Immer bewegt

Heute bin ich mit dem Gefühl erwacht, immer irgendwie in Bewegung zu sein. Lärm im Kopf. Herzrasen. Wenn nicht außen, dann zumindest innen. Diese innere Unruhe macht mich schlaflos. Und weil ich nicht schlafen kann, bin ich immer irgendwie unruhig (Huhn und Ei – wer war zuerst?). Schlaflosigkeit ist Daueranspannung, Festhalten, Anhaftung. Unruhe eben. Schlaf aber ist Ruhe. Entspannung, Loslassen, Hingabe. Danach sehne ich mich sehr, doch der Weg dahin ist kaum zu gehen, denn ich muss doch schließlich …

Kaum erwacht, wecke ich normalerweise mein Telefon, damit es mir erzählen kann, was ich in den letzten acht Stunden alles Unwichtiges verpasst habe. Heute zögere ich. Will ich das überhaupt? Will ich ständig wissen, was (nicht) läuft? Will ich oder muss ich gar?

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Natürlich tue ich es dann doch und lese im WordPress-Reader, dass sich auch Sherry Gedanken über digitale Existenzen macht. Erstaunlich, wie manchmal bestimmte Themen von da nach dort schwappen. Gestern zum Beispiel stieß ich an mehreren Stellen auf das Mutterthema. Heute nun ist es offenbar die Internetsucht.

In der Kommentardiskussion, die sich an Sherrys Artikel anschließt, geht es um den Umgang mit dieser Sucht und um die Auswirkungen derselben. Sherry schreibt: Unser Gedächtnis diffusiert, weil wir nichts mehr tief verarbeiten, im Grunde gehen wir nämlich davon aus, dass unser Smartphone unsere externe Festplatte ist und wir uns ja nichts mehr merken oder tief verstehen brauchen, Google ist ja immer da.

Das Verrückte: Wir tun das alles freiwillig – am Anfang jedenfalls. Wie bei jeder Sucht eben. Wir wollen vernetzt sein, dazugehören, mitreden, kommentieren, unsere Gedanken hinausschrei(b)en.

Vernetzt, ja, genau. Wichtig. Fällt mir dazu ein, dass ich neulich ein ziemliches Problem mit meinem Netzwerk hatte. Aus irgendwelchen Gründen synchronisiert iTunes (das ich mehr hasse als liebe, aber dennoch für Backups verwende) meine iPhone-Kontakte nicht mehr auf mein Google-Mailaccount wie gehabt, sondern neuerdings irgendwo mit einer und auf eine Windowsschiene. Warum auch immer.

Nichts böses ahnend ließ ich dummerweise die Synchronisation einfach mal zu. Danach war mein Telefon gefüllt mir uralten Mailadressen vom alten Windows-Laptop, den ich nur noch für iTunes und hin und wieder für Word-Office verwende. Über eine Stunde Arbeit hatte ich, um ungefähr vierhundert alte und doppelte Mailadressen hinterher wieder zu löschen. Auf dem Telefon will ich nämlich nur aktuelle Daten und in erster Linie Wohnadressen und Telefonnummern. Immerhin entdeckte ich später, dass sich das Telefon direkt mit meinem Googleaccount synchronisieren lässt – genau wie beim Kalender. Ein-zwei Sachen neu einstellen und gut ist. Eigentlich.

Erst allmählich entdeckte ich, dass alle Geburtstage, die ich je auf meinem iPhone unter den Adressen eingegeben hatte, weg waren – offenbar hatte die mein Googleaccount bei früheren Synchronisationen bis dahin gar nie zur Kenntnis genommen. Mist! Zwar gibt es ja noch die gute alte Liste auf Papier, zum Glück, doch da drauf habe ich seit ungefähr zwei oder drei Jahren kaum mehr neue Namen und Daten geschrieben. Schließlich habe ich ja mein iPhone und mache regelmäßig Backups – wozu also eine Liste führen? Dass ein Backup eigenen Gesetzen gehorcht und nicht alle Daten frisst, habe ich nun begriffen und bin noch immer dran, Daten zu rekonstruieren. Um der Geburtstage willen. Damit ich mir nicht selbst merken muss, wem ich wann gratulieren darf.

Wie sagte Sherry so schön? Unser Telefon ist unsere externe Festplatte. Wir lagern unser Gedächtnis aus. Damit wir nicht mehr selbst nachdenken müssen?, frage ich mich.

Also echt, das gibt mir wirklich zu denken …