It’s a beautiful day …

Was hat dir im 2013 am besten gefallen?, frage ich beim Frühstück den Liebsten – denn allüberall wird Rückblick gehalten. Irgendlink zuckt die Schultern. Keine Ahnung. Alles. Vieles. Hier sein. Und du?

Damals in Berlin, dieser Spaziergang durch den Tiergarten. Oder in Dänemark auf der kleinen Insel. Natur. Stille. Wenn ichs mir so recht überlege, sind die schönsten Momente jene, wenn es rundum still ist und ich – mit dir oder allein – Schönheit wahrnehmen kann. Natur. Sonne. Luft.

Später, ich komme von der Toilette, sage ich:
Ich bin froh, dass ich dieses Jahr immer genug Toilettenpapier hatte. Ich wasche mir die Hände. Und ja, sage ich, dass ich immer genug Wasser hatte. Immer duschen konnte, wenn ich wollte. Immer genug zu essen. Immer genug warm. Immer ein Dach über dem Kopf und dass ich dich an meiner Seite habe. Das war schön dieses Jahr und ist es schon lange und ist es hoffentlich noch lange.

Heute fahren wir nach Collias. Irgendlink kennt die Gegend, denn er hat früher wiederholt hier Ferien gemacht und Radtouren hierher unternommen. Auf unsere Phones haben wir einige Geocaches geladen, die zu einer mehrere Kilometer langen Runde gehören. Einer balade, die sich eher als Wanderung oder Bergtour entpuppt denn als Spaziergang. Beginnen tut sie an der Gardon, dem Fluss, den die Römer mit einem bis heute erhaltenen Aquaedukt überspannt haben. Ein Monument übrigens, das wir vorgestern besucht und bestaunt haben.

pont du gard

Bei bestem, sonnigstem Wetter wandern wir dem Fluss entlang, machen Bilder und suchen nach den Geocaches. Gar nicht so einfach, denn es sind heute viele Muggel, viele Nicht-CacherInnen, unterwegs. Später gehts bergan. Schon bald sind wir auf halber Berghöhe und genießen es, über schmale Steinwege zu klettern und zwischen wildem Thymian und Salbei zu rasten.

Da muss irgendwo ein Durchgang sein, wo wir auf die andere Seite des Berges können, sage ich und deute auf die geladene Wanderkarte auf dem Display meines Telefons. Da drüben liegt der nächste Cache.

Schon ist es nach vier. In einer Stunde wird es dunkel. Wir haben so lange gebummelt, dass der zweite Teil der Runde, der Rückweg, in die Zeit der Dämmerung fallen könnte. Noch aber ist es hell und wir steigen weiter bergan. Haben wir uns verirrt? Aber die Karte sagt doch … Vielleicht ist der Weg nicht mehr da? Irgendlink findet einen weiteren Pfad und auf einmal sind wir eine Ebene höher. Oben auf dem Berg sozusagen. Und da, genau wie die Karte sagt, ist der Durchgang. Nur eben eine Ebene höher.
Was für eine Parabel!, keuche ist, denn es geht noch höher. Auf einmal sind wir auf einer Steinpiste, an deren Ende ein Geocache lauert. Ganz schön gefährlich. Wir lassen ihn links liegen, denn die Dunkelheit schleicht sich an. Sich für Geocaches Beine zu brechen muss ja nicht sein.

Oben auf dem Hauptweg finden wir nun auch den richtigen Übergang zum Hauptwanderweg zurück Richtung Collias. Die restlichen Caches pflücken wir bei immer schwächer werdendem Tageslicht.

Und schließlich das Finale: Meine GPS-App zeigt den letzten Cache der Tour auf einem letzten schmalen Weg an, der direkt zurück nach Collias führt. Wir finden den Weg nicht auf Anhieb, denn die Hecken und Sträucher sehen im Halbdunkel alle halb nach Weg und halb undurchläßig aus. Zurück auf den letzten breiten Weg? Also gut, vielleicht gibt es ja den Weg nicht mehr, vielleicht ist er zugewachsen? Fast sind wir wieder oben bei der letzten Verzweigung angelangt, da entdecke ich eine Art Schneise in den mannshohen Büschen.
Guck, hier!, sage ich und nun gibt es kein Halten mehr. Wir tauchen ein in eine mystische Halbwelt. Ein dunkler Gang tut sich vor uns auf. Ein Finale erster Güte. Dank der Taschenlampen an den Telefonen kommen wir gut vorwärts, doch den letzten Cache finden wir trotzdem nicht. Muss ja nicht. Der Tag war auch so perfekt.

Solche Tage betrachte ich als Geschenk. Sogar die kleine Irrfahrt auf dem Rückweg kann das Gefühl nicht trüben, das ich heute, hier und jetzt in mir trage: Dankbarkeit.

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert, montiert, geschrieben, hochgeladen)

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4 Kommentare zu „It’s a beautiful day …“

  1. da seufze ich dann doch, wenn ich von wildem Thymian und Salbei lese und dabei diese wunderbaren Bilder mit perfektem Licht betrachte, ich freue mich, dass ihr es so fein habt!
    und nebenbei denke ich darüber nach, was eigentlich mein schönster Tag war, es gab ihn und ein paar mehr, aber das wirklich Highlight war der Tag der Herbstsonnenwende, als ich alleine am Morgen durchs Wendland kutschierte und dann an der Elbe spazieren ging, später traf ich mich auf der anderen Seite mit einem lieben Freund, wir besuchten ein Cafè, saßen an einem kleinen Flüsschen und plauderten, später gingen wir spazieren, bei Sonnenuntergang setzte ich wieder zurück über die Elbe, es war ein kleines Spektakel, dann besuchte ich noch einen anderen Freund, mit dem zusammen ich das Feuer ins Haus trug und dann noch lange an seinem Kamin saß … und wenn ich nun richtig schaue, dann war es eben ein Tag mit viel Draußensein, alleine und zu Zweit, mit Stille und Geplausch im Wexel und eine Art Treibenlassen … ja, solche Tage mag ich sehr …

    genießt noch eure Ferien
    herzliche Grüße
    Ulli

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    1. beim kräuterpflücken habe ich natürlich an dich gedacht und dir einen gruss richtung norden geschickt.
      schön, dass du dich auch an höhepunkte in diesem jahr erinnern kannst. das draussenunterwex-sein nährt eben herz und seele und tut einfach soo gut.
      wir genießen, ja, danke! du auch, hoffe ich.
      herzlichst, soso und irgendlink

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