Durchblick?

Da sitze ich also bereits zum dritten Mal im lokalen Optikerfachgeschäft und lasse mir meine neue Brille ausmessen, denn die alte zerfällt so langsam in ihre Einzelteile. Eine nette Optikerin misst die letzten Details wie Augenabstand, erkundigt sich nach Gläserqualität und notiert jetzt die einzelnen Preisdetails auf den Umschlag. Preis des Gestells. Preis der Gläser. Preis der Montage. Alles zusammenzählen kann sie nicht so schnell wie ich (obwohl ich auf dem Kopf stehend lese – die Zahlen, nicht ich …). Ich schlucke leer. Und innerlich stehe ich wirklich Kopf. Ich hätte das Geld, ja, ich habe ja ein bisschen was geerbt. Aber. Nein. Nein, das kann ich mir nicht leisten. Will ich nicht. Zumal ich ja nur noch bis Ende Monat Arbeitslosenuntetstützung bekomme. Achthundertfünfzig Stutz ausgeben für eine richtig gute, schöne und vor allem stabile Brille? Für eine Brille, die – so ähnlich – bei Stamm- und Billigoptiker F. höchstens dreihundert kostet? Ich winde mich. Ich schwitze. Ich sage, dass ich mir diese Brille nicht leisten kann. Dass ich nicht gedacht hätte, dass die Gläser so teuer sind. Und dass die Montage einzeln kostet. Dass … Ich will raus hier, nur raus. Ist das peinlich! Ich gebe der Optikerin ein Trinkgeld für die Beratung und fliehe.

Mein Gewissen wird aber auch beim Stammoptiker F. auf die Probe gestellt werden. Dort unterstütze ich nämlich Billiglöhne und Fernostproduktion. Dafür werde ich Geld sparen, das ich – zum Beispiel – für ein Hilfswerk spenden kann. Eins, das sich für faire Löhne in der Drittwelt einsetzt. Es ist zum Verzweifeln. Ich weiß wirklich nicht, was besser ist. Ich weiß nur, dass ich mir keine so teure Brille kaufen mag. Solche Preise sind doch irgedwie pervers. Andererseits ist die Beratung erstklassig und die bekommen sicher auch gute Löhne dort. Und das ist was wert. Das macht mein Heimatland ja auch zu einem Land mit guter Lebensqualität. Und ich will ja auch eine gutbezahlte Stelle.

Ich setze mich aufs Fahrrad und radle an die Aare. An meinen Lieblingsbadeplatz. Die Sonne scheint. Ich fühle mich arm und reich zugleich. Reich, weil ich ein Fahrrad habe, und Zeit und weil die Sonne scheint. Und ich sie sehen und genießen kann. Weil ich blauen Himmel über mir habe und weil die Vögel pfeifen. Und arm, weil ich schon bald keine Einkünfte mehr haben werde. Wenn nicht endlich eine Türe aufgeht. Wenn. Immer dieses Wenn. Die Dinge, die sich nicht beeinflussen lassen. Nur teilweise jedenfalls.

Nein, die globalen Probleme zu lösen, wird mir nicht gelingen. Und meine eigenen lösen, würde heißen, endlich zu klären (wo? wie?), was ich wirklich will. Beruflich meine ich. Und überhaupt.

Wieder einmal fällt mir eine Denkpause von Franz Hohler ein. Diese viertelstündige Satire-Sendung des Schweizer Fernsehen wurde in meiner Jugendzeit jeweils um acht Uhr ausgestrahlt, um die Lücke bis zum Aktenzeichen xy zu überbrücken, da im Schweizer Fernsehen das Abendprogramm um acht Uhr beginnt, während die deutschen Sender um 20:15 loslegen.

