochen … (Tatata taaaaa …)

Heute „habe“ ich diese Bloggerinnen, denn sie bereichern meinen Alltag.

– Lakritze (lakritze.wordpress.com), weil sie eine tolle Mischung von Bild und Text schafft, die mir immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

– Petra aka Philea (phileablog.wordpress.com), wegen ihrer Vielseitigkeit und weil sie auch so gerne reist und in Büchern stöbert wie ich.

– Larapalara (larapalara.wordpress.com), denn sie hat eine ähnliche Art, sich über das Leben Gedanken zu machen. Toll zu lesen!

– Rote Welt (rotewelt.wordpress.com), weil sie Frankreich liebt (wie ich) und auf ihrem Blog über dieses Land und vieles mehr philosophiert.

– Fallingstarsandexclamationmarks (fallingstarsandexclamationmarks.wordpress.com), weil sie so herrlich morbide Geschichten schreibt.

Oh weh, ich fühle mich unzulänglich … hier müssten noch viele andere tolle Bloggerinnen und Blogger erwähnt werden … Wer Lust hat, spaziere doch einfach mal durch meine Blogrolle! Viel Spaß bei den neuen Entdeckungen!

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25 Kommentare zu „Kind sein …“

  1. Liebe Soso,

    was sind wir Blogger manchmal eitel 🙂 – jedenfalls spreche ich für mich. Während ich diesen Artikel las, dachte ich: Ob ich erwähnt werde? Nachdem nicht, sah ich mir vorsichtshalber deine Blogroll an, ob ich da vielleicht vertreten wäre? Zuerst dachte ich, nicht. Dann entdeckte ich mich doch. Und dann dachte ich: Meine Güte, warum ist das immer wieder mal so wichtig, das Gefühl gesehen und anerkannt zu werden?!

    Vielleicht gibt dein Titel die Antwort: „Kind sein…“. Es sind Reste des inneren verletzten Kindes, das zu funktionieren, zu parieren, mitzulaufen hatte, aber so oft nicht gesehen wurde.

    Das mit den Zetteln und den Jungs kenne ich so überhaupt nicht. Ich „hatte“ keinen. Aber vielleicht entspricht es dem, wenn ich innerlich zählte, in wen ich mich nach der Reihe verliebt hatte?! Das tat ich eher so still und heimlich für mich abends im Bett, dass ich sie aufzählte und „sammelte“.

    Ich grüße dich herzlich
    Marion

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    1. oh weh, wo ist denn mein langer kommentar hin, den ich dir geschrieben habe, liebe marion?
      ###
      gefunden! er hatte sich beim andern artikel versteckt, auf den du auch kommentiert hast. sorry!

      hier ist er:

      liebe marion
      oh weh, denk ich nun, hätt ich doch dich aufgeführt, statt … ach, verflixt .. statt wen? da haben wir den käse!
      auswählen ist immer soooo schwer und es ist immer eine momentaufnahme.
      ach, diese eitelkeiten! so sind wird. so dürfen wir sein. menschlich halt. mir „schmeichelts“, dass du gerne auf meiner liste gestanden hättest. hm, wen hab ich jetzt wohl alles „verletzt“?
      oh weh.
      nimms nicht persönlich, hilft da vermutlich nicht?
      dass ich deinen blog auch ohne award-verleihung mag, hast du bestimmt schon gemerkt!
      herzlich, soso

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    2. Liebe Marion,

      das ist ein wirklich schöner und ehrlicher Kommentar. Ich find’s einfach toll, dass du das so offen ansprichst. Du hast mich zum nachdenken angeregt. ❤

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  2. Oh, welch schönes Lob, liebe Sofasophia. Kann ich als Anfängerin gut gebrauchen! Jetzt hast du meinen Montag gerettet, der dank Schlafmangel nur ächzend über die Bühne geht. Apropos Kind-Sein: Wir haben uns jeweils Liebesbriefe geschrieben, die gingen so: Ich liebe dich. Liebst du mich auch? Bitte ankreuzen: Ja oder nein. So einfach war das damals noch. Danke für die Erinnerung daran und liebe Grüsse, lara

