sinn- und heimatlos?

Laut gedacht und leise notiert: Gibt es Sinn (und wenn ja, warum?) oder ist alles letztlich UnSinn – und gut so?
Sinn – bist du ein Synonym von Bedeutung, Wichtigkeit, Wert oder eher von Grund, Ursache, Ziel, Absicht?

Braucht Sinnhaftigkeit so etwas wie eine Gottheit oder stiften wir uns den überlebensnotwendigen Lebenssinn selbst? Anders gesagt: Muss Sinn höhere, sozusagen zielgerichtete Weisheit sein oder aber einzig und allein das, was wir als sinnvoll interpretieren? Weil wir notwendigerweise etwas tun wollen, das – zumindest eben für uns – Bedeutung hat. Wie wichtig ist es, dass die Dinge, die ich tue, sinnvoll sind und wie definiere ich persönlich Sinn? Ist – zum Beispiel – mein Tun nur dann sinnvoll, wenn ich damit nicht nur mir, sondern auch andern in irgendeiner Form etwas Gutes tue?

Entscheidend im Kontext von Sinn und Wert eines Menschenlebens ist jener Moment, kurz bevor die letzte Tür ins Schloss fällt. Was antworte ich mir dann auf die Frage: Bin ich jetzt, am Ende meines Lebens, bei mir angekommen?

Glücklich der Baum, der dort wachsen kann, wo ihm der Boden genau das bieten kann, was er braucht.
Glücklich aber auch jener Baum, der trotz der Mängel, die der Boden zu seinen Wurzeln hat, so gut zu wachsen gewillt ist, wie es eben geht.
Ist dort Heimat, wo mich der Lebenswind hat Wurzeln schlagen lassen?

Wie die verblühten Samen des Löwenzahns fliegen Gedanken vorbei. Kaum dass ich sie denke, sind sie vergangen. Stimmen mich friedlich. Wühlen mich auf.

Heimatlosigkeit – ein Thema, das eine Art Kehrreim in meinem Leben ist. Und im Leben anderer ebenso. Darum haben Irgendlink und ich uns entschieden, es zum neuen Zyklus-Thema auf Pixartix zu machen. Die eine oder der andere Bloggende will sich, wie ich hörte, zum Thema auch in den Blogs Gedanken machen. Susanne Haun hat heute damit bereits angefangen. Ich werde nächste Woche nachziehen. Und du? (Vielleicht mit Pingback zu mir oder pixartix, damit ich deinen Artikel nicht verpasse?)

Von Freitag bis Montag sind Irgendlink und ich Heimatlose – als Gäste in Frankreich. Die Stadt Boulogne-sur-Mer hat ihre Partnerstadt, will heißen einige Zweibrücker Kulturschaffende, dazu eingeladen, das Pfingstweekend mit Kulturschaffenden aus ihren Reihen zu teilen. Ich bin gespannt, was wir, fern der Heimat, erleben werden.

Fortsetzung folgt demnächst in diesem Theater.

25 Kommentare zu „sinn- und heimatlos?“

  1. Über „Heimatlosigkeit“ kann ich nur schwer schreiben. Über Sinn und Unsinn? Vielleicht schon besser, aber auch da muss jeder für sich das „Wahre“ finden. Ich habe einige Gedanken dazu, aber sie hören sich etwas zu negativ an. Vielleicht entsteht daraus ja bald ein Beitrag. Danke, dass du wieder Gedanken angestoßen hast. Ich finde euer neues Zyklusthema total spannend, bin neugierig, was da alles bei rauskommt.

    Soso, du hast Post! =)

    1. ich bin auch sehr gespannt, was aus dem thema wird. ich merke, wie es in mir arbeitet und ich verschiedene facetten spüre. die einen leichter, die andern drückender … meine essenz daraus zu filtern wird mich sicher einiges an energie und selbstüberwindung kosten.
      deine post ist toll. ich freue mich sehr. gucke es gleich noch in gross an.
      danke!

  2. Ich schließe mich Sherry an. Auch ich finde das neue Thema sehr interessant, bin sehr neugierig und versuche bei Gelegenheit gern selbst darüber nachzudenken. Ein großes Thema. Valeria Luiselli hat in ihrem Essayband papeles falsos, die Vermutung aufgestellt, dass es vermutlich nur zwei Orte gibt, an denen der Mensch wirklich beheimatet ist, das Zimmer seiner Kindheit und das Grab.

    1. das thema hat schier endlose dimensionen, weil es zugleich zutiefst persönlich und individuell ist und eben auch so umfassend und verbindend.
      das zitat mit kinderzimmer und grab fährt mir ein. in der tat spielt mein kinderzimmer noch immer hin und wieder eine rolle in meinen träumen. ob es in denen um heimat geht?
      ich bin gespannt, wie sich das thema bei den einzelnen entwickelt und wohin es uns alle führt. und dich.

    2. das ist mal wieder ein wunderbarer Gedanke, liebe Mützenfalterin, den du über Valeria Luiselli beisteuerst, danke dafür.

      der Rest steht schon unten – ich lese nie die Kommentare, beovr ich meins geschrieben habe …

      liebgrüß

  3. liebe Soso,

    wow, das ist ein rundrum wunderbarer text.

