Wirbeltage

Ein bisschen wie Ebbe und Flut ist mir … als wäre ich ein Stein, ein Blatt, ein Ast, den das Wasser mal mit sich in den See zieht, mal ans Ufer spült. Ziellos treibe ich dahin, und doch nicht ziellos. Absichtslos. Und lustvoll auch … Seit einigen Tagen ist die Lust wieder da, aus Fotos Appspressionismen zu gestalten, zu appen. So absichtslos wie früher nicht. Nicht weil ich am Schluss ein Kunstwerk geschaffen haben will, nein, eher so, wie ich als Kind gemalt habe. Schauen, was passiert. Natürlich weiß ich, wie die einzelnen Apps funktionieren, natürlich weiß ich, was passiert, wenn ich so oder anders. Und nein, ich weiß es eigentlich trotzdem nicht. Oder ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn das und jenes passiert ist. Wie ich nicht weiß, was passiert, wenn ich dies und jenes im Alltag so und so entscheide. Hypothesen. Theorien. Nur wenn ich sie anwende, werden sie wirklich. Sichtbar.

Heute gedacht: Die Orientierung an Normen schadet uns, sie lässt uns zu Leistungsmaschinen werden. Auch Vergleichen ist schädlich, es macht uns zu AnpasserInnen. Bedingungslose umfassende Liebe lässt uns Menschen sein, die sich diesem Druck entziehen können. Das ist Kunst, wahre Lebenskunst.

Kunst und Liebe. Liebe und Kunst – Zwillingsschwestern.

Kunst darf verspielt sein. Kunst darf eine Botschaft haben. Kunst ist so unfassbar wie ihre Kunstschaffenden. Kunst entzieht sich jeder festgelegten Definition, sie überholt ihre Definition sozusagen ständig. Kunst ist längst nicht mehr monogam, die meisten Kunstschaffenden arbeiten interdisziplinär. Kunst ist. Kunst genügt sich selbt. Kunst widerspricht sich selbst.

Und ob das hier Kunst ist, ist mir egal.

You and me, November 2012 by Sofasophia

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vor der Geburt, November 2012, by Sofasophia

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Anläßlich meines Geburtstagsgratulationsanrufes heute Morgen bei Freund M., der dieser Tage zum ersten Mal im hohen Alter von 46 Jahren Papa wird, erfahre ich – während ich auf meinem iPhone intuitiv dieses Schneckenhaus male –, dass ihr Baby zu warten beschlossen hat und sich keinen Deut um längst vertagte Geburtstermine schert.

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Bilder: iDogma | Appspressionismus –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

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26 Kommentare zu „Wirbeltage“

  1. Liebe Soso,
    es gefällt mir sehr, wie leicht und gleichermaßen selbstverständlich Du hier Kunst und Leben, auch Liebe zueinander stellst. Das ist eine Sicht auf Schaffensprozesse und deren Gestalter, die mir, mal mehr und mal weniger zur Verfügung steht und behagt oder gelingt. Danke dafür!
    Auch das mag ich: „Kunst ist.“.

    Herzlich, mb

  2. oh, lieben dank, mb, für deine gedanken zu meinen. diese selbstverständlichkeit war und ist nicht immer. doch die nahe verwandschaft zwischen (lebens)kunst und liebe habe ich sehr verinnerlicht. ihre gemeinsame quelle ist die leidenschaft/hingabe. 🐚

    herzlich, soso

  3. das freut mich. mir auch … ein bisschen süss, aber irgendwie macht es das romantische kind in mir glücklich. es sind die schatten von irgendlink und mir … die schatten lieben lernen, das ist doch auch nicht unwesentlich 🙂

  4. liebe Soso, Kunst und Liebe. Liebe und Kunst – Zwillingsschwestern. … das klingt in mir nach und wird noch umrundet …
    das erste Bild gefällt mir richtig, richtig gut
    liebe Grüße Ulli

    schon bei der Geburt zeigt sichs, manche können es kaum erwarten auf diesem Erdenball zu erscheinen, andere lassen sich Zeit … ich wünsche den werdenden Eltern viel Glück, eine leichte Geburt und ein schönes Baby 🙂

  5. Mir gefällt die Gegenüberstellung von Kunst und Liebe. Leidenschaft und Hingabe – die von dir genannte gemeinsame Quelle – braucht es für Beides. Danke für Text und Bilder, liebe soso.

