Ohne Kleider

Eine meiner Lieblingsfiguren aus der Kunstmärchen-Literatur* ist das Kind, das sich nicht scheut, die Wahrheit zu sagen. Während alle Angst davor haben, dumm dazustehen, sagt das Kind, was es sieht:
Aber der Kaiser hat ja keine Kleider an.

Ich wünsche mir wieder diesen unverstellten Blick auf und in die Welt. Und den Mut, auszusprechen, was ist.

Hier eine kleine Hommage an dieses Kind in mir, in dir, in uns, das die Wahrheit sieht: Ein Bild ohne Bild. Ein nacktes Bild.

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Appspressionismus: von A-Z auf dem iPhone kreiert (fotografiert & montiert).

* Hans Christian Andersen: Des Kaisers neue Kleider

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6 Kommentare zu „Ohne Kleider“

  1. Das eine ist, das zu sehen und zu hören, was wirklich ist, aber es auszusprechen ist nicht immer angesagt, wer will schon immer mal wieder verletzen? aber immer schweigen ist genauso wenig angesagt … seufz, da ist sie wieder die goldene Mitte … in jungen Jahren habe ich immer alles sofort ausgesprochen, das waren Fettnäpfchentänze ohne Ende, ich musste ja auch mit den Reaktionen klar kommen, so habe ich gelernt einiges für mich zu behalten …

    ein feines Bild!
    liebgrüss Ulli

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    1. ja, klar verletzen und herumpoltern müssen wir ja nicht, ich spiele mehr auf diese unverdorbene ehrlichkeit von kindern an. und eben: kindern werden solche dinge eher verziehen. – als erwachsene haben wir oft das gegenteil verinnerlicht: ja nicht sagen, was ist … zu viel und falsche rücksicht finde ich auch nicht toll. eine mitte finden – du sagst es.
      bürogrüessli 🙂

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  2. Danke liebe Soso, für diese Gedanken!
    Sie beschäftigen mich nicht selten. Wie schön es wäre, wenn wir uns auch als Erwachsene Gedanken mitteilen könnten, die, weil es uns aufrichtig um einander geht, ohne zu verletzen beim Anderen gut ankommen. Möglicherweise geht das gerade noch mit den allerliebsten, nächsten Menschen, vielleicht. Ich habe noch nicht damit aufgehört, mir das für mich zu wünschen. Lieber höre ich eine kritische Bemerkung zu mir, als festzustellen, dass alle anderen wissen, was ich nicht hören soll. Eine Gratwanderung, jedes Mal … für mich, für andere.
    Vermutlich hat Andersen genau deshalb ein wunderbares Märchen darüber geschrieben, für Erwachsene.
    Wir haben ein wunderschönes Buch seiner Märchen, allerfeinstens illustriert von Nikolaus Heidelbach … Wirklich ein Buch für Erwachsene!
    Herzlichst, mb

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    1. danke, liebe mb, für deine sensiblen ergänzungen zu meinem text.

      ich hatte auch mal eine sehr schöne illustrierung – allerdings kindergerecht – zu diesem märchen gesehen, die sehr zu den innerenen bildern, die ich hatte, passte. normalerweise mag ich keine illustrierten märchenbücher, weil sie meinen innern bildern selten entsprechen. da wäre ich also echt auf das buch von heidelbach gespannt 🙂

      ja, die falsche, liebgemeinte schonung, die du ansprichtst, hasse ich auch. besonders im künstlerischen bereich ist sie weit verbreitet. und dort kann sie sich auch ganz wunderbar tarnen hinter dem satz „kunst ist geschmackssache!“
      aber auch sonst: ich möchte lieber die wahrheit als geheuchel. wenn ich scheisse gebaut habe, ist das eben scheisse – und punkt. 😉

      danke für deine zeilen und herzlichste grüsse aus der schweiz

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