Ein Tag im Leben von …

Es ist Morgen. Neun Uhr. Ich mit Tee im Bett. Mit der externen Tastatur hacke ich Notizen ins Schreibprogramm meines iPhones. So muss es sein. Ich liebe es, langsam einen Tag anzufangen. Von mir aus kann er lange dauern, bis in die Nacht, egal – Hauptsache er fängt ohne Stress an.

Schreib mal wieder einen ganz normalen Artikel. Einen „ein Tag im Leben von Sofasophia“-Artikel. Nix Berlin, nix reisen, einfach nur Alltag. Wer hat das gesagt? Niemand. Ein bloßer Gedanke, weil mir heute beim Erwachen Frau Freihändigs Satz eingefallen ist, den sie irgendwo her, wohl von einem beleidigten Blogger, zitiert hat:
Du fragst, wie es mir geht? Liest du denn mein Blog nicht?

In der Tat glaube ich zu spüren, zu ahnen, wie es dem einen Blogger und der anderen Bloggerin geht, wenn ich seine oder ihre Texte lese. Selbst bei eher sachlichen Texten. Was wir schreiben, also welche Themen wir inhaltlich wählen, sagt ja auch etwas über uns aus, Auch was wir verschweigen, spricht Bände – für jene, die sie lesen können.

Wie nahe lasse denn ich meine BlogleserInnen an mich heran? Vor einem Jahr hatte ich diesbezüglich eine große Krise, die sicher auch damit zusammenhing, dass ich frisch umgezogen war, mein Liebster auf Reise um die Nordsee und weit weg und dazu keine Arbeitsstelle in Sicht. Arbeitslosigkeit ist nie lustig. Dazu drei Blogs betreuen – denn das von Irgendlink lag temporär auch in meinen Händen, weil ich die täglichen Artikel, die mir Irgendlink tippfehlergesättigt direkt ab iPhone-Tastatur mailte, erst mal ein bisschen kämmen und in Form bringen durfte. Was viel Spaß machte. Dafür machte mir das eigene Blog zu schaffen. Was sollte ich da? Was mochte ich überhaupt teilen? Welchen Sinn hatte das ganze noch? Ich quälte mich ab und schrieb allmählich immer seltener und schloß gar temporär die Kommentarfunktion. So Phasen sind wichtig, um sich in seiner eigenen Blogtätigkeit zu reflektieren. Allmählich kehrte die Lust zurück. Und heute ist der einzige Anspruch an mich: Blogge authentisch und nur weil und wenn du willst. Was meistens gelingt.

Nein, wirklich arbeitslos war ich also nicht, zumal es ja Bewerbungen zu schreiben galt und auch meine fast fertigen Romanmanuskripte an mir ruckelten. So machte ich also oft genau jene Dinge – die Arbeit an Irgendlinks und meinen Texten –, die mir am meisten Spaß machen. Aber eben … davon leben konnte ich nicht. Leben tat ich von der Arbeitslosenunterstützung, während ich intensiv nach einer Stelle suchte. Einer Teilzeitstelle.

Immer wieder schaffte ich es zu Gesprächen, nur um nach bangen Wartetagen zu erfahren, dass eine meiner Mitkonkurrentinnen in irgendwas ein klein bisschen mehr Erfahrung hatte, später zu einem größeren Pensum bereit wäre oder – wie ich vermute – auch ein bisschen billiger, da jünger war. Meinen Lebenslauf zu erklären, der mit seinen vielen Kurven und Lücken nicht eben auf Sesshaftigkeit schließen lässt (in der Schweiz gibt es – im Gegensatz zu Deutschland – eher langfristige Stellen und die ArbeitsgeberInnen wollen, dass man ein paar Jahre bleibt), ist eins. Es selbst zu begreifen, dass ich eine bin, die beruflich und geografisch immer wieder weitergezogen ist, das andere.

Weiter zog und zieht es mich, weil ich hinter dem Horizont neue Erfahrungen wittere. Weil das, was ich tue, nicht das ist, das ich wirklich tun will. Weil das, was ich tun will, in mir brennt. Lebe deine Träume – ein tausendmal gehörter Satz.

