Hallstatt, das Interlaken Österreichs

Freitagmittag. Nun sind wir also da. Gestern, bei der Hierherfahrt habe ich dieses Touri-Bijou einfach rechts liegen lassen, denn der Liebste und ich hatten uns ja in Bad Goisern in der Frühstückspension Sydler verabredet. Eine Unterkunft in Hallstatt selbst können sich Normalsterbliche wie wir uns nicht einfach so leisten. Bad Goisern hat mir, wenn ich ehrlich bin, fast besser gefallen als Hallstatt. Die Leute dieses Zweitausend-Seelendorfes waren alle ausgesprochen freundlich. Weil ich unsere Pension nicht auf Anhieb gefunden und eine Frau um Hilfe gebeten habe, hat diese mich kuzerhand per Fahhrad hingelotst. Toller Service!

Erwähnt werden muss auch jener freundliche, ältere Mann in Golling, den ich – kaum der Autobahn entkommen – um Hilfe bat. Nur schon die Himmelsrichtung nach Bad Goisern oder Hallstatt hätte mir gereicht, doch seine Antwort, dass nämlich Hallstatt gaaanz weit weg sei, war wenig hilfreich. Erst als ich die nächsten Dörfer, die ich auf dem Weg nach Hallstatt durchfahren wollte, aufzählte, wusste er weiter. Ich vermute, der Mann hat auf seiner Vespa zeitlebens nur die nächste Umgebung erkundet. Ob er je in Salzburg war? Jedenfalls … dank seiner Hilfe fand ich Bad Goisern – und den Liebsten, sozusagen.

Was für ein Wiedersehen! [Vorhang bitte]

Später, in einer Pizzeria, planen wir den heutigen Tag. Mit dem Schiff zeitig nach Hallstatt, das Städtchen besichtigen, später Pressetermin und Besichtigung des Memory of Mankind. Und jetzt sind wir da und gucken uns weiter das Städtchen an. Chinesen, Fotoapparate und Souvenirlädchen hat es hier mindestens so viele wie im von mir als Schweizer Pendant zu Hallstatt nominierten Interlaken.

Nun ist es Abend. Wir sitzen bei Martins Freunden zum Grillen in einem Gmundener Garten. Ich bin so müde, dass ich mich innerlich immer mehr ausklinke und stattdessen diesen Text hier ins Telefon tippe. Am liebsten würde ich mich ja ganz zurückziehen und mich hinlegen, aber man will ja keine Spielverderderberin sein. Dem geschenkten Gaul … Ist doch auch wirklich toll: Als Martins Gäste werden wir quasi in seine Familie integriert. Schade nur, dass ich so reizüberflutet bin. (Wie andere das bloß schaffen?)

War aber auch wirklich viel los heute. Nachdem uns das Schiff, dass wir per Rad, Auto und zu Fuß an der Schiffstation von Steeg erreicht haben, in Hallstatt wieder ausgespuckt hat – die Hitze verdampft uns beinahe -, guckten wir uns – wie gesagt – die Stadt an. Inklusive Beinhaus, das eine Art Friedhof der Knochen ist.

Danach gönnen wir uns am Bootssteg ein Bad – herrlich! -, um uns später am Marktplatz mit Martin Kunze von Memory of Mankind und seinem Sohn J. zu treffen. Eine halbe Stunde danach stößt ein örtlicher Journalist zu uns. Nach einem ungezwungenen Interview, das Irgendlink diesem gibt, zücken drei von vier Erwachsenen unsere Kameras: Fototermin für Irgendlink. Cheese.

Als buchstäblicher Höhepunkt des Tages bringt uns Martin nachher zu den Hallstätters SalzWelten. Zuerst fahren wir mit der Zahnradbahn auf den achthunderfünfzig Meter hohen Berg und später mit einer einfachen Holzbahn, die mich an Jahrmarkt-Bahnen erinnert, in den acht Grad kühlen Stollen hinein. Echt verrückt, diese Salzstollen, in denen noch heute Salz aus dem Berg abgebaut wird! Martin zeigt uns das vorläufige MOM-Archiv, in dem bereits um die dreihundert Keramikfliesen für unsere Nachkommen eingelagert werden. Nicht-digitale stattdessen auf Ton gebrannte, im Salz gelagerte Informationen über die Welt, wie wir die kennen und über die Zeit, in der wir leben – vorbereitet für jene, die nach uns kommen. Wir sind beeindruckt. Und beinahe unterkühlt. Erst eine Dreiviertelstunde später verlassen wir den Salzstollen wieder.

Zurück im Tal hat uns die Hitze bereits wieder voll am Wickel. Gut, dass es bei Martins Freunden einen Badesteg gibt – denn auch der Traunsee ist ein Bad wert!

Nun sitzen wir also da. Es ist inzwischen dunkel und ich fühle mich einfach nur müde. Wohl fühle ich mich auch, ja, aber vor allem müde. Voller Eindrücke. Bettschwer.

Samstagmorgen. Nach einer weiteren schwülen Sommernacht, diesmal in Martins Haus in der Gmunder Innenstadt, heißt es schon bald frühstücken, packen und westwärts fahren.

Der Ritt der Helden in den Sonnenuntergang sozusagen.

(Bilder folgen, versprochen!)

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2 Kommentare zu „Hallstatt, das Interlaken Österreichs“

  1. Ob ich hätte mein Nachtlager im Salzstollen aufschlagen dürfen? Oh, ich kann mir – triefend von Schweiß bei gerade 33 °C hier im 9. Stock – die wohltuende Kühle vorstellen!

    Ist diese von Dir beschriebene (und wenn ich richtig gelesen habe: zufriedene!) Müdigkeit nicht auch ein wunderbares Gefühl? Noch dazu mit dem Liebsten an der Seite?

    Die allerbesten Grüße an euch zwei.

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    1. früher haben die stollenarbeiterfamilien dort überwintert, weil es drin wärmer ist als draussen. es gibt schau-szenen mit menschen am feuer.

      jaaa, die müdigkeit war schön, bloß schade, war ich zu müde sie so ganz richtig auszukosten 🙂

      nun sind wir in martins toller keramikwerkstatt. bilder folgen …

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