Andere Sonnenstrahlen

In einer Biostunde war’s, an der Fachhochschule. In einem anderen Leben. Irgendwie muss mich das Bild nachhaltig beeindruckt haben. Herr H. hatte ein Holzfass an die Wandtafel gemalt (damals malten Lehrpersonen nämlich noch auf Tafeln). Bei diesem Holzfass waren alle Dauben unterschiedlich lang. Auf jede einzelne Daube schrieb unser Biolehrer einen Mineralstoff, den Humus beinhaltet (man frage mich jetzt aber bitte nicht was – Mineralstoffe halt). Wir diskutierten nämlich schon eine ganze Weile über das natürliche Gleichgewicht der Erde und wie es zu erhalten sei. So kamen wir auf Düngung zu sprechen und wie heikel es sei, einen Volldünger zu verwenden. Letztlich gehe es doch darum, von allen einzelnen Komponenten nur genau so viel zu düngen, wie es brauche, damit das Gleichgewicht wieder stimme. War von einem Mineralstoff wenig vorhanden (die kürzeste Daube), konnten die andern Stoffe eines Volldüngers eh nur bis zum Niveau des am wenigsten vorhandenen Stoff greifen – veranschaulicht durch das Bild mit dem Fass

Fülle das Fass mit Wasser. Es überläuft im Moment, wo die kürzeste Latte erreicht ist. Dieses Prinzip hat einen schönen Namen, den ich leider vergessen habe – nicht aber das Prinzip an sich, das Überdüngung ebenso verdeutlicht wie Überdosierung von Medikamenten wie Breitband-Antibiotika oder Breitband-Vitaminpräparate. (Und ja, zum Glück habe ich sogar in Bio mit genügend abgeschlossen. Manchmal bereue ich, dass mich gewisse Themen, als ich jung war, so wenig interessiert haben.)

Was ich sagen will? Seit ein paar Tagen weiß ich endlich, warum ich seit Monaten so schlapp und oft auch kraftlos und niedergeschlagen bin. Und weshalb mein Kreislauf hin und wieder beinahe kollabiert. Und warum ich häufig sehr schlecht schlafe. Vitamin D – das Sonnenvitamin – ist bei mir Mangelware. Eisen auch, aber das war schon oft so. So tief ist der Vitamin D-Wert, dass mich meine liebe Berner Ärztin, die ich endlich mal wieder aufgesucht hatte, gleich am Morgen nach der Blutwertkontrolle anrief, um mir das Mittel ihrer Wahl telefonisch mitzuteilen.

Sofort nach dem Anruf habe ich in den Weiten des Webs nach Infos zu meiner Diagnose gefischt und ein paar Antworten gefunden. Spannend, was da und wie alles miteinander zusammenhängt. Ich bin fasziniert und erschüttert, wie viel an unserm Vitamin D-Pegel mit dran hängt und wie wenig ich darüber gewusst habe. Angeblich sind in unseren Breiten etwa ein Drittel der Menschen in den Wintermonaten unterversorgt. Was zum einen mit dem Fakt von wenig Sonne und falschem Einstrahlwinkel im Winterhalbjahr zu tun hat, aber zu einem andern, großen Teil auch mit den Lebensgewohnheiten. Das Leben vieler spielt sich mehr oder weniger drin ab. Und Solarium-Sonnenlicht produziert leider kein Vitamin D im Körper. Über die Nahrung nehmen wir sowieso kaum Vitamin D auf.

Nun fülle ich also mein Leck mit täglichen Vitamin D-Dosen. Wie das Leck in meinem Fass entstanden ist, kann ich mir noch immer nicht erklären, doch ich staune einmal mehr über alle Zusammenhänge, über die Weisheit des Körpers, über die Auswirkungen eines einzigen Mangels auf das ganze Rest-System. Ja, ich staune auch über die Forschung, die Vitamin D-Mangel mit allem möglichen Krankheiten und Symptomen in Zusammenhang bringt. Eine Aussage, irgendwo im Netz gelesen, klingt nach: Über Vitamin D zu reden (Information und Werbung) ist nicht sehr attraktiv, weil Vitamin D sehr einfach und sehr günstig herzustellen ist. Daran ist die Pharmaindustrie kaum interessiert. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es gibt mir zu denken. Mit genug Vitamin D ließen sich womöglich viele Folgekrankheiten vermeiden, die der Pharmaindustrie aber unbehandelt viel mehr Geld einbringen.

Wie man idealerweise zu genug Vitamin D kommt, fragst du? Immer wieder Zeit unter dem freien Himmel verbringen und dabei möglichst viel ungeschützte Haut an die Sonne lassen (eine halbe Stunde oder so direkte Sonne – je nach Hauttyp). Und genau das ist im Winterhalbjahr verdammt schwierig … tja …

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker.

Und deinen gesunden Menschenverstand.

Advertisements

2 Kommentare zu „Andere Sonnenstrahlen“

  1. neulich traf ich eine kollegin. sie ist algerierin. sie sagte: canela, nimm vitamin d. du bist südländerin wie ich. wir brauchen sowas. darauf erwiderte eine andere freundin: vitamin d wird selten verschrieben. die ärzte und die pharmaindustrie verdienen nichts daran.

    jetzt habe ich deinen artikel gelesen. morgen gehe ich in die apothke und kaufe mir vitamin d.

    Gefällt mir

    1. das kann sicher nichts schaden. ich habe allerdings auch gelesen, dass man zu viel davon nehmen kann.

      wusstest du übrigens, dass dunkelhäutige länger brauchen, um die sonne aufzunehmen – oder so irgendwie. da haben für einmal die hellhäutigen – die dafür schnell sonnenbrand haben – vorteile.

      und ich begreife einmal mehr, wie schlau die natur ist: im norden haben die leute weniger sonne, dafür hellere haut.
      ich zähle mich auch eher zu den dunkelhäutigen hierzulande, brauche also vielleicht einfach mehr sonne als blondinen … 🙂

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.