  6. Es geht ja wohl auch nicht drum, dass der Stempel Kunst oder Unkunst aufgedrückt wird, sondern dass man Freude an Gedanken und Gefühlswelt des Herstellenden hat und damit etwas anfangen( sprich weiterdenken) kann.

  7. ein schönes baby – das ist ein witziger wunsch. ich glaube, mit liebe betrachtet ist jedes baby für seine eltern das schönste … danke für deine zeilen!

    liebe grüße in den weißen wald, soso

  8. liebe u., manchmal meine ich gewisse dinge augenzwinkernd … und ja, auf alle fälle geht es darum: können wir mit unseren werken resonnanz erzeugen? und wenn ja, lässt sie raum für weitergespinste?
    danke für deine ergänzungen!
    herzlich, soso

  9. Das Schneckenhaus besticht durch Form und Farbe. Beide Bilder mag ich.

    Kunst ist, ebenso wie Liebe, schön gesagt und ja, vielleicht sind sie Zwillingsschwestern.

    Manchmal frage ich mich: Was ist beim Schaffen von Kunstwerken wichtiger, der Prozess bis das Kunstobjekt fertig ist oder das Endergebnis? Und ist es letzlich nicht egal, ob jemand das geschaffene Objekt für Kunst hält, weil der Prozess, auf neudeutsch dem Flow, dem wir optimalerweise während des Schaffensprozesses „verfallen“, nicht vielleicht der intensivere und erfüllendere Teil des Werkes ist?

    Bei mir fällt mir auf, dass mir meine fertig gestalteten Bilder relativ egal sind, wirklich beschäftigen, im Sinne von Interesse, sie mich nur während des Enstehungsprozesses, danach wandern sie in irgendwelche Kellerdateien und werden nur zufällig mal wieder betrachtet.

    Ist nicht das Versinken in einer Tätigkeit, das Loslassen von Zeit und Raum für den Werktätigen der erfüllendere Teil, die Hingabe, Leidenschaft und Liebe zur Tätigkeit, ganz egal was am Ende dabei herauskommt?

    Kunst ist, ebenso wie Liebe und sie gedeiht, wächst wo sie will und wie sie will …

    Liebe Grüße, Szintilla

  10. ich glaube, den wert, den wir den dingen, die wir schaffen, hängt vom augenblick ab. während wir schaffen, gibt es nichts wichtigeres als dieses schaffen. oder wie jetzt, ich schreibe genau diese wörter, um genau jetzt etwas auszudrücken. im nächsten augenblick betrachten wir bereits das fertig-unfertige und da wird sichtbar, ob mein ding auch andern etwas sagen mag. oder auch nicht. beides ist gut. ich möchte diese wertungen verlassen und mich auf das, was ist, verlassen.

    schön, dass du meine bilder magst … ich bin ja froh, dass ich wieder appen mag …

    danke für deine gedanken zu meinen …

    herzlich, soso

  11. Liebe Soso,

    den Beitrag habe ich mir jetzt endlich mal in Ruhe durchgelesen und hab‘ ein wenig das Gefühl, dass er sich auch auf die Kunstdiskussion in Blinkys Blog bezieht. Ich finde das Meiste, das du hier über Kunst schreibst – auch die Verknüpfung mit Liebe (wobei Liebe sich mit allem verknüpfen lässt, sogar mit Hass) – sehr schön. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man auch über den Unterschied zwischen Künstlern mit Handwerk und ohne sprechen kann, ohne als leistungsorientierter, kompetativer Mensch hingestellt zu werden (dieser Vorwurf bezieht sich nicht auf dich, aber es gibt so Menschen, die das gerne tun oder dahin tendieren). Es gibt diesen Unterschied, es gibt ihn auch dahingehend, inwieweit ein Künstler dazu bereit war, seine Tage und Nächte trotz anderer Verpflichtungen und trotz der eher geringen Aussicht darauf, als Künstler sein Geld zu verdienen, darauf zu verwenden, das Malen und das Ausdrücken zu lernen, sich die Techniken so leidenschaftlich anzueignen, dass er einen möglichst großen Freiraum für das Darstellen seiner „Innereien“ bekommt (Dazu gehört für mich z.B. Dieter Motzel). Ein solcher Mensch will unbedingt verstanden werden, deshalb eignet er sich viel Handwerk an. Für mich ist das nun einmal ein Punkt, der – selbst wenn mir die Werke nicht gefallen würden – mich mit Respekt erfüllt.

