Patchwork

Wir fühlen uns richtig gut, wenn wir tun, was uns gut tut. Und wir tun uns und anderen gutes, damit wir uns gut fühlen. Soweit so gut, denn wir fühlen uns gerne gut. Eigentlich. Dumm nur, dass wir uns auch gut fühlen, wenn wir tun, was uns nicht gut tut, weil wir es zum Beispiel tun und taten, um uns selbst zu bestrafen. Was uns nur vermeintlich gut tut. Und dumm auch, dass wir uns oft schlecht fühlen, wenn wir tun, was uns eigentlich richtig gut tut. Weil wir es uns nicht gönnen.

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Sie hütet sie gut, ihre Geheimnisse. Längst hat sie dicht gemacht. Ihre Schutzhaut gleich einer Jeans, jahrelang getragen, bequem, doch dünn da, wo wieder und wieder an ihr herum gerieben, gedrückt, gedrängt und gezwängt worden ist. Beinahe durchsichtig an besonderen Stellen. Berührbarer dort mehr als anderswo. Besonders dort. Ausgerechnet dort. Abgewetzte Schutzhaut. Anfällig für neue Wunden, wo es am meisten schmerzt. Empfindlicher, empfänglicher. Zum Glück auch für Glück.

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Baustelle betreten auf eigene Gefahr. Schutzhelm obligatorisch. Ist das Kunst, oder was? Darf man Baustellen sehen, das Making-of, den Prozess, bevor etwas veröffentlicht wird und muss etwas, das veröffentlicht wird, perfekt sein? Was ist mit Ready-mades/Objets trouvés? Ist es eine Abwertung, wenn man den Vorhang öffnet, bevor …? Wird Kunst künstlich verklärt? Ich sag nur Fluxus*, John Cage, Marcel Duchamp. Von ihm übrigens der wunderbare Satz:
Der Betrachter vervollständigt das Kunstwerk.

Lebe deine Kunst, verkunste dein Leben.

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* Mehr dazu auch bei Wiki

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12 Kommentare zu „Patchwork“

  1. da steckt viel drin, in deinem neuen Text, liebe Soso …

    ich möchte nicht nur Gutes tun, damit ich mich dann danch gut fühlen kann, das ist für mich ein falscher Ansatz. Gutes tun, um Gutes zu tun, ja, aber oft ist ja noch nicht einmal klar, ob es dann wirklich etwas Gutes war/ist …
    und ja, etwas tun, obwohl man weiß, dass man sich damit nichts Gutes tut ist etwas dem man auf die Spur kommen darf, mit warum beginnt die Frage dahinter …

    die Schutzhaut berührt mich … andererseits frage ich mich, wenn sie so löchrig, so abgewetzt ist, ob sie denn dann überhaupt noch eine Schutzhaut ist?

    zum dritten Absatz möchte ich nur sagen; das entscheide doch bitte jede Künstlerin und jeder Künstler für sich! Ich glaube nicht, dass man diese Fragen allgemeingültig beantworten kann- ich halte manchmal gerne etwas unter Verschluss, ein anderes Mal presche ich vor, und sehe erst nachher, dass dies voreilig war …

    bestimmt fällt mir nachher noch mehr dazu ein, aber jetzt und hier lasse ich es so stehen und grüße herzlich von Berg zu Berg
    Ulli

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    1. danke für deine zeilen, liebe ulli auf dem berg

      der text ist matürlich als gedankenanstoß nicht als dogma gemeint. ähnlich den kontrasten neulich.

      ich glaube nicht an reinen altruismus. warum wir gutes tun, geschieht – so ahne ich – oft unbewusst. ich glaube sogar, es gehört zur menschlichen überlebensstrategie, was ich aber nicht schlimm, einfach natürlich, finde. und wir tun auch gutes, weil wir es so gelernt haben. weil wir es logisch finden, zu helfen. weil wir mitgefühl empfinden. aber das sind nur die (teil)bewussten gründe. unter dem strich steckt (ausnahmen natürlich immer möglich) aber immer/meistens – so meine these – die hoffnung auf resonnanz dahinter. auch das finde ich nicht schlimm. wir sind ja alle nicht perfekt und alle haben irgendwo emotionale lecks.

      womit wir bei derschutzhaut wären, die, so meine wahrnehmung, ähnlich einer „richtigen“ haut und einer „richtigen“ jeans, den qualitativen veränderungen durch umstände unterworfen ist. mal verdient sie ihren namen, mal nicht.

      das thema kunst ist wie immer als anstoß zu verstehen. keine frage, die hier und jetzt von dir oder mir oder sonstwem beantwortet werden muss. 🙂

      herzlich, soso

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  2. Gutes tun, Schutzhaut, Kunst. Große Begriffe und viel Material zum Nachdenken. Jeder hat da vermutlich seine ganz eigenen Definitionen und sie ändern sich, wachsen und schrumpfen, so wie wir selbst.

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    1. genau … diesen veränderungen kann man ja eigentlich allerhöchstens bei sich selbst den richtigen platz geben. bei andern kann es immer nur eine annäherung sein.

      danke für deine zeilen.

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  3. Drei gleich gute Ansätze zum Nachdenken, dabei habe ich momentan grad gar keine Zeit für solche Denkereien. 😦 Aber interessant wäre es alle drei Ansätze mal zu verfolgen.

    Liebe Grüße vom Schreibtisch, dessen Stuhl nicht mehr kalt wird. (Ich hoffe aufs Wochenende) *g*

    Szintilla

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  4. Häutungen fiel mir ein. Als eine Verbindung zwischen den drei von Dir beschriebenen und zur Diskussion anregenden Gedanken …
    Aber warum suche ich eigentlich nach einer Verbindung? Das frage ich mich in diesem Moment.
    Schon deshalb, aber auch so: danke für Deine Gedanken, liebe Soso!
    Herzliche Grüße, mb

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    1. innerlich sah ich die verbindung auch, liebe mb, aber die lässt sich oft nicht in worte fassen. häutungen kommt der intension recht nahe! danke für deine zeilen!
      liebgrüß, soso

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  5. Indem wir etwas tun, was uns im Augenblick vermeintlich guttut, obwohl es uns nicht guttut, schützen wir uns manchmal, weil wir etwas vermeiden. Wir legen uns also eine Schutzhaut an oder einen Schutzhelm auf. Wir sind selbst noch eine Baustelle. Liebe Soso, das fiel mir zu deinen Gedanken ein, die zwar für sich stehen, aber doch eine Verbindung eingehen können.
    Häutung, wie sie mb nennt, ist auch eine interessante Assoziation und Verbindung. Sind wir gehäutet, ist das Haus „fertig“ und keine Baustelle mehr. Wobei wir ja niemals fertig sind…

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    1. deine sehr sensible auseinandersetzung mit meinen gedanken berührt mich. ja, diese gedankenvernetzung besteht – du hast in worte gefasst, was diffus in mir war.

      merci beaucoup!
      herzlich, soso

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