Franz Hohler, der damals schon bekannte Kabarettist und Autor, erzählte – ich muss fünfzehn oder so gewesen sein – in besagter Sendung von seinem Dilemma. Er wusste, wie ich heute, weder aus noch ein. Wo und wie sollte er bloß leben? In der Schweiz lag dies und jenes im Argen, in Deutschland was anderes, in Österreich nochmals was anderes, und Frankreich – ach, auch dort … Und überhaupt … welche Kleider sollte er tragen? Wohl kaum Billigkleider, von Kinderhänden für ein Stück fauliges Brot genäht? Teure Kleider, gekauft mit Geld, das er nicht hatte …? Und was konnte er guten Gewissens essen? Von der Mücke kam Franz Hohler zum Elefanten, vom Hundertsten ins Tausendste, und schließlich balancierte er – schon halb nackt, nur noch auf einem Fuß, barfuß natürlich, denn seine Schuhe konnte er moralisch nicht verantworten – auf der imaginären, sehr schmalen Grenze zwischen den Ländern. Irgendwo im Niemandsland. Keine Ahnung, wohin, wie weiter, womit und überhaupt …

Obwohl ich noch sehr jung war, muss mich diese Viertelstunde so nachhaltig geprägt haben, dass ich mich heute noch, über dreißig Jahre später, sehr detailliert an sie erinnere. So sehr, dass ich noch heute ähnliche Fragen stelle. Und noch weniger Antworten kenne als damals. Antworten, befriedigende Antworten, finde ich je älter ich werde, desto seltener und die, die ich finde, sind vorläufiger denn je.

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46 Kommentare zu „Durchblick?“

  1. Das ist ein Dilema, dass es nur vorläufige Antworten gibt, Antworten, die sich u.U. mit jedem Nachdenken, mit jeder neuen Nachricht ändern. Und wie schwer es dann ist, angesichts dieses Dilemas nicht in Untätigkeit zu verfallen, eben gar nichts zu tun, weil ja doch alles irgendwie falsch ist. Weil wir nicht alles entscheiden können, sondern müssen, welche Kleider wir kaufen und zu welchem Preis (für uns auf der einen und für andere auf der anderen Seite), was wir essen, wie wir leben usw. Man kann es nicht richtig machen, aber nichts machen darf man auch nicht. Und wenn man dann noch den Anspruch hat, seinen Kindern irgendwie ein Vorbild zu sein, ist es ganz zum Verzweifeln.
    P.S.: Und was wird jetzt mit der Brille?

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    1. ich geh zu F. – irgendwas muss ich ja haben …
      ja, du hast recht. im moment war ich beinahe stagniert. darüber schreiben, hat mir gut getan.

      manchmal macht mich das alles einfach traurig. es gibt oft nur die wahl zwischen pest und cholera.

      danke fürs verständnis und liebgrüß, soso

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  2. Bei meiner Brille haben nur die Gläser 800€ gekostet, ich war betäubt. Später von der Angst besessen, sie könnte kaputt gehen. Ich habe gehört, dass es Versicherungen für den Verlust der teuren Handys gibt. Gerade habe ich den Bezug vom Schlafsofa von iea gebügelt. Vom Arbeits- und Materialaufwand müsste so etwas über 100 € kosten, da habe ich dann auch an die Arbeitsstunden im Jugendknast gedacht. Die ganzen immer größer werdenden Großindustriellen nehmen sich soooo viel raus.. wenn Pleite.. dann sind soundsoviel Arbeitsplätze weg. Die Verstrickung ist perfekt eingefädelt. Am meisten rege ich mich auf, wenn ich höre, wie z.B. die Pflanzenfetthersteller in Afrika den Lebensraum der normal dort lebenden Menschen zerstören, ihnen das Wasser abgraben usw.
    Liebgrüß von U, -habe gerade auf dem Hof 2 müde Holzarbeiter gesehen.

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    1. und ich hab grad eine sms vom lagerfeuer bekommen 🙂
      ja, du hast recht. mich tröstet, dass auch andere dieses ungleichgewicht wahrnehmen und daran leiden. ich fühle mich oft so ausgeliefert.
      ich habe ja ziemlich einfache gläser, nur kurzsicht, und nicht stark, und eine lesebrille brauche ich bis ans lebensende nicht, profezeite der optiker in der praxis neulich. aber ich stell mir vor, dass schlecht sehen immer mehr nur den reichen vorbehalten ist. schräg, nicht wahr?