    Und so sehr wir uns aus Angst vor negativer Bewertung auch eine Welt ohne „Normen“ und „Orientierung“ wünschen, so ist diese es überhaupt, die uns überlebensfähig und auch entwicklungsfähig macht. Erstens können wir uns selbst ohne die Reflektion anderer weder bewerten, noch sind wir ohne das Feedback unserer Umwelt dazu in der Lage, ein Identitätsgefühl zu entwickeln. Zweitens: Ohne Identitätsgefühl ist unsere Persönlichkeit desintegriert. Wenn du wissen möchtest, was diese Desintegration mit Menschen macht, schau‘ dir Menschen mit einer stark ausgeprägten Borderlinestörung an und wie sehr sie ein Leben lang genau darunter leiden.

    Am Besten erkennt man die Notwendigkeit von Konstrukten und Instinkten dann, wenn man sich einfach in die Eis- oder Steinzeit zurückversetzt. In dieser lebensbedrohlichen und kargen Landschaft spüren wir besonders, was uns von dem, was uns mitgegeben wurde, wirklich Sinn macht. Du musst, wenn du um dein Leben rennen können willst, dich mit anderen in deinem Alter in Sachen Lauf- und Jagegeschwindigkeit messen, um den Antrieb in dir zu spüren, besser zu werden. Du musst dein Können auch mit dem der Älteren, die erfolgreich täglich jagen gehen und ihre Clans ernähren, vergleichen. Vergleiche und Normen sind nicht nur ein Nachteil, sie sind auch ein „Zusatz an Information“, von dem man sich täglich bedienen kann, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Diese Leistungsverbesserung kann über Leben und Tod entscheiden, deshalb ist sie auch unbedingter Bestandteil unseres psychischen Apparates, auch – und da bin ich mir ganz sicher – deines.

    Ohne das Blicken auf andere als Norm könnte jeder daherlaufen, liebe Soso, und dir dein iPhone, deine Tastatur und deine Wohnung stehlen, weil er sich nur an seinen Instinkten und primitiven Wünschen orientiert, aber nicht an Normen. Und ohne Vergleiche würdest du genauso gut nur Reste essen können, anstatt dass du dir das grüne und frische Gemüse für dein Leibeswohl aussuchst. Es wird niemals eine Welt ohne Bewertung geben, solange der Mensch überleben muss und so lange es ein Gehirn hat, das Dinge kategorisiert. Alle menschlichen Gehirne kategorisieren (außer sie sind verletzt), sonst würden sie durch Reizüberflutung zusammenbrechen. Es gibt Menschen, die weniger kategorisieren als andere – die, die es zu sehr tun, entwickeln eine Zwangsstörung, die, die es zuwenig tun, haben meistens Probleme mit der Impulskontrolle und entwickeln eine antisoziale Persönlichkeit (die übrigens auf eine „abnorme“ Besonderheit des Gehirns zurückzuführen ist. Hier, wieder „Norm“).

    Blinky hat einmal etwas wirklich Wichtiges gesagt. Sie deutete an, dass es sehr aufwändige Bilder gibt, denen man die Technik und das Handwerk nicht ansieht, die Intensität, die dahinter steht, auch nicht. Das habe ich ohne Vorbehalt akzeptiert, und das beziehe ich in meiner Bewertung von Kunstobjekten inzwischen auch ein. Aber wenn wir uns Bilder oder Schrifststücke ansehen, dann bewerten wir sie alle, mindestens aus ästhetischen Gesichtspunkten oder aus dem Gesichtspunkt „Spricht mich an“ oder „Spricht mich nicht an“. Oft weiß ich nicht, warum mich etwas anspricht oder nicht, aber manchmal weiß ich auch, dass es mich nicht anspricht, weil mir dekorative Kunst nicht ausreicht (selbst, wenn der Künstler dabei etwas völlig anderes gesehen hat). Und ich weiß auch, dass ich Künstler mit Handwerkskönnen allein aufgrund ihrer Mühe, die dahinter steckte, all das zu lernen, ernster nehme als welche, die sich einfach frei ausleben wollen und ein gutes „Zufallsprodukt“ (sehr streng ausgedrückt, ich weiß) als unglaublich bedeutungsvoll verkaufen möchten.