Nun, da ich ausgesteuert bin (für meine deutschen Leserinnen und Leser: da meine Bezugstage für Arbeitslosengeld aufgebraucht sind), geschieht gar seltsames mit mir. Auf einmal entdecke ich den Mut in mir, endlich auch für Geld das zu tun, was ich am liebsten tue. Schreiben und an Texten arbeiten. Kurz: Ich mache mich selbständig und hangle mich dieser Tage so gut ich kann durch den Dschungel der dazu notwendigen To-dos, um Fuß zu fassen. In der Hoffnung in ein paar Monaten bereits davon leben zu können. Und zwar langfristig. Ja, so naiv bin ich doch tatsächlich, dass ich das glaube. Warum auch nicht? [Danke, liebe Tante, dass du so sparsam warst, und dass mir dein Geld, von dem ich einen Teil geerbt habe, nun über die Runden hilft.]

Heute werde ich mich auf die Suche nach einer zahlbaren Druckerei für meine Drucksachen machen. Und mir Werbeaktionen überlegen. Und einen Flyer kreieren für die Kurse, die ich anbieten will. Am Abend geht der Yogakurs wieder weiter nach der Frühlingspause. So also sieht ein Tag im Leben der Sofasophia aus. Heute. Ja, danke, es geht mir gut.

Und jetzt steh ich auf und mache mein Yoga.

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30 Kommentare zu „Ein Tag im Leben von …“

  1. Liebe Soso,

    ich wünsche dir sehr viel Erfolg bei deiner Selbständigkeit. Das ist eine gute Idee, wie ich finde. Ich kenne einige in Deutschland, die diese Dienste anbieten. Ich habe nie gefragt, ob sie davon leben können, aber ich kann mir vorstellen, dass es doch etwas bringt.

    Die beleidigte Frage des Bloggers fand ich irgendwie total „lustig“, weil ich das sehr wohl kenne. Ich hatte einmal eine Freundin, die immer wollte, dass ihr Blog lese und die eigentlich auch regelmäßig meines las, obwohl wir uns eigentlich auch in Real regelmäßig trafen. Aber das war eigentlich auch das Interessante, dass bei so redefaulen Menschen wie mir, einmal jemand aus dem realen Leben meinen Blog las und das mit mir als echte Person in Verbindung bringen und interpretieren konnte. Sie hörte irgendwann auf, zu lesen und sich zu melden, weil sie einen Typen kennengelernt hatte – und da war ich genauso beleidigt. Hab‘ sie damit aber nicht konfrontiert. =)

    Jedenfalls finde ich beides schön: Geheimnisvolle Beiträge ohne Alltagsgeschehen, aber eben auch Alltagsgeschehen mit versteckten Gedanken. Oder beides offen. Ich finde, beides schön, auch für den Blogger oder die Bloggerin, sofern sie sich wohl dabei fühlen!

    P.S.: Pastelliger Hintergrund gefällt mir!

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    1. ich merke, dass es mir hilft, dass ich einige meiner leserInnen in real kenne. so bleibe ich auf dem boden. und eben auch authentisch. andererseits spielte ich auch schon mit dem gedanken, ein neues blog zu schreiben mit schrägen texten aber niemand wüsste, dass ich die autorin wäre. ich bin allerdings überzeugt, dass ich gar nicht anders schreiben könnte, als so, dass mit der zeit ich durchscheine, also eben: authentisch … lach. ich wäre kaum eine gute schauspielerin …

      (ausser wenn es mir mies geht und es niemand merken soll … ausser die, die mir nahe stehen natürlich).

      danke für die ermutigung. ich suche weiterhin eine teilzeitstelle und hoffe, dass das alles zusammen aufgeht. aber die freiheit der zeitverfügung ist schon sehr faszinierend. nur: ich muss mir freizeit erlauben, das merke ich jetzt schon. gar nicht mal so einfach sich scheffin zu sein.

      schön, dass dir mein hintergrund/neues bloggesicht gefällt … 🙂

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    2. weißt du, was ich denke, soso? dass wir nicht immer „authentisch“ sein müssen, bzw., dass wir authentizität vielleicht auch falsch definieren. das problem hatte ich auch oft. authentischsein heißt doch auch, dass wenn man ein mensch ist, der schon immer dazu neigte, seine traurigkeit nicht zu zeigen, es auch evtl. hier nicht tut. oder aber, dass man es hier vielleicht deshalb tut, weil es eine andere situation ist, man die bloggerinnen nicht kennt und sich offener geben kann. das ist ein etwas kniffliges thema. was ich eigentlich sagen wollte ist: doch, ich glaube schon, dass du dich anonym vielleicht noch mehr trauen würdest. experimentieren. denn ob wir wollen oder nicht, das bild, das andere von uns haben, schränkt uns ganz unbewusst in unserem ausdruck ein. weil wir einfach keine groben „erwartungsbrüche“ begehen wollen. so ergeben sich interaktionsmuster, was sehr spannend ist und auch nicht unauthentisch. deshalb werden wir ja zu „sovielen facetten“, weil wir „soviele menschen und gruppen“ kennen, in denen wir interagieren.