      liebe grüße, soso

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    1. ja, liebe ingrid, das stimmt.
      eine von vielen illusionen, ja. und ich leide an der diskrepanz zwischen ideal und machbarkeit.
      und irgendwie bin ich trotz allem ja froh, nicht abgestumpft zu sein und derlei wahrzunehmen. hmmm …

      herzlich, soso

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  3. wahrlich ein Dilemma, liebste Soso, das schon damit beginnt, dass wir nicht über den finanziellen Hintergrund verfügen, um korrekt einzukaufen und der weitergeht, wenn es um gut bezahlte Jobs mit vertretbarem Inhalt geht, bei denen in der Regl ein 100-120%iger Einsatz gefordert wird, den man aber nicht mehr leisten kann oder will.
    Seitdem ich im letzten Jahr über den Plastikmüll im Meer eine Radiosendung gehört habe, versuche ich Plastik zu vermeiden und fühle mich dennoch förmlich von ihm umringt. Das fängt beim Einkauf im Supermarkt an und hört sonstdewo auf- Alternativ könnte/müsste ich alles auf dem Markt kaufen, jede mir dargereichte Plastiktüte verweigern, letzteres geht, ersteres kann ich mir nicht leisten! Die Verwicklungen sind so perfekt eingefädelt, dass es mit einem Boykott, wie es noch in den 1980iger Jahren funktionierte, nicht mehr klappt. Je nach Stimmung macht mich dies alles zutiefst traurig!
    Erst gestern Abend überlegte ich, ob ich mich jetzt nicht einfach mal In Zufriedenheit übe- dankbar für meinen Minijob zu sein, es warm und einigermaßen gutes Essen auf dem Tisch zu haben, interessante Kontakte pflege, liebe Menschen Freund und Freundin nennen darf, u.s.w. … ja, darin übe ich mich jetzt und gebe weiterhin mein Bestes in der Hoffnung, dass es auch wieder einmal finanziell fruchtet, nicht um mich reich zu nennen, sondern um wenigstens wieder ökologisch, ökonomisch korrekt zu leben …

    meine Daumen bleiben weiterhin für den richtigen Job am richtigen Ort gedrückt
    herzlichst Ulli.

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    1. ich danke dir fürs drücken. warteschlaufe ist einfach nicht so meins 😦
      ja, das dilemma ist, dass korrekt leben eigentlich nur denen vorbehalten ist, die eben viel haben. und oft sind aber die, die viel haben, schuld daran, dass es diese zweiklasseneinkaufsmentalität überhaupt gibt (sorry, ist jetzt ein bisschen sehr vereinfacht gesagt …).
      ja, boykotts wie früher gibts kaum mehr, stimmt.

      ich strebe auch nach anderem reichtum, den ich so gesehen ja habe, doch leben sollte dennoch nicht immer nur überleben sein.
      danke für deine gedanken,
      herzlich, soso

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  4. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Bert Brecht. Du brauchst eine Brille und hast das Geld nicht für ein moralisch vertretbares Modell? Dann gibt es keine perfekte Lösung. Und das ist nicht deine Schuld. Du musst jetzt das kleinere Übel wählen, und was das ist, entscheidest du: Schlecht sehen oder eine günstige Brille. Etwas anderes steht gar nicht zur Auswahl, also brauchst dir auch keine Gedanken darüber zu machen. Moralisch heikel wirds nur, wenn man das Geld hätte, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen, Ausbeutung zu vermeiden usw., aber man verwendet es nicht dafür.

    Von Franz Hohler habe ich vor etwa 30 Jahren ein Buch gelesen: „Der neue Berg“. Da bist du vielleicht grade vor dem Fernseher gesessen und hast seine Sendung angeschaut. Genau wie dir ist mir dieses Buch noch heute lebendig in Erinnerung, eins der besten das ich gelesen habe! Und ich glaube er hat für deine Geschichte auch die richtige Antwort. Wir können es nicht nicht allen Recht machen, und am Ende des Tags müssen wir etwas essen, irgendwo schlafen, und etwas sehen.

