Von Gewohnheiten und anderen Geräuschen

1.)
Tun, was mir gut tut.
Weiß ich noch, was ich mir als Kinder wünschte,
erinnere ich mich noch daran, wovon ich als Kind träumte,
außer dass die Träume von einst nichts mit Abhängigkeiten zu tun hatten?
Dafür mit Farben, Geborgenheit, Weite und Raum,
ich hörte in ihnen das Abendlied der Amsel.
Roch frisch gemähtes Gras.
Ich träumte vom großen Lachen,
von erträglicher Nähe, in der es sich glücklich atmen lässt.
Erst heute begreife ich, dass Träume schrumpfen, je älter ich werde.
Größenverhältnisse verändern sich. Immer. Für immer.
Für einige Träume ist es zu spät (ist es das wirklich, solange ich noch lebe?)
andere sind nicht mehr wichtig.
Natürlich weiß ich, was mir gut tut. Was mir gut täte. Konjunktiv.
Zu viele Hindernisse auf dem Weg.
Müssen darf darin nicht vorkommen.
Hedonistin du!
Schon folgt die Verurteilung (wie kannst du nur, wo doch andere …),
die schrille Stimme in mir. Mutters Erbe.
Abhängigkeiten waren nicht vorgesehen.
nicht als ich Kind war und träumte.
Bin Teil einer Gesellschaft abhängiger Mensch. Konsumfixiert wie viele.
Das Perpetuum mobile des Kapitalismus schwebt im luftleeren Raum.

Immer weiter.
Weil wir Gewohnheitstiere sind,
weil wir weiterschlingen wollen, wenn wir erst einmal angebissen haben,
weil wir gerne an der Leine hängen und herumzappeln. Herumzappen auch.
Fortsetzung folgt.
Cliffhanger.
Adrenalin.

Mehr, immer mehr, mehr, mehr …
Oder lieber weniger, dafür mehr
tun, was mir gut tut.

2.)
Es fing an jenem Tag an, als ich am Morgen vergaß, in den Spiegel zu schauen und mir selbst dabei in die Augen blickte.

3.)
Irgendwann habe ich aufgehört zu glauben, dass es die andern sind, die uns Gutes tun sollen.
Irgendwann habe ich damit angefangen zu ahnen, dass letztlich nur ich selbst es bin, die mir wirklich Gutes tun kann.
Doch gut ist und gut tut etwas nur, wenn ich mir das Gute von Herzen gönne, es mir erlaube und es schließlich tue …

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21 Kommentare zu „Von Gewohnheiten und anderen Geräuschen“

  1. Oh.

    Schwerdenk. Furchthoffen.

    Beim Werkleitz gab es eine Installation „Horizons“:

    Things are always better than you think. And worse than you hope for.

    Zeit für einen guten Tee und einiges Räucherwerk neben dem Kamin.

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    1. Ich weiß es nicht. Aber ich beiße gerade an Deinem Text herum …

      Ich frage mich gerade, ob die Zeilenumbrüche GENAU SO Bestandteil des Textes sind. Struktur geben sollen. Innehalten erbitten.

      Darf ich diesen Text – wie er jetzt hier steht – in ein anderes Mesium übertragen (ohne daß Du weißt in welches)?

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    2. „genau so“ ist natürlich relativ, aber die umbrüche sind schon bewusst und absichtlich genau so gesetzt worden.
      es ehrt mich, dass du herumnagen magst.
      ich lasse mich gerne überraschen.
      (der text ist eine art „automatisch schreiben“-produkt, allerdings mit anschl. überarbeitung und zeilenbrechung)
      danke!

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    3. hey emil, jetzt habe ich den kommentar für dich gepostet, wie du siehst, mit deinen daten, aber noch erscheint mein avatar … verstehe eine/r die technik.

      ich guck mir den link von elke erb gleich mal an. danke!

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    4. aber ich habe deine mailadresse eingefügt und deine http und deinen namen … ich dachte immer der ava hänge davon ab. scheint aber wohl ein irrdenken meinerseits zu sein. gut dass es nun wieder geht.

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    1. na, da ist er ja, er hockte im spam – wohl des links wegen … tse tse … und das, obwohl ich einen link pro comment erlaubt habe … ich lass es einfach mal so stehen … danke!

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  2. die erkenntnis, dass man selbst es ist, der für sich zu sorgen hat, kann ich voll unterschreiben. das bedeutet dann eben auch, selbst die verantwortung für sein leben, für glück und unglück zu übernehmen, das bedeutet es selbst (in bestimmten grenzen) in der hand zu haben, und so selbstverständlich das klingt, so selten machen sich die meisten von uns das bewusst. oder vielleicht nicht die meisten, aber ich. für mich ist das gerade ein relativ neuer gedanke, und ich finde ihn ungeheuer erleichternd, paradoxerweise…

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    1. die sache mit der eigenverantwortung ist in der tat relativ schwierig. ich beobachte, dass wir sehr gut darin sind, die schuld für miese umstände (biografische bedingungen ebenso wie aktuelle lebensumstände) zu delegieren. die erkenntnis bedeutet für mich konkret, dass ich gegenwärtiger lebe(n will). dass ich weniger im schuld-muster denke(n will). dass ich mir gutes gönne(n will). dass ich weniger mich selbst und andere verurteile. so ganz neu ist mir die erkenntnis zwar nicht, im kopf jedenfalls, doch bis dinge anfangen zu greifen, brauche ich immer (oft) verdammt lang … und ja, auch mich erleichtert die erkenntnis.

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  3. diese Woche lernte ich eine neue „Arbeit“ mit sich selbst kennen: The Work … von Byron Katie … da gibt es vier Fragen, in Bezug auf Gedanken, die einen runterziehen:
    1.ist das wahr?
    2.bist du dir absolut sicher, dass dies die Wahrheit ist?
    3.Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
    4.Wer wärst du, ohne diese Gedanken?

    ach blöd … dass ich gerade nicht an meinem Rechner sitze, sonst könnte ich doch mehr dazu schreiben- aber letztlich, und deswegen komme ich überhaupt darauf, geht es auch hierbei um die Selbstverantwortung, Glücklichsein versus Depressionen u.ä.

    ein feiner Artikel, liebe Soso, danke dafür und ich nage auch noch ein bisschen mit 😉

    liebgrüß
    Ulli

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    1. ja, das work hat meinen lebensweg schon vor ein paar jahren gekreuzt und ich habe es natürlich damals ausprobiert. aber wie es so ist bei mir: ich tauge nicht für rezepte, konzepte und vorgaben – dazu bin ich einfach zu wenig diszipliniert. dafür gehe ich oft lange umwege …

      wie auch immer: die inhalte haben mich (damals und auch jetzt bei dir) sehr angesprochen. ich hoffe, du kannst vieles davon bei dir integrieren.

      danke fürs kompliment zum artikel … und fürs mitnagen.
      ich sehe schon all die „knochen danach“ vor mir …
      😉

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