      ich werde mir vielleicht irgendwann so einen blog aneignen, weil ich persönlich manchmal angst habe, dass ich meine leser/innen verstöre, wenn ich wirklich alles rauslasse. ich befürchte, einige meiner ideen und gedankenkonstrunkte könnte bei euch so ankommen, als bräuchte ich hilfe oder als sei ich gefährdet. das unterbindet meinen kreativen fluss sehr oft, deshalb schreibe ich für mich alleine. doch wenn ich irgendwann doch feedback zu den texten haben möchte, muss wohl ein zweitblog her.

      ohja, selbständigkeit ist sogar noch anstrengender. da „freue“ ich mich auch schon drauf, wenn ich irgendwann meine eigene praxis habe. das werde ich ohne hilfe nicht schaffen. ;D

      wir schauen jetzt 4 folgen „breaking bad“ mit gemüsesnackteller und freuen uns auf das lange wochenende!

      gute „nacht“.

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    3. du hast mir da wieder ein element geliefert … das mit den verhaltensmustern, die wir nicht verletzen wollen, fährt mir grad richtig ein … danke für den anschubser. und für den ganzen rest auch. bin nun richtig knuddelweich vom yoga (fast-kopfstand) und nun guck ich auch noch ein bisschen tv aufm lap.
      gute nacht gleichfalls und danke für die immer wieder neuen spannenden gespräche!

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  2. Liebe Soso,

    ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf dem Weg in die Selbstständigkeit und viele Kunden, die dir ein Auskommen mit dem Einkommen ermöglichen.

    Liebe Grüße, Szintilla

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  3. Liebe Soso, ich drück dir sämtliche Daumen. Dein Neues wirkt erleichtert, von Leichtigkeit durchzogen, wie schön ♡.

    Was mich erstaunt ist, dass aus deinem Angebot eine Persönlichkeit und Handschrift herausspricht, von der ich sonst das Gefühl habe, du bist dir ihrer vielleicht manchmal selbst nicht recht bewusst. Und doch ist sie da, recht klar.

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    1. bei all den gedrückten daumen kanns ja nur gelingen. daaanke.
      bei der „selbstdarstellung“ wurde mir auch bewusst, was alles da ist. das macht mich dankbar und gibt mir energie!
      🙂

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  4. Na hoffentlich entwickelt sich die Arbeit so, dass Du Dich gut fühlen kannst. Mir ist gerade ganz übel vor lauter Kriegsendefilmen im Tv. Gut dass wir jetzt andere Sorgen haben.

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    1. erstes wäre schön, ja, gerne!
      und zweites: hm, ja, die zeiten hier sind anders. aber der mensch, der mensch … ich hoffe, wir lernen aus der geschichte.

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  5. Ich wünsche dir viel Erfolg, soso…
    Ich lasse bei druckdiscount24 drucken …. das ist schon die Internetadresse…. Sie sind sehr preiswert und gut.
    Innerhalb Deutschlands versenden sie kostenfrei wie das in die Schweiz ist, das weiss ich nicht.
    Ich bin schon viele, viele Jahre freischaffend, selbstänidig tätig. Es ist ein schönes Leben, aber alles hat seinen Preis, ich verdiene Geld zum Leben aber ich kann keine großen Sprünge machen, keine großen Reisen, kein Parfum, kein Reichelt….. Aber die Freiheit, das zu tun was ich will und muss ist es mir wert.
    Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

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    1. parfüm? *lach* das mach ich seit jahren selber. große sprünge? *grins* machte ich die je? ich arbeite seit über zwanzig jahren teilzeit, weil mir zeit wichtiger als geld ist. von daher ist das einfache leben bei mir die norm. ich hoffe sehrsehr, dass es klappt. für sich selbst arbeitet einfach lieber … 🙂

      danke für den druckerei-tipp. mal gucken, ob die nachhaltiges papier haben (FSC standard), weil mir das wichtig ist. auch wenn ich nur ein kleiner fisch bin. in der schweiz stellen die grössten wochenzeitungen grad auf nur noch FSC um.