    Wenn du einmal reich geworden bist, kannst du es ja wieder gut machen und nur heimische Produkte kaufen, die mehr kosten. Bis dahin kannst du nett sein zu deiner Nachbarin oder wer es eben gerade braucht, ein nicht zu unterschätzender Beitrag zu einer besseren Welt, vor allem wenns jeder täte. Ich glaube, vor diesem Hintergrund kannst du dir getrost eine Brille von Fielmann holen. Meinen Segen hast du. 😉

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    1. brecht hat soo recht.
      danke für deine zeilen und deinen segen, liebe anhora …
      schön, dass du hohler kennst. ich habe ein paar sachen von ihm gelesen, auch schon lesungen live erlebt und immer gestaunt über seine gradlinigkeit und seine klarheit.
      zwar ist es nicht mein erstes ziel reich zu werden, aber wenn das so nebenbei passieren würde, hätte ich sicher nichts dagegen und würde auch gerne teilen …
      allein reich sein macht eh keinen spass …
      herzlich, soso

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  5. Es ist wirklich so, wie du schreibst. Ich versuche auch immer auf alles Mögliche zu achten. Doch wenn man ganz boykottiert, fördert man eine andere Art der Ausbeutung. Ich wollte z.B. vegan leben, hab‘ dann herausgefunden, dass dadurch Regenwälder abgeholzt werden, mehr Gemüse angebaut werden muss, die Kinder beackern und bearbeiten müssen und Soja auf bewohntem Gebiet angebaut wird und Menschen aus ihren Dörfern dadurch vertrieben werden. Deshalb habe ich für mich entschieden, dass ich – statt ins andere Extrem zu kippen – versuche eine peinlich genaue Balance zu halten: also esse ich jetzt 3 Mal wöchentlich komplett vegan, konsumiere kein Soja und bleibe bei drei Mal Fleisch pro Woche für meine eigene Gesundheit. [Ich glaube nicht an die Geschichte vom super gesunden Vollzeitveganer, die sind meistens unterversorgt.]

    Eine Lösung habe ich natürlich nicht, kann dir nur sagen, wie ich das für mich löse. Bei dringenden Sachen wie z.B. eine Brille, die so teuer ist, dass du sie dir nicht leisten kannst, gibt’s eben nur 2 Lösungen: a) du holst die Günstigere oder b) du findest jetzt eine Arbeit und kannst dir die holen, die aus fairer Bezahlung stammt. Generell ist es echt nicht fair, dass man nur gesund leben kann, wenn man Geld hat. Ansonsten bleiben einem nur die Nudeln für 50 Cent und die Wurst aus dem Glas.

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    1. liebe sherry
      zuerst muss ich einfach dies noch loswerden: vegan oder vegetarisch ist sicher immer noch ökologischer als tierhaltung – und lebensfreudlicher. die regenwälder werden unter anderem für sojamonokulturen abgeholzt, aber das wir ja auch als schweinefutter eingesetzt … so bekommst du das boykottierte zöix einfach über umwege – leider.

      letztlich, du sagst es, geht es wohl einfach für jeden einzelnen menschen darum, in eigenverantwortung und selbstreflektierend, so zu handeln, dass die welt nicht noch mehr schaden nimmt – wo immer möglich. und das geht vermutlich nicht ohne kompromisse.

      hach, ja, wenn das mit arbeitfinden so einfach wäre, hätte ich längst eine passende stelle. darum gibts aktuell nur lösung a.).

      ich habe irgendwann aufgehört an fairness zu glauben, doch ich leide – wie schon oben mal kommentiert – immer wieder neu an der diskrepanz zwischen ideal und realität.
      du kennst das ja auch, wie ich dich verstehe. *seufz*
      herzlich, soso

      ps: vollzeitvegan hab ich ein paar jahre gelebt und mir gings körperlich nie so gut wie damals, oder wie als rohköstlerin – das problem war nur, dass man sich damals isoliert hat mit diesem lebensstil. heute wäre das einfacher … es ist bekannter.

