Alltag und so

Eine Woche ist es her, seit ich das letzte Mal gebloggt habe – Lust-Bloggerin, die ich geworden bin.

Was soll ich schon im Alltag bloggen? Mein Alltag tut so als seien alle Tage allen Tagen ähnlich. Sind sie auch, äußerlich zumindest.

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Da sind zum einen jene Tage, an denen ich im Büro arbeite – noch reduziert, da ich noch immer im Schongang unterwegs bin – und mein Weg dorthin (drei Stunden täglich im öffentlichen Verkehr unterwegs, Bücher lesend, Menschen beobachtend, mich gut schützend). Und da sind jene Tage, die mit Schreib- oder Lektoratsaufträgen, Hausarbeit, Einkaufen und Begegnungen gefüllt sind.

Doch dann sind da noch die Zeiten, die nur mir gehören. Ja, ich erlaube mir Pausen, halte an, halte inne, gönne mir Sofastunden. Mit oder ohne Buch. Dösend zuweilen, manchmal gar nichts tuend, nur sitzen und sein. Und nachdenken zuweilen, über die Ursachen von Problemen. Über die Welt und warum sie beim Um-sich-selbst-Drehen eiert.

Nachgrübeln über Widersprüche. Über meinen Wunsch, voranzukommen. Erfolgreich sein zu wollen, zum Beispiel mit meinen noch immer unfertigen Manuskripten, obwohl ich doch gar nicht wirklich an mich selbst glaube. Und schon trifft die Illusion von irdischem Erfolg auf die Frage, ob Erfolg nicht einfach Zufriedenheit und Glück sein könnte. Und dann taucht ein Wunsch auf: Genug Geld zu haben, um tun und lassen zu können, was ich will (schreiben zum Beispiel) – aber dabei bloß keine Kapitalistin zu sein. Natürlich nicht. Und bin es doch. Teil einer Maschinerie zu sein, die mir gar nicht wirklich gefällt.

Widersprüche, die mich innerlich beinahe zerreißen. Gewissensfragen. Das Karussell, auf dem ich sitze, eiert.

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Appspressionismus: auf dem iPhone kreiert (genau so mit der App Hipstamatic fotografiert). Geschrieben &  hochgeladen ab Laptop

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18 Kommentare zu „Alltag und so“

    1. danke, liebe iris, für deine gedanken. meine überzeugung ist das auch. nur kann ich mit zufriedenheit kein brot kaufen. das ist dann eben der eiertanz unserer zeit!

      herzlich willkommen hier und auf wiederlesen!

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  1. Ich hätte nichts gegen regelmäßige Geldeinnahmen, die mir mehr Zeit für mich selbst geben würden, weil ich weniger arbeiten müsste. Ist das kapitalistisch? Einnahmen aus einem Buch z.B. beuten ja niemanden aus. Wir leben nun einmal in einer Geldgesellschaft, und wir leben auch ganz gut darin. Weltanschaulich gesehen wär ich als erfolgreiche, reiche und berühmte Autorin also wirklich schmerzfrei. 😉

    Tolles Bild übrigens!

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    1. gute frage: was ist kapitalismus eigentlich, bzw. wo fängt er an. und wo bin ich darin?
      darf es mir gut gehen, wenn andere darben?

      fragen über fragen. und noch mehr widersprüche.
      aber jetzt muss ich aufstehen und arbeiten gehen! 🙂

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  2. das bedingungslose Grundeinkommen würde vieles erleichtern, aber ich weiß auch, dass ich arbeiten wollte, dann weniger für das Brot auf dem Tisch, denn das wäre ja dann geregelt, als für den Austausch. Kapitalismus hat für mich etwas mit Ausbeutung zu tun, dass es mir gut geht, indem ich andere für mich ackern lasse, das aber wäre nicht in meinem Sinne, ich teile ja gerne. Mir ist bewusst, dass ich es aus einem der reichsten Länder der Welt heraus schreibe, noch nicht einmal 10% der Menschheit haben so viele Möglichkeiten und Sachen, wie wir hier und trotzdem scheinen gerade in den ärmeren Ländern die Menschen zufriedener, als wir hier. Ein Widerspruch, ja.

    Was macht mich zufrieden? Z.B. gerade jetzt, dass ich endlich wieder Schwung habe und an meinem Projekt weiterarbeiten kann- ob es dann erfolgreich wird, wir werden sehen und was ist Erfolg? Als ich vor ein paar Jahren den Gamuppel in der Hand hielt, war dies ein Erfolg, es zum Ende gebracht zu haben, nur Kohle hat es mir nicht gebracht, so what!

    herzliche Grüße vom Schneeberg ins grüne Tal
    Ulli

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    1. ich freue mich immer, wenn meine texte solche gedankengänge auslösen. danke!
      ja – was ist erfolg, was ich kapital überhaupt? wir können die begriffe auch immer wieder neu mit unseren werten überdenken und füllen.
      das bild ist nicht bearbeitet. eine app macht von allein solche doppelbilder! wie es jeweils wird, das bild, ist immer ganz unterschiedlich. 🙂
      danke fürs mitdenken/-teilen!

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  3. Ich habe schon auf einen neuen Artikel gewartet. Gut hast Du über die Fragen geschrieben, die sicher die meisten Menschen beschäftigen, die ohne direkten Auftrag was erschaffen und dann nicht wissen, ob es sich zu Geld machen lässt. Wenn man sein Auskommen durch eine Arbeit hat und daneben mit den eigenen Produkten halbwegs zufrieden sein kann, andere Leute nicht ausbeuten muss, dann kann man froh und zufrieden sein. Ist doch ein schönes Bild, das Du uns zeigst.

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    1. oh, da wartet jemand auf artikel von mir? das freut mich jetzt aber wirklich. danke! 🙂 *rotwerd*
      was du schreibst, ist richtig. hauptsache nicht ausbeuten. aber tun wir das nicht schon dadurch, dass wir billig einkaufen? wer macht unsere kleider und so weiter. da dreh ich manchmal fast durch, wenn ich drüber nachtdenke und komme und komme auf keine wirkliche lösung.
      das bild ist, wie gesagt, von einer app gemacht. ich hab nur abgedrückt … *lach*

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  4. Darüber denke ich auch oft nach, aber wenn man nicht zu viel Unnötiges hat, denke ich, sollte man sich nicht verrückt machen. Bei manchen Läden kaufe ich ungern ein- bei Kick oder so, da denke ich auch an den Umweltschutz. Ich habe jetzt auch meinen Unwillen über die Anschaffung von Kunststoffpferden für Zw. geäußert. Ich schick Dir mal Zeichnungen von Sempé. 🙂

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  5. der letzte Satz gefällt mir ganz besonders. Wir eiern wohl alle mehr oder weniger auf diesem Karussell zwischen Broterwerb und Herzenskunst. Mir hat geholfen meine Vorurteile gg.über Geld abzubauen (schlecht, regiert die Welt, wers hat ist auch nicht glücklich, Kapitalismus etc.) und es einfach nur als andere Form der Energie zu betrachten. Die Energie die ich reingebe und zurückbekomme sollte sich die Waage halten und für mich passen…

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