Tatorte und andere Baustellen

Was bin ich verkatert! Ich habe geschlafen wie Schweizer Käse, mit vielen Löchern drin. Und viel zu wenig. Kate Atkinson mit ihre Buch Liebesdienste hat mir das Einschlafen schwer gemacht, der gestrige Tatort nicht minder. Eine gut erzählte und gut gespielte Geschichte mit dem sympathischen Münchner Ermittlerduo. Geld und Gier, Eifersucht und Machtkämpfe sind doch immer wieder gute Elemente für einen Krimi. Auch wenn sich die RezensentInnen wie immer uneinig über den angeblichen Gähn-Faktor des Filmes sind.

Kaum sind wir wach (sind wir das?), skizziert mir Jürgen seinen neuen Romanplot. Ich werfe ein paar kleine Anregungen ein und das Ganze wächst buchstäblich vor meinen Augen.
Schreib!, denke ich, schreib-schreib-schreib! Der Plot überzeugt und lässt sich beliebig ausbauen. Die Struktur der Geschichte ist simpel, die Figuren lebendig und alles miteinander hat das Zeug zu einem guten Buch. Nur: ob es je geschrieben wird?
Wir haben beide ein ähnliches Problem, seufze ich über meinem Trinkglas, wir beiden haben immer so viele Ideen und so viele Baustellen, dass wir kaum etwas wirklich abschließen können. Dafür fangen wir immer wieder neue Projekte an. Zu viele Fäden ohne Ende …

Irgendwie ist da einfach zu wenig Lebenszeit, all das, was mir wichtig ist, anzufangen, umzusetzen, zu vollenden. Weil ich das erkannt habe, fange ich oft mit dem Neuen gar nicht erst an. Oder höre mittendrin auf. Die Zeit …
Die Zeit rennt!, seufzt der Liebste, der heute Nachmittag wieder in die Pfalz zurück muss. Abends eine Sitzung. Derweil der Drucker die noch leeren DVDs für den Ums-Meer-Film mit einem kunstvollen Cover bedruckt (bestellbar ist der Film bei homebase(at)europenner.de, für mehr Infos: hier klicken).

Baustellen – ich frage mich, wie andere das schaffen. Oder eben auch nicht. Oft fühle ich mich im Leben drin wie ein Stück Stoff, an dem von all meinen Ideen – und auch von den Pflichten und diesem und jenem Ding oder Menschen – nach allen Seiten hin gezogen wird. Wohin auch immer.

Mehr zu mir hin, hoffentlich.

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19 Kommentare zu „Tatorte und andere Baustellen“

  1. Ach, gäbe es doch eine gute Lebensvervielfältigungsmedizin. Das kenne ich durchaus auch, nicht alles leben zu können, was in mir steckt. Die Zeit wird darüber fahren, wie meine alte Tante mit dem Spazierstock über die Bettdecke (schön glatt gestrichen hat sie die damit). Die sanfte Tour des Lebens….
    Gruß von Sonja

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  2. Ja die Stunde Zeitumstellung habe ich gut nutzen können, gedacht: angenehme Stunden sollte man dehnen können, unangenehme kürzen. Diese Problematik wird im Alter nicht weniger.

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  3. Warum sprichst du so oft (fast immer) meine Gedanken und Gefühle und Stoßseufzer aus?
    Ich verliere mich oft auch im Stimmengewirr der Ideen im Kopf und schicke viele von ihnen resignierend in den Ideenmülltopf. Mein Trost ist der Gedanke, dass es sich mit einem gefüllten Ideenmülltopf trotz alledem viel viel besser leben lässt als mit einer langweilig unkreativen Kopfleere.
    Mein Liebster, ebenso ein Ideen- (und Sperrmüll)sammler, geht das Ganze viel pragmatischer an. Er verschwindet in seine Musikhöhle und realisiert (basta!), während ich noch nachdenke und brainstorme. Tja …
    Lieber Gruß
    Elke,
    die darüber nachdenkt, den Beruf des „Ideeneinsammlers und -archivars“ einzuführen. Ja, den Job hätte ich zu vergeben …