    Ich gehöre jedenfalls zu jenen, die Kunst bewerten und auch dazu stehen. Die psychologischen Museumsführungen und die Supervisionen danach, als wir die Bilder wirklich intensiv haben auf uns wirken lassen, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Besucher sich dort fühlen könnten und was sie als Gespräch brauchen könnten, haben mich sehr sensitiv dafür werden lassen. Und für mich ist das okay so. Mich schützt es davor (und ich verwende dieses Wort mit Bedacht), mich mit meinem Gepinsele und Gefotografiere und Geschreibsel als Künstlerin anzusehen. Und es schützt auch KünstlerInnen davor, dass ich es tue. Es wäre nicht fair für mich, wenn ich mich in ein Boot mit Menschen setze, die um ihr Leben gemalt haben: die tagsüber für’s Überleben geackert und nachts für’s seelische Überleben gemalt haben. Die kein Brot in ihrer Kunst sahen, aber sich ihr mit Leib und Seele verschrieben; und die dabei ein Abbild unserer Zeit, eine Gesellschaftskritik oder auch eine Hommage an uns hinterlassen haben. Ich gehöre nicht zu ihnen, ich bewundere sie. Ich tue meinen „Dienst“ an „die Menschheit“ und die Folgegenerationen anders, aber ich bin keine Künstlerin, ich bin nur kunstaffin, ich kann ein wenig von allem, aber ich bin keine Künstlerin; weil Künstler für mich in einer bestimmten persönlichen Ebene so sehr ihre eigenen Grenzen überwunden haben, dass ich höchste Ehrfurcht davor habe – und auch weiterhin haben will. Ich finde, dass mein Kunstbegriff, auch wenn er noch nicht ganz umrissen worden ist und sich – wie du so schön sagtest auch wandelt, seine Berechtigung hat.

    Ich wünsch‘ dir ein schönes Wochenende, liebe Soso. Und tut mir Leid, dass der Text wieder so lang geworden ist.

  12. oh, liebe sherry
    wie kan ich da auch nur eine halbwegs würdige antwort dazu schreiben? in einem sehr vielschichtigen text schneidest du so viele ebenen an. bei vielen stimme ich dir bei, wenn auch zögerlich und mit einwänden, bei anderen sage ich: nein, das sehe ich anders und bei anderem kann ich nur einfach danke sagen für die ergänzungen und inspirationen.

    das ringen um den ausdruck, das ringen um verstanden werden, das ringen um den wunsch, mit unserem ausdrucksmittel etwas in die welt zu bringen, dass diese zu einer besseren macht – so lese ich deine definition von künstlerIn. und ich lese deinen widerstand, sich dieses prädikat leichtfertig anzueignen.

    dazu will ich keine grosse diskussion anzetteln, doch dieses hier ergänzen: auch ein schlechter jäger, auch eine wenig engagierte psychologin, auch ein leidenschaftloser arzt, eine gedankenlose köchin – sie alle sind dennoch das, was auf ihrem fähigkeitsausweis steht. auch wenn sie das, was sie tun, mit wenig hingabe tun, sind sie per definition das, was sie sind. weil jedoch künstler und künstlerin ein nicht geschützter titel ist, wird er von wem auch immer verwendet. auch von mir. weil ich zum teil noch andere aspekte als du zur definition heranziehe. und wieder andere ziehen wieder andere aspekte heran. deine perspektive ist eine spannende, aber sie ist nicht mehr und nicht weniger als deine perspektive, eine allerdings, die ich gut nachvollziehen kann, ohne sie aber umfassend zu meiner zu machen. was wissen wir schon, was ein anderer, eine andere wirklich zum überleben braucht? (kennst du übrigens „art brut“?)

    das thema „normen“ und dass sie überlebenswichtig sind, hast du hier sehr gut dargestellt. vielleicht müssten wir da weiter diskutieren, wo die „fakultativen normen“ einer gesellschaft ins spiel kommen, da ich eigentlich diese gemeint habe und nicht jene, die das gesellschaftliche leben zum funktionieren „braucht“. fakultative normen wie fernseher, konsum, kommerz, modeströmungen und so sachen, die den menschen in eine bestimmte denk- und reaktionsstrukturen quetschen. normen, denen sich der mensch einzig aus dem bedürfnis dazuzugehören, unterwirft.

