Stell dir vor …

Gedanken flüchten und zipfeln an mir vorbei, durch mich durch. Noch da, schon weg. Wieder da. Bilder. Impressionen. Ich räkle mich. Drei Reis-Gerichte. Ein Flüchtlingsfest. Nein, das waren keine Flüchtlinge – nicht mehr und nicht weniger als wir alle, die wir doch alle immer irgendwie vor irgendetwas auf der Flucht sind jedenfalls. Kein Flüchtlingsfest also, sondern ein großes internationales Fest. Viele Menschen. Ich mitten drin. Reisgerichte, die die Welt verbinden. Basmati – weiß und kompakt. Risotto – sämig und safrangelb. Risi Bisi – gut schweizerisch mit diesem und jenem drin, das Parboiled-Reisgericht meiner Kindheit (das ich nie wirklich mochte). [Reis mochte ich sowieso erst später, als ich selber kochte und dabei entdeckte, dass das Parpoiledzöix nur eine von vielen Arten von Reis ist, eine Imitation quasi, und dass richtiger Reis ganz anders ist. Und super schmeckt. Doch noch heute löst Reis auf einer Menükarte jedes Mal zuerst ein leichtes Zaudern in mir aus. Sorry. Ich schweife ab.]

Ein internationales Fest also. Menschen aller Länder. Unzählige lachende Augen. Nicht nur lachende Münder. Augen. Ganze Gesichter. Kein künstliches Glitzern, ein Strahlen, das die ganze Welt sehen müsste um zu verstehen. Imagine. Stell dir vor, es wäre Frieden. Und da wären keine Länder mehr. Keine Grenzen. Keine Feindschaften. Ich versuche, mitten in meinem Traum sehr bewusst, allerdings ohne Erfolg, herauszufinden, wo ich bin und was wir genau feiern. Ich schaue um die Ecken und begreife, dass ich mich in der und trotz der Masse von Menschen wohlfühle. Obwohl da weit und breit kein bekanntes Gesicht ist. Ich bin allein. Ich bin mit allen andern zusammen hier. Ich fühle mich wohl.

Langsam spüre ich das Bett unter dem Rücken. Langsam werde ich gewahr, dass ich träume. Im Niemandsland zwischen noch nicht wach und nicht mehr Traum. Grenzland ohne Schranken. Ich lasse die Augen geschlossen. Wie spät mag es sein? Durch die geschlossenen Augen nehme ich wahr, dass es schon hell ist. Muss nach acht Uhr sein, meldet der Kopf. Die Gesichter aus dem Traum werden blass. War da eine Geschichte? Eine Botschaft an mich? Imagine. Ich denke an den Youtube-Film, auf den ich vor Tagen zufällig gestoßen bin, weil er in der Seitenleiste eines anderen Filmes, den ich durch den Link eines weiteren Clips gefunden hatte, verlinkt war. Eine australische Casting-Show. Ein Bursche, vielleicht siebzehnjährig, das weiß er nicht so genau. Keine Hände, nur halbe Arme. Bombenopfer. Während des Irakkrieges im Waisenhaus gelandet, später mit seinem Bruder nach Australien adoptiert. Er singt dieses Lied, das mir seither nicht mehr aus den Ohren geht. Und aus dem Herzen auch nicht.

Und wie er es singt! (… bei 3:15 fängt er an …)

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18 Kommentare zu „Stell dir vor …“

  1. Er hat mein Herz gebrochen. Man würde an der Stelle vielleicht sagen „erobert“, aber es fühlt sich wie gebrochen an. Das Lied von Lennon hört sich so einfach an. Und eigentlich könnte es so einfach sein, wären die, die an der Spitze sitzen, nicht überwiegend pathologische Psychopathen. Er hat es wirklich wundervoll gesungen … Es war echt, weil es ihn wirklich betrifft.

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    1. ich mag es auch bei john lennon, aber dieser junge singt es einfach soo authentisch.

      ich muss jedes mal weinen, weil ich denke: ja, die welt könnte anders sein.

      danke, dass du es auch so fühlst, das lied.

      liebgrüß, soso

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  2. Ich habe das Video vor einer Zeit in einem Blog gesehen, es ist schon sehr berührend. Ich würde ihm dennoch wünschen, er würde nicht aus Mitleid weiterkommen! Denn daer Gedanke drängt sich für mich hier auf. Seine Stimme fand ich nicht herausragend, es ist eher, dass das Lied für ihn stimmig ist. Meinen Respekt der Mutter!!

    ..grüßt dich Monika

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    1. liebe monika

      ich find seine stimme okay bis sehr gut (da ist ja nix korrigiert und aufgepimpt dran), vor allem aber hat er charisma. ja, die sache mit dem mitleid stimmt schon – und doch: das lied hat eine wichtige botschaft und die kann er glaubwürdig vermitteln.

      die mutter ist bewundernswert – ja, das dachte ich auch. mutig.

      herzlich, soso

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  3. Da hatte sich das Video, der Song in deinen Traum eingegraben, liebe soso, kein Wunder. Durch solche Auftritte von Betroffenen werden vielleicht auch mal die Menschen ein bisschen aufgerüttelt oder wenigstens sensibiliert, die sich sonst nie Gedanken machen über die Welt.

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    1. das wäre zu hoffen, nur hören die bei sowas weg – denk ich mal.

      ich bin dankbar für solche träume und für all meine mitmenschen, die ähnliche träume und hiffnungen haben.

      herzlich, soso

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  4. liebe Soso,
    das ging jetzt mitten ins Herz hinein, wir beide (Ho und ich) ließen die Tränen einfach laufen … der song von John Lennon war schon immer ein richtig gutes Lied, aber von diesem jungen Mann gesungen, geht er tief unter die Haut … ja … nenne mich eine Träumerin, aber auch ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine Welt, die in Frieden lebt …
    ich danke dir

    herzliche Grüße Ulli

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  5. auch ohne es sehen zu können (computerproblem) geht mir das sehr zu herzen. zum einen, weil jemand dem so übel mitgespielt wurde, dennoch so viel liebe und hoffnung hat und dann weil es so grausam ist, dass wir uns gar nicht wirklich vorstellen können, dass es einmal eine welt ohne krieg aber mit menschen geben wird. höchstens davon träumen. wenigstens das.

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    1. ich frage mich manchmal, was aus mir, aus uns allen, aus der menschheit geworden wäre, wenn sie irgendwann aufgehört hätte zu träumen. grad denk ich, dass alles was da (materie) ist, einst ein traum war. ganz wertfrei gemeint.
      danke für deine rückmeldung!
      herzlich soso

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  6. Ein tiefberührender Auftritt und unglaublich mutig.
    Was wäre die Welt ohne Träume von Hoffnung und Frieden? Es sind doch genau diese Träume und Hoffnungen die es schaffen können, dem Bild der besseren Welt ein Stück näher zu kommen, denn alles was vorstellbar ist, ist auch zu erreichen.

    Herzliche Grüße, Szintilla

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  7. Solche Sendungen sind ja nicht so sehr geschätzt, umso schöner, wenn man dann so einen sympatischen und angenehm singenden jungen Mann auf dem Weg kennen lernen kann und er und seine Familie Freude erleben kann. Danke fürs Teilen.

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    1. ich glaube, solche sendungen werden je nach dem von wem schon sehr geschätzt … wir gehören da vielleicht nur zur minderheit 🙂

      aber ich glaube schon, dass solche jungen menschen nachhaltigen eindruck hinterlassen. bei der jury, beim publikum, bei uns …

      gern geschehen … und herzliche grüsse, soso

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