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    1. vielleicht wäre eine art zwischenlösung, eine art systematisches ideensammelgefäss (eine datei? ein leerbuch?) anzfangen, liebe elke? für dich ebenso wie für mich.
      manchmal besucht mich auch die idee, dass ideen freie geschöpfe sind und einfach versuchen, bei uns zu landen. wenn nicht, gehen sie weiter und suchen sich eine andere landestation. das beruhigt mich dann immer und ich weiss, dass nichts wirklich verloren geht.
      nicht mal ein apfelkern … alles wandelt sich. und das ist doch eigentlich, in allem seufzen, auch eine schöne idee, die mich da mal wieder besucht.
      herzlich, soso – seelenschwester du, wies aussieht 🙂

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    2. Und somit haben wir gerade die Geburt einer neuen Idee bloglive miterlebt. Das Buch der wandernden Ideen, nein, das Land der wandernden – und suchenden? – Ideen. Wie sie sich anfühlen würden, jene Wanderideen, wenn keiner sie festhielte und umwandelte in, ja, in was? Auch da gäbe es wieder viele Ideen zur Ausführung der Idee und …
      Du siehst, wohin das führt.
      Kopfkreisel. Und während es noch kreiselt, schauen wir der schwindenden Idee hinterher. Klein wird sie und kleiner, bis sie im Dämmerlicht der verlorenen – oder versteckten? – Zeit verschwunden ist – und vielleicht eine bessere Heimat findet.
      *seufz*

      Die Idee mit dem Ideensammelgefäß ist eine tückische. Ideensammelgefäße jeglicher Art haben die Angewohnheit, sich rasant zu vermehren und die Über-Blicke im Laufe der Sammel-Zeit zu vernebeln … und wieder schwinden sie im Dämmerlicht, während der Kopfkreisel bereits neue Ideen erzeugt.

      Merkst du was?

      Ja, Seelenschwester, das könnte es treffen. Eigentlich eine schöne Vorstellung, oder?

      Lieber Gruß
      Elke

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    3. liebe elke
      ach, was du schreibst, kreiselt bei mir gleich weiter … opensource der ideen … schmetterlingem gleich sind sie, die ideen, oder bienen gar, die bestäuben und weiterfliegen und sammeln und leben erst möglich machen …

      danke für deine zeilen und anregungen und herzliche, nächtliche grüsse, soso

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  4. Liebe Soso,

    ich kenne das Gefühl auch, das du beschreibst. Manches hab ich bewusst aufgegeben, in diesem Leben zu realisieren und lasse es los, z.B. nochmal richtig Skifahren lernen und es dann genießen.

    Ich erlebe das drängende Problem der vielen unumgesetzten Ideen in mir aber vor allem in Bezug darauf, dass ich mich irgendwie in der Warteschleife des Lebens fühle und es nur eine Ablenkung wäre, mich in irgendeinen Aktionismus zu stürzen, für den die Ziele zu wenig klar sind. Es wäre ein Verzetteln, das nicht zielführend ist. Manchmal ist es auch einfach Zeitfüll-Material, um das scheinbare still Stehen auszuhalten und mit ein wenig Freude zu füllen, wissend, dass es nicht das Eigentliche ist.

    Aber das Eigentliche scheint (immer noch) nicht reif.

    Nun denn… Einen schönen Tag für dich, auch wenn der Liebste heute wieder abfahren muss.

    Marion

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    1. liebe marion
      zielstrebig bin ich leider nicht, und tendentiell wohl eher verzettelt, ja, aber ich glaube, bei mir muss das so. das ist meine art von brainstorming und weg, denke ich immer öfter, obwohl ich ja oft an dieser verzettelung auch leide. aktionismus kenne ich auch. wenn er vorbei kommt, lasse ich ihn manchmal seine show abziehen. er ist mir oft auch lehrer.
      das warteschleife-gefühl kenne ich seit den letzten ausbildungsjahren: jetzt fängt dann endlich das leben an. zwar hat sich das „worauf-warte-ich-überhaupt?“ im laufe der zeit verändert, doch das grundgefühl ist noch immer da. auch das ist ein lehrer.
      und der liebste mit seinem pragmatismus auch. und meine leserinnen und leser sowieso 🙂
      herzlich, soso (nun seit einer halben stunde wieder allein)

