In einem Zug gelesen # 4 – das wahre Leben

So leidenschaftlich gerne ich schreibe, so leidenschaftlich gerne lese ich auch Bücher. Am liebsten sind mir jene Geschichten, wo ich das Umfeld irgendwo tief in mir drin wiedererkenne. (Wie das bei skandinavischen Krimis war, weiß ich nicht. War Skandinavien schon immer in mir und haben mir darum Bücher, die im Norden spielen, von der ersten Minute an gefallen? Oder habe ich mich in Skandinavien von der ersten Minute an immer wie zu Hause gefühlt, weil ich schon so viele Bücher darüber gelesen habe?) Huhn oder Ei – einerlei.

Bücher, in denen ich die Umgebung sogar real kenne, mag ich besonders gerne. Schweizer Krimis und Schweizer Romane haben daher schon mal Vorschusslorbeeren. Die sie sich aber trotzdem by reading verdienen müssen. Nur schon im letzten halben Jahr habe ich mindestens zwei Schweizer Bücher – einen Zürcher und einen Berner Krimi – nach den ersten Kapiteln zugeklappt. Meine Lebenszeit ist mir zu kostbar für schlechte Bücher und Filme. Lieber lese oder schaue ich etwas gutes zweimal.

Auf meiner Kopfliste mit den Büchern und SchriftstellerInnen, die ich lesen will, sind in der letzten Tagen ein paar neue Namen hinzugekommen:

Philipp Probst: Die Boulevard-Ratten

Gabriela Kasperski: Besondere Umstände

Arno Camenisch: Fred und Franz

Angelika Waldis: Aufräumen

Markus Feldenkirchen: Keine Experimente

John Williams: Stoner

Sehe ich diese Liste und denke an all die andern im Kopf notierten Bücher, wird mir bang. Den Rest meines Lebens könnte ich mit Lesen verbringen, locker sogar!, und selbst wenn ich nichts anderes tun würde, hätte ich am Ende meiner Tage noch nicht alle Bücher gelesen und nicht alle Filme gesehen, die ich je lesen und sehen will.

Und weil ich ja nicht nur lesen und Filme schauen will und kann, sondern zwischendurch auch mal zum Beispiel bloggen – von arbeiten, schlafen, essen, trinken, küssen und anderen Bedürfnissen und Notwendigkeiten ganz zu schweigen – stelle ich euch jetzt ein gutes Buch vor. Eins, das sich sicher auch ohne meine Werbung gut verkaufen wird, denn Milena Moser ist inzwischen auch im großen Nachbarkanton der Schweiz ein Begriff, weil sie einfach gute Bücher schreibt.

Ich habe ihr neues Buch, Das wahre Leben, letzte Woche in einer Buchhandlung gesehen und konnte einfach nicht widerstehen. Warum auch. Kaufen würde ich es ja sowieso.

Milena Moser Das wahre Leben-Cover_sm

Zwei Frauen in der Mitte ihres Lebens, beide in der Krise. Nevada ist krank und lernt gerade damit umzugehen. Immer noch unterrichtet sie Yoga und das so erfolgreich, dass ihr eine Klasse mit schwierigen, absturzgefährdeten Mädchen anvertraut wird. Erika dagegen beschließt angesichts ihres Versagens als Mutter und Ehefrau das zu tun, was ihr niemand zutraut: Sie verlässt ihr luxuriöses Zuhause am Zürichberg und zieht in eine heruntergekommene Vorstadtsiedlung. Dort lernt sie Nevada kennen, die unverhofft von der großen Liebe erwischt wird. Mit Witz, Verve und voller Zuneigung lockt Moser ihre Figuren durch existentielle Höhen und Tiefen. Eine intensive Liebesgeschichte rund um Schmerz, Krankheit und Trennung.

(Quelle: milenamoser.com)

Ich habe das Buch verschlungen. Habe mich in Nevada und in Erika wiederentdeckt. Mich auch in Suleika, Erikas Tochter, und all den andern Yoga-Mädchen wiedergefunden. Sogar in Dante, der nicht weiß, ob sein Tumor heilbar ist und sich dennoch auf Nevada einlässt – und sie sich auf ihn.

Ich liebe Mosers Bücher, weil sie ganz und gar ungekünstelt sind. Ihre Figuren sind echt, lebendig, ambivalent, verletzlich, chaotisch, immer auf der Suche nach Erleuchtung und allen möglichen Dingen, die das Leben erträglicher machen, glaubwürdig, voller Galgenhumor und oft genug verbittert, verzweifelt und kurz vor dem Aufgeben. Kurz: ganz normale Alltagsmenschen wie du und ich.

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6 Kommentare zu „In einem Zug gelesen # 4 – das wahre Leben“

  1. Liebe Soso,
    was mir neben Deinem Lesetipp zu Milena Moser und ihrem Buch „Das wahre Leben“ außerdem sehr gut gefällt, ist Dein feiner Hinweis zu „küssen und anderen Bedürfnissen“. Das wahre Leben eben, neben und inmitten der Lust an schönen Leseerlebnissen …

    herzliche Grüße und weiterhin viel Freude am Lesen und mit den Büchern,
    mb

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    1. immer nur lesen könnte ich ja doch nicht, so gerne ich es tue. aber auch nicht immer nur küssen. 🙂
      ja, das wahre leben ist eben vielschichtig, wie auch euer heutiges blogbild so schön zeigt!
      herzlist, soso

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  2. „Das wahre Leben“: Lesen, Schreiben, möglichst von Natur umgeben, und hin und wieder Küssen – für mich persönlich kein schlechtes Programm 😉
    Liebe Grüsse und schönen Tag,
    Jan

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