Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre

Es war einmal eine Katze (die so tat, jedenfalls, als wäre sie eine). Plötzlich war sie dagewesen und tigerte seither scheu und wild in der Nähe des einsamen Gehöfts herum. Niemand hat sie kommen sehen. Niemand kannte sie. Die Spuren, die wenige Tage vor ihrer Ankunft im nahen Maisfeld gefunden wurden, gaben zu wilden Spekulationen Anlass. Mangels wirklicher Alternativen gehen wir deshalb von einem gelandeten UFO aus.

Irdische Katzen-Tigerstreifen sind eine gute Tarnung, doch ich habe die Katze längst durchschaut. Und sie weiß es. Keine irdische Kurzhaar-Katze verliert das ganze Jahr Haare. Mir ist allerdings ihre Botschaft, ihre Mission sozusagen, noch nicht ganz klar geworden. Okay, sie zähmt die Menschen, gut, doch wozu? Wird sie eines Tages wieder abgeholt und wann? In der ersten Zeit tat sie so, als ließe sie sich von uns Menschen zähmen. So hat sie zum Beispiel meinen Liebsten dazu gebracht, ihr täglich zweimal Futter hinzustellen. Und Milch. Und neuerdings auch Wasser. Dies allerdings nur, wenn sie sich in der Wohnung aufhält, in der Künstlerbude, wo es dank Holzfeuer so warm ist, dass selbst (außerirdische) Katze durstig werden. Cheers. Zugegeben, zuweilen setze ich den Alien*, der sich als Katze getarnt hat, auf den Boden. Spätestens dann, wenn das Fell des Tieres sich schon beinahe mit meiner Kleidung verwoben hat. Genug ist genug. Darum nennt mich der Liebsten, wenn er mit der Katze über mich redet, hinfort die „böse Frau aus der Schweiz“.

Blogge „Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre“!, bat Irgendlink, Katzenmann, Künstlerbude-Bewohner Nr. 1 und mein Lebensliebster in Personalunion. Du weißt es doch: Tu immer das, was dein Irgendlink dir sagt. Denn so lautet unsere Spielregel.

Gut. Die Katzentüre. Sollst du haben.

Wenn es im Leben eines Prokrastinatikers wie meinem Liebsten (nur so als Beispiel) etwas gibt, was man Achillesferse bezeichnen könnte, ist es dieses vermaledeite Ding namens Katzentüre. Vor über drei Jahren, bei meinem ersten Aufenthalt auf dem einsamen Gehöft, stand es bereits da, das Teil, und steht es immer noch. (Wie) frisch gekauft, jedenfalls noch immer originalverpackt. Ablaufdaten haben so Dinge leider nicht, sie laufen ja nicht davon und so wurde die Aufschiebebank lang und länger und hat längst die längste Bank der Welt in Rendsburg getoppt.
Die bau ich im Winter in die Türe ein, sagte Irgendlink damals lässig. Wenn es kälter wird. Damit die Katze selbst rein und raus kann. Obwohl … ich weiß gar nicht so recht, ob ich sie drinnen haben will. Sie ist eine wilde Katze.

Wie es so ist mit Unschlüssigkeiten. Sie wachsen wie Unkraut und Efeu. Vorletzten Winter, als der Liebste in den kältesten Wochen des Jahres den Jakobsweg bis Santiago wanderte, war die Katze immer draußen und die lieben Nachbarn haben sie gefüttert. Ihr scheint es, außer an Streicheleinheiten, an nichts gemangelt zu haben. Auf dem Hof gibt es viele Nischen, wo sie vor den Unbilden der Witterung geschützt ist. Soweit so gut. Eigentlich ist so eine Katzentüre etwas für Sisyphos.
Klappert so eine Türe, und erwacht man nachts, wenn das Tier herein oder hinaus geht? Werden fremde Katzen (oder Marder? Füchse? Igel?) sich ebenfalls Einlass verschaffen? Ähnlich, wie sie mit der Katze – ja, sie hat einen Namen, natürlich, wie konnte ich das bloß vergessen! – den Futternapf teilen. Die Probleme dies- und die Probleme jenseits des Futternapfes, ähm der Katzentüre, sind so vielfältig wie das Leben selbst. Ist das Boot voll – zum Beispiel.

Die oberste Priorität jedes Katzenmannes und auch jeder Katzenfrau muss lauten: Wie kann ich meine Katze glücklich machen und was kann ich für sie tun, damit sie gedeihen und gesund leben kann? (Sie muss dafür noch nicht mal etwas tun, nur ein wenig schnurren, und ja, wenn wir schon dabei sind, ein bisschen weniger stark Haare verlieren).