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    2. Liebe Soso,

      so einfach ist das leider doch nicht mit dem vegan/vegetarisch. Ich habe die Texte, in denen ich gerade rumlese [nein, keine pro Fleisch-Texte], jetzt nicht direkt zur Hand, werde darüber aber bald vielleicht einen Beitrag verfassen, daraus eine einheitliche Information machen. Nur eines: Es geht sogar so weit, dass wir langfristig auch bei Tieren mehr Schaden anrichten als helfen, wenn wir Tierprodukte komplett boykottieren [außer, wir tun es alle]. Eine Halbierung hingegen würde den Effekt haben, den wir wollen. Das passiert mir übrigens oft, dass ich mich zu etwas entschließe [z.B. Veganismus], tief in das System reinschaue und dann merke: Oh Shit! Geht doch nicht. Zurückrudern!

      Ich bezweifle übrigens stark, dass ganz vegan sehr gesund ist. Es gibt einen Grund, warum eine verzögerte oder schlechtere Hirnentwicklung häufiger bei Embriyos veganer Mütter vorzufinden ist, oder warum vegetarisch/vegan lebende Kinder ein höheres Risiko aufweisen, kognitive Defizite zu entwickeln. Aber ich möchte mit dir hier keine Diskussion über Veganismus führen, das Thema ist hier ja ein Anderes. Wenn ich die Informationen zusammen habe, werde ich darüber schreiben, dann können wir wieder diskutieren. Ich lebe teilvegan aus moralischen Gründen, nicht aus Gesundheitlichen.

      Und zu dieser Jobsache ist schwierig, ja. Da weiß ich manchmal auch gar nicht, ob ich dir sagen kann, wie ich das machen würde, weil ich glaube, dass wenn man so lange mit so einem Thema beschäftigt ist wie du, auch etwas sensibler darauf reagieren könnte. Du hast das, was ich sagen würde, eh sicherlich schon 1000 Mal gehört. Deshalb hoffe ich einfach, dass du bald eine Lösung findest, die realistisch ist und somit auch schnell realisierbar ist.

      Viel Glück wünsche ich dir dabei!

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    3. ja, es sind beides themen, die sich ganz unterschiedlich, letztlich auch nie ganz objektiv und vor allem nicht allgemein betrachten, lösen und diskutieren lassen.

      danke für deine gesprächsbereitschaft und den inspirierenden austausch – immer wieder.
      und für die liebe wünsche!

      dito und herzlich, soso

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  6. die dritte Wahl wäre Augenübungen zu machen, dies kann soweit gehen, keine Brille zu gebrauchen.Die Augen werden über Muskeln bewegt, dazu gibt es einfache sehr effiziente Übungen, ich zeige sie Dir gerne.
    Karl

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    1. die kenn ich, lieber karl. ich hatte das buch dazu auch und habe die übungen eine weile gemacht.
      meine augen sind immer gleich geblieben, jetzt sogar links wieder ein bisschen besser. aber eben. es ist zu wenig für auf die strasse, aber eben: um eine brille komm ich nicht drum rum, auch wegen dem „halben auge“. item – es isch wies isch.

      liebi grüessli, d.

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  7. zu der Brille..viele Optiker lassen mit sich reden und geben auch einen Rabatt, diese Erfahrung haben mir schon einige Patienten erzählt…
    ..drücke dir fest beide Daumen, dass eine Tür für dich aufgeht und du das Richtige findest !
    herzliche Grüsse
    K.

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    1. liebe k., ich hatte ja im gespräch mit der optikerin gehofft, dass sie das anbietet, doch die hatte kein gehör. und betteln – nein, das tu ich nicht.
      danke fürs daumendrücken. hoffe, es wirkt bald.
      herzlich, soso

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  8. Gedanken, die sich wohl jeder schon gemacht hat. Ich für meinen Teil habe, da ich die Welt auch nicht retten kann, mich entschieden, in bestimmten ausgewählten Dingen sehr konsequent zu sein. Dafür geh ich dann woanders billig, wohl wissend, dass ich damit etwas unterstütze, was ich nicht unterstützen mag. Ist mir aber trotzdem lieber so, als mich mal hier und mal dort zu verweigern.

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    1. hab ich die letzten 15 jahre auch, doch weils hier im ort keinen f. hat, wollte ich halt anders.
      es ist beim wollen geblieben.
      ohne eingeständnisse und kompromisse gehts leider nicht.

      danke, liebe inch, für deine inputs!