    ach, ich könnte jetzt weiter und weiter ausholen, aber dazu habe ich die energie nicht, denn die will ich heute in meine texte stecken. ich will mit meinen figuren zusammensitzen. ich will sie verstehen. will …

    ob jemand das, was ich tue und das, was dabei herauskommt, kunst nennst, ist mir egal. für mich sind meine texte und diiese meine art des ausdrucks (die ja so nirgends im aussen sichbar geworden ist) wichtig, lebenswichtig sogar, da ich ohne diese arbeit längst nicht mehr leben würde. auch wenn über die qualität meiner arbeiten natürlich gestritten werden darf. mir eigentlich egal. ich brauche es. punkt …

    so, jetzt aber stehe ich auf. ich habe vorher im bett schon eine stunde geschrieben.

    oh weh, was für ein schräger kommentar … 😉

    herzlich, soso

  13. Liebe Soso,

    danke für deine Antwort. Es ist natürlich ganz klar, dass jeder sein Recht auf seine Definition hat, zumal auch meine immer wieder wandelbar ist. Die Momente des Flows sind z.B. auch sehr wichtig, vor allem, wenn man in dem Moment mit anderen interagiert, was bei der Musik häufig der Fall ist. Das ist dann fast mehr als Kunst, dass ist Gottesnähe. Aber ein anderes Mal dazu. Ich mag deine Appbilder sehr gerne, einige von ihnen berühren mich auch. Z.B. das erste Bild, darin sehe ich zwei Menschen, die sich im Chaos berühren. Mit ihren Gedanken. Das mag ich.

    Übrigens sehe ich auch das anders als du. Ich erkenne einen schlechten Arzt, der die basalen Anforderungen eines Arztes nicht erfüllt, nicht als Arzt an. Und eine schlechte Psychologin erkenne ich auch nicht als solche an. Darin unterscheiden wir uns glaube ich. Mir reicht der Wisch auf dem Papier nicht, ein Zeugnis, ein wasauchimmer. Die Motive, Psychologin oder Arzt zu werden machen es gerade bei diesen Berufen wichtig, die richtige Einstellung zu haben. Ein Heilpraktiker z.B. ist für mich vielleicht ein 1000 Mal besserer „Arzt“ als ein Schulmediziner, der kleine Zusammenhänge nicht begreift.

    Danke für die Unterhaltung!

  14. liebe sherry

    es gäbe immer so vieles zu sagen. oft gesagtes, oft gedachtes … besser ich mache hier einfach mal einen punkt.

    liebe grüsse
    soso

  15. ich menge mich mal ein bisschen ein, liebe Sherry und liebe Soso, weil ich es mag kontrovers miteinander zu debattieren.
    Zunächst einmal möchte ich noch betonen, dass es mir nicht ums Rechthaben geht, ich möchte meine Sichtweise zur Künst aus meiner Sicht der Autodidaktin schildern. Warum bin ich eine geworden? Ganz einfach, weil es sehr hohe Türen an ehrwürdigen Mauern gibt, dahinter unglaublich wichtige Menschen sind, die ihre Daumen hoch oder runter machen. Die meinen, dass man doch am besten schon alles können muss, damit sich diese hohen Türen auch für dieses kleine Lichtlein öffnen dürfen. Nach zwei nicht bestandenen Aufnahmeprüfungen wurde ich also Autodidaktin. Damals beschäftigten mich die Fragen, ob eineR die, der Abitur gemacht hat und dann studierte unweigerlich gleich wertvoller sei, als Menschen, die über das Leben, Gespräche, Bücher und selbstbestimmtes Lernen Fähigkeiten erlangt haben? Wer sagt denn, dass die einen mehr, die anderen weniger ringen und wer sagt denn, dass all dieses Schul- und Uniwissen der Weisheit letzter Schluss wäre? Ja, ich bewundere tief gebildete Menschen, ja ich bewundere Menschen, die mit einem Talent auf diesem Erdenball erschienen und diesem kontinuierlich gefolgt sind, bis sie es zur Meisterschaft gebracht haben. Aber was ist Meisterschaft wirklich und wer bestimmt ob der eine ja und die andere nein?
    In jungen Jahren hat mich all das Gemesse und Bewerte irgendwann so ausgeknockt, dass ich viele Jahre überhaupt nichts mehr gestaltet oder geschrieben habe. Auch wenn ich Mühe habe mich selbst als Künstlerin zu bezeichnen, das behalte ich lieber Außenstehenden vor, so habe ich keinerlei Mühe damit von meiner Künstlerinnenseele zu sprechen. Und die ist in den letzten Jahren gut voran gekommen, ich habe ihr einen Geselinnenbrief überreicht … lach .. mei, was für ein Schmarrn!
    Liebe Sherry, sei mir nicht böse, aber ich muss dir einfach in vielen Punkten widersprechen und denke gerade, dass Dada weder die erste, noch die letzte Strömung war, die die Kunst und insbesondere den Kunstmarkt ad absurdum geführt hat- zu Recht, wie ich finde! Für mich zählt einzig und allein die Berührung. Und wenn ich mit meinen Bildern berühre oder mit meinen Geschichten, und wenn es nur ein Mensch von all den Milliarden ist, dann hat es sich gelohnt. Es ist kein geheimnis, dass ich Bewertungen in dem Sinne von Allgemeingültigkeit nicht mag. Klar gefällt mir die und anderes nicht, aber ich weiß immer, dass ich es bin, die etwas mag oder nicht, das sagt nichts über das Werk an sich. Das was ich kritisiere und was ich glaube der Menschheit mehr Leiden, als Freude gebraccht hat, ist dass manche meinen, sie könnten bestimmen, was gut und was schlecht sei! Selbst Gerhard Richter hat letztens gesagt, dass er es vollkommen absurd findet, welche Preise seine Bilde erzielen … er nimmt das Geld und verteilt es, bravo Herr Richter! Und nebenbei lebt er selbst gut und leistet sich das, was er sich leisten will, das sei ihm doch von Herzen gegönnt. So und so ungefähr stelle ich mir eine neue Gesellschaft vor. In Weite und in Freiheit, anstelle des engen Korsetts, alten Herren zur Freude …
    Ja, und dann muss ich auch noch sagen, dass ich die Vorstellung von KünstlerInnen, die des Tags für Kohle ackern gehen und in der Nacht ihre KünstlerInnenseele fliegen lassen, für sehr romantisch halte. Das mag in jungen Jahren eine Weile gehen, aber dann braucht der Mensch eben doch auch Schlaf, FreundInnen und …
    eijei, verzeiht, ich habe mich in Eifer geschrieben.
    und bitte, nochmals am Ende, ich möchte nicht angreifen und hoffe es auch nicht getan zu haben …
    herzlichst
    Ulli

