Gezeiten

Ich gehe. Meistens vorwärts. Manchmal rückwärts. Aufwärts. Abwärts. Und ich gehe manchmal auch im Kreis. Aber immer im Stechschritt gehe ich. Immer schnell. Einzig, als ich krank war – zwei Monate lang – da ging ich langsam. Langsam und bewusst. Weil ich nicht anders konnte. Keine Kraft für Eile. Doch jetzt, jetzt gehe ich wieder schnell.

Schließlich bin ich wieder gesund. Wie krank ist das denn?

schräge Welt

Gezeiten, dachte ich gestern beim Spazieren. Immer das eine oder andere. Eben hatte ich Flut. Die letzten zwei Wochen galt es, ein paar zeitaufwändige Aufträge für eilige Kunden (männlich) zu erledigen. Keine Zeit für Kreativität. Dafür Aufträge, die mir viel Freude gemacht haben. Inhaltlich zum einen – aber auch, weil ich weiß, dass ich gut arbeite und meine Kunden zufrieden sein werden. Das, was ich kann, können sie nicht so gut wie ich. Ich verkaufe ihnen mein Talent, mein Gespür, mein Können für Texte. Zu andern Zeiten kaufe ich bei andern das, was ich nicht gut kann. Leben ist Austausch. Ist Fließen. Nun hat mein Geschäft wieder Ebbe. Ich atme aus. Nehme mir Zeit für meinen eigenen Dinge. Für kreative Dinge. Für meine Manuskripte. Für mein Blog. Für Besuche. Für Mails.

Flut am einen Ende meines Meeres  heisst Ebbe am andern.

Advertisements

11 Kommentare zu „Gezeiten“

  1. Gezeiten. Mir gefällt das Wort hier bei Dir, Soso. Und auch: Austausch, Fließen, Ebbe.
    Zu gut erinnert mich Dein Text an meine frühere Selbständigkeit. Damals, als ich es war, schrieb man noch (ausschließlich) Selbstständigkeit. Ob das aber einen Unterschied ausgemacht hat? Sicher nicht … …

    Aber eine Mühe war’s.

    Ich wünsche Dir so sehr (!!), dass Du auch weiterhin Wege gehst .. vor- und rückwärts, bergauf, bergab … Wege, die Dir gut tun. Vor allem die!

    Herzlichst, mb

    Gefällt mir

    1. hey, liebe mb – so ein wort zum tag, frühmorgens, noch schlaftrunken zu lesen, zu soo gut. danke für die ermutigung! und ja: selbst zu stehen ist herausfordernd, in der tat. ich wünsche mir guten stand! und dir auch – auch als angestellte … 🙂

      Gefällt mir

  2. Salü,
    “ Die letzten zwei Wochen galt es, ein paar zeitaufwändige Aufträge für eilige Kunden (männlich) zu erledigen“. „männlich“? Was hat das für eine Bedeutung? Gibt es keine “ weibliche“ zeitaufwendige, eilige Kundinnen? ;-).. LG.

    Gefällt mir

    1. gute frage, matthias!
      es ist halt so, dass ich normalerweise eine beide geschlechter einschliessende sprache verwende (das heisst, ich hätte „KundInnen“ geschrieben, wenn es ein mann und eine frau gewesen wären oder „Kundinnen“ bei zwei frauen). beim durchlesen des fertigen textes bin ich über mein wort „Kunden“ gestolpert und es hat mich gestört, weil es so aussah, als ob ich immer nur die männliche form verwenden würde. darum musste ich die klammer einfügen. das habe ich eigentlich vor allem für mich getan. so wie ich ja eh vor allem für mich schreibe.
      und ja, ich hatte auch schon zeitaufwändige aufträge von frauen, natürlich. fast alle aufträge sind ja irgendwie dringend. da spielt das geschlecht kaum eine rolle …

      ich hoffe, ich konnte hiermit die verwirrung klären?

      auf wiederlesen und liebe grüsse
      sofasophia

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.