      einen schönen feiertag wünsch ich dir – heute ist mal wieder kür bei der arbeit angesagt: an den manuskripten. bei regenwetter geht das super.

      herzlich, soso

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    2. Liebe soso, ich weiss nicht, welches Papier sie benutzen aber es steht sicher auf ihrer Seite….
      Ich habe heute auch einen vollen Tag. Die Antonius Ausstellung rückt immer näher….
      Liebe Grüße von Susanne

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  6. soso, weisst Du, ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich erst was bewegt, wenn die eingeschlagene Richtung vor der Wand endet. Meine Tochter war gegen Ende ihrer Arbeitslosigkeit (bzw. des Bezuges von ALG) so entmutig, dass sie gar kein Selbstvertrauen mehr hatte. Erst dann konnte sie wieder anfangen mit einem Minijob, der in einer Ausbildung endete.
    Eine Idee zur Druckerei: Vielleicht kannst Du eine vor Ort finden und eine Kooperation anbieten: Texten gegen Druckausführung oder günstig drucken gegen günstig texten so 😉 – Druckereien haben doch sicher auch den einen oder anderen Auftrag bei dem ein Kunde gerne Unterstützung in Richtung Text benötigt …. Werbetexten ist so eine Sache, aber es ist eine, die auch Butter aufs Brot bringt 😉
    Liebe Grüße
    Stefunny

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    1. liebe s(tef)unny
      das ist witzigerweise genau mein plan. ich hoffe, es klappt. da gibts nämlich eine firma in der nähe, die zum teil ähnliches im angebot hat wie ich. damit er mich nicht als konkurrenz wahrnimmt, habe ich mich zuerst an ihn gewendet. so kann vielleicht eine kooperation entstehen, weil er dinge kann, die ich nicht kann und ich welche, die er nicht anbietet … ich teste ihn mal und hoffe, es klappt.
      ja, das sackgasse-syndrom kenn ich auch – aus beziehungsstress von früher. ausweglosigkeit macht mich auf einmal kreativ. am tiefsten punkt sich abstossen und wieder auftauchen. das tue ich grad. und hoffe, dauerhaft an der luft zu bleiben und einen weg für mich zu finden.
      danke für den input und einen schönen feiertag,
      herzlich, soso

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  7. Liebe Soso,
    wir wünschen Dir sehr, dass Dir der Start in die Selbständigkeit gelingt und Du vor allem einfach mit viel Zuversicht, innerer Überzeugung und einer ordentlichen Portion Durchhaltelust in die Freiberuflichkeit gehst. Wir wissen beide allzu gut, was es bedeutet, freiberuflich, selbständig zu arbeiten. Nicht immer überwiegt das positive Gefühl, aber ganz häufig konnten wir (jeweils auch unterschiedlich) feststellen, dass es zwar eine durchaus anstrengende, aber ebenso befriedigende Weise ist, zu arbeiten.
    Wir wünschen Dir alles Gute und viel Lust an der Kreativität und dem Mut, den es wohl braucht.
    Herzliche Grüße von uns,
    dm und mb

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    1. hach, mögen sich eure guten wünsche vollumfänglich erfüllen. seine eigene scheffin zu sein, ist sicher nicht immer einfach. der austausch fehlt (wenn man mal von selbstgesprächen absieht) und sicher ist die reflexion nicht immer einfach. aber zu tun, was man sich selbst vornimmt, ist sicher lohnend. ich freue mich und hoffe auf gelingen und erfolg.
      daanke!
      herzlich, soso

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  8. Hallo Sofasophia, habe mich die Tage mal ein bisschen durch dein Blog gelesen und hatte viel Spaß dabei. Wünsche dir viel Erfolg für deine Selbständigkeit! Habe selbst lange mein Geld als angestellte Texterin in Deutschland verdient und bin nun auch freiberuflich in der Schweiz. (Und meinen Abschluss als Buchhändlerin habe ich auch 1989 gemacht). Du hast recht, wie du oben in einem Kommentar schreibst, dass bei der Selbständigkeit manchmal die Kollegen und der Austausch fehlen. Ich habe sehr gerne im Team gearbeitet. Dafür bin ich jetzt frei in der Zeiteinteilung. Drücke dir jedenfalls die Daumen!!

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    1. hey, da müssen wir uns aber unbedingt gegenseitig vernetzen. ich gucke mir mal deine seite an und überhaupt …
      danke für deine zeilen. die tun grad saugut …
      herzlich, soso

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