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  9. Es ist nicht einfach immer seinen eigenen Idealen zu entsprechen. Der wirtschaftliche Rahmen setzt uns die Grenzen und so gern ich auch manchmal anders handeln würde, ökologischer, ökonomischer, nachhaltiger, was nicht ist ist nicht. Da müssen dann eben Kompromisse her. Das Brillenthema steht mir über kurz oder lang auch bevor, noch weigere ich mich, mal schauen wann es nicht mehr geht.

    Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass bald eine Tür für dich aufgeht und du in sichereres Fahrwasser kommst.

    Liebe Grüße, Szintilla

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    1. sicheres fahrwasser? hm – ist das nicht letztlich eine der vielen illusionen, an denen wir uns festhalten, liebe szintilla? aber ich weiss natürlich schon, wie du es meinst. dankeschön!

      ja, wir sind doch immer irgendwie am jonglieren – am stolpern und wiederaufstehen. danke für deine ermutigenden zeilen und liebe grüsse, soso

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    2. Wirklich sicher ist sowieso nichts, aber die scheinbare Sicherheit ist ein wenig beruhigender, als ewige Unsicherheit, was wohl morgen kommen könnte. Darüber denkt man in der Regel nämlich nur nach, wenn man sich finanziell an nichts so wirklich festhalten kann und man schon in der Mitte des Monats am Ende vom Geld ist. :-/

      Fein, dass du mich richtig verstanden hast, obwohl es etwas unklar ausgedrückt war. 🙂

      Dir einen schönen Abend, Szintilla

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  10. Liebe Soso,
    am Ende wirst Du Dich vermutlich entscheiden. Weil Du Dich entscheiden musst, wenn Deine Augen immer schlechter sehen werden. Deine Bedenken kann ich gut nachvollziehen. (Auch ich stehe vor dieser Frage ganz aktuell!).
    Wenn Du jetzt in Deutschland leben würdest und Dein Arbeitslosengeld Ende des Monats auslaufen würde, müsstest Du Dir hierzu vermutlich nicht mehr viele Fragen stellen. In Deutschland erhält man nach einem Jahr Arbeitslosengeld automatisch Leistungen nach dem SGB II, hier nennt man das außerdem leider „Hartz IV“, Du hast sicher schon davon gehört. Monatlich erhält ein alleinstehender Erwachsener 382 €. Bis hier vor einiger Zeit die Praxisgebühr von 10 € pro Quartal abgeschafft wurde, hatten manche Leistungsbezieher nicht einmal die Möglichkeit, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. Oder zu welchem Arzt auch immer. Das Brecht’sche Zitat von Anhora passt hier(!) sehr gut, finde ich.
    Ich wünsche Dir sehr, dass Du einen Job findest, der einfach zu Dir passt und in dem Du Dich wohlfühlen kannst. Und der dir ermöglicht, freier entscheiden zu können.
    Liebe Grüße, mb

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    1. liebe mb
      ich danke dir für deibe mitfühlenden zeilen. zum glück sind meine augen nie schlechter geworden (seit dreissig jahren praktisch gleich). die brille trag ich ja auch nur „draussen“, beim sraubsaugen und im auto, ohne geht es trotzdem nicht.
      es wird eine lösung geben, da bin ich sicher!

      herzlich, soso

      ps: die schweiz ist da schon ein bisschen anders, zum glück.

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  11. Über so manche Dilemmen muss man ohne zu klemmen drüber….das genau gleiche mit einer teuren Brille ist mir auch geschehen- und die Optikerin war so was von gut, doch bei Anhörung der Preise, nääää.
    Sandwichmacher- interessanter Beruf! Doch meine Art von Lektüre ist das nicht, eher Hohler, wenn Du verstehst.