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  5. Es wird dich nicht besonders wundern, dass auch ich dieses Gefühl der tausend Anfänge, die nicht zu Ende zu führen sind, kenne. Und manchmal lässt mich das regelrecht verzweifeln, aber wenn es dann doch gelingt, sich eine Zeit lang nur auf eine Sache zu konzentrieren, sich dafür zu entscheiden (und damit notwendigerweise gegen all die neuen und ebenso verlockenden Ideen) ist das ein wunderbares Gefühl.
    Spannend finde ich, wie sich hier, in deinem Artikel und meiner Antwort darauf, verschiedene Beiträge verquicken, wie alles zusammen zu laufen scheint, Sherry, die heute davon schrieb, wie gut es tut, endlich zu wissen, was man will, Marion, die vom Einhalten erzählte und jetzt Du mit meinem ewigen Thema der Anfänge ohne Ende.
    So vernetzt sich alles und irgendwann ist sicher ein Muster erkennbar…

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    1. und das, liebe mützenfalterin, ohne dass ich sherry und marion heute schon blogbesuch abgestattet habe … meinen text habe ich nämlich schon am morgen im bett entworfen (offline). das ist schön, wie du das nun zusammengebracht hast. ineinander greifende themen lassen mich immer freudig an das verbundenheit mit allem denken.
      und nein, es wundert mich nicht, dass du dieses tausend-anfänge-gefühl auch kennst … die konzentration auf ein projekt beglückt mich auch immer sehr.
      jetzt geh ich gleich mal auf blogspaziergang!
      herzliche grüsse, soso

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  6. Es kann tatsächlich ein sehr gutes Gefühl sein, sich – entgegen aller lockenden Möglichkeiten von Vorhaben – ganz auf eine Sache zu konzentrieren und dran zu bleiben. Kinder können das ganz beneidenswert gut, vergessen Raum und Zeit, wenn sie in etwas völlig vertieft sind.

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    1. ich kann das schon auch, punktuell oder mittelfristig, doch dann kommen andere projekte, die meine aufmerksamkeit wollen und so habe ich eben immer mehr als ein eisen im feuer.
      werten will ich es nicht. die kinder haben es ja auch so 🙂

      danke, h hoch 3, für euren kommentar und liebe grüsse
      soso

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  7. Liebe du, Freundin und Schwester im Geiste und darüber hinaus… ja, bei mir ist auch mehr offen, als mir gut tut, ob ich mir einen Spazierstock zulegen sollte? lach (feines Bild von Frau Wildgans!)
    aber ich gebe auch den anderen Recht, die sagen, dass es eben manchmal an der Zeit ist alles andere und wenn es noch so neu und noch so brennend erscheint, erst einmal zur Seite zu legen, um das fertig zu machen, was will. Ich denke da an mein Kinderbuch. Als es dann endlich geschafft war und erschien, war ich wirklich glücklich. Und so soll es nun auch mit der neuen Idee werden. der November steht vor der Türe und dieses Jahre werde ich ihn wieder zum schreiben nutzen, diesmal eben ohne Forum, aber vielleicht mit einem Austausch auf Bloghausen oder privat …

    danke für diesen Artikel, den ich jetzt noch etwas wirken lassen, während meine Füße über den schmelzenden Schnee tapsen und das Fotoauge herumschweifen wird.

    liebgrüß ich dich U.

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    1. ein spazierstock ist fast so gut wie ein handtuch – immer zur hand und immer zu etwas nütze, liebe frau blau. ja, novemberschreiben für sich selbst ist doch eine gute idee. täglich. könnte ich eigentlich auch. nur wäre das dann wieder eine neue baustelle 🙂

      herzlich soso

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  8. Ja, liebe Soso, so viele Ideen und Möglichkeiten und so wenig Zeit, das kenne ich gut (trifft übrigens auch auf Bücher und Lesezeit zu). Was kann man tun? Vielleicht einfach immer das machen, auf das man gerade wirklich Lust hat, das einen am meisten interessiert. Auch wenn man mal sprunghaft ist, warum nicht? Wer sagt, dass wir alles ganz nach Plan tun müssen? Das müssen wir ja schon häufig genug durch äußere Notwendigkeiten, ein bisschen Freiraum sollten wir uns da ruhig gönnen. Übrigens freue ich mich zu lesen, dass du auch Kate Atkinson liest, sie ist eine meiner Lieblingsautorinnen : ) Liebe Grüße, Petra

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    1. liebe petra
      kate atkinson ist die entdeckung dieses jahres für mich. eben habe ich das letzte aus der brodie-serie gelesen. die frau schreibt einfach genail.

      so vieles könnten wir … vielleicht geht es manchmal auch drum, weniger zu wollen und zu tun und zu haben, dafür mehr zu sein?

      liebe grüsse, soso

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