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    1. ja, die briefe gabs bei uns auch, liebe lara. auch so: willst du meine freundin sein – ja? nein?
      leider war ich dazu aber zu scheu … es ging aber zum glück auch ohne worte. manchmal.
      ich freue mich, dass ich deinen tag ein bisschen erhellt habe!
      herzlich, soso

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    2. Auf den Zetteln, die meine Freundinnen und ich einander im Unterricht mit solch existenziellen Fragen zusteckten (übrigens den Jungs auch), befanden sich DREI anzukreuzende Kästchen:
      ja, nein, vielleicht.
      Das angekreuzte „vielleicht“ fühlte sich wesentlich besser an, als das „nein“. Manchmal sogar besser als das „ja“ …. 😉
      LG mb

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    3. vielleicht ist ja ganz cool, liebe mb! ob wir das auch hatten – ich aber vergessen? keine ahnung. aber toll ist es. es lässt doch mehr spielraum.
      andererseits – zu viel „vielleicht“ ist auch unzuverlässig irgendwie … wer will schon eine vielleicht-freundin?
      nachdenkliche grüsse
      soso

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  3. solche Zettel hatten wir auch nicht und schon gar nicht in der zweiten Klasse. Aber klar, ich „hatte“ einen Freund und den 3 Jahre lang, als ich acht Jahre alt war, begann es und dann endete es, als ich wegzog… wüsste manchmal noch gerne was aus ihm geworden ist….
    danke fürs erinnern 🙂
    liebgrüß

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    1. ich war schon in der dritten… hihi… weil ich doch son schlaues Mädchen war, kam ich schon mit 5 in die Schule… ich glaub ich hätte lieber noch ein Jahr draußen gespielt!

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    2. stimmt ja … das gabs halt bei uns nicht (was ich eigentlich ganz gut finde). dafür durfte ich in der ersten den andern beim vorlesen zuhören, weil ich das ja nicht mehr üben musste (ich hab mit 3 lesen gelernt, hat mein vater behauptet …) wir wunderkinder 🙂

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    1. bei uns hatten die jungs wohl nichts von unserer zettelei mitgekriegt. oder jedenfalls taten sie nichts entsprechendes. die fanden uns in dem alter eh doof. und wir sie ja eigentlich auch. so richtig ernst wurde es mit 14 oder 15. – aber ich bin froh, muss ich heute nicht mehr so jung sein 🙂
      lg, soso

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  4. Hoffentlich gehöre ich auch zu den Personen, deren Augen sich kaum verändert haben:-)
    (Wahrscheinlich ist dieser fette Mensch ein ganz besonders ausgehungerter….ich vermute mal, nach LEBEN…)
    Gruß von Sonja

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    1. das bestimmt, liebe sonja – früher hungerte er nach der anerkennung der gruppe und nach dem alphastatus. hm, eigentlich kenne ich ihn nicht.
      nur die fassade. wie bei den meisten menschen.
      was wissen wir wirklich?

      danke für deinen gedankenanstoß!

      herzlich, soso

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  5. Oh, wie lieb, vielen Dank! Du rettest mir den Abend – ich bin nämlich vorhin beim Spazieren über die von Blättern verdeckte Bordsteinkante gestolpert und hingefallen. Wie ein Kind mit ähnlichen Ergebnissen: Lieblingshose kaputt, Knie blutig aufgeschürft und blau gehauen. Aua. Aber mit so einem netten Award tut’s schon gleich viel weniger weh : )

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    1. da sing ich doch nach kind-manier mein „heile-heile-segen“ für dich und puste ein bisschen auf das weh! bald tut’s nicht mehr weh!

      gute besserung und liebe grüße
      soso

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