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    1. ach, du kennst das? ha. ja, manchmal … hm … das leben. das geld …

      ich kann mir vorstellen, dass dir doug adams besser gefällt, als du denkst. mein vorurteil war gross. aber dass du hohler magst, verstehe ich gut. ich brauche zwischendurch einfach lektüre fürs gemüt – die spass macht.

      liebgrüß, soso

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  12. Dieses Für und Wider kenne ich auch sehr gut. Einerseits. Andererseits geht es um Deine Augen und darum, dass Du Dich mit Deiner neuen Brille lange Zeit täglich gut fühlen möchtest. Am falschen Ende zu sparen bringt niemandem etwas. Vertretbar (vor Dir) muss es aber auch bleiben. Was nützt es Dir, wenn Du jeden Tag, an dem Du die Brille trägst, an die Entstehung denkst und dabei Bauchschmerzen bekommst. Was nützt es Dir auf der anderen Seite, wenn Du Dir keinen Tag mit der neuen Brille gefällst. So kann man das jetzt stundenlang weiter führen.

    In solchen Situationen mache ich einen „Deal“ mit mir: Der Gedanke, der mir am nächsten Morgen als erstes kommt, ist der richtige. Denkst Du als erstes an die neue Brille, die Du Dir lieber nicht leisten möchtest: Kauf sie! Denkst Du jedoch an die günstigere Varianten: Kauf sie! Irgendwann solltest Du eine Entscheidung treffen. Bestenfalls, bevor die alte Brille zerbricht! 😉

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    1. liebe skryptoria
      erst mal willkommen hier. das ist eine feine idee mit diesem „erster-gedanke-konzept“. zum glück gibts auch günstige schöne brillen, wie die, die ich nun schon vier jahre trage. und zum glück bin ich keine von der supereitlen sorte, aber recht hast du schon: ich könnte mir keine brille kaufen, die mir nicht gefällt. so viel luxus gönnte ich mir immer.
      danke für deine rückmeldung und mich freuts, wenn andere das „problem“ auch nachvollziehen können.
      herzlich, soso

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  13. Man kann einfach nicht immer politisch korrekt handeln, das kann das Leben auch verkomplizieren, erschweren. Immer nachdenken müssen, immer Einwände im Hinterkopf haben, ist so anstrengend, kann Spontaneität und Lebensfreude rauben (und wenn man sich dann noch vor Augen hält, wie „unbewusst“ die breite Masse lebt, sollen wir uns die Gedanken gleich für sie mit machen? Frage ich mich manchmal). Manchmal muss man auch an sich denken. Liebe Soso, tu, was gut für dich ist.

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    1. ich denke in der letzten zeit häufig über das gewissen nach. woher es kommt. über seine macht. über seine botschaft. hätten wir keins, oder würden es mehrheitlich ignorieren, wäre es nicht zu leben auf dieser erde.

      nein, ich will keineswegs moralisieren, ich bin trotzdem froh, mir diese gedanken machen zu können. der preis, den ich zahlen, ja, der hat schon zuweilen mit verlust der lebensfreude zu tun. nur: mich auf kosten anderer freuen, ist für mich eben auch keine wirkliche alternative. dieser fall hier ist veranschaulicht einfach dieses große spannungsfeld, in dem wir täglich leben.

      mir gutes tun, ja, das übe ich, und das tue ich. danke für deine ausführlichen gedanken!

      liebgrüße soso

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  14. Ja, wie schlimm, wenn wir alle gewissenlos wären, das Leben wäre unlebbar, wie du sagst. Ich habe übrigens gar nicht den Eindruck, dass du moralisierst.
    Manchmal denke ich nur, dass die Menschen, die nicht wie wir reflektieren, ein leichteres unbekümmerteres Leben führen, in gewisser Weise verantwortungslos. Trotzdem oder deswegen beneide ich sie nicht, denn ihnen entgeht ja eine Menge, ihr Leben ist ärmer, weniger bunt und vielschichtig und tiefgründig und in Wahrheit bin ich auch dankbar, dass ich nicht so bin.
    Sicher denke ich aber in einer solchen Situation wie deiner aktuellen (Brillenkauf hier oder dort) nicht so „streng“ oder konsequent wie du, der Gedanke, mich „auf Kosten anderer zu freuen“, wäre mir hier nicht gekommen. Aber das tätest du selbst ja auch gar nicht, du hast ja ein Gewissen und würdest wohl abgewoben entscheiden. Lieb grüße zurück, rotewelt.