    Das Thema Heimat udn Heimatlosigkeit ist für mich äußerst komplex, vielleicht werden es die von mir ausgesuchten Bider spiegeln, bin sehr gespannt und richtig beugierig was wir dort präsentieren werden und wer welche Assoziationen freisetzt. Ich glaube, dass dies wirklich mein bisher liebstes Projekt in der gemeinsamen Bilderschau ist.

    Wie ich dir gleich zu Anfang schrieb, unterscheide ich zwischen der echten heimatlosigkeit, soll heißen den Fällen, in denen Menschen vertrieben, verjagt wurden und der gefühlten heimatlosigkeit.
    Ich bin immer wieder dankbar, dass ich mir selbst Heimat geworden bin. Das ist das einzige, was für mich, nach vielen Jahren des herumirrens, Wahrheit in puncto Heimat beinhaltet-

    du Liebe, ich wünsche euch eine gute Fahrt, freue mich aufs Wiederlsen und Bilder schauen

    herzliche Grüße von mir für dich und auch an Irgendlink
    Ulli

    1. danke für deine ergänzungen. ja, vielschichtig, komplex, umfassend … und ich bin wohl genauso neugierig wie du!

      herzgrüsse und alles liebe für dich und deine innere heimat
      soso

  4. Weißt Du, liebe Soso, eines fällt mir in Deinem Text auf, was ich gerade auch wieder „beackere“:

    Warum beurteilen wir Menschen einen Prozeß (meist nur) nach dem letzten Moment, dem letzten Ereignis? Warum spielt bei der Beurteilung eines Prozesses dieser selbst keine bis nur eine äußerst geringe Rolle?

    1. oh, das ist gut, lieber emil. in der tat falle ich immer darauf herein, das endprodukt zu fokussieren, ganz kind dieser zeit. auf der andern, auf der künstlerischen schiene ist das zum glück nicht so ausgeprägt. dort mag ich die prozesse und bin – vor allem aktuell – wenig produktfokussiert.

      da müsste ein umdenken stattfinden. danke sehr für diesen gedankenanstoss!

      EDIT: den prozess beschreiben wäre dann aber doch auch wieder endproduktfokussiert … hm.

      wichtig: sich im prozess drin sehr bewusst zu sein: das geschieht. JETZT.

      1. Ach, was tun mir die Sänger / Musiker leid … Wenn das Lied vorbei ist, ist ihre Kunst beendet. Trotzdem singen / spielen sie immer wieder.

        CD/LP ist anders, wie die nachträgliche Teilhabe am Prozeß. Bi dem bin i im Konzert gsih – grandios!

  5. Zur Heimatlosigkeit kann ich für mich nur sagen: Heimat ist da wo mein Herz ist und zur Sinnlosigkeit, denke ich, dass es bei jedem einzelnen liegt, sein Leben mit Sinn zu füllen und ob er den Mut hat den Sinn, den er für sich entdeckt hat, mit allen Konsequenzen zu verfolgen. Denn die Konsequenzen für gelebte Sinnhaftigkeit sind nicht immer bequem.
    Ansonsten bin ich mehr für Unsinn, weil der einfach eine Menge Spaß und das Leben bunter macht. ´:-)

    Liebe Grüße in den Tag, Szintilla

    ps.
    Ob ich nun zu diesem Thema Bilder für pixartix finde? Für Sinnlosigkeit bestimmt, mal sehen …

    1. (das thema bei pixartix ist „heimatlos“ siehe dort. bildbedingugen (grösse, qualität) bitte bei mir per mail erfragen … danke.)

      danke für deine gedanken zum thema. sinn hat ja auch doppelsinn, meint es doch auch sinnlich, die fünf sinne, den siebten sinn, den sexten sowieso … und vieles mehr. ein schier unerschöpfliches, sehr persönliches thema.
      ja, ich plädiere auch gerne für unsinn, doch brauche ich die sinnhaftigkeit im tun dennoch, um meinem leben mehr dimension zu geben.

      herzlich, soso

  6. Ich habe manchmal geschuftet, weil ich einen Sinn in dem Tun gesehen habe. Im Nachhinein musste ich mir eingestehen, dass es sich nicht so richtig gelohnt hat (Ausbau in der Schillerstraße), auch die Mühen, die es für mich mit der Partnerstadt Boulogne gab, haben wenig Spuren in meinem Gedächtnis hinterlassen.

    1. aber wenn es spass gemacht hat, war das vielleicht dann sinn genug? ja, auch spass ist eine sinnhaftigkeit. eine berechtigte merke ich grad. 🙂 und nicht zu unterschätzen.
      sinn gibt ein gutes gefühl, und spass auch. nein, wahrlich nicht zu unterschätzen!

      1. Da hast Du recht, aber es war schon echt viel und auch teuer für mich und ist nicht so genutzt worden, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich bin gespannt, wie die Resonanz auf Jürgens Fotos am Pfingstwochenende sein wird. Ich drücke die Daumen.

  7. Danke, liebe Soso, für Deine Anregung, auch textlich Heimat, Heimatlosigkeit, heimatlos etc. zu bearbeiten, nachzuvollziehen vielleicht auch.
    Und Sinn? Ich glaube, dass ich bei allem, was ich mache, eine Sinnhaftigkeit spüren muss, um aktiv zu werden. Nicht, dass auch gänzlich unsinnige Dinge einfach Spaß machen können, das ist klar.
    Herzliche Grüße, mb

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