Vom Ankommen. Irgendwann.

Eben erfahren wir, dass es in wenigen Minuten weitergehen soll. Ungefähr fünfundzwanzig Minuten nach dem Stopp. Wir befinden uns irgendwo vor Olten. Auf der Rückreise von Bern, die wir extra mit dem Zug unternommen haben, um unterwegs keine bösen Überraschungen auf der Straße zu erleben. Keine billige Reise, doch wir haben sie uns geleistet, um Stress zu vermeiden. Stressen kann aber auch zugreisen. Was zu beweisen war. Den ersten Zug haben wir um eine Minute verpasst, im zweiten hängen wir nun fest.

Seit ich Kind war, habe ich ähnliches nicht mehr erlebt. Ein Schweizer Zug, der für unbestimmte Zeit auf offener Strecke stehen bleibt. Ein vor uns fahrender Zug sei wegen Bremsproblemen auf der Schiene stehengeblieben, sagt die Ansagestimme. Alle fünf bis zehn Minuten werden wir über den Stand der Dinge informiert.

Wären wir doch in Bern „James Bond“ gucken gegangen, dann wären wir bestimmt nicht auf offener Strecke stehen geblieben,
sage ich.

Zugegeben, Pannen riechen immer auch nach Abenteuer. Wir Menschen verlassen das geplante Gedankengebäude und werden ungefragt Teil eines Konzeptes, das wir nicht beeinflussen können. Natürlich lassen wir uns nicht gerne von geplanten Wegen abbringen, wir wollen, dass die Dinge so funktionieren, wie wir sie uns vorstellen, aber ein bisschen Abenteuer geht. Wenn es gut ausgeht, jedenfalls.

Bei der ersten Verspätungsankündigung hatte ich noch damit gerechnet, dass wir den Anschlusszug in Olten erwischen. Diese Hoffnung habe ich längst aufgegeben. Wir stehen nun seit einer halben Stunde, doch noch fahren letzte Züge nach Hause. Wann wird es zu spät sein? Was wäre, wenn …? Der nächtliche Supergau: Ein Zug, der einfach nicht mehr weiterfährt. Der in alle Ewigkeit stehen bleibt.

Ich denke an Freund S., Mitglied unserer Berner Schreibgruppe, der früher nach jedem Schreibtreffen die abstrusesten Heimkehrer-Stories ins Schreibforum stellte, das wir damals noch regelmäßig frequentiert haben. Heute haben wir darüber mal wieder gewitzelt, bei unserm traditionellen Treffen am Berner Glühweinstand mit ihm und all den andern Schreiberlingen unserer Gruppe.

Ein bisschen ein „Weißt du noch?“-Abend ist es geworden, natürlich, wie immer, wenn sich die einen oder andern eine Weile nicht mehr gesehen haben, ein bisschen ernst war es auch und philosophisch, wie immer, doch haben wir auch viel gelacht. Hach, ich mag diese Bande einfach.

Ooops, wir fahren ja wieder! Wie schön. Irgendwann werden wir heute Nacht wieder zuhause sein.

Wie schön, in einem Land zu leben, wo Pannen behoben werden können und auch ein Nachtzug irgendwann irgendwo ankommt. Obwohl Irgendlink mosert, dass fünfundreißig Minuten für eine Schweizer Panne geradezu skandalös sind.

Später. Wieder zuhause. Irgendwann kommt man eben immer an … irgendwo.