  16. liebe ulli
    deine persönlichen ergänzungen freuen mich. ich danke dir, dass du du sie hier eingefügt hast … gross weiterdiskutieren tu ich aber nicht, zu müde, zu spät. gelesen habe ich sie gerne. es ist ein endloses thema und alle möglichen klugen und einfachen gemüter haben sich darüber schon die köpfe und herzen zerbrochen und hoffentlich wieder zusammengesetzt.
    schlaf gut und sei herzlich gegrüsst
    soso

  17. liebste Soso, heute Morgen wurde ich wach und hatte Bedenken wegen meiner Antwort, aber als ich sie gerade noch einmal las, beruhigte sich mein kleines Herzchen wieder. Danke dir für deine Antwort. Es stimmt, diese Diskussion flammt immer und immer wieder auf. Ich finde sie wichtig. Für mich selbst, denn wenn ich mich auf sie einlasse, dann kann ich mich selbst verankern, mein Grund auf dem ich stehe wird dicker. Oder aber schwankender, wenn meins dann doch als nicht wirklich durchdacht erscheint. Aber in diesem Punkt habe ich doch viel Grund gewonnen 😉

    ich wünsche dir von Herzen einen gemütlichen Sonntag, hier schneit es wie verrückt, ein guter Tag, um im Stübchen zu spinnen
    herzliche Grüße
    Ulli

  18. hier schneit es auch, liebe ulli, und ich hänge (bis eben ohne internet) ihm bett ab, lese krimi, lasse muffe muffe sein und verstehe, dass es zu allem immer mehrere meinungen gibt. deine, meine, andere und jede hat ihre berechtigung.

    herzlich, soso

  19. liebe frau blau,

    ich glaube, mein fehler war, dass ich hier zu oft das wort „handwerk“ reingebracht habe, so dass du denkst, man müsse studierte künstlerin sein, um als künstlerin zu gelten für mich. das wäre für mich das aller schlimmste, wenn nur jene als künstler anerkannt würden, die studiert hätten. nein, nein, dagegen würde ich mich sehr schnell wehren, das musst du wissen.

