Mit oder ohne Chiemseebad

Ohne Chiemseebad wäre die Rückfahrt ganz anders verlaufen, sinniere ich, während ich uns im Auto westwärts befördere. Im Gepäck Irgendlinks zerlegtes Fahrrad, das anders in meiner kleinen Karre keinen Platz gehabt hätte.

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Hunger, Hitze und Stau haben uns nachmittags um drei von der Autobahn runter direkt an die Ufer des Chiemsee getrieben. Nach Chieming, wo der Liebste als Kind paarmal in den Ferien gewesen ist.
Hier haben wir und dort haben wir und dadrüben, schau!, dieses Restaurant, ach, und hier sind wir früher …
So finden wir schließlich einen Laden und decken uns mit Picknick-Sachen ein. Am See, unter schattigen Bäumen, genießen wir die Abkühlung. Der Chiemsee erweist sich zwar als lauwarmer Tümpel und den seichten Kiesstrand finde ich ziemlich mühsam, doch immerhin war ich einmal im Leben im und am weltberühmten Chiemsee, der tatsächlich in einer tollen Umgebung liegt. Alles soweit wunderbar, wenn nur das Kopfweh nicht wäre. Die Folgen der Überstimulation und des Schlafmangels der letzten Tage, von Hitze auch. Ich nehme eine Tablette und döse eine Weile, während Irgendlink uns weiter durch den Freistaat Bayern chauffiert. Irgendwann komme ich auf die geniale Idee, mir das klitschnaße Badetuch – ein dünnes Balituch – um den Kopf zu wickeln. Unglaublich, wie gut das tut.

Unterwegs lassen wir den dichten Vormittag Revue passieren. Zuerst die Rad-Demontage und das anschließende Frühstück bei der Familie eines MOM-Gönners um zehn Uhr. Danach besichtigen wir Martins und Maschas Keramitwerkstatt mit dem hübschen Laden gleich neben dem Wohnbereich des Hauses. Ein tolles Team sind die beiden – er kreiert die Sachen, die sie hinterher glasiert. Eine der vielen tollen Tassen aus ihrem Teamwork habe ich mir sogar schenken lassen. (Kaufen durfte ich sie nicht.) Auch Maschas Keramikfiguren – dreidimensionale Portäts – sind total genial! Während wir mit Martin das weitere Vorgehen besprechen, schauen ich aus den Augenwinkeln zu, wie Mascha einen kleinen Hund in Ton verewigt. Sein Herrchen steht stolz daneben – ein Bild, das ich gerne fotografisch festgehalten hätte … Stattdessen diese kleine Collage hier (unten in der Mitte ein 3D-Porträt von Masha und Martin) …

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Unseren ersten Stopp legen wir in Piding, einem Dorf in Bayern, ein. Wir hocken uns auf den Rand des Dorfbrunnens, füllen die Wasserflaschen nach und kühlen Köpfe, Arme und Beine. Am liebsten würde ich ganz in den Brunnen steigen.

Kühles Wasser … schon bald werden wir es von oben bekommen, doch das wissen wir in Bayern noch nicht. Obwohl … der Himmel bedeckt sich langsam, während sich mein Kopfweh ebenso langsam verkrümelt. Irgendwann vor Lindau öffnen sich die himmlischen Schleusen und die Luft kühlt die erhitzte Welt schlagartig ab. Herrlich!

Scheibenwischer an, Scheibenwischer aus. Derweil der Gedanke, wie sich äußere und innere Bedingungen, Erkenntnisse, Ereignisse immer ganz unmittelbar auf unser Dasein, auf unser Befinden, auf unsere weiteren Schritte auswirken. Vielleicht hätten wir keine so staufreie Weiterfahrt ab Chiemsee gehabt, wenn wir dort nicht gerastet hätten. (Verdanken wir es also indirekt dem Stau VOR dem Chiemsee, dass wir daNACH keinen Stau mehr hatten?) Das Drehbuch eines jeden Tages: wir schreiben es laufend.

Jetzt, wo ich daheim auf dem Sofa diese Zeilen hacke, weiß ich nichts über den weiteren Verlauf des heutigen Tages. Wird es aufhellen, wird es den ganzen Tag weitergewittern und regnen? Werden wir hierbleiben, rausgehen, werden wir …

Mit jeder kleinen Entscheidung legen wir die Weichen für den nächsten Schritt. Wir sind einander Schicksal, du mir, ich dir … und wir uns allen.

(Weitere Bilder aus Halstatt folgen …)

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Bilder:
Appspressionismen (iPhoneArt)

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7 Kommentare zu „Mit oder ohne Chiemseebad“

  1. Ein zerlegtes Fahrrad auf dem Rücksitz kenn ich auch …

    Ihr hattet ja ein paar bunte Tage, ich hoffe bei der Arbeit kannst du dich ein wenig ausruhen. 😉

    Schöne Woche!

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    1. hihi, sozusagen. ja, heute wars ruhig, aber immer genug zu tun.
      für ein treffen mit dir wäre ich wohl schlicht zu müde gewesen. ich hoffe, das verstehst du? aber rübergewinkt haben wir schon!
      🙂

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  2. Dass du zu kaputt warst für einen Zwischenstopp am Bodensee, hab ich aus deinem Beitrag schon herausgelesen. Macht nix. Wir sind ja noch jung. Irgendwann sehen wir uns! 🙂

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