Weihnachten überleben – ohne Salz

Juhu, geschafft, wir haben Weihnachten überlebt! Und sogar ziemlich schmerz- und stressfrei.

Gut, die Reise, die wir am 24. Dezember südwestwärts unternommen haben, um in einem winzigen Ferienhäuschen in Südfrankreich ein paar schöne Tage verbringen zu können, war nicht ohne. Zwar hat es – trotz Ankündigung  – kaum geregnet, doch dafür windete es heftig. Einmal sogar so stark, dass es uns auf der Fahrbahn mindestens einen Meter nach rechts geschoben hat.

Kurz und gut: wir sind – wenn auch später als gedacht – wohlbehalten hier angekommen. Schade nur, dass der kleine Dorfladen schon geschlossen hatte. Und auch am 25.12. seien alle Läden zu, wie unser Vermieter sagte. Es wird auch ohne gehen, sagen wir. Gehen müssen. Ich hoffe bloß, sage ich zu Irgendlink, dass das Klopapier reicht, denn das haben wir mitzunehmen vergessen. (Eine der Gefahren, wenn zwei Menschen für die Ferien packen …)

Hungrig packen wir unsere Küchensachen aus. Wie war das gleich gewesen am Abend des dreiundzwanzigsten, als wir diskutiert hatten, was alles mit soll? Essig-Öl-Salz & Pfeffer hats bestimmt, den Rest nehmen wir mit. Das hat es doch in jeder Ferienwohnung. Wenn es sogar WLAN und TV hat.

Hungrig suchen wir nach dem Salzglas, um das Pastawasser zu würzen. Vergeblich. Vieles fehlt. Die Küche hier ist minimal ausgerüstet. Doch eigentlich macht das nichts.
Wenn du in den Ferien alles wie zuhause willst, musst du zuhause bleiben, sage ich. Und eigentlich mag ich Improvisation. Also pimpen wir eine Fertigsauce mit viel frischem Gemüse auf und fertig ist ein tolles Menü. Geht doch.

Frisches Brot holt Irgendlink am Morgen in der Boulangerie. Immerhin die hat ein paar Stunden geöffnet. Aber Klopapier gibt es dort natürlich nicht. So fangen wir an, die letzten Blätter unserer zur Neige gehenden Rolle zu rationieren.
Du bekommst von mir zwei Blätter Klopapier für …

Klopapier ist die neue Währung.

Heute Abend können wir zur Kräuterquarksauce Pellkartoffeln kochen, überlege ich beim gestrigen Frühstück. Und auch eine Salatsauce lässt sich improvisieren. Doch was wäre, wenn wir wirklich nichts mehr hätten? Wir philosophieren über menschliches Verhalten in Notzeiten. Über Egoismus und das Teilen. Über gut und böse. Über Grenzen und wie man anders leben könnte.

Später, auf unserer mehrstündigen Geocachewanderung durch das Dorf und zur Burgruine hoch, staunen wir über die Stille. Klein ist das Dorf zwar schon, doch ausgestorben eigentlich nicht. Dennoch sehen wir nicht mehr als zehn Leute auf den Straßen und Wanderwegen. Alle andern sitzen zuhause und beschenken sich gegenseitig mit Dingen. Ab und zu können wir in die Häuser hineinsehen, wir unfreiwilligen Voyeure wir.

Nach der Burgruine wandern wir abwärts Richung Bach, der ausgetrocknet ist. Werden von Hunden verbellt. Klettern um zwei Caches zu finden, die zu einer Rundwanderung gehören, doch den Rest müssen wir ein ander Mal suchen, denn bald wird die Sonne untergehen.

Abends Diaschau. Die Bilderernte des Tages betrachten. Wie reich wir sind! Auch ohne Salz. Und selbst wenn wir kein Klopapier mehr haben, gibt es doch immer noch Taschentücher. Was für ein Glück!

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le castellas_gestiched

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert, montiert, geschrieben, hochgeladen)

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8 Kommentare zu „Weihnachten überleben – ohne Salz“

  1. willkommen in der neuen Welt: kein Klopapier, kein Salz, aber WLAN und TV … lach 🙂 irgedwann lassen wir uns dann per app, sagen wir mit Veggiburger, sättigen …
    aber Spaziergänge und Fotos können doch auch sehr befriedigend sein, nicht wahr?!

    habts weiterhin fein ihr Zwei
    herzliche Grüße Ulli

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  2. Zu wenig Klopapier ist schlimmer als kein Salz, glaube ich, lach. Ich habe schon die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Ferienhäusern gemacht, manchmal gibt’s gar nix, weder Salz noch Zucker noch Spülmittel, manchmal ganze Batterien von öl und Essig, dazu Kaffee und Tee, Reis und Nudeln. Am häufigsten fehlte der Pfeffer!
    Aber auch ohne Salz habt ihr euch offenbar schmackhafte Mahlzeiten zubereitet – Weihnachten mal anders und einfach, aber das Salz in der Suppe waren sicher die Wanderungen in dieser schönen Gegend, wenn auch der Mistral ungemütlich sein kann.Die Collage, die die Farben des Südens aufgreift und sozusagen verblassend verstärkt, gefällt mir gut.

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    1. ja, unserer erfahrungen waren auch schon ganz unterschiedlich. normal haben wir alles dabei. diesmal haben wir einfach zu schnell und zu kopflos und parallel gepackt oder eben – nicht gepackt. so nach dem motto: das hat sicher er/sie schon gepackt 🙂
      und ja, wir haben es gut geschafft. war kein stress. so passt mir weihnachten viel besser als mit glitzerklimbim-geschenkstress.
      danke fürs bilder-kompliment. diese hipsta-kombination hat mir grad so gepasst an diesen tagen … verblassen kann eben auch verstärken … lach!

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