    ich glaube, dass ich mein studium so liebe, lässt euch vielleicht ein wenig denken, dass ich so eine super elitäre dummgelaberseite an mir habe, die sich für etwas besseres hält. das ist aber nicht wahr. ich werde nie müde, immer wieder zu erklären, dass ich sehr lange nicht wusste, was ich will – so dass die freude, die ihr in meinem ton hört, wenn ich von meinem studium rede, nicht mit dem status „intellektuelle“ zusammen hängt (wie ich das wort hasse übrigens), sondern damit, dass ich froh bin, endlich etwas gefunden zu haben, bei dem es sich lohnt, überhaupt zu studieren und sich ein wenig heimisch zu fühlen.

    ich habe ein großes problem, kunst zu definieren, das merkt ihr immer wieder in diesen diskussionen. was ich aber weiß ist, dass ich das handwerk inzwischen als ein wichtiges instrument erachte, das einem dazu verhilft, ein bestimmtes thema auch auszudrücken. was ich auch weiß ist, dass ich nicht jeden künstler als solchen erachte, der sich selbst als einen erachte. was ich weiß ist auch, dass ich intensität suche bei einem künstler, in vielen dingen, die er tut. ein typischer künstler ist für mich ein mensch, der sich so sehr mit einem thema beschäftigt, dass er manchmal sogar daran zugrunde zu gehen scheint, bis er aus diesem ausdruckstief durch ein, zwei, drei – perioden von werken – endlich wieder luft schnappen kann.

    ich glaube, die intensität und das authentische, das unbedingte müssen, der druck in einem, das „alles versuchen, damit man das thema versteht“ ist es, was mich an künstlerinnen so fasziniert. und deshalb ist es für mich schwierig, wenn ich das nur nebenbei tue (okay, das schreiben war mal eine lebensnotwendigkeit für mich, und ich würde erst durch die abstinenz merken, ob sie das nicht noch immer ist), mich dann künstlerin zu nennen.

    ich glaube, es geht nicht immer nur um das endprodukt, sondern um die intensität des prozesses. und wieder kann ich auch nur „ich glaube“ sagen, weil ich dieses furchtbar heftige ding namens kunst eben niemals greifen kann, bis jetzt noch nicht. aber ich komme dem immer näher.

    lieben gruß,
    sherry

  20. liebe Sherry, nur noch kurz … es ist wahrlich ein GROSSES Thema und mir geht dazu noch sehr vieles durch den Kopf, ich bin auch dankbar für diese Debatte, weil sie mich anregt, weil ich wieder einmal über Kunst und wer ist ein Künstler sinniere und siehe da, ich komme auch an meine Grenzen. Aber was du zum Thema und zur Authentizität schreibst, das unterschreibe ich. Gerade in den letzten Wochen fiel mir noch einmal verstärkt auf, dass, so scheint es wenigstens, Kunstschaffende von einem oder auch mehr Themen umgetrieben werden, sie diese fassen möchten, begreifen, zu sich nehmen, ob nun über Worte, Musik, Bilder und/oder Skulpturen und je tiefer man in ein solches Thema kommt, umso tiefer werden auch Worte, Bilder etc. …
    dies habe ich nun von dir verstanden!
    und was nun dich als Studierte angeht, so finde ich selten bei dir einen Haken, an dem ich mich aufhänge in dem Punkt, aber gestern wirkte es wirklich so auf mich. Wenn ich dir damit Unrecht getan habe oder dich gar verletzt, dann tut mir das leid, das wollte ich auf keinen Fall.
    Manchmal hänge ich noch an schlechten Erfahrungen, sorry und ganz liebe Grüße Ulli

    aaah und was ich auch schon gestern erzählen wollte, ist eine Sequenz aus dem Film Frida (Frida Kahlo), es geht darum, dass Diego erzählt, dass sie ihre Bilder in den USA viel zu billig verkauft hätte, sie entgegnete, dass sie immer noch zu teuer gewesen seien, weil sie ja (sinngemäß) nur herumstümpere (im Gegensatz zu ihm). Diego erwidert, dass er zwar die Technik des Malens beherrsche, aber dass sie, Frida, vom Herzen aus male und dass dies eine große Kunst sei, er könne dies nicht … ein wichtiger Aspekt, den hier Diego Riviera aufs Parkett trägt, wie ich finde-

    liebe Grüße Ulli

  21. das stimmt, liebe ulli. technik/handwerk ohne herz geht sogar noch weniger als herz ohne handwerk. nein, ich fühlte mich nicht verletzt von dir, nur missverstanden. aber das ist virtuell ja quasi die regel, ab und an mal.

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