Die Katzenversteherin

Alle brauchen jemanden, der sie versteht. Auch Katzen. Selbst wenn sie so schlau sind wie die Mietz. Als Hunde- und Goldhamsterübersetzerin habe ich mich schon als Kind geübt – oft genug belächelt. Damit die Normalsterblichen verstanden, was die gefederten und felltragenden Zwei- und Vierbeiner sagten, habe ich ihre Blicke, Gesten und Geräusche in Menschenworte synchronisiert. Die Tiere haben es mir gedankt.

Mietz, auch Müdetze genannt (ja, sie schläft gerne) und ihr Scheff (seien wir ehrlich, mein Liebster fungiert eher als ihr Butler) mögen sich zwar sehr, aber es gibt da immer diese kleinen Grabenkriege. Um Grenzen geht es dabei, um Dein und Mein, um Nähe und Distanz. Auf den Punkt gebracht heißt der Zankapfel (keine) Katzenhaare auf Tischen und Stühlen (sind egal).

Okay, eine Katze hat nunmal ein Fell und eine Katze haart. Dass Mandarinen ohne Kerne gezüchtet werden, heißt nicht, dass es Katzen geben muss, die nicht haaren. Nein, muss es nicht.

Wie alle (Katzen) mag auch Mietze Zärtlichkeit, ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer kann es ihr verdenken. Dass sie dabei am liebsten einem auserwählten Menschen auf den Schoß sitzt, ist naheliegend. Ich gestehe, – je nachdem, was ich trage und ob ich mit dieser Jeans noch an eine Vernissage soll – verhalte ich mich so, dass eine Landung auf meine Schoß von vornherein unmöglich ist. Dass ich mich dabei fies und mies fühle, sei zu meiner Ehre erwähnt, und darum streichle ich ihr in solchen Fällen wenigstens versöhnlich über den Kopf.

Heute Morgen hat sie es mal wieder geschafft. Ich trug Schlabberhose und Faserpelz, beides schon dicht behaart. Nach dem Frühstück, als ich noch mit einer Tasse Tee am Tisch sass und auf dem Telefon Blogkommentare schrieb, nutzte sie meine Unaufmerksamkeit auf äußere Dinge und schon saß sie am Ende ihrer Ziele, längelang auf meinem Schoß. Den Kopf beharrlich in meine Hand schiebend, auf dass die Hand sich in Bewegung setze und ihren Kopf liebkose. Was ich auch tat. Um mit der andern Hand Fotos zu knipsen.

Mietze_fBwz

Nicht mal so einfach. Irgendwann ließ ich es bleiben. Und massierte fortan hingebungsvoll und mit beiden Händen ihren kuscheligen Pelz. Beide schnurrten wir vor uns hin. Meditation pur.

Die Welt blieb stehen. Und stehen. Und stehen. Weit offener (Katzen-)Himmel. Glückseligkeit.

Wer es wohl mehr genoss? Zärtlichkeit einfordern mag wie ein egoistischer Akt erscheinen, aber Mietze hat damit auch mich beschenkt.

Und jetzt? Hat sie sich natürlich auf meinen freigewordenen Hocker gesetzt.  🙂