Himmel aus Eis

Hier regnets Eis vom Himmel. Alles schock-
gefroren. Die Friedhofgärtner schaufeln
mit dem Presslufthammer
ein neues Kindergrab.
Sie bittet sie um eine kleine Lärmpause.
Sagt Danke.
Unter den Augen
wartender Friedhofsgärtner
zu weinen ist trotzdem
verdammt schwer.
Nichts zu danken.

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10 Kommentare zu „Himmel aus Eis“

    1. na ja, darüber haben wir ja letztens diskutiert, und jetzt schreibst du, dass man keine formen finden kann für den schmerz? Ich glaube, wir verstehen einander hier gerade nicht. was ich damit meinte war, dass ich immer noch glaube, dass der schmerz etwas ist, das seinen ausdruck kaum in der sprache finden kann, obwohl die sprache voller schwermut ist und voller trauer, aber das ist dann eher ein niederschlag von schmerz, der zwar nie verheilt, aber auch nicht mehr so ursprünglich ist, wie damals, als er alle worte verschlagen hat und höchstens einen schrei übrig ließ.
      meinst du mit Formen finden, eine Möglichkeit zu finden, damit weiter zu leben?

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    2. ich glaube, was ich meine und meinte, ist, dass hier das finden von erträglichen formen noch vorläufiger ist als sonstwo im leben – alle diese vorläufigen formen sind quasi brücken, krücken, die den moment des schier unerträglichen irgendwie aushalten lassen. und deshalb sind auch und sogar die worte, die aufsteigen, sich aufdrängen, in mir da sind und kommen und gehen, immer nur so etwas wie eine momentaufnahme.
      eigentlich geht es ja auch nicht um die worte an sich, sondern um ihr inneres und dieses auszudrücken – wie eine eiterbeule. sind worte eine form? oder sind sie in solchen momenten nicht eher so wie wasser, schweiss, blut etwas fliessendes?
      ich bin nicht sicher, ob wir uns wirklich missverstehen. irgendwie ahne ich schon, wie und was du meinst …
      meine persönliche wahrnehmung ist so wie sie ist … auch nicht immer genau gleich … aber oft sind es die worte (auch unartikulierte), die mir beim überstehen helfen. bereits im ersten schmerz und in allen danach kommenden niederschlägen auch …
      ich ahne, dass das etwas individuelles ist, das sich eben von mensch zu mensch, je nach art wie man ist, anders verhält.
      danke für deinen gedankenfaden!

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  1. Ich will dich ja auf keinen Fall eines besseren belehren, oder Dir meine Meinung aufzwingen, ich war nur irritiert, weil ich das Gefühl hatte, mit dieser Aussage über die (vorläufige) Form und die eigentliche Unmöglichkeit überhaupt eine Form zu finden, würde ich meinem eigenen Argument, der Schmerz hätte keine Worte, wiederbegegnen.
    Ich finde übrigens, dass gerade das fliessende eine Form ist. Und gerade Worte brauchen diese fliessende Form, sie müssen ja vom einen zum anderen fliessen, das ist doch was alles so schön und gleichzeitig so schwierig macht, Schwierig, weil wir denken, sobald wir die gleiche Sprache sprechen sei es ein Einfaches sich zu verständigen und so schön, weil es immer wieder, trotz aller Schwierigkeiten, trotz der eigentlichen Unmöglichkeit auch tatsächlich manchmal gelingt. Das sind dann die Momente, wo man die eigenen dumpfen Gefühle und Gedanken auf einmal glasklar ausgedrückt findet, man fühlt sich erkannt und getröstet. Angenommen und aufgefangen.

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    1. du liebe mützenfalterin, ich fühle mich nicht belehrt, gar nicht.

      ich finde es anregend festzustellen, wie unterschiedlich schmerzhafte dinge wahrgenommen und auch verarbeitet werden.

      dass auch das fliessen, der hin- und herfluss, eine form ist, hab ich mir noch nie so überlegt. aber natürlich stimmt das.

      die schwierigkeit im gegenseitigen verständnis obwohl die sprache die gleiche ist, hat, so ahne ich, damit zu tun, dass wir unsere worte mit je andern inhalten füllen, gefüllt bekommen, von anfang an. dazu kommen kulturelle prägungen. so viele vorzeichen für missverständnisse!

      um zum ausdruck von schmerz zurück zu kommen: ich denke, hauptsache, es gelingt uns irgendwie, ihn auszudrücken. ob mittendrin, ob mit oder ohne worte, ob erst danach …

      das sich-wiedererkennen in worten oder im ausdruck anderer (ob schmerz oder freude) kann sehr befreiend sein – das unterschreibe ich 100%. es ist trost und angenommensein. gehalten. ja.

      danke.

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