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14 Kommentare zu „Vom Ankommen. Irgendwann.“

  1. Liebe Soso,
    „Vom Ankommen irgendwann ….“ … schon die Überschrift Deines Beitrags hat mich wieder etwas nervös werden lassen. Mitten auf der Autobahn machte es plopplopp, und der kleine Ausflug an die Bergstraße endete zunächst mal auf dem Seitenstreifen. Bei saukalten Temperaturen und unter Zeitdruck den linken hinteren Reifen wechseln zu müssen, war kein wirklicher Spaß. Und der Umweg, den wir dann nehmen mussten, ließ wenig abenteuerliche Stimmung in mir aufkommen. Zu dm und Hund konnte ich noch nicht mal rufen „wären wir doch mit dem Zug gefahren“, denn wir waren auf dem Weg zum TÜV …. …
    Jetzt wieder im Warmen, sieht es draußen doch ganz schön aus.
    Herzliche Grüße,
    mb

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    1. oh weh, im zug zum TÜV ist eine marktlücke … 🙂
      tut mir leid, dass ihr das erleben musstest.

      nun im auto unterwegs in den schwarzen wald. hoffentlich pannenfrei!

      herzlich grüssen soso und irgend von unterwegs

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  2. mir gefällt auch die Formulierung: vom Ankommen irgendwann … sehr und mir fallen einige Geschichten ein, schöne, lästige, gefährliche, wie du so schön schreibst: ein bisschen Abenteuer darf ja sein, was aber, wenn das Abenteuer sich ausdehnt. Wir leben schon sehr gediegen!

    hoffe ihr seid wieder gut daheim angekommen (schrieb es gerade schon auf pixartix)
    danke für euren bescuh, das machen wir gerne wieder einmal, findet auch H.

    liebe Grüße Ulli

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    1. noch unterwegs, nun bei schneeregen grad über die grenze, drum wieder im netz. ja, war schön. aber so autofahren macht nicht wirklich spaß.

      bis bald, herzlich
      soso und irgend

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    2. der größte sogar, andere nachteile hat er auch: kalt & naß … aber er ist auch schön. ich weiss nicht, wann ich das letzte mal sooo viel schnee auf tannen gesehen habe wie heute!

      und dafür hat es sich doch auch gelohnt …

      winkewinke in den weißen märchenwald
      soso

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  3. Die Schweizer Bahn informiert so häufig über den Stand der Dinge? Das ist fein! Die Deutsche Bahn – gut, ich schweige lieber, lach!
    Aber ihr seid ja zum Glück, angekommen, irgendwann, danke für deine Gedanken beim Warten, SoSo.
    Ich stand mal mit dem Auto im Schneechaos, nicht weit hinter Basel in Richtung Bern, und fürchtete schon, dort die Nacht verbringen zu müssen, was aber nicht der Fall war. Und was die sprichwörtliche Zuverlässigkeit Schweizer Technik betrifft: Vor Jahren hing ich mal bei Grindelwald zwei Stunden lang in einem Sessellift fest, der sich wegen Sturms leicht ausgehakt hatte, acht Meter über dem Abgrund, doch immerhin mit Blick auf die Eiger Nordwand. Der Zufall hatte eine Engländerin neben mich gesetzt und sie fragte ängstlich: Aber das stimmt doch, das mit der Schweizer Wertarbeit? Bald kamen auch acht Männer zu Fuß von oben, die unseren Lift sicherten und wieder einhakten und es konnte weitergehen.

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    1. bei einer zugfahrt durch deutschland (pfalz-schweiz) vor etwas mehr als drei jahren warteten wir wegen einer unschönen sache (suizid) mehr als anderthalb stunden vor karlsruhe. die erste ansage war wohl so nach zwanzig minuten. dann hiess es in karlsruhe den zug wechseln (den späteren). ich glaube in anderthalb drei infos – das wars. dafür haben sie ab badischem bahnhof basel verteiltransporte in die schweizer städte per taxi organisiert. ich war um nachts halb zwei zuhause … 🙂 immerhin bin ich angekommen. irgendwann.

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    1. witzig, dass du das schreibst, uwe, denn so was ähnliches haben wir uns zuhause auch gesagt. glück und alles-ist-gut hat kaum unterhaltungswert …
      warum es wohl so viele bücher gibt, und immer noch mehr?

      liebe grüsse, soso

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