Alea jacta est

Wenn ein Würfel fällt, zeigt er Zahlen, die wir uns vielleicht so, vielleicht anders gewünscht haben. Aber weil der Würfel eine klare Sprache redet, gehorchen wir ihm. In der Regel. Ähnlich wie wir der Ampel gehorchen (außer wir sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und rennen oder radeln – auf eigene Gefahr – über die Straße). Wir gehorchen und vertrauen Dingen, die sich von uns nicht beeinflusssen lassen, ohne uns groß darüber den Kopf zu zerbrechen. Das Leben ist ja so schon kompliziert genug.

Darum vertrauen wir den andern Verkehrsteilnehmenden unterwegs. Anders könnten wir uns nicht angstfrei ins Auto, aufs Fahrrad, in den Zug setzen. Und wir vertrauen den andern Menschen auf der Straße, dass sie uns nicht auf offener Straße umbringen, sonst könnten wir das Haus nicht verlassen.

Worauf ich hinaus will? Das Leben setzt Vertrauen voraus. Anders ist es unerträglich. Vertrauen in unbeeinflussbare Bewegungen, Vertrauen in die Gezeiten des Schicksals,
Vertrauen in die Entscheidungen unserer Mitmenschen und ihr grundsätzliches Wohlwollen (gepaart mit ihren persönlichen Zielen).

Vertrauen wir also Mächten, die wir nicht kennen und nicht beeinflussen können?

Vertraue ich nicht letztendlich vor allem darauf, dass das Leben, das ich lebe, Teil eines großen Gewebes ist, das, wenn es fertiggewoben ist, ein Bild ergibt. Ein ganzes Bild. Mein Lebensbild. Zusammengesetzt aus Scherben, aus bunten Schnipseln, aus Mörtel, aus Blut- und Schweisstropfen, gewoben aus weichen und harten Stoffen … alles so, weil ich mein Leben so webe, wie ich es lebe – und lebe, wie ich es webe. Weil ich jetzt hier bin und weil ich jetzt diese oder eine andere Weggabelung wähle und dort diese eine oder andere Person treffe. Jeder Mensch, den ich treffe, liefert mir ein neues Teilchen, das ich einbaue. Auf meine Weise. So gesehen ist jedes Leben das Stoffwechselprodukt all seiner Prozesse.

(Ach, übrigens, ich habe bei Stelle zwei zugesagt. Die Würfel sind gefallen. Ab Anfang Juli werde ich mich also wieder in den Mahlstrom der Angestellten einspeisen. Ich freue mich auf mein neues Team und die vertraute Arbeitsgeberin und darüber, wie willkommen ich dort bin. Der Umstand, von ihnen angeworben worden zu sein, macht das Ganze noch stimmiger. Einzig an den langen Arbeitsweg werde ich mich gewöhnen müssen. Ein weiteres Stück Gewebe, das auch seinen Platz finden wird.)

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22 Kommentare zu „Alea jacta est“

    1. ja, enttäuschend, weil ich – vom kopf her – stelle eins lieber gehabt hätte. aber jetzt fühlt es sich richtig an. und ich hoffe, dass es mir gelingt, daraus das beste zu machen. daaanke!

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  1. Irgendetwas Gutes wirst Du an dem Arbeitsweg auch noch finden – da bin ich sehr sicher … Ansonsten: Solange Du nicht nur auf „die Würfel“, auf die Entscheidungen anderer Menschen vertraust (ich weiß, daß Du das nicht tust) und selbst weiterwebst an Deinem Leben (und an dem anderer), solange wird es auch wunderbar sich fügen – immer wieder.

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    1. ich denke, den andern mir wohlgesinnten menschen zu vertrauen, ist teil des ganzen lebenskarussells, aaaber … wie du sagst: das eigene gewebe kann ich letztlich nur für mich weben.
      danke für deine lieben zeilen! und schön, dass du wieder blogspaziergänge machen magst …

      PS: im zug den leuten zuschauen und bloggen statt lesen … tja, wer weiß, was da noch wird! 🙂

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  2. Alleine der Arbeitsort, den ich ja sehen durfte, das wunderbare alte Bauernhaus, eine Insel … das fühlt sich stimmig an. Und die offenen Arme. Und natürlich der gut funktionierende ÖV in der Schweiz, der es menschenwürdig macht, Bahn zu fahren.

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  3. Das hört sich gut und nimmt dir sicher ein Stück Last ab. Vertrauen in das Leben zu haben bringt ein großes Stück Gelassenheit.

    Ich wünsch dir viel Glück mit und in der neuen Arbeitstelle. 🙂

    Liebe Grüße, Szintilla

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    1. daaanke!
      es sind knapp 90 km, die ich mit dem zug fahren werde (in der mitte umsteigen). weg von haustür zu haustür anderthalb stunden. tja … die wollen schon, dass ich wieder nach bern oder noch näher ziehe …
      mal schauen …

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    2. Ja, das ist schon ein weiter Weg, das stimmt. Zahlen sie dir das Ticket wenigstens? Darf ich frech fragen, warum du dich für diesen und nicht den anderen Job entschieden hast? Ich glaube trotzdem, dass dir das neuen Aufschwung geben wird und sogar deine Kreativität füttern wird. 🙂

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    3. zahlen tun sie mir einen anteil an die jahres-halbpreis-karte. aber das machen sie freiwillig. es ist ja eigentlich meine sache, wenn ich so weit weg wohne …
      die entscheidung wurde mir abgenommen, weil bei der anderen stelle die mitkonkurrentin gewählt wurde (sie wohnt im ort und hat keine zweite stelle in petto – was ich natürlich nicht verschwiegen hatte als transparenter mensch). im nachhinein merke ich, dass mein herz aber in bezug auf die menschen und sogar den ort (arbeitsweg und arbeitsinhalte wären bei der anderen stelle „besser“ resp. „neuer“ gewesen, aber dafür in einem hochhaus als arbeitsort) für diese stelle geschlagen hat. sie kommen mir mit vielem entgegen (lohn okay und arbeitszeiten/-tage ebenfalls relativ flexibel).
      vor- und nachteile halten sich ziemlich die waage, vorteile eher mehr. und das arbeitsklima wird super sein. das war es schon bei der letzten stelle. (jetzt bin ich in der „filiale“ von früher).

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  4. Liebe SoSo,
    ich finde, das klingt alles sehr gut und freue mich sehr mit dir! 🙂
    Mit dem langen Weg, ja, 90 km ist schon heftig, klar… andererseits, wenn du die Zeit in der Bahn gut nutzen kannst, dann ist sie nicht verloren.
    Ich wünsche dir ganz viel Glück beim Wiedereinstieg in die Tretmühle 😉 und dass es dir gelingt, nicht nur Einkommen, sondern auch viel (Lebens-)Freude aus dieser Arbeit zu erzielen!
    Liebe Grüße und euch Beiden ein schönes sonniges Wochenende,
    Andrea

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    1. hach, das hamsterrad … im grunde haben wir das überall – auch als selbständige … nur dass ich dort das tempo besser selbst bestimmen kann.
      ich bin sicher, dass mir die arbeit gefallen wird … mit allen hochs und tiefs.
      verloren geht nichts. hoffe ich.
      daaanke!

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  5. Gut sind die Würfel gefallen, so kannst Du vertrauensvoll in die Zukunft blicken und ich bin sicher Du nutzt im Zug die Zeit um weitere Fallmaschen und Hirngespinstgeschichten zu weben. Freue mich bereits jetzt darauf!
    Viel Glück und einen guten Start am neuen „alten“ Arbeitsort!
    Walter

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