Von abgefahrenen Zügen

Leider erst gestern habe ich vom Geschichtenwettbewerb erfahren, den Fatima Vidals Verlag ausschreibt. Freund M. arbeitet bereits am Buchcover.

Als zugfahrende Frau hätte ich gewiss etwas zu erzählen gehabt. Ich denke an Pendlergeschichten à la Bänz Friedli, denke an die Zug-Anthologie Im Nachtzug nach Wien und ich denke an meine nicht wenigen Blogartikel, die ich bereits zum Zugfahren geschrieben habe.zug abgefahren Da hätte sich doch bestimmt etwas machen lassen, sinniere ich. Vielleicht hätte ich sogar mal wieder eine meiner Voller Einsatz-Geschichte schreiben können, wie ich sie früher eine Weile gesponnen habe? Oder gar ein dadaistisches Gedicht? Ich überlege vor mich hin und erzähle auch dem Liebsten vom Wettbewerb. Gib ihm ein paar Wörter und das Künstlerhirn fängt an zu arbeiten. Sofort entwickelt er vor meinen Augen und Ohren einen witzigen Plot.
Mach doch auch mit!, sage ich.
Mal schauen, sagt er.
Da wusste ich allerdings noch nicht, dass der Wettbewerb gestern Anmeldeschluss hatte.

Wettbewerben begegne ich ambivalent. Zum einen verdanke ich meine erste Veröffentlichung – und vielleicht indirekt auch alle nachfolgenden? – einem Wettbewerbspreis. Acht Jahre ist das nun her. Zum andern finde ich es immer sehr ambivalent, zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Gut, wenn ich einen Schreibauftrag bekomme, schreibe ich auch zu einem bestimmten Thema, doch da es sich dort immer um Sachartikel handelt, die mit Recherchearbeiten einhergehen, liegt der Fall anders. Das eine ist Handwerk, das andere ist Kunst. Und ja, eine gute Geschichte zu schreiben ist Kunst. Wer etwas anderes behauptet, hat noch nie eine gute Geschichte geschrieben und noch nie eine schlechte gelesen.

Die Frau im Zug also … Dass ich nicht mitmachen werde, hat diesmal nicht die Muse entschieden. Gut so, da kann ich ja wieder schreiben, was ich will …

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