Unter der Oberfläche

So viel frisches Gemüse! Zucchini, Lauch, Kartoffeln, Karotten, ein großer Salat, Klaräpfel. Herz, was brauchst du mehr? Dazu ein großer Karton mit frischen Eiern. Alles auf dem einsamen Gehöft gediehen.

Ich freue mich sehr über den Liebsten und seine Gaben, natürlich!, doch wohin mit all den Köstlichkeiten? Zwar ist mein Kühlschrank kein Winzling, aber die Gemüseschublade ist bereits zu Dreivierteln voll (was sie fast immer ist) und auch die andern Tablare meines Frigos sind reich gefüllt. Natürlich ist immer irgendwo noch Raum und irgendwie geht es ja immer. Wir finden immer irgendwelche Nischen – im Schrank ebenso wie im Kalender –, um den Dingen, die auf uns zugekommen sind, Platz zu machen. Da eine Ritze, dort ein Spalt. Geht ja. Immer mehr. Und noch mehr. Dies noch und das hier geht doch auch noch irgendwie … Immer obendrauf. Und das, was darunter liegt, sinkt tiefer und tiefer.

Weil es schon spät war, beschlossen wir, die Karotten und ihre Kumpels fürs Erste in ihrer Kiste auf dem Küchenfußboden übernachten zu lassen. Viel wärmer als im Garten ist es ja hier drin auch nicht. Heute Mittag nun nahm ich mir die schmutzigen Kerlchen vor, putzte die Erde weg und war schon drauf und dran, alle zusammen in die Gemüseschublade zu schaufeln, als meine innere Stimme dazwischenschrie.
Halt, Soso, willst du das wirklich? Immer nur oben drauf? Kann das funktionieren? Irgendwann ist doch einfach genug! Alles hat Grenzen. Nimm das endlich ernst, auch bei dir!

Stellvertretend für den ganzen Kühlschrank bekam darum heute wenigstens die Schublade fürs Grobe eine Reinigungskur ab und sie dankte es mir. Denn auf einmal hatte alles wunderbar Platz und ich freue mich bereits jetzt auf all die feinen Gerichte, die wir aus diesen Gartengaben zaubern können. Und darauf, heute aus meinen ersten roten Tomaten einen griechischen Salat zu zaubern.