Nun ja, wir sind ja auch nur Menschen. Mit eigenen Bedürfnissen. Katze auf der Eckbank geht ja. Katze auf dem Sofa auch (zumindest wenn sie immer am gleichen Ort liegen und nicht überall ihre Haare verteilen würde). Eigentlich wäre eine Katzentüre wirklich nicht schlecht. damit würde das allmorgendliche Türöffnen wegfallen. Das Lass-mich-raus-ich-muss-pinkeln-Miauen. Andererseits. Bei näherem Überlegen … Ständig tauchen neue Probleme auf. Was, wenn die Katzenklappe ein Wurmloch in ein anderes Universum ist? Außerdem ist ganz und gar nicht klar, wo die Katzenklappe überhaupt am besten eingebaut werden soll. Im Schrank? Im Ofen? Im … (Fortsetzung folgt.)

Ob es eine Rolle spielt, ob ich eine Rolle spiele?, sagt die Katze. Mietze genannt.

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* Das Königinnentreffen einiger lokaler Bloggerinnen wurde auf nächste Woche vertagt, doch ein kleiner Besuch bei Königin Canela hat trotzdem stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Canelito (7) kennen und weiß seither alles über die Aliens. Alles!

14 Kommentare zu „Über das Leben diesseits und jenseits der Katzentüre“

  1. Ein Superartikel, mir ist das mit den Katzenhaaren auch schon aufgefallen. Wenn N. dunkle Sachen anhat, gesellen sie sich zu seinen eigenen und den Schuppen, die er immer verliert- eine Variante in der Kleidungsausstrahlung. 🙂

  2. oh hat er mit dir über aliens gesprochen? habe ich gar nicht mitbekommen…gott sei dank habt ihr nicht über politik diskutiert, hihihi..

  3. Oh ja, diese kleinen außerirdischen Fellnasenmonster stromern bei mir auch ständig herum.

    Katzentüren quietschen nicht (jedenfalls unsere nicht) und sind äußerst praktisch, erspart man sich doch das morgendliche „Ich will raus“ und zwei Minuten später das „Ich will rein“-Gemaunze, denn seltsamerweise sitzen die Fellnasen ja IMMER auf der falschen Seite der Türe. *grummel

    Nach dem Einbau einer Katzentüre kann es allerdings passieren, dass sich plötzlich ein fremdes außerirdisches Wesen ebenfalls auf dem heimischen Sofa einfindet. Ich hatte irgendwann plözlich zwei Fellnasen und die zweite blieb ebenfalls. :-)) Leider ist es nun nur noch Eine.

    Etwas anderes kam aber nie durch die Katzentüre und wenn wäre es vermutlich nicht alt geworden.

    Liebe Grüße, Szintilla

  4. Sehr schön geschrieben, Kompliment! Zum leise Schmunzeln und sich amüsieren, denn du schreibst so schön, dass man Zuschauen kann.

    Von unerwünschten Besuchern durch Katzentüren hab ich noch nie was gehört, nur, dass sie seeehr praktisch sind!

    Liebe Grüße
    Marion

  5. sie müssten vor allem halbseitig abschließbar sein, mal nach innen, mal nach außen … mal gucken. aber die angst vor dem wurmloch hockt in allen zellen 😉

    herzlich, soso

    ps: ähm, danke fürs schönschreibkompliment 🙂

  6. Normalerweise, sagt man, weiß eine Katze ihr Revier zu verteidigen, so dass es mir eher unwahrscheinlich scheint, dass da Hinz und Kunz hereintraben würden. Aber ich weiß, dass logische Argumente eine Angst oft nicht eindämmen können. Nun denn…

    Liebe Grüße
    Marion

  7. liebe marion
    diesen artikel habe ich mit Satirchen verschlagwortet, auch die kommentare (meinerseits) sind bitte augenzwinkernd zu lesen.
    zu mietze muss unbedingt gesagt werden, dass sie – wie ihr herrchen – keine kämpferin ist und ihr futter mit hinz und kunz teilt. mit igel und hase im wörtlichen sinne. der hof ist so nahe am waldrand, dass sich hier alle möglichen kleinen wildtiere aufhalten.
    ein schönes weekend und liebe grüsse
    soso

  8. Lustige Geschichte! 🙂 Na, vielleicht wäre eine Katzenklappe ja doch nicht ganz so unpraktisch…, auch für einen gestreiften haarenden Alien, lach! Du kannst ja den Katzenmann nochmal vorsichtig darauf ansprechen…

  9. der katzenmann meint, er werde sie einbauen. vielleicht. doch das ändert von tag zu tag. das wurmloch, du weißt schon … aliens sind nicht berechenbar 🙂
    winkewinke, soso

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