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    1. da ich jetzt bei j. bin für einige zeit werde ich vielleicht sogar hier – im billigen ausland 🙂 – nach einer brille ausschau halten. hm.
      ja, was du sagst, über menschen, die weniger reflektieren als wir: sie haben es vielleicht leichter, aber ich sage mir dann, dass ich nicht tauschen möchte. ich leide möglicherweise öfter und an mehr, doch unter dem strich hat eben intensiv zu (er)leben auch den vorteil, dass ich auch das schöne intensiver wahrnehme.
      ja, ich bin schon sehr streng zu mir. ich übe … 🙂

      herzliche grüße, soso

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  15. uiii ich bin spät:) aber hey, hammer text!! hat mich gleich mehrfach inspiriert, danke:) und zum optiker: darüber wollt ich eigentlich letztens auch mal bloggen. war in sooo was aber auch ähnlichen situation! hab mir nämlich vorgenommen damals, meine neue brille, die driiingendst nötig war, mal bei nem „richtigen“ optikergeschäft, mit richtigem fachwissen und tradition und verwurzelung in der region und alles, zu erstehen und damit was gutes zu tun. für mein gewissen;) denn genau wie bei dir, konnte ich dann den horrenden preis nicht bezahlen, konntewollte nicht, obwohl ich mich von anfang an über den preis informiert hatte. ausschlaggebend, dass ich es dann eben aber doch nicht wollte, war der miserable service und die zweifelhafte fachkompetenz. jetzt aber echt! wer hätte das gedacht. ich musste zB richtiggehend dafür kämpfen, dass die mir ein modell bestellten, das mir wirklich gefiel, weil von denen, die im laden waren, keins wirklich passte. und sie behandelten mich dann auch entsprechend („öööh, eine extrawurstkundin“ oder so^^). tja, und ich war weg, zurück in F’s armen;) wo der service super war, die fachkompetenz ebenfalls, und v.a. die freundlichkeit – und zwar echt – hatte ich ömu das gefühl. srry, länger kommentar;)
    und was mich wundernimmt, hast die brille jetzt von F gekauft? und wie war der service?;) lg

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    1. hihi, da ich grad bisschen länger in dtld beim liebsten bin, hab ich die neue brille nicht nur bei f., sondern auch gleich bei f. in dtld (!) ausgewählt und bestellt. supernette optikerin war das. nun abwarten. preis in fr. umgerechnet die hälfte von ch-fachgeschäft.
      natürlich der clinch. aber jetzt. ich mag da jetzt einfach nicht mehr grübeln.
      danke für deinen langen komment – freut mich doch.
      herzlich, soso

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  16. heee das ist doch ein super fang! jo dänk, wenn man gäng u gäng weitergrübelt, landet man äbe dann einisch barfuss auf einem fuss balancierend zwischen den grenzen (oder so) 😉 also falls du den titel von dem text noch hast, würds mich wundernehmen, vlt könnt ich mir da was ergoogeln;) dankeee!!

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    1. oops ich hätte eigentlich auf deine antwort antworten wollen…ääh srry, ich verhaus hier oft, weil ich nie weiss, zu welchem kommentar jetzt welcher antworten-link gehört;) (jetzt hab ich auf den untersten geklickt, aber werd das gefühl nich los, dass der dann auch falsch steht – also sorry jetzt schon für die layout-wildsau hihi)

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    2. an die antwort-buttons musste ich mich auch gewöhnen. am einfachsten ist es, den button/link zu klicken, der auf höhe des namens resp. beitrages steht, zu welchem man was schreiben will.

      super-fang, ja das hoff ich doch. mal sehen – im wörtlichsten sinne!
      leider habe ich den hohler-beitrag so im internet nicht gefunden, habe bereits mit einigen stichworten gesucht. leider weiss ich den titel nicht. an mehr als das beschriebene kann ich mich nicht erinnern. hm … aber wenn du suchen und finden magst, dann gerne info an mich.

      nun aber weiter mit arbeiten. bin an einer master-arbeit am korrigieren (meiner lieblingsnichte kann ich nichts abschlagen). 🙂
      herzlich, soso

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